31 Dezember 2021

UT UNUM SINT

Obwohl unser vorgestriges Heimaträtsel immer noch ungelöst ist, berichte ich heute vom nächsten Frischluft-Trip mit meinem kleinen Lieblingsbruder. Der führte uns ein Stück weiter weg als vorgestern, aber immer noch nicht wirklich in die Ferne. Diesmal kutschierte uns mein Brüderlein in ein Örtchen, von dem wir erst gestern eine familiäre Beziehung zur dortigen ehemaligen Dorfkneipe feststellen konnten. Das lockte uns natürlich.

Die Geschichte an sich war interessant genug, wussten wir doch seit geraumer Zeit, dass unser Familienname bei den Gastwirten der Kneipe über einen längeren Zeitraum aufgetaucht war. Außer drei Namen aus den alten Adressbüchern, die wir nicht zuordnen konnten, einem Totenzettel und zwei alten  Zeitungsausschnitten hatten wir nichts in der Hand. Dies alles hatte mein Bruder im letzten Jahr recherchiert. Als wir partout kein Weiterkommen in unserer Familienforschung mehr sahen, schrieb ich dem Ortsvorsteher eine eMail und fragte freundlich, ob es noch jemand im Ort gäbe, der sich an diese alten Zeiten noch erinnern könnte.

Durch die Hilfe des hilfreichen Ortsvorstehers erreichte mich über die Vermittlung von zwei betagten Schwestern aus dem Haus neben der ehemaligen Kneipe dann tatsächlich gestern Morgen eine nette Nachricht von der einzigen Tochter des letzten Kneipenwirts, die schon lange nicht mehr in diesem Örtchen lebt. Wie sich schnell herausstellte, ist sie meine entfernte Nichte, auf einem anderen Zweig des Stammbaums auch meine entfernte Tante.
Die Welt ist manchmal wirklich sehr klein.

Interessantes entdeckten wir noch beim Spaziergang durch den Ort und um den Ort. An der Friedhofskapelle steht ein scheinbar uraltes beschädigtes Kreuz, dessen Herkunft uns interessieren würde.

Und gegenüber von der Gemeindeverwaltung findet sich ein Haus mit einer interessanten Inschrift.


Etwas außerhalb neben dem alten Bahndamm hat es schöne Wanderwege und bei dem tollen Wetter heut Nachmittag auch schöne Blicke über Feld und Flur.


Ein Ausflug, der sich gelohnt hat.

29 Dezember 2021

In einem kleinen Örtchen

Für die heutige Frischluftrunde holte mich mein kleiner Lieblingsbruder wieder zu Hause ab und fuhr mit mir den Fluss hinunter. Aber nicht in ein unbekanntes Land, wie es Knut Kiesewetter einst besang, sondern in ein wohlbekanntes Seitentälchen an einem Bächlein entlang bis zu einem kleinen Örtchen, das wir heute zum ersten Mal erkunden wollten. Wir parkten am Ortsrand vor dem kleinen Friedhof, den wir in wenigen Minuten besichtigt hatten. Von hier aus führte ein kleiner Weg hinunter zur kleinen Kirche, die mein Bruderherz auf dem Rückweg auch von innen besichtigte. Wir trotzten dem sporadisch einsetzendem Nieselregen und spazierten einmal durch den kleinen Ortskern, in dem es noch einige interessante ältere Häuschen zu sehen gab und mieden auf dem Rückweg die kleine, eintönige Neubausiedlung am anderen Ortsrand.

Während der Kleine dann die Kirche besichtigte, schaute ich mir die sechs alten Kreuze an, die schräg hinter Kirche erstmal gar nicht zu sehen waren. Ein Kreuz fiel besonders auf. Wer hätte denn gedacht, dass sich Michael Adams und seine Hausfrau Catharina bereits 1778 unter einem Piratenkreuz bestatten ließen!Am Ende waren wir froh, dem Dreckswetter getrotzt zu haben, nach einer Dreiviertelstunde  Frischluftbewegung wieder im trockenen Auto zu sitzen und zu Hause einem Kaffeeklön mit Kirschstreusel und Ursulas Christstollen frönen zu dürfen. Hach!

25 Dezember 2021

Nass Kalt Grau

Der Blick reicht nur bis
zum Kleinen Deutschen Eck

Nachdem wir in den letzten Tagen mehrfach unerwartetes Glück mit dem Spazierwetter hatten, hatte die Sonne heute noch nicht mal eine Mini-Chance, die Suppe am Himmel zu durchbrechen. So entschied ich mich gegen halb vier nachmittags, wenigstens eine halbe Stunde Frischluft am Rhein zu tanken. Der gute alte Vater Rhein bot heute mal wieder sein mysteriöses nebelverhangenes Bild. Es war dieser Abendnebel, der schon vom Tagesbeginn an das Bild bestimmt hatte und es nie richtig hell werden ließ. Aber auch das hat seine Reize.

Rheinaufwärts war genauso wenig zu sehen wie nach der anderen Seite in Richtung Leutesdorf. Überraschend gut hat die kalte klare Luft getan, die mir die Gehirnwindungen durchgeblasen hat. Und so war ich am Ende froh, die alten Knochen ein wenig bewegt zu haben und mich auf das abendliche Ofengemüse zu freuen, dass nun noch besser schmeckte.


Rheinabwärts sieht's ähnlich verhangen aus


24 Dezember 2021

Christmas Walk

Als heute Mittag überraschenderweise die Sonne durch die Wolken lugte und sogar ein paar blaue Fetzen am Himmel zu sehen waren, hatten zwei Brüder einen Gedanken: Wow, das nutzen wir aus!

Und so machten wir uns auf, um ganz in der Nähe einem uns wohlbekannten Pfad mit ganz viel freier Sicht auf den Himmel zu folgen.

Obwohl wir hier schon öfter waren, ist es jedesmal wieder eine schöne Tour, gerade bei gutem Wetter.

Und ich bin gespannt, wer die Strecke nur anhand der Fotos erkennt.

Auf dem Rückweg

Hin und zurück waren wir bei strammem Gang, aber auch Pausen zum Sehen und Genießen, 1:45 Stunden unterwegs und hatten uns natürlich danach den guten Kaffee von beanarella und die leckeren Hagebute-Nuss-Schnitten vom Biobäcker Utters redlich verdient.
Stunden später, frisch geduscht und mit Rindersteak und Feldsalat mediterran abendgesättigt, schreibe ich nun gerne diese Zeilen und genieße den Abend.

23 Dezember 2021

Schöne neblige Aussicht

Der heutige Tagestrip fand leider ohne blauen Himmel und Sonne stand. Nichtsdestotrotz erfreuten mein kleiner Lieblingsbruder und ich uns am Nachmittagsspaziergang im schönen Kell. Da wir beide mit Weihnachten und Krippen nicht so viel am Hut haben, genossen wir mehr die gute Luft als die vielen Krippen am Rand, die sehr liebevoll dort aufgestellt waren. Und natürlich mussten wir einen kleinen Abstecher zur schönen Aussicht machen, um uns am verhangenen Blick übers Brohltal zu erfreuen. Es hatte schon etwas Mystisches Märchenhaftes an sich.

