31 Juli 2023

Abendrunde mit grauem Glitzer

Schon wieder so ein vertrödelter Tag, herrlich! Die gute Fatma Sonnenschein hatte nachmittags meine Wunschsocken in meiner Größe vorrätig. Und wenn man dann irgendwann beim REWE noch einer lieben Kollegin begegnet, die genau zeitgleich mit mir in Rente gegangen ist, geht der Tag auch genau so gut weiter. Kurz darauf kam auch ihre Tochter um die Ecke, die ich sofort wieder erkannte, im Gegensatz zu dem netten jungen Ex-Kollegen, bei dem ich dreimal hingucken musste, ihn aber dann doch noch erkannte. Wir überlegten kurz, ob wir eine ASB einberufen sollten, eine außerordentliche spontane Betriebsversammlung, ließen dann aber das Thema Arbeit doch lieber außen vor. Ich glaube, ich habe es schon das ein oder andere Mal erwähnt:

Arbeit wird völlig überbewertet!

Und so beließen wir es beim Smalltalk und der Verabredung zum Kaffeeklön bei meinem nächsten Spaziergang im Nachbarörtchen, wo sich die Bachstelzen gerne an Äppelschmeer laben.

.Nachdem ich zu Hause meine Einkäufe eingeräumt hatte, blökte mich mein Tourenzähler an, weil er einen bedrohlichen Tiefststand aufwies. Der Himmel war grau, Regen war angesagt, aber sowas kann mich ja nicht von der frischen Luft abhalten. Wenige Minuten später parkte ich an einer passenden Stelle am Rhein den Wagen und nehme Euch nun mal mit auf einen kleinen Rheinspaziergang.

An dieser tristen Stelle ging es los

Meinen Zauberschirm hatte ich natürlich dabei, und der ließ nur wenige Minuten leichten Nieselregens zu, so dass ich fast die ganze Zeit im Trockenen unterwegs war. Als erstes stieß ich auf ein altes "Stadion", in dem früher so manche Schlacht geschlagen wurde. Auch ich hatte hier schon auf den Zuschauerrängen gestanden, glaube mich aber noch an einen Rasenplatz erinnern zu können.

So sieht es heute hier aus

Direkt neben dem eingang ein Trafohäuschen und ein Gemäuer, dass vom Schnitt her ein wenig an eine Kapelle erinnert, von dem ich aber nicht weiß, was es beherbergt oder was früher darin untergebracht war.

Wurde es vielleicht früher als Umkleide genutzt?

Wenige Meter weiter sah man dann die hier üblichen Rheingässchen, die allesamt schmal sind und unter der Bahn durchführen.


Die ganze Rheinanlage hat schöne und hässliche Stellen, wobei die schöneren überwiegen. Klassische Beispiele diese Gegensatzes sind der schöne große Baum, auf den man zuläuft und die lange hässlichgraue Betonwand, auf die man später zurückblickt.

Hässlich
Schön
 

Da nützt es auch nichts, dass jemand "GLITZER GEGEN HASS" darauf gesprüht hat, denn jeglicher Glitzer, sofern er denn überhaupt einmal vorhanden war, ist lange im grau verwitternden Beton untergegangen. Hier könnte ein Graffiti-Wettbewerb mit guten Künstlern Wunder bewirken.

Erkannte man den Pylon unter dem Blätterzweig noch in der Ferne,

so war zehn Minuten später schon die ganze gegenüberliegende Deichanlage darunter zu erkennen.

Blick auf die andere Seite

Als ich einige Minuten später dann vor dieser Bank stand, wusste ich, ich war angekommen. Hier, wo ich gestern mit Karin Pause gemacht und sehr interessante Gespräche geführt hatte, sollte mein Wendepunkt sein, denn ich wollte mein Abendessen noch zu halbwegs christlichen Zeiten einnehmen.

Unsere Klön-Bank

Da wir gestern auch darüber gesprochen hatten, dass man natürlich öfter Federn findet, wenn man dafür sensibilisiert ist und unbewusst danach Ausschau hält, suchte ich heute einmal das Gelände rund um die Bank bewusst nach einer Feder ab. Fehlanzeige.
Auf dem Rückweg blieb dank des Zauberschirms der Regen aus und ich konzentrierte mich auch weiter darauf, irgendwo irgendeine Feder zu finden. Ihr könnte es Euch sicher schon denken: Auch Fehlanzeige. Obwohl es hier genügend Federvieh im Wasser und in der Luft gibt, war die ganze Anlage heute federfreie Zone. Hier wurde mir sozusagen der Gegenbeweis zur These geliefert.

Kurz, bevor ich das Auto erreichte, sprang mir dann dieses Schild förmlich in die Augen, das ich auch bei früheren Besuchen hier schon gesehen hatte --->

Der Thuri ist wohl der Vogel, von dem ich in den letzten Tagen diese speziellen Federn gefunden hatte. Eine ganz schwarze, eine ganz weiße und eine, die mit je einer Seite schwarz und weiß ausgestattet ist.
Das passt ja genau zu diesem seltenen Vogel, wie man auf dem Schild sehen kann.

