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17 Juli 2022

Zum Gedenken

Ich kenne Angelika seit 2007, aus einer ambulanten Gesprächstherapiegruppe. Sie war ein "Meenzer Meedsche" aus Mombach, das es in erster Ehe in den Westerwald verschlagen hatte. Wir freundeten uns schnell an und unternahmen in den nächsten Jahren einiges zusammen. Im September 2009 schipperten wir gemeinsam über die Donau bis nach Budapest und zurück. Eine sehr schöne Reise.

Angelika und Annette

Und im März 2010 besuchten wir gemeinsam die Leipziger Buchmesse.

Mädlerpassage in Leipzig

Beides waren Angelikas Ideen, als gelernte Bibliothekarin besuchte sie 2009 in Wien die Stadtbibliothek und auf der Buchmesse gab es auch viele tolle Sachen zu sehen und zu hören.

Hier startet die Donaufahrt und hier die Reise nach Leipzig.

Später heiratete Angelika dann ins Westfälische und unsere Begegnungen wurden seltener. Aber immer, wenn sie hier in der Gegend war, wo ihre beiden erwachsenen Töchter lebten, trafen wir uns und es war, als wenn keine Zeit dazwischen vergangen wäre. Zudem nutzten wir beide die modernen Kommunikationsmedien und schrieben uns  Geburtstagsgrüße oder was sonst so anlag. Ihre Erkrankung war schwerer geworden, sie konnte schon jahrelang nur noch mit Beatmungsgerät den Alltag meistern. Nie hat sie dabei die positive Grundhaltung verloren. Ich gebe zu, das häufige reflexhafte helle Gickeln war auch manchmal nervig, und das konnte ich ihr auch sagen. Heute vermisse ich es.

Anfang Juni hatte Angelika mir geschrieben, dass sie Mitte Juni für zwei Tage in Andernach sei und gefragt, ob ich daheim wäre und wir uns treffen könnten. Sie sei auf dem Weg in die Intensivstation und hoffe, dort schnell eine Spenderlunge zu bekommen, denn das war das Einzige, was ihr bei ihrer Krankheit Lungenhochdruck noch helfen konnte. Sie wolle sich nur vorher 'verabschieden'. Ich habe ihr abgesagt und um Verständnis gebeten, weil es mir selbst seit Anfang des Jahres nicht gut geht. Sie hatte Verständnis und wir haben uns darauf geeinigt, dass wir uns wieder treffen, wenn sie eine neue Lunge und ich neue Ohren hab.

Am Montag, dem 13.Juni, schickte sie mir Bilder aus Andernach von der SkyLounge und vom Merowingerhof und schrieb, dass sie den Aufenthalt genossen hat.

Am 25.06. schrieb mir ihre Tochter Jenny, dass es der Mama sehr, sehr schlecht geht und dass sie in dem Zustand keine OP bekommen kann. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung, dass sie sich wieder fängt. Ich habe ihr daraufhin eine Mutmach-Sprachnachricht geschickt, auf die sie auch reagierte.

Am 29.06. schrieb Angelika dann: Hallo meine Lieben, ich stehe auf Platz 4 der Transplantationsliste. Bekomme also bald eine wunderschöne neue Lunge 🎉
Ich hab mich sowas von gefreut, dass sie doch noch die Kurve gekriegt hat.

Am nächsten Morgen, dem besagten 30.06., saß ich mit meinem Bruder am Frühstückstisch. Kurz vor neun klingelte mein Handy. Angelika. Sie wusste, dass ich wegen meines Hörsturzes nicht telefonieren kann, weil ich am Telefon nix verstehe. So bat ich meinen Bruder, das Gespräch anzunehmen. Es brauchte 3 Versuche, bis die Leitung stand und mein Bruder sie einigermaßen verstehen konnte. Er erzählte mir danach: Sie wollte sich nur nochmal bei mir melden, weil die Ärzte jetzt nichts mehr machen. Es geht zu Ende. Das zog uns beiden die Beine weg.

