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07 Mai 2025

Wie Treibgut im Fluss - der Geschichte

Wieder einmal hat mich ein guter Roman sehr berührt und mit auf die Reise genommen.

Ein Roman über Hunsrücker Auswanderer, dessen Handlungsstränge sich von 1741 bis in die heutige Zeit ziehen. Ein sehr ehrlicher Erzähler in der Jetztzeit hat die Geschichte seiner Vorfahren recherchiert und überall spürt man, wie sich Geschichte wiederholt, wie Uraltes plötzlich ganz aktuell ist.

Das Leben in damaligen Zeiten ist so geschildert, dass es beim Lesen "normal" wirkt, jedenfalls erging es mir so, wenn auch einige Dinge damals anders waren, teilweise schräg anders. Dass katholische Kinder nicht mit protestantischen spielen dürfen, ist in der heutigen Zeit undenkbar, damals war es so.
Der protestantische Glaube, die Abkehr von Rom, war der Grund für die geplante Auswanderung einiger armer Hunsrücker ins gelobte Land, nach Pennsylvanien sollte es gehen.

Was daraus wurde und wie es weiterging, empfehle ich jedem, selbst zu lesen. Das Buch gibt's bei der einzigartigen Ankerbuchhandlung in Andernach, der Buchhandlung meines Vertrauens. Von Nicole Anker, der Inhaberin, hatte ich auch (wieder einmal) diese gute Empfehlung bekommen.


14 September 2024

Ein Tag unter einem guten Mond

Wenn ein Tag mit lecker Porridge und dem Marktbesuch bei Walli beginnt, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Eigentlich, aber dazu später. In der Schlange vor Wallis Gemüsebus sah ich eine hübsche, blonde, mittelalte Frau, die mir zulächelte. Nein, keine Halluzination und ich war auch noch nüchtern. Was für ein Glück, dass ich Kerstin im letzten Moment doch noch erkannte. Pooh! Sie hatte die Erklärung auch sofort auf den Lippen: "Es liegt bestimmt an der Brille!" Ja natürlich woran sonst. Optisch hat sie sich seit 30 Jahren nicht verändert. Grad nochmal Glück gehabt.

Apropos Glück. Nachdem sich Kerstin verabschiedet hatte, beglückte mich die gute Walli mit zwei fertig eingepackten Rindersteaks von gewohnt guter Qualität. Auch der gute Räucherschinken war noch zu kriegen und die vier Mini-Chilis sprangen ebenfalls in meine Tüte. Wie gut, dass wir nach kurzem Feilschen wieder mal eine schnelle Einigung über den Preis aushandeln konnten.

Nach verschiedenen Erledigungen  wurde es ganz schnell drei Uhr und ich komme zu dem Teil mit dem "Eigentlich": Wie sich beim Abpfiff des Spiels herausstellte, möchte ich an EIGENTLICH an diesem Wochenende nicht über Fußball sprechen. Aus.

Der leckere Rucola-Petersilie-Endivie-Oliven-Paprika-Ziegenfeta-Salat, gewürzt mit Estragon, Salz, Pfeffer und Kräutern der Provence, getoppt vom Nachtkerzenöl-Limettensaft-Sahne-Senf-Ahornsirup-Dressing und verfeinert mit dem Salatkernemix und dem geriebenen Parmesan, begleitet von getoastetem Focaccia con Rosmarinoi, dieser Leckerbissen tröstete mich nach dem Spiel über die schmerzli... - HALT STOP - Ich werde nicht über Fußball sprechen!

Ich machte mich auf zum Rhein, um noch ein paar Schritte auf den Tourenzähler zu bringen und klingelte unterwegs kurz bei Marlies, um ihr ein Buch vorbeizubringen, dass sie interessierte.  Aus dem "Wie schön, komm doch kurz rein!" wurde eine wirklich schöne und interessante Klönstunde, zu deren Abschluss ich ihr die Kurzgeschichte über meinen Uronkel als kleine Wohnzimmerlesung vortrug. Auf dem Weg zur Tür schellte es unerwartet und es stand ein Spontanbesucher in der Tür, den ich ebenfalls seit etwa 50 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Mein Schulkamerad Werner. Da ich von Marlies wusste, dass die beiden noch Kontakt haben, ergab sich die einzigartige Situation, dass ich mal jemand als Erster erkenne und der/die Gegenüber überlegen muss und nur mit Tipps darauf kommt, wer ich bin. Das kenn ich eigentlich nur umgekehrt. Wir freuten uns beide sehr über das unverhoffte Wiedersehen und verabschiedeten uns schnell wieder mit dem beidseitigen Wunsch, den aufgenommenen Kontakt wieder fortzusetzen.

Aber ich musste nun schnell zum Rhein, bevor ich im völlig Dunkeln da rumtappe. Gesagt, getan, vom Bollwerk aus spazierte ich meine gewohnte Auf-die-Schnelle-Runde in Richtung Alter Krahnen. Vor dem Kleinen Deutschen Eck empfing mich der unterarm- und angellose Angler heute mit einemr Art Heiligenschein, während die untergehende Sonne den Himmel über dem Rhein in ein rotes Licht tauchte.

Der Mond ging bereits über den Dächern der Stadt auf und verfing sich in den Tauen des Segekmasts, während die Skylounge des Einsteins gut besucht und beleuchtet war.












Auf dem Rückweg vom Alten Krahnen war es dann ganz schnell dunkel geworden. Unser Trabant erhob sich mit Riesenschritten dem Zenit entgegen.