Nun hab ich es also mit zwei seltenen Wesen zu tun, dem Thuri und dem Rindsbär, über die beide nicht viel bekannt ist. Wir werden sehen, ob sich diese Rätsel noch weiter auflösen lassen.

30 Juli 2023

Von Federn, Zufällen und Zusammenhängen

Ein richtiger fauler Sonntag war genau das, was ich heute gebraucht hatte. Zwischen zwei spannenden Fußballspielen im Fernsehen ein buntes 11-Komponenten-Ofengemüse hinzaubern und verspeisen, das war genau nach meinem Geschmack. Als sich nach der regulären Spielzeit des U19-WM-Finals eine Verlängerung anbahnte. wurde es mir im Sessel dann doch zu faul. Die Sendung wurde aufgezeichnet, also konnte ich die Pause-Taste betätigen und mich auf den Weg machen, um noch im Hellen meine Frischluftrunde zu drehen. Da in den Andernacher Rheinanlagen heute nochmal die Filmnacht tobte, fuhr ich ein paar Meter weiter in ruhigere Gefilde. An einem kleinen Hafen parkte ich ein und war schon gespannt, welche Feder mir wohl heute zufliegen würde.

Der kleine Hafen nebenan

Dass ich stattdessen direkt zu Beginn der Frau in die Arme lief, die mir vor zwei Wochen die Rindsbärfeder geschenkt hatte, überraschte mich schon nicht mehr wirklich. Wir wohnen beide nicht hier, sondern in benachbarten Orten, hatten uns aber heute Abend "zufällig" zeitgleich zu einem Spaziergang just an dieser Stelle entschieden. Manche Dinge geschehen, weil sie geschehen sollen. Schön.

Karin war schon eine paar Schritte gegangen und verlängerte ihre Runde kurzentschlossen mit mir. So hatten wir eine schöne Zeit mit Bewegung, frischer Luft und interessanten Gesprächen in sehr schöner, ruhiger Umgebung. Auch dass wir im Gespräch einige sehr ähnliche Erfahrungen ausmachen konnten, überraschte mich genau so wenig. Leider konnte mir Karin jedoch nicht mehr über meine ominöse Feder berichten. Im Gegenteil, ich konnte ihr ein wenig von meinen eigenen Recherchen über den Rindsbär berichten, von dem diese tolle magische Feder stammt. 

Auf dem Rückweg zu unseren Autos ließ ich fatalerweise eine sehr kleine weiße flauschige Feder am Wiesenrand liegen. Ich muss ja schließlich nicht alles einsammeln, was ich finde, das wäre ja fast zwanghaft. Zu Hause merkte ich dann, dass dies ein Fehler war: Die Programmierung meiner Fußball-Aufzeichnung endete nach der der ersten Hälfte der Verlängerung und der Schluss ist in keiner Mediathek zu finden. Das alles wegen einer kleinen weißen Feder, manchmal haben kleine Dinge große Auswirkungen!
Da ich mir die letzte Viertalstunde und ein potentielles Elfmeterschießen aber ansehen möchte, ohne vorher das Endergebnis zu wissen, erspare ich mir das googeln und hoffe, morgen Mittag die Wiederholung sehen zu können.

29 Juli 2023

Ein genüsslicher Dreier

Was hab ich mich heute morgen auf meine Gurken-Basilikum-Radieschen-Häppchen gefreut! Ich hab sie extra delikat vorbereitet und serviert, als der KLB meine Küche zum Samstags-Frühstücksritual betrat. Und was macht mein herzallerliebster Bruder daraus?

kurz nach dem Servieren

wenig später


Diese Beweisfotos, die er im Übrigen selbst gemacht hat, belegen eindeutig, dass ich nun endgültig die große Schlachtplatte zum Anrichten des Snacks benutzen muss, wenn ich auch nur den Hauch einer Chance haben will, auch ein kleines Häppchen abzubekommen, nachdem ich mein VfL-Porridge gefuttert habe.

Zum Glück habe ich dank des vortrefflichen Kesselheimer BIO-Hofs von Andreas Ohlig, des famosen Gertrudenhofs und meiner noch famöseren Nachbarfreunde Marghy und Goddy von allen Zutaten stets genug Frisches im Gemüsefach, mit dem ich mich bei jeden Abendbrot an diesen Snacks gütlich tun kann.
Beim anschließenden Marktgang überraschte uns Walli mit der Mitteilung, dass sie ab morgen für zwei Wochen Urlaub an der See macht. Trotz meiner heftigen Proteste, dass dies nicht mit uns abgesprochen war, ließ sie sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen, entschädigte uns aber am Ende mit einem guten Endstück vom Schinken mehr als adäquat. so dass wir ihr dann doch einen schönen Urlaub wünschen konnten. Auch Achim mit seinem Oliomobil informierte uns, dass er seinen nächsten Marktstand in Andernach um eine Woche verschrieben muss. Dafür haben wir Gelegenheit, ihn in zwei Wochen am Laacher Markttag zu besuchen. Auch mal eine schöne Idee.