Kurz vor Mittag kam die Nachricht von Jenny: Hallo ihr Lieben, unsere Mama ist eben friedlich eingeschlafen und ist jetzt bei unserer Omi❤️

Heute schreibe ich ihr zum Gedenken diesen blog-Beitrag. Liebe Angelika, ich bin traurig, dass du nicht mehr hier bist und gleichzeitig froh, dass du nicht länger leiden musst. Wir werden uns wiedersehen.


22 März 2010

Schumann's Traum im Coffee-Baum

Am Heimreisetag schlug der Regen dann doch noch zu. Wir hatten 4 Stunden, um die Altstadt zu erkunden. Über Nikolai- und Thomaskirche gings zum Coffee-Baum, einem der ältesten Kaffeehäuser Deutschlands, mit einem interessanten Rundgang durchs integrierte Kaffeemuseum.









Hier konnte man sich vorstellen, wie es früher in der Kaffee-Stadt Leipzig zugegangen ist. Im Kaffeehaus selber mundete "Schumann's Traum" vorzüglich. Da unterwegs noch die Mädlerpassage und ein Besuch im Jokers-Ladengeschäft mit Sonderangeboten lagen, waren die Zeiten im Regen auf den Straßen doch überschaubar. 

Nach einem kleinen Essen im Bahnhof gings dann sehr schnell heim. Aus den geplanten 15 Minuten Verspätung waren am Bahnhof Frankfurt/Flughafen 2 Minuten "Verfrühung" geworden, so dass wir dort direkt in den ICE nach Koblenz steigen konnten. Auch ohne Reservierung war der ziemlich leer, wir hatten nette Unterhaltung mit 2 geselligen Bonnern und waren schon um halb acht wieder daheim. Anscheinend fand der große Rückreiseverkehr erst am Sonntag statt. Wir haben bereits beschlossen, beim nächsten Besuch ein paar Tage länger dort zu verweilen.


19 März 2010

Buchmesse pur

Ein langer Tag geht zu Ende. Nach dem Frühstück direkt zur Buchmesse, leider sind die Trams schon so überfüllt, dass wir die letzten 2 km zu Fuß zurücklegen. In den Messehallen angekommen, merken wir schnell, das man sich ohne einen groben Zeitplan völlig verzettelt, so viel gibt es hier zu sehen und zu hören. Wir fangen gemeinsam bei der eBook-Plattfrom des deutschen Buchhandels an und enden im umfangreichen Angebot des Hörbuchverlags, dessen Namen ich vergessen habe. Dazwischen u.a. Nina Hagen, bei der es mir immerhin gelingt, so nah ranzukommen, dass ich für einen kurzen Sekundenbruchteil die gelbe Papageienfeder (oder was das auch immer sein sollte) im Haupthaar der Kosmapolitin zu sehen, die mit kleinkindhafter Stimme verkündet, dass Jesus sie liebt und dass sie eigentlich schon immer Christin gewesen sei. Der interessante Bericht von Prof. Schlagmichtot über den Nutzen von Raumfahrtmissionen zu Mars, Jupiter und den Saturnmoden bietet eindeutig mehr Fakten. Der Vortrag von Herrn Mynarek, einem bekannten Kirchenkritiker, ist leider erst am Samstag abend, wenn ich schon wieder kurz vor daheim bin. Dazwischen immer wieder kilometerweise Hallenbesichtigungen und kurze Kaffeepausen nebst Unterhaltungen mit anderen Besuchern und Ausstellern. Kurz nach 6 fahren wir mit der Tram bis in die Karl-Liebknecht-Straße, wo uns ein sehr freundlicher Leipziger zum naTo und vor allem zu Killiwilly lotst. Beim Iren sitzen wir bis halb 9 Uhr draußen, verdrücken leckere Spießchen, löschen unseren Durst und wandern dann ein wenig durchs Kneipenviertel. Beim Italiener beschließen wir den Abend mit einem Eis, ich gönne mir noch einen vorzüglichen Espresso Macchiato und schmauche eine lecker Fantje. Und jetzt, zurück im Hotelzimmer, spüre ich, dass es ein langer Tag war und werd mich gleich der Augenpflege widmen.