Simones Engel gelang es jedoch, den Dreiviertelmond mit seinen Flügeln festzuhalten und wieder ein wenig nach unten zu ziehen. So hatte es der Engel bereits oft gemacht, sogar mit der Sonne, wenn sie hinter den nächsten Wolken untertauchen wollte. Ein guter Engel.
Im Schein der Laternen erreichte ich mein Auto auf dem Parkplatz am Bollwerk und mein Tourenzähler klatschte Beifall, als ich das Tageslimit überschritten hatte.

Da ich bei einer ebenfalls sehr erfreulichen Begegnung während des heutigen Einkaufs eine Verabredung für den sonntäglichen Spaziergang treffen durfte und dabei aus sicherer Quelle erfuhr, dass das Wetter nächste Woche wieder sommerlich werden soll, freue ich mich auf die nächsten Tage und beschließe den Tag der Begegnungen mit einem wohlig müden Lächeln im Gesicht.

29 August 2024

Von Elisa Botanica zum Katzengold

Heute Morgen war kein Morgen wie jeder Andere. Ich ließ alle Rentner-Ausschlaf-Gesetze außer Acht und stand auf, als ich wach und fit war.

Und was sah ich, als ich auf dem Frühstücks-Balkon des Hotels ankam:
Gähnende Leere.
Meine Reisebegleiterin arbeitete wohl fleißig daran, den Beinamen Schlafmütze zu bekommen. Unglaublich!

Wieder einmal musste ich sie aus dem Tiefschlaf reißen, denn offensichtlich bekennt sie sich jetzt plötzlich zu den RAGs.

Wir blieben jedoch unserem Grundsatz treu und genossen ein langes, leckeres Frühstück, dass uns von Silvia und Alav, den beiden lieben Hotelfrauen, angerichtet wurde.

Anschließend bedurfte es nur einer kurzen Pause auf den Hotelzimmern, bevor wir uns auf den Nommensen-Weg machten.

Klar, der Besuch auf der Elisenhöhe MUSS sein, wenn man schon mal an der Wupper ist. Wir erfreuten uns beide an der Viertelstunde Fußweg durch den Waldhang, die Temperaturen waren angenehm, die Luft war frisch und gut zwischen all dem Grün.

Als ich Gaby dann durch den Botanischen Garten führte, war sie genauso angetan wie ich es immer hier oben bin. Die florale Vielfalt ist einfach toll. Vom umwachsenen Baum bis zu unserer Pause am Libellenteich gefiel uns schon der Start genauso wie der schön angelegte Heilpflanzen- Garten.

Los Latschos Libellos Maritimos

Pflanzen mit seltsamen Bezeichnungen tauchten überall auf, die beiden folgenden Exemplare seien nur beispielhaft genannt.

Die Scheinkamelie
Der Erdrauch
















Zwischendrin solche Kleinode wie dieser kleine grün zugewachsene Teich.

Als wir vom Botanischen Garten in den Haardt-Park spazierten, bot sich uns eine solche bunte Pracht, dass wir staunend auf einer schattigen Bank Platz nahmen und einen ganze Weile einfach nur die Schönheit und die entspannte Atmosphäre genossen.

Mit einem letzten Blick auf den Turm machten wir uns auf den Weg zurück und wunderten uns darüber, wie viel Zeit bei unserem kleine Ausflug bereits vergangen war.

Bergab ließ sich der Nommensen-Weg noch einfacher gehen als bergauf, und unterwegs hatten sich Joel, Dilan, Theodora und Antonio vor dem Bolzplatz mit Basketballkörben auf der Straße verewigt.

Und Nazis werden auch gestoppt!

Das Mittagessen war bereits überfällig. Nach einigen guten Tipps vom Hotelchef Frank machten wir uns wieder auf den Weg und schwebten ins Luisenviertel. 

Da wir ich zu dämlich war, den Italiener zu finden, den Frank uns sogar auf dem Stadtplan eingezeichnet hatte, freuten wir uns, als wir vor dem Katzengold schon wieder einen der seltenen freien Plätze fanden.

Wir wurden auf der umfangreichen Tageskarte fündig. Sowohl das Schweine-Scharmützel als auch der Seelachs mit Feigen und Linsen waren ein rechter Genuss. 
Die Rhabarber-Schorle, die Holunder-Bionade und der anschließende Espresso Macchiato mundeten ebenfall sehr. 

Und wo findet man sonst ein Gasthaus mit solch lieben Aufklebern an dem Türrahmen und so schöner Bemalung auf den Klopapierspendern der Toilette?

Ok, die Kenntnis von der Zahl aller Zahlen, der 42, hat sich auch noch nicht bis an die Wupper verbreitet. Aber ich gebe den jungen Künstlern noch Zeit zum Üben. 263, tzz tzzz ...

Und wieder war es unglaublich, wie schnell die Zeit rast, wenn es am Schönsten ist. Auf dem Weg zur Schwebebahn besuchten wir noch den schönen glücksBUCHladen von Kerstin Hardenburg, die mir zum wiederholten Mal berichtete, wie gerne unsere letzen Kurzgeschichtensammlungen mitgenommen wurden, die wir bereits mehrfach bei ihr auslegen durften. Zwei Stück hatte ich noch im Rucksack, die ich ihr gerne aushändigte. Natürlich wurde ich auch fündig und erwarb mit "Klara und die Sonne" einen vielversprechenden Roman mit einem sehr aktuellen Thema.