Nachdem ich mit ihm über das ständige Finden von Federn und den Sinn dahinter philosophiert hatte, außerdem ein naturtrübes Mariendistelöl erstehen konnte, fand ich auf dem Rückweg zum Parkplatz - eine weiße Feder. Wie sollte es auch anders sein. Nun harren sechs Federn in einer offenen Schachtel darauf, dass die gute Fatma mir das transparente Fadengerüst für die Aufhängung im Traumfänger fachgerecht angefertigt hat, woran ich keinen Zweifel hege. Am nächsten Freitag kann ich das fertige Teil abholen, bevor auch sie wieder für ein paar tage in einen Überraschungsurlaub verschwindet. Es sei allen von Herzen gegönnt. Und die Feder des legendären Rindsbären bleibt am Cappy, weil sie die Menschen lächeln lässt.

Ebenso sahen wir eine neue Anpflanzung im Sinne der essbaren Stadtmauer, von der ich keinen blassen Schimmer habe, was sie darstellt. Welche Leckerei wird man später hier ernten können?

Neues an der essbaren Stadtmauer

Anneli, Mona, Bettina, ihr lieben Kolleginnen vom Grün-Team der Stadt, wenn ihr das hier lest, last mich nicht dumm sterben.

Dass ich anschließend einer Intuition folgend im KAUFLAND tatsächlich das glutenfreie BIO-Knäckebrot von Panifactum in der Geschmacksrichtung Crunchy Hanf im Regal vorfand, und das in Massen, war wohl eine glückliche Fügung. An den beiden anderen mir bekannten Verkaufsstellen ist genau das seit zwei Wochen ausgegangen, und niemand konnte mir dort sagen, wann es wieder verfügbar ist. Nun hab ich mich eingedeckt mit der Leckerei, die mittlerweile auch im Freundeskreis Verbreitung gefunden hat. Ein kräftiges dunkles, fast schwarzes Knäckebrot, BIO und glutenfrei, schmeckt am besten mit eingelegtem Ziegenfrischkäse bestrichen, wie mir Kumpel Mike T-Bone noch kürzlich bestätigte.

Die Reise in den Tag mit guten Menschen und Genüssen setzte sich nachmittags fort, als das liebe Ännchen mich besuchte und sich sogar zu einer kleinen Zwischenmahlzeit überreden ließ.

Genauso so ging es im dritten Teil des Tags weiter, als ich am Spätnachmittag der Einladung meiner Freunde in Koblenz folgte, die ich länger nicht mehr gesehen hatte. Es wurde ein schöner Abend mit Gaby und Franz, mit guten Gesprächen, leckerem Spießbraten, Reisnudelnsalat und zum Abschluss ein "Stückelchen" aus der Mike-Neuhaus-Geschichte als Küchenlesung, wo wie Gaby es sich gewünscht hatte.

Zum Abschied strahlte mich beim Blick vom Balkon über die Dächer der Stadt die Festung auf der anderen Rheinseite in der Abendsonne an.

Am Ende des Tags fällt mir am meisten auf, dass es ein Tag mit vielen guten Menschen war und dass dies das Allerwichtigste im Leben ist. Hach!

28 Juli 2023

Drei kleine Runden

An manchen Tagen sind es halt mal drei kleine Runden an der frischen Luft, die einem gut tun und den Bräsigkeitskoeffizienten um ein paar Grad runterschrauben. Heute war meine Devise: Hauptsache raus!

Zum Start eine kleine Runde am Rhein, bei der ich einige gute Entdeckungen machte. Rund um das Bollwerk war seit vorgestern alles abgeriegelt, stehen doch am ganzen Wochenende die Filmnächte am Rheinufer an.

Auf den Werbebannern am Absperrzaun erfreute mich die Mendiger Vulkanbrauerei mit dieser Einsicht:

Eine sehr begrüßenswerte Leidenschaft

Und nicht nur das, man hat bereits Nägel mit Köpfen gemacht und produziert mit BIOLAND-Label. Gleich 4 Sorten sauber hergestellt. Wow!

Ja, wer hätte das gedacht, dass ich alter Spritkoffer nochmal Werbung für Bier mache. Ich find's einfach gut und hoffe, dass es allen Genießern gut mundet..

Da ich meinen Zauberschirm diesmal dabei hatte, blieb es auch trocken unterwegs. Als ich auf dem Rückweg vom Alten Krahnen kurz hinter dem Biergarten dann die folgende Entdeckung machte, staunte ich nicht minder.

schwarz-weiße Feder

Grüne Reiswanze



Beides auf einen Blick

Auf der Schafgarbe hatte sich nicht nur eine grüne Reiswanze angesiedelt, sondern auch eine schwarz-weiße Feder, die ihre Farben links/rechts strikt getrennt hielt.

Natürlich war mir sofort klar, dass die sich nur für mich hier platziert hatte und steckte sie sofort ein. Die Feder, nicht die Wanze.

Wie viele seltsame Federn sollte ich denn noch finden oder besser gesagt, wie viele Federn sollten mich noch finden, denn genau so kam es mir vor. Vorgestern erst hatte eine pechschwarze Feder am Wegesrand gelegen, als ich mit meinem Kumpel Mike T-Bone am Hoche-Denkmal entlangspaziert war.

Auch in den Lüftungsschlitzen meines Autos steckten noch zwei Federn. Das musste doch irgendeinen Sinn haben, oder?