18 März 2010

Leipzig .... wird Ihnen gefallen!

Mit Hindernissen tuts das auch. Der freakige bärtige lederjackige Besitzer der preiswerten Pension, die wir Juni letzten Jahres gebucht und im September nochmal haben bestätigen lassen, erklärt uns bei der Ankunft (nach 10 Minuten Kofferschleppen von der Haltestelle aus), dass er eine schlechte Nachricht für uns habe. Ich hielts anfangs für einen schlechten Scherz, aber es war so: Zimmer weg! 40 Euro fürs Einzelzimmer mit Frühstück, kriegt man während der Messe noch nicht mal in 50 km Entfernung auf einem Kuhdorf. Aber bevor wir uns richtig aufregen, erklärt er, dass er sich ja gekümmert habe. Sein Kumpel fährt uns jetzt in ein Hotel, 5 Minuten entfernt. Wir sind skeptisch, aber es stimmt: Wir sitzen im Hotel fürs gleiche Geld, das regulär derzeit pro Zimmer und Übernachtung 108 Oere kostet - ohne Frühstück. Ok, 2 Busstationen weiter vom Zentrum, aber eine ganz andere Liga als die Freak-Pension. Bin echt gespannt auf das Frühstücksbuffet morgen früh. Ansonsten hat's heut Abend noch zu Kurztrips gereicht: 
Angelika hat ihre Schwestern und Cousinen besucht, während ich in der alten Handelsbörse den Worten von F.C. Delius lauschte, der seinen neuen Roman als Hörbuch vorstellte. Eine sehr interessante Hommage an den alten Konrad Zuse und seine Freundin im Geiste, Ada Lovelace. Netterweise hat mich Annette in der Stadt abgesetzt und anschließend wieder abgeholt. Morgen wird nach dem Frühstück die Messe erobert, wir haben uns aus dem Katalog schon gefühlte 27 Veranstaltungen rausgesucht, von Frank Goosen über skandinavische Autoren zu Knastbibliotheken und verschiedenen Kaffeehäusern auf dem Messegelände. Und abends die lange Hörbuchnacht des WDR. Alles dabei. Morgen Abend werden wir wahrscheinlich unsere Füße nicht mehr spüren, aber viele neue Anregungen mitnehmen.

20 September 2009

Ausklang in Passau

Es ist kurz vor 16 Uhr, wir sitzen im ICE Richtung Heimat. Heut morgen um 9 sind wir in Passau von Bord gegangen. Moni und Helmut haben uns noch einen sonnigen Tag lang Gesellschaft geleistet und uns Passau gezeigt. Rischdig schee woar's mit den beiden fränkischen Urbayern, die uns netterweise noch bis zum Bahnhof begleitet haben.
Nachdem ich im Zug den großen Wandschrank meiner Begleiterin mühsam und unter Mithilfe anderer Passagiere im untersten Fach des Kofferablageregals untergebracht habe, bin ich froh, auf meinem reservierten Fensterplatz zu sitzen und die Erlebnisse und Eindrücke der Reise vor meinem geistigen Auge Revue passieren zu lassen. Just in diesem Moment, wir sind gerade ein paar Minuten unterwegs, fällt meiner Begleiterin ein, dass sie die Kopfhörer nicht im Handgepäck, sondern im gerade verstauten Wandschrank untergebracht hat und sie beginnt im Mittelgang kniend in diesem zu wühlen. Und sie findet diese tatsächlich beim einarmigen Blindwühlen! Frauen sind schon manchmal unbegreiflich. Nun sitzt sie neben mir, zeitunglesend, mit Kopfhörer radiohörend, gähnend. Multitasking eben. Die Landschaft zieht vorbei, Sonnenschein, Urlaubsstimmung (ich hab ja daheim noch ne Woche frei!). Alles wird gut! P.S. Moni und Helmut: Direkt unter dieser Zeile ist der Knopf für Kommentare. Falls Euch das Foto nicht gefällt, bitte meldet Euch, dann nehm ichs raus. Was echt schad wär ;-)