Als wir danach wieder zurück ins Hotel schwebten, waren unsere Schrittzähler wieder im fünfstelligen Bereich angelangt und wir ließen den Abend dementsprechend sehr ruhig und schön  auf dem Balkon ausklingen.

Nicht vergessen möchte ich den BO, der uns auf dem Weg vom und zum Hotel stets die gleiche tolle Botschaft vermittelt. Und ebensowenig möchte ich das gestrige Foto vom Tippen-Tappen-Tönchen unter den Tisch fallen lassen, das einfach zu Wuppertal gehört.

Die Treppe aller Treppen
Live Young Die Old






09 Januar 2024

Kurz bevor es dunkel wird

Wenn man, wie ich, die Vorteile des Rentnerdaseins ausnutzt und lange ausschläft und gemütlich spätstückt, dann muss man sich echt sputen, wenn man der Berufsbezeichnung freilaufender Rentner noch gerecht werden will, bevor es dunkel wird. Ja, die Tage sind schon länger geworden. Gefühlte 6 Minuten. Ich hab es jedenfalls noch gut auf die Kette gekriegt, nach dem Einkaufen eine schöne Runde im Hellen zu drehen.

Dieses Superwetter musste ich einfach ausnutzen, um ganz in der Nähe ein Stündchen im Grünen zu spazieren. Die ersten Minuten war ich froh, mein Cappy anzuhaben, denn ich lief direkt in die Sonne hinein. An einem Baum dann der erste Schnappschuss.

Ein paar Minuten später dann ein Blick zur Rechten.

Zur Linken erblickte ich dann einige Salzsäulen, die erstarrt in der Gegend rumstanden. Man musste schon ganz genau hinsehen, um kleine Bewegungen zu erkennen. Gott sei Dank, sie waren noch nicht erfroren.

Ein kleines Rind dauerte mich, so verloren und hilflos, wie es in der Kälte rumstand. Im offenen Stall schien es auch nicht wärmer zu sein, so dass es vielleicht hoffte, in der Sonne aufzutauen.

Von weiter oben hatte man einen schönen weiten Rückblick auf große Teile des Beckens und die andere (falsche) Rheinseite.

Als ich nach einer halben Stunde kehrt machte, warf die Sonne bereits ihre Schatten bis in die Bäume zur Linken.


Mein eigener Schatten wurde immer länger.

Um diese Zeit geht es dann sehr schnell und so freute ich mich, nun auf dem abschüssigen Rückweg zu sein, wo es doch etwas schneller geht als bergauf.

Auch der Blick zum höhergelegenen Plateau zeigte ebenfalls, dass sich die Schattengrenze bereits bis dorthin vorgeschoben hatte.




Dann zog eine lange dunkle Wolkenlinie am Horizont auf und ließ die Sonne hinter dem nächsten Kamm kurzfristig untergehen.

Als ich wieder am Gehege ankam, starrte mich ein Tier in einer solch starren Haltung an, dass ich unweigerlich an die guten alten Beat Farmers denken musste.

Unser Wetter war heute natürlich viel freundlicher als bei der Suche nach dem Glücklichsein. Oder?


Zwei Bäume am Wegrand boten sich an für ein schönes, einfaches Bild. Ich finde, vor dem Hintergrund sehen sie richtig gut aus. Mein Freund der Baum ist dürr, aber er lebt noch.

Dann kamen mir auch noch ein Paar mit Kinderwagen entgegen, das sich offenbar jetzt erst auf wen Weg machte, um frische Luft zu schnappen. Mutig, um die Zeit.

Ganz zum Schluss dann noch der Blick auf die freilaufenden Hühner mit den glücklichen Eiern - oder umgekehrt.

Als ich wieder am Auto ankam, fühlte ich mich gut, als sei ich von frischer Luft und Bewegung mit Energie durchgeblasen wurden. 

Zu Hause angekommen, las ich dann eine Nachricht auf dem Handy ("Kommst du noch?) und musste feststellen, dass ich heute vor lauter frischer Luft und Sonne und blauem Himmel meinen geliebten Physio-Termin verpeilt hatte. Das gibt der Redewendung "Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Füßen" noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Sei's drum, nächste Woche geht es weiter.

Ein tolles Buch


Noch etwas zum Thema Lesen. Da ich seit etwas einer Woche im Auto das tolle Hörbuch von Andi Rogenhagens "Heldensommer" zu hören versuche, aufgrund meiner Hörproblematik jedoch die ersten drei Abschnitte schon mehrfach gehört und etwa 2/3 verstanden habe, steht mein Entschluss fest: 

Ich  werde heute beginnen, dieses tolle Buch zum zweiten Mal zu lesen und hoffe, im Auto von nun an noch mehr zu verstehen. Gehörtraining der besonderen Art.

19 Oktober 2023

Vom Lesen und Schreiben in der Grauzone

Das Leben geht auch mit dem Grauschleier auf der Seele weiter. Ich versuche, das Beste daraus zu machen. Dazu gehört beispielsweise das Lesen.

Mit meinem aktuellen Taschenbuch hatte ich wirklich einen Glücksgriff gemacht. Der 15-jährige Freak, den alle nur Krüger nennen, lässt uns an seinem Leben teilhaben. Kein wirklich glückliches Leben, seit ihm DAS passiert ist. Was, das ist sein Geheimnis, das er mit niemandem teilen darf. Er versucht immer, sich irgendwie zu arrangieren, möglichst ohne jemandem aufzufallen. Und er schreibt Geschichten, was ja so ziemlich das Peinlichste ist, was ein Junge in dem Alter tun kann. Die Anzahl seiner Freunde ist überschaubar, vorsichtig ausgedrückt. Bis, ja bis ...