Die Ohlbrück ist im Hintergrund nur zu erahnen

Damit hatten wir uns den anschließenden Kaffee mitsamt der legendären Nussecken unserer Lieblingsbäckerin Ulrike Schmitz redlich verdient.


22 Dezember 2021

Mit dem Maiglöckchen von Eich zum Hochkreuz

Glaubt man der Wettervorhersage, soll heute der dritte und vorerst letzte Tag gewesen sein, an dem sowohl die Sonne als auch ein blauer Himmel zu sehen waren. Meine Freundin Maiglöckchen hatte beschlossen, um kurz nach zwei Feierabend zu machen und so durfte ich mich über ihre Begleitung freuen.
Der Fußweg vom Eicher Ortsanfang bis zum Hochkreuz bescherte uns viele wunderbare Ausblicke über gepuderte Landschaften und von der heute inhalierten Menge an klarer frischer Luft wurde ich schon ein bisschen dumm vor Glück. Unterwegs auch heute wieder eine interessante Kulisse. Ein einzelner Baum auf einer leicht erhöhten eingezäunten Umgebung, als sei er beim Ausbimsen der Landschaft drumherum einfach stehen gelassen worden. Von diesem Spaziergang werde ich noch länger zehren.

21 Dezember 2021

Zwischen den Höfen

Unser heutiger Nachmittagsspaziergang vom Wanderparkplatz Hohe Buche aus zwischen den Höfen durch bis zum Knopshof an den Waldrand und zurück war wunderschön. Vorher hatten Hilde und ich bei Kerstin gut gespeist und uns auf den anschließenden Verdauungsspaziergang gefreut.
Nach all dem nasskaltgrauen Dreckswetter der letzten Wochen nutzten wir das tolle Wetter am Nachmittag, als sich der Hochnebel endlich verzogen hatte.
Sonne und blauer Himmel waren pures Seelenfutter, außerdem erfreuten wir uns auch am Anblick eines knorrigen alten und geschädigten Baums, der trotzdem noch lebte. Wir fanden beide, dass der Alte sehr viel Charakter hat. Deswegen haben wir ihn heute auf den Namen Charakterbaum getauft. So!

10 November 2021

Over the hill and not far away

Mein Wohn- und mittlerweile auch ein Stück Heimatstädtchen Andernach mit seinen vorgelagerten Stadtteilen ist von Hügeln umgeben - und vom Rhein. Jenseits von Miesenheim das Plateau des Kettiger Berges, auf der anderen Seite Burgerberg, Martinsberg, Kirchberg und Krahnenberg.
In einem Anfall von akuter Frischluftsucht beschlossen der kleine und der große Bruder heute Nachmittag, wenigstens ein kleines Ründchen draußen zu drehen. Es war schon vier, und die Sonne begann sich gerade ein wenig aus dem wolkenverhangenen Himmel herauszuschälen. Immer noch war alles dunstig, aber wenigstens hatten wir noch die Aussicht auf eine halbe Stunde OpenAir-Spaziergang, den nbei dem heutigen Wetter beginnt er bereits um halb fünf dunkel zu werden. Also kurze Autofahrt auf den Krahnenberg und dann gemütlich die kleine Runde hinunter zur Kanzel, weiter zur Weitsicht, und immer schön die Ausblicke genießen. Schon nach einer knappen halben Stunde waren wir zurück am Auto, bevor die Sonne wieder ganz hinter der grauen Suppe verschwand.

Wenigstens ein Teil vom Finger darf bei keinem Selfie fehlen

Interessante Ausblicke hatten wir unterwegs an den beiden Aussichtspunkten trotz Nebel und Dunst.

Blick von der Kanzel: Rhine Up

Bei diesen Wetterverhältnissen sieht von oben alles ganz anders aus als man es kennt. Trotz allem deutlich zu sehen, dass der Rhein schon etwas Besonderes ist. Nicht umsonst fliegen Menschen aus aller Welt hierhin, um das zu sehen.

Weitblick auf Leutesdorf und Rhine down

Wie man auf dem Bild sehen kann, durchdrang die untergehende Abendsonne in Richtung Bonn die Wolken und den Nebel besser und setzte die Leutesdorfer Seite in ein schönes Licht. Trotzdem freue ich mich darauf, wenn im Frühjahr die Wetter- und Sichtverhältnisse wieder besser werden und wir unsere Gesichter in die Frühlingssonne halten dürfen.

Now singing:
Over the hill and not far away,
the Brothers Nightshome make their day,
they say: Hey bro' - take a walk on the Rhine side,
yeah brother, a walk on the fine side,
and the baker boys said: Doo de doo de doo doo de doo doo de doo de doo,
and the baker girls said: Doo de doo de doo doo de doo doo de doo de doo,

...................................
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30 Oktober 2021

Von Zitronenjoghurt und Buttermilch ...

Da war der Joghurt schon gegessen

.... oder von Himbeerjoghurt mit Sahne erzählte uns heute Abend der Autor Jan Ranft eigentlich gar nicht so viel. Jedenfalls kamen beide Buchtitel in den Kurzgeschichten, die er in der Stadtbücherei Andernach zum Besten gab, allenfalls am Rande vor.

Meine liebe Großcousine Gisela begleitete mich heute Abend zur wahrscheinlich ersten Lesung von Kurzgeschichten aus dem schwulen Leben, die jemals in der Andernacher Stadtbücherei stattfand. Der sympathische Autor Jan Ranft las aus seinen beiden Büchern und offenbarte dabei ein breitgefächertes Themenfeld, in dem seine Kurzgeschichten spielen. Mal ging es um Erlebnisse junger Menschen, die ihre Homosexualität entdeckten, mal um ältere Semester, welche die Zeiten von §175 noch live miterlebt und erlitten haben. Mal um einheimische, mal um ausländische Menschen.

Veranstalter Frank Merken, Leiter der Andernacher Stadtbücherei, begrüßte die Gäste und plauderte ein wenig darüber, wie es ihm gelungen war, den Autor Jan Ranft zwischen seinen Lesungen in Köln, Würzburg, Darmstadt und Karlsruhe zu einem Auftritt in der Weltstadt Andernach bewegen zu können. Entsprechend der COVID-Rahmenbedingungen wurde es ein Auftritt in einem kleinen Rahmen, aber nichstdestotrotz ein schöner Auftritt. Auch Gisela und ich als bekennende Heteros lauschten gespannt den Geschichten aus der schwulen Welt.