19 September 2009

Braune in Melk

Letzter Tag der Reise. In Melk wird ein morgendlicher Ausritt mit Klosterführung und Weinprobe angeboten, auf die ich schweren Herzens verzichte. Stattdessen wirds vormittags ein Besuch im Städtchen, wo ich unsere Mitfahrer Helmut und Moni treffe. Wir lassen uns in einem Straßencafe am Rathausplatz nieder, und ich geniesse einen großen und einen kleinen Braunen, beide munden vorzüglich. Während des gewohnt pompösen Mittagessens an Bord legen wir wieder ab in Richtung Endstation Passau, wobei der folgende gemütliche Sonnentag auf dem Oberdeck bei Kaffee und Zeitung und netten Erzählungen über 

Berliner Bärenknochen uns allen gut tut. Abends gibt es dann das Captain's Dinner. Das bedeutet für uns primär, dass für den Kapitän und seine Führungscrew ein weiterer Tisch in unsere Reihe geschoben wird. Wodurch die Wahrscheinlichkeit, sich unfallfrei zwischen Tisch und Stuhl reinzuschieben, arg dezimiert wird. Als Entschädigung gibt es den Einmarsch der Kellner mit lichterloh brennenden

Eis-Desserts in der Hand, ebenso die Präsentation des Küchenchefs und all seiner Smutjes. Und nun, nachdem ich das vermutlich letzte Spiel unseres Schweizers als VFL-Trainer im Sportstudio miterleben musste, nachdem der Koffer gepackt, die Bordrechnung bezahlt ist, versuch ich noch ein wenig die Äuglein zu schließen, denn morgen früh gehts zackig nach dem Frühstück zum Auschecken.

18 September 2009

Shopping Bratislava

Die slowakische Hauptstadt Bratislava (ehem. Preßburg) zeigte uns heute Ihr freundliches Gesicht. Da die 3.Stadtbesichtigung am 3.Tag das Fassungsvermögen unserer Köpfe gesprengt hätte, entschieden wir uns für einen kleinen Altstadtbummel. Ein sympathisches Städtchen mit vielen historischen Bauten und restaurierten Gassen, die Häuser meist im schlichten linearen Stil (Bauhaus?), viel Gastronomie auf den Straßen, aber auch Geschäftchen aller Art, Banken, Juweliere, Souvenirbuden. Und es wirkte trotzdem nicht überladen. Schön gemacht! 

Zum Abschluss genossen wir Kaffee, heiße Schokolade und slowakische Beugel im alteingesessenen Kaffeehaus Mayer am Hauptplatz. Da wir schon um 16 Uhr wieder ablegten, blieb noch genügend Zeit für die Zeitungslektüre auf dem Sonnendeck, während die geschichtsträchtige Landschaft bei schönstem Wetter an uns vorbeizog. Wenn ich den Worten meiner Begleiterin glauben darf, habe ich auch ein paar Minuten Augenpflege betrieben. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass die vielen freien Liegestühle um mich rum nur auf ein paar leise Schnarchlaute zurückzuführen sind. Das Abendessen wurde uns diesmal von schröcklichen Piraten serviert. Auch bei den Seeräubern gab es 5 tolle Gänge, die uns deftig auf die Tische geknallt wurden. Und so sitz ich nun satt und glücklich in meiner Kabine, erstelle diesen Bericht und werde ein wenig traurig, weil diese schöne Reise nun bald zu Ende geht. Morgen werd ich nach dem Frühsport (JA! Hüpfen und Schwingen auf dem Sonnendeck! Zu seniorengerechter Entspannungsmusik) den Tag der Klosterbesichtigungen in Melk zum Faulenzen auf Deck nutzen. Und am Sonntag morgen schiffen wir in Passau aus.