Alles Andere müsst Ihr selbst in dem Roman lesen. Mich hat die Geschichte sehr berührt.

Zum Lichten des Grauschleiers trägt nun seit ein paar Tagen auch wieder das Schreiben bei. Inspiriert durch Dagmars tolle Geschichte in unserem Schreibkurs, habe ich tatsächlich vorsichtig begonnen, wieder etwas zu schreiben. Es fällt mir in der aktuellen mentalen Verfassung nicht leicht, aber ich spüre, dass es mir ein wenig gut tut. Bisher ist das alles auch nicht gut, was ich geschrieben habe, soviel merke ich mittlerweile selbst. Daher besteht jeder Versuch des Weiterschreibens zuerst einmal aus Korrekturlesen des bisherigen, bevor ich wieder ein paar neue Sätze dranhänge. Es sind bis jetzt auch nur vier lausige Seiten geworden, aber es ist ein Anfang. Ein brauchbarer Anfang.

Nachdem der heutige Nachmittagsregen aufgehört hatte, reichte es dann noch für eine kleine Frischluftrunde am Rhein. Genau dort, wo ich vor einigen Wochen das seltsame Schild mit dem umgedrehten Anker und der Zahl 30 gesehen hatte, lag heute die Chemgas 22 vor Anker.

Beatrix, Frank und Christel hatten mich über die Bedeutung des Schilds aufgeklärt und ich rätselte so darüber nach, ob das wirklich 30 Meter Abstand vom Ufer waren. Ich denke schon, oder?

05 April 2022

Ein grauer Tag

Wenn es eine passende Bezeichnung für das heutige Gefühl gibt, dass ist das "ein grauer Tag". Ein Tag zum laaaange Ausschlafen, mittags gemütlich in der geheizten Küche frühstücken und dabei möglichst selten durchs fenster nach draußen sehen, sonst verfärbt dieser Tag auch die Seele mit seinen Grautönen.
Passend dazu ein anhaltender feiner Nieselregen und Temperaturen, die weder warm noch richtig kalt sind, halt auch ungemütlich grau.

Trotzdem fasste ich mir am Nachmittag ein Herz und machte mich auf den Weg ins Städtchen. Ursula hatte mich eingeladen, heute Nachmittag doch mal auf einen Kaffee in ihrem schnuckeligen kleinen Antiquariat vorbei zu kommen. Ich hatte sowieso noch Erledigungen zu machen, das passte für eine kleine Stadtrunde. Auf dieser Runde sah ich eine graue Hochstraße und graue Bäckerjungen

auf einem grauen Markplatz


Als ich dann zum Kleinen Antiquariat Jona kam, bekam der Tag endlich mehr Farbe.
Während Ursula uns eine Kaffee einschenkte,


stieg ich ein paar Stufen die Treppe hoch und blickte von oben in Richtung des Eingangs.


Es ist einfach ein tolles Ambiente hier, zwischen all den Büchern unterschiedlichster Art auf engstem Raum. Auch der Blick von der Treppe in die obere Etage zeigt: Hier sieht es genauso gemütlich aus.
Auch hier eine kleine Leseecke, in die man sich mit ein paar Büchern verkrümeln kann.

Unsere anschließende Unterhaltung bei Kaffee und Nussecken wurde ab und an durch eine Besucherin unterbrochen. Heute war anscheinend Frauentag angesagt. Die neue Website, des Antiquariats die Corinna gestaltet hat, ist ausgesprochen bunt und gefällt mir gut. Solltet Ihr Euch ansehen:

Kleines Antiquariat Jona

Mittels der Diktier-App auf dem Handy klappte das mit der Kommunikation leidlich gut, vom kleinen Hobbit über Dostojewskis Dämonen schweiften unsere Themen bis zu den vermeintlich "Zufällen", die so unwahrscheinlich sind, dass es eigentlich keine reinen Zufälle sein können. Also, es war kurzweilig und der Gesprächsbogen war bunt. So mit Farbe angereichert, konnte ich auf dem Heimweg auch noch den Getränkemarkt mitnehmen, ohne dass er mir grau vorkam. Alles in allem ein grau-bunter Tag.


15 April 2021

Diskussionen mit Querdenkern

Meine bisherigen Diskussionen mit Querdenkern waren nicht sehr ergiebig, man könnte sie eigentlich allesamt unter dem Hashtag #brotlosekünste ablegen. Und heute bin ich beim Googlen endlich auf die alte Kurzgeschichte gestoßen, die mir komischerweise jedes Mal einfällt, wenn ich es mit einem Exemplar der Pandemieleugner zu tun habe.
In dem Buch „Drehn Sie sich um, Frau Lot“ (Ausgabe 1978, Ullstein:Wien) von Ephraim Kishon, einem großartigen israelischen Schriftsteller, gibt es ab Seite 99 eine tolle zweiteilige Geschichte, die mich schon als jugendlicher Leser zum Lachen gebracht hat. Ich habe sie heute in einem alten blogbericht wiedergefunden und möchte diese tolle Kurzgeschichte hier verbreiten. Vor allem der zweite Teil beschreibt am Ende, wie es mir in solchen Diskussionen nach kurzer Zeit geht und macht verständlich, wieso ich sie in letzter Zeit zu vermeiden suche.
Und ich verzeihe dem Autor auch, dass er dem Unbelehrbaren in dieser Geschichte ausgerechnet meinen Vornamen gegeben hat.