Eigentlich war das heute ein ganz bräsiger Tag mit kaltnassem Wetter und immergrauem Himmel. Obwohl ich der gesetzlichen Verpflichtung nachgekommen war, an solchen Tagen ein heißes Vollbad mit duftenden Aromen zu nehmen, hätte ich ohne Giselas Begleitung wahrscheinlich nicht den Weg zur Bücherei angetreten, sondern hätte einen unbefriedigenden Couch-Fernseher-Schlaf-Abend verbracht. Stattdessen waren wir nochmal vor der Tür und hatten einen netten Abend. Und dafür bin ich ihr dankbar.

24 Oktober 2021

Und wieder rufen die Gipfel

Drei Gipfel an einem Tag, wann gibt es so was schon mal? Heute!
Begonnen hat es mit dem Besuch meines Kumpels Mike T-Bone. Wir machten uns sofort auf den Weg zur Permakultur nach Eich, um von dort aus den Gipfel des Nastberges zu besteigen. Nur 900 Meter Entfernung, aber davon 300 Meter Steigung. Die Aussicht auf dem Gipfel war phänomenal schön und entschädigte für die Höhenmeter. Das genossen wir auch eine ganze Weile.

Zurück an der Permakultur versorgten wir uns beide mit den leckeren freilaufenden glücklichen Eiern und freuten uns auf den nächsten Gipfel - den Nussecken-Gipfel. Denn nur Ulrike, die Bäckerin meines Vertrauens, macht diese unvergleichlichen Geschmacksbomben. Dazu einen starken Café furioso aus der benarella-Maschine, besser geht kaum. Vor lauter Gipfel-Freuen hab ich dann zu Hause gemerkt, dass ich die Lauchstange vor dem Hofladen vergessen hab. 

Und dann heute Abend dieser sensationelle Tabellenkeller-Gipfel, in dem meine blau-weißen Jungs aus dem tiefen Westen die Frankfoddä Millionarios gnadenlos niederkämpften und mit einer 0:2 Niederlage nach Hause schickten. 

Was für ein Tag!


14 Oktober 2021

Mit Gewupper und Gebeuel


Chrono
Murphylogie einer Heimfahrt:

Das war (Stand 10.09) für heute. gebucht und bezahlt:
11:40 Wuppertal  ICE 12:09 Köln
12:32 Köln            RE  13:29 Andernach

Stand gestern Abend nach mehreren Fahrplanänderungen durch DEUTSCHE BAHN:
11:49 Wuppertal  ICE  12:18 Köln
12:56 Köln             RB   14:11 Andernach

Ich stieg bereits um kurz vor 11 ins Taxi zum Bahnhof, wollte ganz auf Nummer sicher gehen. Unterwegs erreichte mich die Nachricht, dass mein ICE 7 Minuten Verspätung haben wird. Stecken wir doch locker weg. Am Bahnhof angekommen, hatte ich also reichlich Zeit. Beim Versuch, mein Gepäck im Schließfach unterzubringen, versenkte ich zweimal 4 Euro, um jedes Mal festzustellen, dass beim Verschließen des Fachs die Tür aufsprang, das Fach nicht mehr zu verschließen war und mein Geld weg war. Die nette Dame vom DB-Reisecenter war leider nicht zuständig und schickte mich zum DB-Service-Point, wo mir diese nette Mitarbeiterin erklärte, dass es ihr leid tue, sie aber daran nichts machen könne. Ok, Murphy, die erste Runde geht an Dich, aber was soll's? Hauptsache, ich komme nach Hause.
Mittlerweile war eine weitere Nachricht auf meinem Handy angekommen:

Ok, wo ist das Problem? Nach den ersten 3 Fahrplanänderungen hatte die Bahn mir mitgeteilt, dass die Zugbindung für mich aufgehoben sei und ich mir aussuchen könne, womit ich fahre. Also kurz nachgeschaut, nehm ich doch die 11:46 Regionalbahn, die fährt sogar bis Bonn-Mehlem, da bin ich schon fast daheim. Schnell hoch zum Gleis, und was sehe ich da:


Ja so eine Überraschung! Ok, ich weiß spätestens jetzt, dass mein Freund Murphy auch heute keine Ruhe geben wird, aber als erfahrener Murphologe steh ich da vollkommen drüber. Mach Du nur, mein Freund. Ich bin schlauer.
Als die Lautsprecherdurchsage verkündet, dass mein ICE nun nicht nur 20 Minuten Verspätung hat, sondern heute leider ganz ausfällt, hab ich mich bereits schlau gemacht. Gleich wird ein ganz anderer IC mit viel Verspätung auf unserem Gleis halten, der ebenfalls nach Köln fährt. Also, geht doch!
Und tatsächlich, der IC hält, den Zugbegleiter frage ich vorsichtshalber, ob noch genug Platz frei ist, denn ich bin sicher nicht der einzige Gestrandete, der auf diesen Zug ausweicht, auch schon vor Wuppertal. Der schaut mich an, fragt "Sparpreis?", ich sage "Klar!", er schüttelt den Kopf und sagt "Nee, dann geht das nicht!". Gerade als ich ihm mein Recht auf freie Zugwahl mit klaren Worten näherbringen will, ertönt eine Durchsage, die das alles unnötig macht: Unser ausgefallener ICE fährt nun doch, mit 25 Minuten Verspätung. Und siehe da, kaum hatt der IC den Bahnhof verlassen, fährt MEIN ICE ein - mit meinem reservierten Platz - und der ist tatsächlich noch frei.
Ich genieße meine Freiheit und checke schon mal,wie ich voon Köln aus weiterfahren kann.


Die Regionalbahn ab Köln hat auch Verspätung, das passt doch! Und dann noch Ankunft auf Gleis 8 - Weiterfahrt auf Gleis 9, das ist der gleiche Bahnsteig, besser geht's doch gar nicht.

Zehn Minuten vor Köln ein letzter Check mit der BahnApp:

Oha, dir RB fährt nun doch pünktlich. Wieso? Man sollte Murphy fragen. Und direkt darauf das:

Währenddessen zeigt das Display im Zug an, dass wir uns bereits wieder auf dem Rückweg nach Wuppertal befinden. 