17 September 2009

Leaving Budapest

Wir sind schon am Wendepunkt der kurzen Reise angekommen. Die ungarische Doppelstadt rechts (Budai) und links (Pescht) der Donau hat uns heute fast durchgehend mit Nieselregen begrüßt. Bei der Stadtrundfahrt heut morgen mit Zwischenstopps im Kaffeehaus und auf dem Burgberg konnte ich mir wieder kaum einen Namen der unzähligen Pracht- und Prunkbauten merken - und wir haben nur einen kleinen Teil gesehen. Der Ausblick vom Burgberg (in Budai)

auf die Donau und Pest ist schon beeindruckend. Und dass ich mittlerweile selbst solche Höhen geniessen kann, macht mich ein Stück froh. Zurück auf dem Schiff liessen wir es uns beim obligatorischen 5-Gänge-Menü gutgehen. Die Portionen der einzelnen Gänge sind, vorsichtig ausgedrückt, sehr übersichtlich. Sie schmecken gut bis ausgezeichnet und man ist am Ende, d.h. nach ca. 1,5 Std, 3 leckeren Käsestückchen und einer Tasse Kaffee zum Abschluss pappsatt. Hier lernt selbst ein eingefleichter Schnellschlinger wie ich, das Essen zu geniessen. Nachmittags machten wir uns auf eigene Faust in die Innenstadt. 

Die Markthalle ist groß und bietet eine Riesenanzahl an Ständen mit Obst, Gemüse, Fleisch, Käse, Gewürzen, Wein, gehäkelten Deckchen, bunten Ansichtskarten, Briefmarken, pinken Kinder-T-Shirts mit Katzen drauf, Bierständen, Imbissbuden, Wechselstuben, Souvenirshops usw. usw. auf 2 Ebenen. Den Supermarkt im Keller haben wir uns dann erspart. Also kurzum, von Touri-Kitsch bis Leckerlis ist alles vertreten. Auf dem Rückweg durch die Vaci utca besuchten wir u.a. ein Internetcafe, da die horrenden UMTS-Preise das Runterladen von mails mit Anhang auf dem Schiff unerschwinglich machen. Hat schon mal jemand versucht, auf einer ungarischen Tastatur mails zu beantworten? Ohne Umlaute und Sonderzeichen ? Und viele Buchstaben und Satzzeichen an ganz anderer Stelle ? Da wird jede Kurznachricht zur abendfüllenden Beschäftigung. Nun sind wir wieder auf dem Schiff, mir tun Füße weh, und wir haben gerade wieder ein 5-Gänge-Abendmenü genossen. In den nächsten Tagen ist etwas mehr Entspannung angesagt, da ich die Besichtigungsfahrten in Bratislava und der Wachau nicht mitmache und stattdessen bei hoffentlich schönem Wetter das Panoramadeck geniessen möchte. Bratislava läd zum Besichtigen der Innenstadt auf eigene Faust ein, aber das reicht dann auch. Zum ersten Mal gehen die Gedanken in Richtung Sonntag morgen und Ankommen in Passau. Was bin ich froh, dass ich anschließend noch ne Woche frei habe :-)

16 September 2009

Vienna calling

Auch der 2. Reisetag war ein schöner und angenehmer. Wecken per Bordradio mit Vogelgezwitscher und leisen Walzerklängen. Die Reiseleiterin meldet sich nach ein paar Minuten und begrüßt mit österreichischem Charme die "sehr geöhrt'n Doam'n und Heeern" zu diesem wundervollen Morgen. Um 07:15 steh ich (1,92m) mit Animateurin Reni (1,60m) und 6 weiteren Frühaufstehern im Tanzbereich (3m x 4m) der Panoramabar (Höhe 1,97m) und lasse mich zu einer lockeren Runde Morgendehnübungen im Donauwalzertakt animieren. "Und jetzt die Hände über'm Kopf zusammenschlagen" klappte nur mit gebeugten Knien, aber es hat mir gut getan und Spass gemacht. Dann kurz unter die Dusche und gemütlich zum gut sortierten Frühstücksbuffet. Es gibt sogar Quark zur Marmelade, Waldbeeren, hmmmmh das gibt Pluspunkte. Der Kaffee ist gut geniessbar. Zum Abschluss noch nen Apfel mitgeholt, dann heißt es fertigmachen zum Wientrip auf eigene Faust. Meine Begleiterin Angelika möchte gern die neue Stadtbücherei am Loritz-Platz besichtigen, und so gehen wir zur nächsten U-Bahn-Haltestelle. Hier ziehn wir uns jeder ne 24-Std.-Wien-Karte - für 5,60 Euro. Dafür käm ich daheim nicht mal nach Müllem und zurück, unglaublich! Über Umstiege am Stephansdom und am Westbahnhof sind wir ruckzuck da. Ich schau mir statt der Bücherei lieber die Straßen drumherum an, trinke einen leckeren Espresso. Anschließend futtern wir Hendl-Schnitzel mit Pommes und laufen ne Weile durch die Kayserstrasse.