Ich machte mich anschließend auf den Weg zur Permakultur nach Eich. Ein Besuch dort tut immer gut, zumal ich im SB-Laden nicht nur die leckeren Eier, sondern auch eine Stange Lauch ergattern konnte, die mir in letzter Zeit beim Ofengemüse gefehlt hat.

Teiche mit Aquaponik

Panorama rund um den Kaufladen

Aber das schönste, was ich im Lädchen fand, war ein handgemachter nackter Dreamcatcher, dem noch das Innenleben des Rings fehlte, zur freien Gestaltung sozusagen. Seit Wochen suche ich meinen indianischen Traumfänger und finde ihn in meinem Durcheinander zu Hause nicht. Vielleicht hab ich ihn auch verschenkt und weiß es nicht mehr. Den möchte ich gerne als Mittel gegen meine seltsam bizarren Träume verwenden, zumindest mal ausprobieren, ob es hilft.

Jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Genau dafür waren die Federn zu mir gekommen! Ich werde den Ring mit diesen Federn ausstaffieren und dann schauen wir mal, was passiert. Nur die Rindsbärfeder bleibt am Cappy, für das mir Fatma vielleicht morgen einen guten Befestigungs-Clip präsentieren wird. So erwarb ich auch noch einen Traumfänger. Am Ende ergibt doch alles einen Sinn.

Nach all diesen Aktivitäten war zu Hause eine kleine Mahlzeit und dann ein schöner Power-Nap im Sessel vor dem Balkon fällig. Eine ganze Stunde tauchte ich ab, das tat gut.
Mein Tourenzähler zeigte mir anschließend immer noch einen Fehlbetrag an Schritten an, den ich noch korrigieren wollte. Beim Weg nach draußen strandete ich jedoch erstmal bei meinen lieben Freunden und Nachbarn, die sich draußen unter der überdachten Terrasse mit Sekt und Lindt-Schokokugeln auf die heutige Filmnacht einstimmten. Und obwohl Goddy mir wieder einmal ein Schnäpschen verweigerte, erfreute ich mich eine ganze Weile an dieser netten Gesprächsrunde.

Als die Freunde dann zur Filmnacht ans Rheinufer aufbrachen, setzte der Nieselregen ein. Ich entschied ich mich für eine kleine Runde im beschaulichen Namedy, mit Zauberschirm, die mir die nötige Bewegung brachte, um meinen Schrittzähler für heute zufrieden zu stellen. Und mich auch.

27 Juli 2023

Kreuzweg im Regen

Nach weiteren bräsigen Tagen kam ich heute überhaupt nicht in Schwung. Muss wohl am Wetter liegen. Oder an sonst irgendwas. An was auch immer, es ist jetzt langsam genug.

Wie gut, dass sich heute Nachmittag Kumpel Mike T-Bone von unterwegs aus der Bahn meldete und mich dazu animierte, trotz Drissregenwetter meine Frischluftrunde zu drehen. Als ich ihn an Bahnhof abholte, hatte der Regen aufgehört. Ein gutes Zeichen. Wir fuhren schnell ins Nachbarstädtchen, wo ich Anfang der Woche bereits eine ruhige Ecke erkundet hatte. Als ich dort einparkte und ausstieg, begann es natürlich wieder zu regnen. Aber so ein bisschen Gefussel macht zwei erfahrenen alten Kämpen wie uns ja nicht die Bohne aus. Wozu hat man schließlich Schirm und Kapuze? Der Regen hörte wieder auf. Nach wenigen hundert Metern den Frauenberg hinauf setzte der Regen stärker wieder ein. 

Wir ersuchten um göttliche Hilfe, indem wir uns auf den Kreuzweg begaben und diesen etwas weitläufiger erkundeten. Dort gab es einige interessante Ecken zu besichtigen, die jedoch keinen Schutz vor dem Regen boten.

Halbrund hinter verschlossener Tür Jesus und Maria

Wir stiegen noch ein wenig den Kreuzweg hinab, der sich in Serpentinen und Treppen im Hang entlang bewegt. Eine interessante Darstellung an der Mauer weiß ich nicht zu deuten, was aber bei meiner Bibel-Unbildung kein Wunder ist.

Es handelt sich wahrscheinlich um eine biblische Szene, vielleicht fällt Euch mehr dazu ein als mir.


Von dort aus nahmen wir wieder die Straßen nach oben und besuchten die Kapelle, von der wir heute bemerkten, dass sie wohl das Ende des Kreuzwegs darstellt. Sie war auch heute verschlossen, wie schon am Sonntag.

Nach einem nützlichen Hinweis meiner Cousine fand ich auf dem Rückweg auch deren Elternhaus wieder, dass ich ohne ihre Angabe der Hausnummer niemals erkannt hätte. Dabei ist es erst fünfzig Jahre her, dass ich zum letzten Mal hier zu Besuch war.

Das Denkmal für den frz. General Hoche ist auch bei grauem Mistwetter nicht zu übersehen.

Wenn man den Blick neben dem Denkmal über die Dächer des Städtchens richtet, schaut man auf den Pylon und die Seile, mit denen die dortige Rheinbrücke befestigt ist.