Aus absolut sicherer Quelle

Eine der künstlichen, von Menschenhand erzeugten Zores (=Sorgen), unter denen wir am meisten zu leiden haben, ist das Gerücht. Möglicherweise wurde es sogar von den Juden erfunden; unsere Geschichte liefert manche Anhaltspunkte für diese Vermutung.

Das Gerüchteverbreiten ist eine ebenso einfache wie ergiebige Tätigkeit: man denkt sich irgend etwas Erschreckendes aus und erschrickt dann selbst davor. Schon unsere Weisen wussten, dass die Menschen leichter glauben, was sie hören, als was sie sehen. Besonders gerne glauben sie etwas Nachteiliges über ihre Mitmenschen.

Zum Beispiel saß eines Nachmittags mein Freund Jossele bei mir, als das Telefon läutete und jemand fragte, ob er mit der Vereinigten Holzwolle AG verbunden sei. „Vereinigte Holzwolle AG? Nein, da haben Sie eine falsche Nummer“, sagte ich und hängte ab. Gleich darauf läutete es zum zweiten Mal und der kurze Dialog wiederholte sich.

Als es zum dritten Mal läutete, nahm Jossele den Hörer auf und sagte: „Vereinigte Holzwolle.“

„Endlich“, sagte eine Stimme am anderen Ende des Drahtes. „Ich möchte mit Salzberger sprechen.“

„Bedaure. Herr Salzberger hat mit unserer Firma nichts mehr zu tun.“

„Wieso nicht? Ist etwas geschehen?“

„Man ist ihm auf seine Betrügereien gekommen.“

„Was Sie nicht sagen!“

„Sie sind überrascht? Solche Sachen müssen ja einmal auffliegen.“

„Wem erzählen Sie das. Ich warte schon seit Monaten darauf.“

Der unbekannte Telefonpartner beendete das Gespräch und macht sich eilends auf den Weg, um die frohe Nachricht zu verbreiten, dass Salzberger am wohlverdienten Ende sei. Hätte Jossele ihn stattdessen zum Generaldirektor der Vereinigten Holzwolle AG avancieren lassen – der Mann am Telefon hätte Lunte gerochen und kein Wort geglaubt.

Und das bringt mich zu meinem Erlebnis mit Kunstetter.


Freunde erwählt man, nahe Verwandte kann man entfernen, aber Nachbarn bleiben Nachbarn. So konnte ich es nicht verhindern, dass Manfred Stockler vor Sonnenaufgang an meine Tür klopfte. Ich muss, obwohl das nicht besonders rühmenswert ist, vorausschicken, dass ich in den frühen Morgenstunden, während die übrige Bevölkerung sich in den Produktionsprozess unseres emsigen Landes einschaltet, gerade noch die Energie aufbringe, mich von einer Seite auf die andere zu wälzen und weiterzuschnarchen.

Man wird somit ermessen können, welchen Schock es für mein labiles Innenleben bedeutete, als ich eines Nachts um sieben Uhr durch wildes, hemmungsloses Klopfen an der Tür aus meinem Schlaf geschreckt wurde. Ich tastete mich hinaus, da die beste Ehefrau von allen alarmsicheres Ohropax in den Ohren hatte. Aber da hatte Manfred die Tür bereits aufgebrochen und stand im Pyjama vor mir.

»Weißt du schon?«, fragte er atemlos.

»Nein«, antwortete ich mit halbgeschlossenen Augen. »Ich will schlafen.« Damit wandte ich mich ab und schlug, vor Müdigkeit torkelnd, den Weg zum ehelichen Schlafzimmer ein.

Mein Nachbar hielt mich an der Hose fest.

»Mensch!«, keuchte er. »Das Histadruthhaus ist in die Luft gegangen! Eine Katastrophe!« (Das Histadruth- oder Gewerkschaftshaus, im Volksmund auch »Kreml« genannt, ist ein pompöses Gebäude, das alles enthält, wovon ein Bürokrat nur irgend träumen kann.)

»Wie gut müssen wir geschlafen haben, wenn uns nicht mal diese Explosion geweckt hat«, brummte ich gähnend.

»Auch ich habe nichts gehört«, gestand Manfred. »Aber Guggelmann sagt, dass ihm davon beinahe das Trommelfell geplatzt wäre. Er war schon um fünf bei mir und ist dann zu den Nachbarhäusern weitergelaufen. Ich habe es übernommen, eure Gegend zu benachrichtigen, damit keine Panik entsteht. Guggelmann ist überzeugt, dass das Haus von Terroristen gesprengt wurde. Über den Ruinen liegen dicke Rauchschwaden. Manchmal sieht man noch kleine Stichflammen in die Höhe schießen.«

Es erschütterte mich, mir das einstmals so stolze Gebäude als rauchenden Trümmerhaufen vorstellen zu müssen. Doch fiel mir gleichzeitig auf, dass mein Freund Manfred von der Wirkung seiner Nachricht so stolzgebläht war, als hätte ihm sein Chef auf die Schulter geklopft. Darüber ärgerte ich mich sehr. Ich habe für die Histadruth als solche nicht viel übrig, weil ihre Funktionäre immer stundenlang reden, ohne dass man nachher wüsste, was sie gesagt haben – aber das ist noch lange kein Grund, über die Zerstörung des Gewerkschaftshauses vor Freude zu strahlen.

»Sag einmal, Manfred – was macht dich eigentlich so glücklich?«, fragte ich unwirsch. »Wozu soll es gut sein, dass dieses Haus in die Luft gegangen ist?«

Manfred sah mich verächtlich an.