Die letzte Station bis zurück zum Westbahnhof fahren wir mit der Straßenbahn. Von dort finden wir die Straßenbahn-Linie 5, die uns quer durch die Stadt bis zum Praterstern bringt. Eine U-Bahn-Station und 10 Gehminuten später sind wir wieder am Schiff, wo schon die Busse zur gebuchten Stadtrundfahrt bereitstehen. So viele historische Gebäude wie uns der Reiseführer im breiten Wiener Dialekt unterwegs zeigt, kann ich mir überhaupt nicht merken und bin daher froh, dass wir 2 längere Fußwegpassagen haben. Am Hundertwasserhaus und am Stephansdom. Auch der Espresso im Hundertwasser-Village kann sich sehen lassen, ebenso wie der beim Italiener, den wir vom Stephansdom aus beim Gang durch die Stadt aufsuchen. Nachher, zurück auf dem Schiff, nehme ich mir etwas Zeit, die unterwegs gekaufte taz zu lesen und verbinde das mit kurzen Momenten der Augenpflege.

Denn es steht uns ein 5-gängiges bulgarisches Abendessen bevor. Und auch, wenn ich mir die Namen der Gerichte nicht merken kann (außer Moussaka), es schmeckt eins leckerer als das andere. Unser junger Kellner ist supernett, einfach eine Essensatmosphäre, wie sie mir gefällt, locker und fein zugleich. Ich muss gestehen, dieses Niveau hätte ich hier nicht erwartet. Und so sitz ich denn in meiner Kabine und verfasse diese Zeilen, denn der heut abend angekündigte bulgarische Abend scheint mir doch eher seniorengerecht zu sein, und den Senioren (ja, einige sind unter den Reisenden) gönn ich das auch. Morgen früh wird wieder gedehnt und gestretcht, und dann erwartet uns Budapest. Und darauf bin ich sehr gespannt.

15 September 2009

Probefahrt mit Wandschrank

Die Deutsche Bahn hat uns heut morgen zuverlässig nach Passau gebracht. Ich hatte Klamotten für 5 Tage in einem großen Koffer mitgenommen, meine Begleiterin hatte es vorgezogen, sich für 6 Wochen auszustatten, was ihren Riesenkoffer bis zur Unkenntlichkeit verformte (O-Zitat eines hilfreichen Passauer Bahnbeamten: "Ein Wandschrank"). Wir fanden eine Großraumtaxe, die uns zur Anlegestelle brachte, und dort hilfreiche Matrosen, die unser Gepäck direkt in die Kabine brachten. Nachdem der erste Tag auf dem Wasser nun langsam zu Ende geht,

die vorgeschrieben Rettungsübung mit Schwimmweste überstanden ist, sind wir sehr zufrieden mit allem, was wir vorfanden: Supernette Crew, schönes Schiff (und kein schwimmender Chromglaskasten), 5-Gänge-Abendessen, mit viel Stil serviert, gute Stimmung, humane Preise - also alles vom besten. Wir befinden uns mittlerweile in Österreich und haben uns morgen für die Wien-Besichtigung angemeldet. Einziges kleines Manko: Der Espresso ist dem Geschmack nach ein Kaffee vom Herdmaschinchen, aber morgen wartet ja Wien mit einem Braunen im Kaffeehaus. Oh Felix Austria! P.S. Und es stimmt: Wir haben den Altersschnitt auf dem Kukident-Dampfer deutlich gesenkt :-)