Am Ende unsere Runde hatten wir zwar beide ein paar Spritzer abbekommen, waren jedoch froh, dass wir unsere Bewegung an der frischen Luft hatten und den Ausflug mit Kaffee und Nussecken in meiner Küche im Trockenen abrunden konnten. Für mich wurde so aus einem miesen Tag ein akzeptabler Tag, und das ist ja schon mal was, oder?

24 Juli 2023

Besuch bei den Bergfreundinnen

Um 10:30 traten unsere Fußballfrauen bei der WM im ersten Spiel gegen Marokko.an. Dafür muss selbst ein freilaufender Rentner früh aufstehen - und es hat sich gelohnt. Bei einem knackigen Porridge und einer Tasse des schwarzen Golds von beanarella belohnten mich die Mädels mit einem klaren 6:0 Sieg. Was für ein Start in den Tag! Das Timing war überhaupt heute sehr entspannt, so dass ich mich danach mit Ruhe fertig machen konnte (ein alter Mann ist ja bekanntlich kein D-Zug), um gegen zwei Uhr nachmittags meine beiden Freundinnen auf dem größten Koblenzer Berg besuchen zu können.

Petra und Jessy begrüßten mich freudig und es war gerade die richtige Zeit für eine Klön-Siesta auf der Terrasse. Da eigentlich für den ganzen Tag Regen gemeldet war, blieb es natürlich trocken, so dass Petra die Markise völlig umsonst ein stück ausgefahren hatte. Wir hatten uns wie immer viel zu erzählen und als die gröbsten vermeintlichen Regenwolken abgezogen waren, riskierten wir die fällige Gassi-Runde mit Jessy. Klar, dass es nach wenigen Metern anfing zu regnen. Wären wir abwartend bis heut Abend sitzen geblieben, hätten wir Euch allen einen komplett regenfreien Tag beschert. Aber zum glück hielt das Gefussel nicht allzu lange an und wir konnten Jessy sehr viel Zeit lassen, unterwegs an jedem Strauch dreimal zu schnüffeln und auf der kleinen Wiese eine leckere Mahlzeit zu genießen, nach dem Motto: Gras ist mein Gemüse! Unterwegs machten wir gegenseitige Schnappschüsse, auf der nun auch die Rindsbärenfeder noch genauer zu erkennen ist.

OJ = Oldbearbone + Jessy

PJ = Petra + Jessy










Die unglaubliche Rindsbärfeder

Nach diesem schönen Nachmittag schaffte ich es, stressfrei und früh genug daheim anzukommen, um mir einen schmackigen Salat zuzubereiten und diesen beim EM-Spiel der U19-Frauen zu verkosten. Ok, es kann nicht alles klappen an solchen Tagen, die Mädels wurden von den Oranje-Meisjes mit 3:1 abserviert, stehen aber trotzdem im Halbfinale, auf das ich mich schon freue.

Gegen acht Uhr erinnerte mich mein Tourenzähler daran, dass an solchen Tagen mit viel Fernsehsessel und Terrasse eine einzige kleine Gassi-Runde jetzt nicht so viele Schritte hergibt. Also hängte ich noch den obligatorischen Rheinspaziergang hintendran, der heute Abend zwar trocken, aber enorm windig war. So windig, dass ich am Kleinen Deutschen Eck beim Strammziehen meines Cappys feststellen musste, dass es mir die Rindsbärfeder aus dem Hut geblasen hatte. Es war schon ein kurzer Schreckensmoment. Diese ganz seltene Feder, dazu noch ein Geschenk von Karin, die DURFTE ich einfach nicht verlieren. Sofort ging ich bedächtig und aufmerksam zurück, die Augen fest auf den Boden gerichtet. Kurz hinter dem Biergarten dann die Erleichterung:

Die Feder hatte am Wegrand auf mich gewartet und mich letztendlich gefunden. Pooh! Diesmal befestigte ich sie sorgsamer und nahm mir vor, beim nächsten Bügelwäschetausch die unschlagbare Fatma zu bitten, mir eine passende Befestigung ans Cappy zu basteln, aus der die Feder nicht mehr entweichen kann.
Wieder vollständig ausgerüstet, setzte ich meinen Spaziergang fort und wurde mit einer schönen Abendsonne über dem Krahnenberg belohnt. Hach!


23 Juli 2023

Kleine Gedenktour an einem bräsigen Sonntag

Wer kennt sie nicht, solche Tage? Man kommt morgens nicht aus der Liste, zu schlapp zum Aufstehen, aber auch zu unruhig, um weiter zu schlafen. So verbrachte ich den Morgen lesend und dösend im Bett, zwischendrin in ein paar bizarre Kurzträume abtauchend. Das Denken funktionierte noch nicht richtig, alles lief irgendwie neben der Spur.

Erst beim mittäglichen Frühstück fiel mir auf, dass dieser Morgen große Ähnlichkeit mit vielen Morgenerwachen aus einer anderen Zeit hatte, aus einem anderen Leben, wie es mir heute vorkommt. Eine Erinnerung an den früheren Wohnungsnachbarn, Freund und Saufkumpan, von dessen Tod ich genau heute vor einer Woche erfahren hatte. Jaa, wäre ich heute nach einem nächtlichen Zeitsprung 40 Jahre früher erwacht, dann hätte Thomas spätestens um 11 Uhr an meiner Tür geklopft. Nein, er hätte nicht geklopft, denn die Tür wäre nicht abgeschlossen gewesen. Er wäre mit einem genauso bräsigen Kopf wie dem meinen  hereinspaziert und hätte mir aus einer geöffneten Flasche Bier den ersten Frühstücksschluck angeboten.