Aber das wundert in diesem Zug auch niemand mehr. Eine weitere Minute später, genau um 12:43, erreicht mich diese Meldung:


Es ist soweit: Die DEUTSCHE BAHN kann Raum und Zeit überwinden. Ich sitze in einem Raumschiff. Wow!
Ich denke mir, 5 Minuten Umstiegszeit auf dem gleichen Bahnsteig müssten doch zu schaffen sein. Da lässt sich Murphy sicher noch was einfallen. Und so ist es dann. Wir rollen auf Gleis 7 ein. Das heißt, einmal mit dem ganzen Gepäck per Aufzug runter und nebenan wieder hoch. Ich bin nicht alleine. Völker wandern (oder besser gesagt flüchten). Glücklich und pünktlich angekommen, stehe ich vor einem leeren Gleis 9. Das Handy piept. Ich lese:


Gleiswechsel auf Gleis 1. Es ist 12:56. Pünktlich verlässt am anderen Ende die RB56 den Bahnhof Köln in Richtung Andernach. Was nun?  Die Bahn empfiehlt mir:


Mit der Straßenbahn vom Dom nach Köln-Süd. Dort soll nun angeblich die RE5 abfahren, die ich vor vielen Wochen eigentlich ab Köln Hbf. gebucht hatte. Aber auf dieses Manöver von Murphy fall ich bestimmt nicht rein, denn unter der RE5 sind bereits rote Ausrufezeichen zu sehen, garantiert fällt die auch aus und ich sitze dann in Köln-Süd fest.
Das große Display auf dem Bahngleis zeigt, dass alle Züge in Richtung Süden heute entweder ausfallen oder riesige Verspätungen haben. Eine Ausnahme:

Ja, Freunde, dann fahren wir halt mit dem RE8 über die rechte Rheinseite nach Koblenz! Von dort fährt alle 20 Minuten ein Zug nach Andernach. Mit dieser waghalsigen Entscheidung werde ich meinen Freund Murphy so überraschen, dass ihm garantiert nichts mehr einfällt!

Zack zum Gleis 3 und siehe da, ein wunderbar leerer Regionalexpress fährt ein, ich sichere mir ein schattiges Plätzchen, und die Heimreise ist gesichert. Ich hab zwar eigentlich keine Lust, in Koblenz nochmal umzusteigen, auf einen anderen Bahnsteig zu wechseln, mitten im Getümmel, dass dort normalerweise herrscht. Aber gut, das hier ist besser wie nix.
Eine halbe Stunde später nahm ich dann mit der Regionalbahn nach Koblenz vorlieb, immerhin hatte ich eine ganze Vierer-Sitzgruppe für mich und hatte viel Zeit zum Lesen, denn wir hielten überall dort, wo ein Klo und ein Schild war, an. Aber wir kamen in Koblenz an - und nur das zählt.
Kurz vor vier erreichte ich Andernach.
Danke, Murphy!

Unterwegs kommt in Trosidorf eine Durchsage, dass man hier auf dem gleichen Bahnsteig Anschluss an einen Zug hat, der über Bonn Hbf auf der linken, also der richtigen Rheinseite weiter Richtung Süden fährt. Als ich mich spontan entscheide, umzusteigen, fährt der Zug schon wieder an. Zu spät. Mist! Kurz darauf vor dem Halt in Bonn-Beuel eine ähnliche Ansage mit Umstiegsmöglichkeiten. Diesmal war ich auf Zack, packte meine Siebensachen zusammen und stieg in Bonn-Beuel aus. Als ich mich dort auf eine Bank setzte und mit dem Handy die Verbindungen checkte, wurde mir klar, dass ich eine  Riesenfehler gemacht hatte. KEINE Zugverbindung nach Bonn Hbf., lediglich ein Linienbus, in den ich mich mit meinem ganzen Pröll nicht reinquetschen wollte. Und vor dem RE5, den ich in Bonn Hbf dann hätte nehmen können, standen bereits rote Ausrufezeichen. Nun hatte es sich ausgebeuelt.

Hier konnte ich mit der 15:30 Regionalbahn dann gemütlich heimtuckern, Murphy hatte sich wohl genug ausgetobt. Eine Schrecksekunde noch, als ich Petra von unterwegs benachrichtigte, dass nun nichts mehr schiefgehen kann, stoppte eine Minute später der Zug auf freier Strecke zwischen Lützel und Urmitz und eine Lautsprecherdurchsage erzählte was von einer möglichen technischen Störung im Bereich Urmitz, nix Genaueres wisse man nicht, aber anhalten müsse man. Hätte ich Petra doch nur nichts geschrieben! Aber Murphy wollte wohl diesmal nur spielen und verzichtete darauf, beispielsweise die Reste des AKWs in die Luft zu sprengen oder ähnliche Schäden anzurichten.

Kurz vor vier erreichte ich Andernach heil und unversehrt. Danke, Murphy!

13 Oktober 2021

Luise, Laurentz und Spaghetti - Carbonara!

.... e una coca cola liegt es mir auf der Zunge, aber dieses widerlich süße Amiplörre kriege ich beim besten Willen nicht mehr runter. Und Rhabarberschorle reimt sich nicht wirklich auf dieses leckere Gericht, daher lass ich die Singerei mal sein, ist wahrscheinlich eh besser für alle.

Das Brockenhaus

Aber nun mal ganz von vorne. Ein schöner, entspannter letzter Tag an der Wupper neigt sich dem Ende zu. Das After-Breakfast-Slow-Down-Napping hat ja nun fast schon Tradition. Da ich mir jedoch heute noch etwas vorgenommen hatte, machte ich mich bereits nachmittags auf den Weg. Erste Station war der Bücherladen um die Ecke, wo die Inhaberin Jutta Lücke mir das für heute bestellte feministische Taschenbuch "Die Sprache der Eroberinnen" bereit gelegt hatte. Ok, Buch Nr. 6, aber ich war ja schließlich in einem Buchladen drin. Als nächstes war das Brockenhaus an der anderen Ecke dran, ein Sozialkaufhaus, ähnlich unserem Peppermint in Andernach. Die guten Möbel waren mir zu sperrig, um sie mitzunehmen, filigrane Weingläser zu zerbrechlich, also schaute ich nach was kleinem, stabilem. Und siehe da, es gab eine Ecke mit gebrauchten Büchern! "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" als Taschenbuch für 50 ct., da kann man doch wirklich nicht meckern.

Mit den beiden Büchern Nr. 6 und 7 in der Tasche schwebte ich einige Stationen weiter, um in Elberfeld einen Geldautomaten aufzusuchen. In Wuppertal regiert die Sparkasse fast alleine, Geldautomaten oder sogar Filialen von Genossenschaftsbanken sind dünn gesät. Von der SparDa-Bank gut mit Barem bestückt machte ich mich auf den Weg ins Luisenviertel. Das feuchtkalte Wetter um die 10 Grad und der graue Himmel sorgten nicht für allzu viel Sonne im Herzen, aber ohne einen letzten Gang durch das Szeneviertel wollte ich auch nicht nach Hause fahren.

Ein letzter Schnelltest in der Apotheke bestätigte mir kurz darauf, dass nicht COVID drückte, sondern das Wetter einfach beschissen war. Als ich dann aber die vielen bunten Lädchen sah, ChiCoffee und Alawni Market, Tanzrauschen und Luisa Glücklich Hüte, Katzengold und Milia's Coffee, wurde mir wieder warm ums Herz. Und das bunte Treiben an diesem grauen Tag vertrieb den Missmut ein wenig.

Tanzrauschen
Katzengold
Luisa Glücklich Hüte



ChiCoffee

Zum Schluss ließ ich mich im Don Camillo am Laurenz nieder und wählte eine vorzügliche Variante des zu Beginn erwähnten Nudelgerichts, nämlich mit Olivenöl anstatt der mastigen Sahnesauce. Meine Empfehlung, das war so gut, dass ich fast doch noch angefangen hätte zu singen.