»In den Blocks, in denen ich bisher war, hat mir kein Mensch so eine blöde Frage gestellt. Ich bin durchaus nicht glücklich. Ich bin nur nicht so borniert wie du. Als altes Mitglied der Histadruth sage ich dir: Es ist ganz gut, wenn wir von Zeit zu Zeit merken, dass es in diesem Land auch noch andere Kräfte gibt. Um das Haus ist es allerdings schade, das stimmt. Eine Katastrophe.«

Mittlerweile war ich so rettungslos wach geworden, dass ich die Fensterläden öffnete und in die Welt hinausblinzelte. Der neue Tag zog strahlend auf. Vom Mittelmeer wehte eine kühle Brise. Die Wäsche der Familie Kalaniot von nebenan trocknete auf unserem Rasen. Zwei junge Hunde jagten einander im Kreis. Von der Stadtmitte her grüßte das imposante Gebäude der Histadruth. Gerade kam der Zeitungsjunge auf seinem Fahrrad vorüber, verspätet wie immer.

»Verzeih, wenn ich störe – aber die Explosion des Histadruthhauses scheint sich erst im Stadium der Planung zu befinden. Das Haus steht noch.«

Manfred versuchte mit seinen Pantoffeln verschiedene ellipsoide Figuren auf den Teppich zu zeichnen und sah mich nicht an.

»Das Haus ist vollkommen unbeschädigt«, sagte ich mit Nachdruck. »Hast du gehört?«

»Natürlich hab ich gehört. Ich bin ja nicht taub.«

»Willst du es dir nicht anschauen?«

»Nein. Das hat keinen Zweck. Es ist ja heute Nacht in die Luft gesprengt worden. Eine Katastrophe.«

»Aber du kannst es doch hier vom Fenster mit deinen eigenen Augen sehen!«

»Genug!«, brauste Manfred auf. »Du bist wirklich störrisch wie ein Maulesel! Nimm gefälligst zur Kenntnis, dass ich meine Information aus absolut sicherer Quelle habe!« Er warf mir noch ein paar wütende Blicke zu, aber dann schien sich sein Zorn zu legen und freundschaftlichem Mitleid zu weichen. »Na, mach dir nichts draus, mein Alter. Kopf hoch. Man muss auch solche Schicksalsschläge ertragen können. Weiß Gott, wer ein Interesse an dieser Explosion hatte … eine Katastrophe … Rauchwolken … Stichflammen …«

Die Wolke, die mich jetzt umfing, war nicht rauchig, sondern rot, blutig rot.

»Zum Teufel!«, brüllte ich. »Was stehst du da und erzählst mir Märchen, wo du doch nur ein paar Schritte zum Fenster machen musst, um dich selbst zu überzeugen –«

»Ich brauch mich nicht zu überzeugen. Guggelmanns Wort genügt mir.«

»Und wenn Guggelmann hundertmal sagt, dass –«

»Einen Augenblick!« Empört fiel mir Manfred ins Wort. »Willst du damit vielleicht andeuten, dass Guggelmann ein Lügner ist? Ausgezeichnet. Ich werde mir erlauben, ihm das mitzuteilen. Du kannst dich auf etwas gefasst machen!«

»Wer – was – wieso? Wer ist dieser Guggelmann überhaupt?!«

»Also bitte. Da haben wir’s. Er weiß nicht einmal, wer Guggelmann ist – aber er nennt ihn vor der ganzen Welt einen Lügner. Gehst du da nicht ein wenig zu weit?«

Ich sackte zusammen und brach in Tränen aus.

Manfred strich mir teilnahmsvoll übers Haar.

»Falls du Wert darauf legst«, sagte er begütigend, »kann ich dir Augenzeugen bringen, die mit ihren eigenen Ohren gehört haben, wie Guggelmann gesagt hat, dass vom ganzen Histadruthgebäude nur ein paar Stichflammen übriggeblieben sind. Eine Katastrophe.«

»Aber hier – von diesem Fenster –«, wimmerte ich.

»Auch das Radio hat es gebracht, wenn dich das beruhigt.«

»Welches Radio?«

»Guggelmanns Radio. Das neueste auf dem Markt. Mindestens neun Röhren.«

Ein paar wahnwitzige Sekunden lang war ich drauf und dran, ihm zu glauben. Das menschliche Auge kann irren, aber Guggelmann bleibt Guggelmann …

Dann warf ich mich mit heiserem Röcheln auf Manfred Stockler und zerrte ihn ans Fenster:

»Da – schau!! Schauen sollst du!! Hinausschauen!!«

»Wozu?« Manfred schloss die Augen und krümmte sich in meinem eisernen Griff. »Wenn ich zum Fenster hinausschauen wollte, könnte ich ja zu meinem eigenen Fenster hinausschauen. Aber Guggelmann hat gesagt –«

»Schau – schau hinaus – schau – schau hinaus –«, ich hatte mich in seinen Haaren festgekrallt und schlug seine Stirn im Takt gegen den Fensterrahmen, »schau hinaus und sag mir, ob sie das Haus in die Luft gesprengt haben oder nicht. Ob das Haus dasteht oder nicht.«

»Jetzt steht es da«, sagte Manfred.

»Was heißt das – jetzt?«

»Es wurde heute Nacht in die Luft gesprengt und am Morgen wieder aufgebaut.«

Schlaff sanken meine Arme nieder. Manfred entwand sich mir unter hässlichen Flüchen und eilte in den klaren Morgen hinaus, um die noch nicht informierten Nachbarn über die Katastrophe zu informieren.