"Ein Schluck zum Wachwerden!" hätte er gesagt und hätte sich dann schweigend auf die Couch neben meinem Bett gesetzt, bis ich mich nach dem ersten Schluck geschüttelt hätte und aufgestanden wäre. Und später hätten wir mit viel Spaß bei Siggi in der Eckkneipe am Tischkicker gestanden und uns gegenseitig die Bierchen abgejagt. So war das damals in diesem Leben.

Ich habe zwei Jahre später die Brücke in ein anderes, mein jetziges Leben, beschritten und wollte nie mehr zurück. Er hat diese Brücke damals nicht gesucht, aus welchen Gründen auch immer. Leider. Aber wenn das Rad irgendwann mal überdreht ist, die Reißleine gerissen, dann gibt es keine Brücke mehr, dann ertrinkt man langsam im zähen Sumpf, der einen nicht mehr loslässt und gegen den man mangels Kraft und Willen nicht mehr gewinnen kann. Weil ich das alles erkannte und mir dieses hoffnungslose Elend nicht länger ansehen wollte, habe ich damals den Kontakt abgebrochen und bin heute noch froh darüber, das getan zu haben.
Mit diesem Gemisch aus teilweise schönen Erinnerungen und melancholischer Traurigkeit verbrachte ich die nächsten Stunden, um mir am späten Nachmittag dann doch den Kick zur Frischluftrunde zu geben. Und diesmal führte sie mich in die Heimat meines verstorbenen Freundes. Ich drehte eine kleine Runde um die Straßen seines Elternhauses und seiner letzten Wohnadresse, die ich im Telefonbuch fand.

Ein Denkmal von Weitem
Eine Kapelle von Nahem

Thomas' Vater war viele Jahre lang mit der Aufsicht und Pflege des französischen Denkmals betraut und erfüllte seine Aufgaben stets gewissenhaft. Unweit davon hat man von einer Kapelle aus einen kleinen Ausblick über das Rheintal, dessen Türme unterschiedlicher nicht sein könnten.

Blick von der Kapelle ins Rheintal

Die Kapelle war verschlossen und bot auch, soweit ich das sehen konnte, keine Möglichkeit, eine Gedenkkerze aufzustellen. Also werde ich das in den nächsten Tagen an anderer Stelle tun. Thomas und auch Dana werden bestimmt von oben zusehen und sich darüber freuen.

Das Denkmal selbst ist einem französischen General gewidmet und entsprechend imposant gestaltet. Es beeindruckt mich immer wieder, trotz seines schlichten Designs.

Bis 1994 wurde die Anlage von französischen Veteranen gepflegt.

Obwohl es nicht auf dem höchsten Punkt des Geländes errichtet wurde, thront es ein wenig über dem Städtchen. Auf der Rückseite befindet sich der Eingang zu einer Gruft, einer Grabkammer. Wer heute die Aufsicht darüber führt, weiß ich gar nicht, ist mir aber auch egal. Ich sehe Thomas vor mir, wenn er von seinem Vater besucht wurde und hinterher stets ein paar Mark mehr im Portemonnaie hatte. 

Dann war wieder das ein oder andere Bierchen fällig. Und wir hatten viele solche vergnügter Abende. Damals, im anderen Leben.


Ganz zum Schluss fiel mir ein kleiner Seitenausgang auf, an den ich mich gar nicht mehr erinnern konnte. Hier führt ein idyllischer Pfad entlang, der auch mit einem Kreuzweg versehen ist, zumindest mit Teilen davon.

Nach all diesen Schritten, Ansichten und Gedanken streift ich noch kurz durch eine benachbarte Straße, in der ich nach meiner Kindheitserinnerung ab und an meine Cousinen besucht hatte, wenn wir mit unseren Eltern dort zu Besuch waren. Aber obwohl die Straße nur sehr kurz ist, fand ich kein Haus, an das ich mich irgendwie hätte erinnern können. Ich werde wohl besser die Cousinen nochmal fragen, wo genau das gewesen ist. Damals, vor 60 Jahren.

22 Juli 2023

Zeit zum Entspannen und Gedenken

Eine (wiederholte) Erkenntnis des Morgens war: Unser samstägliches Frühstücks- und Marktgangsritual tut uns so gut, dass wir heute einmal mehr bekräftigten, dies unbedingt beizubehalten. Auch wenn ich dem Kleinen manchmal noch Manieren beibringen muss. Heute Morgen futterte er bspw. den Teller mit den Gurken-Basilikum-Radieschen-Snacks komplett leer, ließ mir nicht einen Happen übrig. Aber ich muss gestehen, zum Ausgleich schnappte ich ihm auf dem Markt die letzte halbe Salami mit Rinderfenchel weg. Tja, so ist das Leben. Solange wir beide keine anderen Probleme miteinander haben, bin ich glücklich und zufrieden, dass ich den Kleinen hab. 