Sentimento grandioso per Italia
Baciato da sole calda
Borsellino è vuoto totale
Perciò mangio sempre solo

Spaghetti Carbonara e una Coca Cola

Stopp, Schluss jetzt! Sonst singt der geneigte Leser dieser Zeilen nachher noch mit.

Von der Station Ohligsmühle ging es dann zurück zum Hotel. Im Hotelzimmer klingelte dann die nächste schöne Überraschung auf dem Handy. Die nette Alicja Darski rief mich wie versprochen an und wir hatten einen interessanten und konstruktiven Austausch darüber, ob bzw. wie wir Andernach und Wuppertal als existierende bzw. geplante essbare Städte miteinander vernetzen können. Ergebnis: Wir versuchen es und bleiben in Kontakt.
Ich wünsche Alicja auch auch diesem Weg nochmal alles Gute für ihre Ausstellung in Remscheid, die sie am Sonntag mit einer Performance eröffnen wird.

Anschließend verabschiedete ich mich noch bei einem Espresso von Frank Birkemeier, dem rührigen Eigentümer meines Glücks-Hotels, der morgen früh endlich mal wieder ausschlafen darf. Nach vielen Früh- und Spätschichten hat sich dieser bemerkenswerte Mensch das aber auch verdient. Ich werde sicherlich wiederkommen und freue mich jetzt schon auf einen Frühlingsausflug auf die umliegenden Höhen, denn es gibt noch weitere Wandertrassen, wie ich mittlerweile weiß.

Zeitsprung mit Kino und Knobi

Heute Abend fand der ursprüngliche Anlass für meine Reise an die Wupper statt - die Filmpremiere. Um 18:30 fand die Premierenaufführung des Dokumentarfilms "Einsichten" im Barmener Cinema statt. Als ich nach dem Frühstück gegen halb elf wieder im Hotelzimmer war, fragte ich mich, ob ich die Zeit bis dahin sinnvoll nutzen oder einfach vertrödeln soll.
Soll man nach einem Trödeltag wirklich noch einen zweiten einlegen?
Anders gefragt: Kann man auf einem Bein stehen? NEIN, ich jedenfalls nicht.
Und so legte ich ohne schlechtes Gewissen einen Lese-, Dös-, Espressoklön-Tag im Hotel ein.

Entsprechend ausgeruht machte ich mich um kurz nach fünf auf den Weg, überbrachte Frau Lücke im Bücherladen unsere aktuelle Glücks-Broschüre und diskutierte mit ihr angeregt über die vielen seit Jahrhunderten eingebürgerten maskulinen Pauschalisierungen in unserer Sprache. Mit leichter Verspätung schwebte ich im Café Moritz ein, um mich an einem Stück Waldmeisterkuchen (den mit der Diät-Sahne) und einem Cappuccino zu laben.
Sekunden nachdem ich Fabienne geschrieben hatte, dass es ein paar Minuten später werden könnte, stand sie auch schon vor mir, schneller als der Blitz. Ich hab es gerade nochmal auf meinem Handy kontrolliert, und tatsächlich steht da in dieser Reihenfolge:
17:36 Ich: Bin noch im Café Moritz. Kann ein paar Minten später werden.
17:35 Sie: Kann Dich da einsammeln, wenn Du willst.
So überwinden heutige Generationen Raum und Zeit.

Pünktlich um 18:15 holten wir im Cinema am Wupperfeld unsere reservierten Karten ab. Im Kino staunten wir nicht schlecht, das Cinema war mit über 60 Besuchern rekordverdächtig gefüllt. Der Kölner Filmemacher Christoph Müller begrüßte zu Beginn das Publikum und stellte kurz den Inhalt seines Dokumentarfilms Einsichten vor. Drei Menschen haben den Mut, vor laufender Kamera über ihre Erkrankungen und ihre Erfahrungen mit psychiatrischen Einrichtungen zu berichten. Ich muss sagen, was die drei berichteten, ging mir sehr nahe. Es wirkte total authentisch und offen, und ich habe keinen erhobenen Zeigefinger gespürt. Eine der drei Protagonistinnen war meine Freundin, Mitschreiberin und Künstlerin Carmen. Sie berichtete, wie die beiden anderen Frauen, über ihre negativen wie positiven Erfahrungen mit psychiatrischen und therapeutischen Einrichtungen und darüber, wie sie ihren eigenen Weg gefunden hat, um ihre Krise zu bewältigen. Beeindruckend.

Carmen Rakemann auf der Kinoleinwand

Im Anschluss beantwortete der Filmemacher noch Fragen aus dem Publikum. Wir waren beide sehr beeindruckt von dem Film, weil er glaubwürdig Dinge zeigte und anspricht, die sonst eher hinter verschlossenen Türen besprochen werden.

Da der Mini-Diät-Waldmeisterkuchen aus dem Café Moritz den Tagesbedarf an Nahrung noch nicht komplett gedeckt hatte und auch Fabiennes Magen  mittlerweile laut knurrte, beschlossen wir, den Abend in der Auer Schule bei einer leckeren Mahlzeit ausklingen zu lassen. Und so kam ich beim dritten Besuch in diesem gemütlichen Ambiente endlich zu der mediterranen Knobi-Gemüsepfanne, die mich schon beim ersten Mal angelacht hatte, die aber aufgrund noch leckerer Tagesgerichte zweimal zurückgestellt werden musste. Mir hat es köstlich gemundet, und über den Salat Bombay sagt Fabis Gesichtsausdruck praktisch alles aus.

Den beiden schmeckt's
Deko: Original NSU Quickly



















Und wieder mal singen wir alle zusammen: EIN SCHÖÖÖNER TAG ....


11 Oktober 2021

Büchertrödeln und fehlende Glücksorte

Eingang zum Frühstücksraum

Was wäre ein Urlaub ohne Trödeltag? Undenkbar! Nach dem Frühstück verlangte zuerst der Geist eine Lesestunde und danach der Körper ein ausgiebiges Mittagsschläfchen. Sollten sie haben!

So begann der wache Teil des Tages heute Nachmittag mit dem Gang zum tatsächlich nah gelegenen NAHKAUF, um die Getränkevorräte aufzufüllen. Auf dem Weg zurück kam ich nicht umhin, unterwegs  im Bücherladen von Jutta Lücke einzukehren, wie bisher bei jedem Besuch in Wuppertal. Nur mal so zum Stöbern. Man MUSS ja nichts kaufen, wenn man eine Buchhandlung betritt. Oder doch? Wenn man nach einem netten Plausch mit der Inhaberin im antiquarischen Teil des Ladens Mark Twain und Birgit Vanderbeke entdeckt, kann man ja einmal eine Ausnahme machen, oder? Naja, wenigstens nur zwei Bücher diesmal.