Ich schleppte mich mühsam ins Bett neben die friedlich schlummernde beste Ehefrau von allen zurück, schloss die Augen und verfiel in einen krampfigen, ungesunden Schlaf, der auch pünktlich einen Alptraum mit sich brachte: Sämtliche Atombombenvorräte sämtlicher Großmächte waren durch einen Irrtum gleichzeitig explodiert, und die ganze Welt lag in Trümmern. Nur das Histadruthgebäude stand unversehrt da.

15 November 2019

Träume - Wesen und Lesen

Carmina Somnia hatte eingeladen - und fast alle kamen. Träume waren das Thema des Leseabends in der Kunstgalerie von Carmen Rakemann in der Andernacher Stadthausgalerie.

Carmen speaking
The crowd listening

Vor geladenen Gästen (ja, ich zählte auch dazu) im überschaubaren Rahmen begrüßte Carmen ihre Gäste. Sie gab einen Einblick in das Thema des Abends, die Träume. Was sie mit uns machen und was wir aus ihnen machen. Nachdem sie die Akteure das Abends kurz vorgestellt hatte, übergab sie an die Malerin Gabriele Specht-Birlem, die uns fortan durch den Abend führte.


Galeria Dreamin' mit Lara und Raffael 

Eröffnet wurde der künstlerische Teil von Lara und Raffael, zwei Geigenschülern der Kreismusikschule, die uns mit California Dreamin' auf schöne Weise zum Thema führten und auch im weiteren Verlauf der Veranstaltung ihr Können unter Beweis stellten.

Gabriele Keiser und die Träume

Anschließend trug die Autorin Gabriele Keiser interessante Passagen aus ihren Regionalkrimis vor, die ebenfalls um Träume kreisten. Vom Apollofalter bis zur Kaltnacht spielen immer wieder Träume eine Rolle in ihren Romanen. Die gekonnt vorgetragenen Passagen fanden den Beifall des Publikums.

Sie stellte auch "ihren" Schreibkurs vor, dem sie seit drei Jahren bei der VHS Andernach als Dozentin vorsteht, und wies auf die Broschüre "Heimat findet man nicht im Duden" hin, welche die Teilnehmer ihres Kurses im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz erstellt hatten

Auch Carmen Rakemann erzählte uns anschließend, was sie dazu gebracht hat, ihre Träume aufzuschreiben und trug zwei berührende Traumtexte vor.

Alles in allem ein schöner, berührender Abend, der für mich persönlich noch ein weiteres Highlight vorrätig hatte. Bereits bei meine Erscheinen kurz vor der Veranstaltung wurde ich an der Tür von einem netten Gesicht mit "Hallo Manfred!" begrüßt. Von einem Gesicht, dass mir bekannt war, aber wer (aus meiner Generation) kennt nicht dieses peinliche Gefühl, wenn man weiß, dass man jemand kennt, aber nicht mehr drauf kommt, woher, geschweige denn, dass einem der Namen einfällt.

Renate, ich, Lara

Also machte ich es, wie die Meisten es wohl in einer solchen Situation machen, überspielte das mit einem ebenfalls freundlichen "Hallo!" und einem schnellen Themenwechsel.  Natürlich merkt die andere Person das sowieso, also ist es eigentlich völlig sinnlos, das überspielen zu wollen. Warum ich es trotzdem versucht habe? Keine Ahnung, in dem Moment ist mein Verstand anscheinend ausgeschaltet und ich laufe auf Autopilot.

Meine heimliche Rückfrage bei Carmen ergab, dass sie auch nur die Tochter kennt und dass die Lara heißt, der Nachname sei irgendwie so ähnlich wie "Weick-Poleski", jedenfalls klang es so, nachdem es sich durch meine Hörgeräte bis zu meinem Verstand durchgekämpft hatte.
Schnell merkte ich während der Lesung, dass mich das ständige "Wer ist das? Ich komm gleich drauf!" in meinem Hinterkopf zu sehr von dem Vortrag ablenkte. In der Pause konnte ich mich dann nicht mehr beherrschen und bat das freundliche Gesicht, mir doch bitte zu sagen, woher wir uns kennen. Und sie stellte sich zu meiner Freude als die frühere Nachbarin meiner Oma vor, wir kommen beide aus Kesselheim, sie ist nur unwesentlich jünger als ich ich bin nur unwesentlich älter als sie. Renate!
Live haben wir uns seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen und so konnte ich mir meinen Fauxpas dann auch gut nachsehen. Am Ende der Veranstaltung musste ich dann noch ein schönes Foto unseres Wiedersehens haben (Danke, Andrea!).


09 September 2019

Shoppen und Schlemmen

Ich hatte schon fast vergessen, wie gut das Frühstücksbuffet im also-Hotel ist. Alles frisch und weitestgehend bio-regional, kein Überfluss und weder Lachs noch Kaviar, aber von allem genug. Hausgemachte Marmelade, die Butter nicht einzeln abgepackt, leckere Obstauswahl, einfach wohltuend. Einzig der Kaffee lässt noch Luft nach oben, schmeckt nach Filterkaffee, sonst alles bestens.

Meine herzallerliebste Fabienne schwebte heran und führte uns durch Elberfeld, wo ich alles auf meiner Einkaufsliste erwerben konnte. Sweater, Schlappen, Taschentücher, Duft und später auch das Reisebesteck, um weitere fingerfood-Aktionen zukünftig zu vermeiden. Den Anfang machten wir allerdings auf dem Neumarkt, wo wir kandierten jamaikanischen Ingwer kauften und uns den schwarzen Knoblauch für den Freitag vor der Heimreise vormerkten.