Die anschließende Erledigungsrunde uferte bei der guten Fatma in einen philosphischen Diskurs aus - und das war hochinteressant. Ich wollte eigentlich nur meine Bügelwäsche abholen und ihr Sonnenscheinlächeln genießen, so wie wie immer, und just sprach sie mich auf meine Feder an. Das die von einem Rindsbär stammt, erstaunte und wunderte sie sehr, und so erklärte ich ihr kurz die Hintergründe und sagte ihr auch, dass Kirill dies gestern ebenso bestätigt hatte, dass die Rindsbären also wohl auch in der Ukraine bekannt sind. In der Türkei gebe es sowas nicht, meinte sie, aber dafür Wollschweine. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie interessant (und wie lustig) unser folgendes Gespräch war.

Damit Ihr alle seht, dass ich keine Unfug erzähle, zeige ich Euch zum Einen ein etwas besseres Foto als gestern, dass meine liebe Nachbarin und Freundin Marghy anschließend von mir gemacht hat und zum Anderen ein Internetangebot, wo man sogar einen Rindsbär kaufen kann.

Oldbearbone mit der Rindsbärfeder

rechts oben im Text zu sehen

Nach einem guten Nachmittagsschläfchen zauberte ich einen großen Rucolasalat mediterran, nur echt mit dem Kesselheimer Rucola von Andreas Ohlig, und genoss als Beilage einen gebratenen Räuchertofu. Irgendwann blickte ich mit Schrecken auf meinen Tourenzähler, der mir sagte, dass ich heute einen sehr faulen Tag mit wenigen Schritten hingelegt hatte. Stimmt! Außerdem war mir beim Anmachen des Salats bewusst geworden, dass ich den Rest an Paprika verbraucht hatte und weder Kürbis- noch Sonnenblumenkerne im Schrank zu finden waren. Daher kombinierte ich meinen Abendspaziergang mit einem kleinen Einkauf auf der Strecke, die mich heute zu einem lange nicht mehr besuchten magischen Ort führte. Anhand der Bilder werden die meisten sofort erkennen, wo ich gewesen bin.

Hier ist Buddha zuhause

Die markante Ruine mit der interessanten Geschichte

Weit geht der Blick

Nachdem ich ein paar Schritte gelaufen war, kam ich zum eigentlichen Ziel meiner heutigen Reise.

Gegen acht Uhr abends saß ich an meiner Trauerweide und dachte an meinen amerikanischen Verwandten, dessen Beisetzung genau dann begann, um 11 Uhr Ortszeit in Oregon. 

An diesem absolut ruhigen und kraftgebenden Ort gelingt es mir schnell, ganz vom Alltagsgeschehen loszulassen und meine Gedanken auf die andere Seite des Atlantiks zu richten, wo Sabrina gerade ihren Vater zu Grabe trug. Es gab mir ein wenig das Gefühl, dabei zu sein.


Der ganze Kreis, hier im Panoramafoto, ist für mich immer etwas Besonderes. Und so schaute ich mir den ganzen Rund an, in der Mitte die markante Birke. Wenn ich sie lange betrachte, bekomme ich das Gefühl, sie kommuniziert mit mir. Bei jedem kleine Windstoß wirken ihre Äste und Blätter wie sich bewegende Arme, die einem etwas zeigen wollen. Das lässt sich nicht mit Wort und Bild wiedergeben, dass muss man erlebt haben. Und bevor die Frage auftaucht: Nein, ich habe nichts geraucht.

Nebenan wird immer noch heftig ausgebaggert, und so sieht unser Platz, an dem wir vor fast genau drei Jahren einer Lesung lauschten,

heute so aus:

Ich finde, vorher war's schöner. Trotzdem hatte ich am Ende des Tages meinen inneren Frieden gefunden. Und nun freue ich mich auf den morgigen gänzlich unverplanten Sonntag. Hach.

21 Juli 2023

Von Zauberschirmen und Rindsbären

Vorsorglich hatte ich heute morgen neben meinem obligatorischen Zauberschirm auch eine wasserabweisende Jacke mitgenommen, als ich zur routinemäßigen CI-Kontrolle nach Koblenz fuhr. Um kurz vor elf Uhr verließ ich am dortigen Besucherparkplatz mein Auto. Da entgegen der Ankündigungen bisher kein Tropfen gefallen war, vertraute ich meiner Intuition und ließ Schirm und Jacke im Auto. In spätestens zwei Stunden würde ich wieder im Auto sitzen und bis dahin bleibt es trocken, beschloss ich in spontanem Übermut.