Nachdem ich die Schätze im Hotelzimmer abgeladen hatte, schwebte ich sogleich wieder weiter nach Elberfeld. Es ist auch schön, einfach mal auf einer der vielen Wupperbrücken zu strehen und zu beobachten, wie die Schwebebahn über einen hinwegrauscht.

Schweben über der Farbmühle

Der Büchervirus forderte nun seinen Tribut. Endlich wollte ich mal den Glücksbuchladen besuchen, von dem ich zwar immer wieder gehört hatte, den ich jedoch bisher nur von außen gesehen hatte. Die Inhaberin war von unserem ELSA-Kümmerer Frank Merken bereits über unser Glücksprojekt informiert und auch mit Broschüren versorgt, die aber so gut angenommen wurden, dass ich mit ein wenig Nachschub gerade richtig kam. Als ich dann das Buch "Stay away from Gretchen" entdeckte, dass Anja so gefallen hatte, konnte ich nicht widerstehen. Aber drei Bücher in zwei Buchhandlungen sind doch noch akzeptabel, oder?

Und jetzt kommen wir zu einem wirklichen Skandal: In dem wirklich gut gemachten Büchlein "Glücksorte in Wuppertal" von Sibyl Quinke fehlt der Glücksbuchladen! Dass die andere außergewöhnliche Buchhandlung, die ich gerade besucht hatte, ebenso wie DAS Glücks-Hotel schlechthin in Wuppertal, das also-Hotel an der Hardt, nicht aufgeführt sind, mag dem beschränkten Platz im Buch geschuldet sein. Aber Glücksorte ohne Glücksbuchhandlung geht gar nicht!

Anschließend schaute ich noch bei Thomas Hardenburg im Antiquariat Bücherkiste vorbei. Und hier fand ich nach der Begrüßung ("Ach hier, der Andernacher!") tatsächlich zweierlei Hilfe: Sowohl ein Buch über  die Geschichte Wuppertals als auch die Kontaktvermittlung zur Abteilung "Essbare Stadt" des Vereins Utopiastadt. Und vier Bücher in drei Buchhandlungen sind doch echt gut, oder?

So endet der Tag mit einem leckeren jugoslawischen Teller in der Auer Schule, einem Espresso an der Hotel-Rezeption und hoffentlich einem Sieg der DFB-Elf in Nordmazedonien.

10 Oktober 2021

Die andere Trasse zur Utopiastadt

Ein Sonntag, wie er im Buche steht, sollte es werden. Und es wurde einer.

Ich machte mich kurz vor zwei gut ausgeruht und gut gelaunt auf zur Schwebebahn, ein paar Minuten später holte ich vom Alten Markt aus Fabienne vor der Tür ab und wenige Minuten (und 30 Höhenmeter) später standen wir auf der Nordbahntrasse. Gestern Samba - heute Nordbahn, so soll es sein. Unser anvisiertes Ziel war das Café Hutmacher am alten Mirker Bahnhof, der Heimat der Utopiastadt. Bei blauem Himmel und Sonnenschein führte uns der Weg durch Wälder und Tunnels, durch Über- und Unterführungen, und vorbei an zahlreichen interessanten Sehenswürdigkeiten wie der Draisinen-Haltestelle und privaten Gärten mit allerlei Objekten. Bei diesem Luxuswetter waren viele unterwegs, sehr viele. Zu Fuß, auf Skateboards und Rädern genossen viele Wuppertaler die vielleicht letzten schönen Herbsttage, um frische Luft zu schnappen. Kinder, Familien, Rentner vieler Nationalitäten zeigten, wie trotz viel Betrieb ein friedliches Miteinander funktionieren kann.

Privater wilder Sonnengarten mit Regenbogenfahne

Durch unser angenehmes Bummeltempo hatten wir Zeit genug, alles unterwegs zu betrachten und erreichten nach fast anderthalb Stunden (und gefühlten 0 Höhenmetern) unser Etappenziel. In der Utopiastadt wird derzeit mächtig saniert, an- und umgebaut, alles ist in schwarzes Tuch gehüllt. Die rückseitige Terrasse des Hutmachers auf der Trassenseite war natürlich mehr als gut belegt, einige warteten bereits am Rand darauf, dass einer der Sonnenplätze frei wird. So ließen wir uns drinnen im gänzlich unbesetzten Gastraum nieder und inspizierten die Kuchenauslage. Fabienne registrierte glücklicherweise durch's Fenster,  dass vor dem Vordereingang gerade ein Sonnentisch frei wurde. Flink wie die Wiesel ergatterten wir uns den sprichwörtlichen Platz an der Sonne, wo wir Kuchen, Cappuccino und erfrischende Kaltgetränke genossen.

Sky blue, Utopiastadt black, Trassenterrasse sunny

Als wir irgendwann sonnenaufgeladen den Weg ins Tal in Richtung Rathaus antraten, mussten wir auf halber Höhe feststellen, dass wir Fabis Handy vergessen hatten. Es war ein ausgesprochener Glückstag, denn selbstverständlich hatte die nächste Gästin an unserem Tisch das Handy entdeckt und abgegeben. Nach diesem Auf- und Abspazieren war auch Fabienne froh, als wir auf dem Laurenz ankamen und dort nochmal beim gleichnamigen Café eine schöne Stärkungspause einlegen konnten. Als wir dann wieder zum Hotel zurückgeschwebt waren, hatten wir den nächsten schönen und stressfreien Tag hinter uns. Fünf Stunden unterwegs, blauer Himmel, frische Luft, Bewegung und Leckereien.

Ein Wochenende, genau wie ich es mir gewünscht habe.

09 Oktober 2021

Mit Samba durch die Trasse

Es gibt Tage, da steht man extra früh auf, um kurz nach neun am leckeren Frühstücksbuffet zu stehen - um sich eine Stunde später nach dem gemütlichen Genuss desselben wieder auf seinem Hotelbett auszustrecken und die fehlenden Stunden Ruhe und Schlaf nachzuholen.
Ein solcher Tag war heute.

also in der Mittagssonne

Gegen halb zwei stand ich ausgeruht in der Mittagssonne vor dem Hotel, als mich die bezaubernde Fabienne abholte und fragte: "Welche Ecke von Wuppertal möchtest Du mir denn heute gerne zeigen?". Ich hatte mir tags zuvor das Buch über die Wuppertaler Glücksorte vorgenommen und dort entdeckt, dass es neben der Nordbahntrasse, die wir schon teilweise erkundet hatten, auf der anderen Seite des Wupper-Tals noch eine Sambatrasse gibt. Während die Nordbahntrasse so gut wie flach verläuft, sollte die Sambatrasse lt. Beschreibung einige "leichte Steigungen" aufweisen. Fabienne hatte diesen Weg auch noch nicht begangen, und so fiel uns die Entscheidung leicht. Ab in die Schwebebahn bis zur Station "Varresbecker Straße", von dort aus war es nicht weit bis zum Startpunkt der Trasse.