Im Mangi Mangi

Nach dem Shoppen ging's zum Schlemmen. Auch hier hatte unserer Reiseleiterin genau das richtige Händchen. Im Mangi Mangi war es einfach, sehr lecker und bezahlbar. Werde ich mir für zukünftige Wuppertalbesuche merken.

Ein Mann wie ein Otter im Antiquariat

Bevor wir danach den Weg zum Espresso im Luisenviertel antraten, mussten wir natürlich noch das Antiquariat besichtigen, dass wir schräg gegenüber in der Rommelspütt 13 sahen. Natürlich blieb es nicht beim Ankucken, und beim Bezahlen kamen wir mit dem Besitzer der Bücherkiste ins Plaudern. Nachdem wir die gesellschaftspolitischen Auswirkungen von amazon & Co. ausgiebig diskutiert hatten, durfte ich noch ein Foto vom Laden machen. Der Besitzer bestand allerdings darauf, selbst nicht mit im Bild zu sein, weil er gestern Abend auf dem Geburtstag eines Freundes "gesoffen hat wie ein Otter". Der Mann war herzerfrischend authentisch.

Bepackt mit Buch und CD wanderten wir Richtung Luisenviertel, wo uns die Rösterei mit dem seltsamen Namen "Chi Coffee" erwartete. Ein Kaffee mit dem Namen "Kein Kaffee" mutet abenteuerlich an. Dem Namen zum Trotz gab es Kaffee. Ein einladendes Ambiente, sehr guter kräftiger "Espresso Luisenviertel" (der "Espresso Ölberg" ist etwas milder) und leckerer Nachtisch rundeten unsere heutige Tour ab.

Als wir wieder im Hotel angelangt sind, ist mir mal wieder nach einer kleinen Augenpflege zumute, damit ich heut Abend fit genug bin, um unsere Jungs anzufeuern.

05 April 2019

Zukunft ist ein guter Ort

Sina Trinkwalder in Andernach!

Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, aber zum Glück hat Nicole Anker es möglich gemacht und nach eigenem Bekunden ihrem Ralf damit einen Herzenswunsch erfüllt.

Da ich Sinas Werdegang zu DER deutschen Sozialunternehmerin ein wenig verfolgt habe, bin ich heilfroh, dass sie nun den Weg nach Andernach gefunden hat. Und genau so schön ist es, im ersten kurzen Smalltalk vor der Veranstaltung festzustellen, dass sie wirklich so normal geblieben ist, wie man sie sich vorstellt, direkt und ganz ohne Starallüren.

Das neue Buch

Nicole und ihr Team versorgten uns zum Auftakt mit einem kleinen, leckeren Nudelsnack, Fabian spendierte die erste Runde Getränke, und ab ging die Post. Sobald Sina redete, hatte ich das Gefühl, dieses sympathische Energiebündel kann gar nicht anders als zu glühen bei allem, was sie macht. Sie gab uns einen Einblick in ihre persönliche Lebensgeschichte, schilderte offen die Ereignisse, welche sie von ihrem vorherigen beruflichen Erfolgsweg von heut auf morgen runterbrachten. Die Begegnung mit dem abgerissen Typen in Wuppertal, anschließend mit dem alten Mann in der Bahn, die Ereignisse, die sie veranlassten, ihr berufliches (und später auch ihr persönliches) Leben völlig umzukrempeln, das kann man sich nicht ausdenken.

Selfie mit Sina

Die Menge an Informationen, Meinungen, Erklärungen und Schlussfolgerungen, war groß, ich war sehr berührt von ihrer Art, in der sie das erzählte, und merkte relativ schnell, dass ich mir gar nicht all die Punkte merken konnte, die mir auffielen und zu denen ich sie danach befragen wollte.

Sie las im zweiten Teil Passagen aus einigen ihrer Bücher vor und fesselte uns durch die Begeisterung, mit der sie ihre Sicht der Dinge und Zusammenhänge vermittelte. Auch Zeiten, die mehr schwarz denn rosig waren, lies sie nicht weg. Wen das nicht berührt, dem ist mit einer gesegneten Kerze nicht zu helfen.

Ich war sehr beeindruckt von dieser Frau, erst recht, als ich nach dem Ende der Veranstaltung die Gelegenheit hatte, ein wenig mit ihr über unsere Pläne und Visionen für ein nachhaltiges Andernach zu sprechen, ihre Meinung dazu zu hören, und auch zu hören, dass ihr Andernach gefällt. So wie ich sie einschätze, hätte sie mir das auch geradeaus gesagt, wenn sie Andernach als das letzte Drecksnest empfunden hätte.

Ihr Rat und ihre Hilfe sind wahrscheinlich an vielen Orten gefragt, an denen sich Menschen engagieren. Es ist klar, dass sie sich nicht um jedes Anliegen persönlich kümmern kann, dann könnte sie ihre Lesereise nach spätestens acht Stationen abbrechen und bräuchte nix anderes mehr zu machen, als sich um die Visionen anderer Menschen  zu kümmern.

Eine beeindruckende, streitbare, sympathische Frau, die mit ihres Sicht der Dinge nicht hinter dem Berg hält und auch gut damit leben kann, wenn man kritisch hinterfragt und ihr nicht in allen Dingen zustimmt. Ich freue mich darüber, sie kennen gelernt zu haben und hoffe, dass wir über das Thema "Nachhaltige Entwicklung in Andernach" in Kontakt bleiben.