Meine Testergebnisse zeigten weiterhin kleine, aber kontinuierliche Verbesserungen im Hörverständnis an, für die Nachjustierung des Implantats fanden wir gemeinsam eine konstruktive Lösung und die Hörtherapie war wieder einmal sehr interessant und wohltuend. Lediglich der ärztliche Kurzblick ins Ohr ließ dann sehr lange auf sich warten. Als ich mich nach dreieinhalb Stunden dann vom Arzt verabschieden konnte, entließ der mich mit den Worten: "Ich hoffe, sie haben es nicht weit bis zum Auto!". Denn drauße sah es so aus:

Auf dem Bild nur schwer zu erkennen: Es regnete in Strömen. Ich wartete mit anderen Nichtbeschirmten Besuchern fünf Minuten unter dem Vordach, dann wurde mir klar, dass weiteres Warten nur dazu führt, dass es weiter regnen wird. Also demontierte ich meine beiden nicht wasserdichten Kunstohren und machte mich auf den Weg zum Auto. Zwei Minuten reichten aus, um mich ziemlich zu durchnässen. Dass der Regen weniger wurde, sobald ich im Auto saß und ganz aufhörte, als ich zu Hause einparkte, versteht sich von selbst. Murphy lässt grüßen - und er bestraft jeden Fehler.

Nach kleinen Erledigungen einer Zwischenmahlzeit spürte ich deutlich, dass der Wetterumschwung mich müde macht und gönnte mir ein Stündchen Augenpflege im bequemen Sessel, bevor ich ab halb sechs unsere U19-Mädels bei der EM in Belgien anfeuerte. Mit Erfolg, der zweite Sieg im zweiten Spiel und noch kein Gegentor - das kann sich sehen lassen.

Ehe ich mich versah, war es kurz vor acht und ich machte mich auf zum Bollwerk, um wenigstens meine obligatorische Runde am Rhein zu drehen. Die Temperaturen hatten abgekühlt, so dass ich die Jacke drüberzog, mein VfL-Cappy aufsetzte und den Zauberschirm mitnahm. Der Schirm funktionierte, wie immer, es blieb trocken. Aber zum Cappy gibt es eine besondere Geschichte:

In letzter Zeit hatte ich ab und an eine Feder gefunden, die von irgendeiner Ente, Gans oder einem Vogel irgendwo für mich abgelegt wurde. Stets hab ich sie mitgenommen und die im Auto oder zu Hause an Stellen drapiert, wo ich sie oft sehe. Die letzte Feder jedoch hatte ich an mein Cappy gesteckt und oft  mit zu Spazieren ausgeführt. Bis ich sie vor etwa drei Wochen wohl irgendwo verloren hab. An unserem letzten Kursabend bei der VHS erwähnte ich das und unsere Mitschreiberin Karin glaubte, eine zumindest ähnliche Feder gefunden zu haben. Am vergangenen Montag nach  der Feier bei unserer Dozentin Gabriele Keiser bot sie mir sogar zwei Exemplare an. Bei genauerem Hinsehen waren das beide nicht die Feder, die ich verloren hatte, aber ich freute mich sehr über diese freundliche Angebot und suchte mir die Feder aus, die irgendwie besonders aussah. 

Seitdem trage ich sie die ganze Woche am Cappy und bemerke viele Blicke anderer Menschen, denen ich begegne, erstaunte, erfreute, lächelnde, freundliche Blicke. So auch heute Mittag beim CI-Check im Krankenhaus in Koblenz. Daher nutzte ich die lange dortige Wartezeit und suchte mit dem Handy Informationen im Internet. Es lässt sich (noch) nicht mit hundertprozentige Sicherheit sagen, aber es sieht so aus, als habe ich tatsächlich die Feder eines Rindsbären bekommen. Erstaunt? Ja, genau wie die Blicke der Passanten. Von wegen "Sowas gibt's doch gar nicht!". Natürlich gibt es die. es gibt ja schließlich auch die Salami mit dem Rinderfenchel, die ich hoffentlich morgen wieder bei der guten Walli auf dem Wochenmarkt kaufen kann. Da ich seit einiger Zeit nach einer wohltuenden Ernährungsumstellung weitestgehend auf Schweinefleisch und Geflügel verzichte, beschränkt sich mein kleiner Fleischkonsum tatsächlich überwiegend auf Rindfleisch. Passend dazu bekommt also der alte Bärenknochen eine Rindsbärenfeder  geschenkt, ist doch klasse, oder?

So trug ich also auch heute Abend meine Rindsbärenfeder am Rhein spazieren. Die Abendsonne versuchte sich gerade zwischen zwei dunklen Regenwolken einen schmalen Schlitz zu erobern.

Etwa in Höhe des Alten Krahnens sprach mich dann ein freundlicher junger Mann an. Obwohl ich ihm als aktiver Nichtraucher kein Feuer geben konnte, kam er meiner Bitte nach, mich mit Cappy und Rindsbärenfeder zu fotografieren. Ok, an seinen Fotografierkünsten muss er noch ein wenig arbeiten, aber ich fand es einfach toll, dass er  mir half.

Da guckt sie raus, die Feder
Kirill (links) und ich (rechts)

Dabei kamen wir ein wenig ins Gespräch, in dem sich herausstellte, dass er aus der Ukraine kommt und bisher nur ein paar Worte Deutsch versteht.

Trotzdem erzählte ich ihm die Geschichte der Feder und meine Vermutung ihrer Herkunft.  Und siehe da: Er schaute zuerst ein wenig verständnislos, aber am Ende lächelte er wissen und nickte. Also ist es wahrscheinlich die Feder eines ukrainischen Rindsbären. Wie auch immer, die ist bei dem alten Bärenknochen und seiner Rinderfenchelsalami gut aufgehoben. Danke, Kirill!