300 Meter sind nicht weit, aber wenn sie ausschließlich aus Treppen und Brücken bestehen und 30 Meter Höhenunterschied aufweisen, dann ist man grad mal zu Fuß in den 10.Stock gelaufen. Ja, man spürt das.
Die nächsten 400 Meter auf der Straße wiesen nur 22 Meter Höhenunterschied auf, das war schon fast entspannend. Nach gut 20 Minuten waren wir am Startpunkt der legendären Sambatrasse angekommen. Im 17. Stock sozusagen.
Wer gedacht hatte, das es nun flach würde, sah sich getäuscht. Allerdings verlief die Strecke, die sich durch sehr viel Wald windet und auch einen Blick auf den darunterliegenden Zoo bietet, nun mit Steigungen, die diesen Namen kaum verdienen. Trotzdem freuten wir uns sehr darauf, am alten Bahnhof Burgholz endlich eine Rast einzulegen. Die hiesige Gastronomie würde Leckeres zur Stärkung bieten, und vor allem viel Kaltes zum Trinken. Bis dahin waren es nur 3,5 Kilometer - und weitere 100 Höhenmeter, die aber nach den Treppen zu Beginn fast wie Gefälle wirkten. Dieser sonnige Tag bescherte uns viele schöne Bilder im Wald, wenn Sonne und blauer Himmel durch die Blätter zu sehen waren.

Die Sambatrasse
Sonnige Augenblicke

Fabiennes Kratzer unter der Fußsohle wurde mit einem Spezial-VFL-Pflaster "für die ehrliche Haut" besänftigt, so dass wir gut gelaunt am Gasthaus Alter Bahnhof Burgholz ankamen, das leider geschlossen hatte. Wir registrierten die verzweifelten Blicke eines Ehepaars mit Kind, die aus einem sehr tiefen Seitental hier hoch marschiert waren. Doch während diese Familie nach kurzem Verschnaufen schnurstracks auf der Trasse weiterspazierte, fragten wir vorsichtshalber ein scheinbar einheimisches Rentnerpaar, wo denn die nächste Verpflegungsstation geöffnet hat. Den Umweg über den Tennisplatz nahmen wir nicht, weil nicht sicher war, ob das dortige Clubhaus geöffnet hat. Aber den Tipp Café Schwarz  in Küllenhahn nahmen wir gerne entgegen.

Das war nicht weit von hier, und wir fanden sogar bei Google Maps eine Abkürzung, die uns bereits nach 1 Kilometer und weiteren 50 Höhenmetern direkt zu Speis und vor allem zu viel kaltem Trank führen sollte. Wir verließen die Sambatrasse, auf der das rüstige Rentnerpäärchen weiterspaziert war und erreichten problemlos Küllenhahn, wo das Rentnerpaar plötzlich aus einem Seitenpfad vor uns auftauchte und uns freundlich zuwinkte. Soviel zum Thema Abkürzung.

Zwei Glückliche imLoft

Durchgeschwitzt, aber glücklich kamen wir nach insgesamt knapp 2 Stunden am Café Schwarz an - und mussten dort lesen, dass die Betriebsferien noch bis zum 20.10. andauern. Glücklicherweise entdeckten wir gegenüber eine Bushaltestelle. 3 Minuten später brachte uns ein Bus schnell und sicher zurück in die Zivilisation. Im neuen Ristorante The Loft gaben wir uns dann hemmungslos den Tagliatelle Manzo und dem Handmade Limette-Granatapfel hin. Gerettet!
Das Essen war vorzüglich, der Espresso Macchiato hinterher perfekt. Ein guter Abschluss eines schönen Tages.

Und so beschlossen wir einen weiteren superguten Tag in Wuppertal. Ich bin mir sehr sicher, dass noch einige weitere folgen werden.

08 Oktober 2021

Relaxen zwischen Herbstsonne und Auer Schule

Auch wenn meine heutige Rentner-Morgen-Yoga mangels Platz im kleinen Hotelzimmer einige Anpassungen erforderte, eröffnete sie doch einen wunderbaren Tag. Als ich mit Fabienne im Frühstücksraum des wunderbaren also-Hotels saß, war es schon fast so, als wäre ich nie weg gewesen. Ein Jahr ist es her seit meinem letzten Besuch hier - trotzdem fühlt sich alles sehr vertraut an. Es herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre.
Nachdem wir uns ausgiebig gestärkt hatten, machten wir uns auf den Weg zur Elisenhöhe. Der dortige Botanische Garten hatte es uns schon mehrfach angetan. Gut 20 Minuten bergauf durch den Hardtwald über den Nommensenweg waren eine Wohltat, wenn immer wieder die Herbstsonne vor blauem Himmel durch die Baumwipfel schien.

Der Botanische Garten erwartete uns, und man hatte uns tatsächlich die beste Sonnenbank an den Kräuterbeeten frei gelassen. Ja, wir waren nicht die Einzigen, die in diesem schönen Ambiente Entspannung suchte. Nach drei Minuten Sitzen überkam uns eine wohlige Müdigkeit, wir schlossen für eine Weile die Augen und genossen die Sonne.

Ich durfte dann noch eine Episode aus der Mike-Neuhaus-Chronologie vortragen, eine Open-Air-Lesung gehört hier oben einfach dazu und Fabienne hat sie auch diesmal gefallen. Sie musste anschließend arbeiten, und so machten wir uns entspannt und fröhlich auf den Rückweg zum Hotel.

Die Mittagszeit nutzte ich für ein ausgiebiges Power-Napping, erst am späten Nachmittag überkam mich der Hunger. Auf Empfehlung des Hotelinhabers besuchte ich die Auer Schule, fußläufig erreichbar und mit einem exzellenten Tagesgericht. Knusprig gebratenes Geflügel-Gyros mit Zwiebeln, Tzatziki, Pommes und Salat bildeten den passenden Abschluss des Tages, abgerundet von einem köstlichen und sehr heißen Espresso Macchiato. Aber auch sonst bot die Speisekarte einige außergewöhnliche Angebote und Empfehlungen. 

Auf dem anschließenden Rückweg zum Hotel durfte ich nochmal die abendliche Schwebebahn über die Wupper davonrauschen sehen.

Schwebebahnstation Völklinger Straße

Jetzt liegt es nur noch an unseren DFB-Jungs, diesen Tag mit einem Sieg in der WM-Quali perfekt abzuschließen. Ich drücke die Daumen.

07 Oktober 2021

Vom zögerlichen Murphy bis zum Kaffee am Laurenz

Heute morgen war ich ziemlich gespannt, ob bzw. wie sich mein Freund, der Bahn-Murphy, in meine heutige Fahrt an die Wupper einmischen wird. Am 01.09. hatte ich bereits die Tickets für Hin- und Rückreise gebucht. Am 10.09. schrieb mir die Bahn, dass ich für meine Rückfahrt umdisponieren müsste, weil es meine gebuchte Verbindung dann nicht mehr gibt.
Da jedoch zwischendrin meine Freundin Petra Urlaub mit der Bahn machte, bestand zumindest theoretisch die Chance, dass Murphy ihr Begleitschutz gibt und dann möglicherweise dem Charme der Nordseeinsel verfällt und für immer auf dort bleibt. Spätestens als Petra mir am Rückreisetag schrieb, dass ALLE Katamarane ausgefallen seien, sie auf die spätere Fähre ausweichen muss, dadurch den gebuchten Zug auf jeden Fall verpasst, war mir klar:

Murphy's coming home

Und so wunderte es mich auch nicht, dass ich heute nach dem Aufwachen eine Nachricht der Bahn auf meinem Handy fand. Mein Zug würde 5 Minuten Verspätung haben. Geplanter Umstieg in Köln mit 7 Minuten Puffer bedeutet: GENAU! Was kommt als nächstes?
Meine Alarmsensoren sind aktiviert, manchmal muss man auf Kleinigkeiten achten. Ich beschließe, eine halbe Stunde früher daheim loszufahren. Denn ich weiß, dass der Bahn-Parkplatz nur dann komplett besetzt ist, wenn ich so knapp dran bin, dass ich keine Zeit mehr habe, einen anderen Dauerparkplatz anzusteuern. In diesem Fall ist auch mein Zug plötzlich wieder pünktlich. Wenn man ne halbe Stunde früher da ist, kriegt man dort immer einen Parkplatz. Außer heute.
Ok, kein Problem, ich parke woanders, rolle mit meinem Gerödel durch die halbe Stadt bis zum Bahnhof, bin pünktlich dort und mein Zug kommt tatsächlich mit 5 Minuten Verspätung, so wie angekündigt. Wagen 9 hält genau dort, wo er lt. Wagenstandsanzeiger stehen sollte. Mein reservierter Platz ist frei.
Ich spüre sofort, irgendwas stimmt heute nicht, irgendwas ist anders als sonst.

Auf dem Weg nach Köln holt der Zug manchmal etwas Verspätung auf, manchmal verliert er wieder etwas Zeit, ich werde doch nicht wirklich den Anschlusszug kriegen?! Jetzt fällt es mir ein! In Köln kommen ja grundsätzlich alle Züge auf einem anderen Gleis an, als eigentlich vorgesehen. Dadurch verschiebt sich natürlich auch die Abfahrt jedes Zuges auf ein anderes Gleis. Ich sollte auf Gleis 3 ankommen und auf Gleis 2 weiterfahren, also auf dem gleichen Bahnsteig gegenüber. Das wäre in 1 Minute zu schaffen. Wahrscheinlich ist das Murphys Plan. Vor meinem geistigen Auge sehe ich es jetzt glasklar. Er würfelt gerade aus, ob er mich auf Gleis 17 oder 23 ankommen lässt, um mich mit vollem Gepäck einmal durch den Bahnhof zu jagen, bis ich auf Gleis 2 ankomme, wo die Lautsprecherdurchsage verkündet, dass die RB nach Oberbarmen heute auf Gleis 25 abfährt. Dieser Gauner! Aber ich lass mich nicht verrückt machen, beschließe, einfach abzuwarten, was passiert und ggf. einen anderen, späteren Zug zu nehmen. Ich hab Zeit. Während mir das durch den Kopf geht, piepst mein Handy. Deutsche Bahn meldet Neuigkeiten:
Die RB32436 nach Oberbarmen fährt heute mit ein paar Wagen weniger los, weil die nicht rechtzeitig aus der Werkstatt zurück gekommen sind. Warnung: Es könnte sehr voll werden!
Auch davon lasse ich mich nicht beunruhigen. Jede halbe Stunde fährt ne Regionalbahn in die Richtung, also was soll's? Mittlerweile nähern wir uns Köln Hbf im Schritttempo. So wird das garantiert nix mehr mit dem planmäßigen Umstieg. Wir bleiben sogar kurz stehen, fahren dann wieder an. Welches Gleis hat Murphy für uns ausgewürfelt? Als ich aussteige, muss ich lachen. Wir stehen auf Gleis 2! Also dort, wo wahrscheinlich vor 3 Minuten der RB32436 abgefahren ist. Ich sehe einige Mitreisende auf dem Bahnsteig ratlos gestikulieren. Dann kommt eine Durchsage. Die wird von einem einfahrenden ICE auf einem anderen Gleis komplett unverständlich gemacht. Doch dann ein Blick auf die Anzeige: Der ICE in den Osten, der hier hätte abfahren sollen, fällt komplett aus.
Und darunter unsere RB32436 nach Oberbarmen, die in 2 Minuten abfahren soll.
In Abschnitt A bis C, also dort, wo wir stehen.
Hier steht aber auch unser IC, mit dem wir gekommen sind.
Jetzt kommt Bewegung in die Wartenden.
Jemand hat wohl entdeckt, dass unsere RB im Abschnitt D bis F steht und wartet.
Eine spontane Völkerwanderung setzt ein.
Als wir loslaufen, fährt auch unser IC endlich zurück.
Als die ersten im Abschnitt E bei der 2.Klasse angekommen sind, fährt unsere RB32436 an.
Und hält im Abschnitt A bis C, wie eigentlich vorgesehen.
Unsere Frontrunner haben nun einen weiten Weg zurück.
Wir sind zum Glück noch nicht so weit gehechelt und sind schnell wieder am Zug.
Einsteigen, Platz sichern, und sich wohlfühlen.

Als ich unterwegs resümiere, was jetzt alles passiert ist, muss ich lachen. Murphy hat sich vertan und den IC auf das Gleis 2 gelenkt, so dass unsere RB nicht losfahren konnte. Damit hat er uns die schnelle Weiterfahrt gesichert, was bestimmt nicht seine Absicht war. Ich glaube, Murphy wird auch langsam alt und dösbattelisch, so wie ich. Ach Murphy, mein Freund! Take it easy, but take it!
Wir erreichen Vohwinkel. Der nächste Halt ist Wuppertal Hbf.
Ich denke laut. "Jetzt kann nix mehr schiefgehen!"
Der Zug sollte anfahren, tut es aber nicht. Wir stehen in Vohwinkel.
Hab ich eben zu laut gedacht? Bitte Murphy, nicht jetzt noch!
Nach zehn Minuten fahren wir weiter. Alles ist gut.

Ich lotse den Taxifahrer zum also-Hotel und freue mich, hier wieder freundlich begrüßt zu werden. Ein Jahr ist es her seit meinem letzten Besuch. Ein hartes Jahr, das Corona-Jahr. Aber das also hat überlebt, und das freut mich am meisten.

Nachmittags laufe ich dann noch ein Stündchen vom Bahnhof aus durch die Straßen und erkenne dies und jenes wieder. Dann treffe ich noch meine Lieblings-Wuppertalerin auf dem Laurentiusplatz zu Kaffee und Kuchen. Hach!

Zwei am Laurenz