10 Januar 2019

Aktualisiert: Berührende Bücher

Beim Suchen einer Buchrezension kam mir der Gedanke, endlich mal eine Liste meiner Lieblingsbücher aufzustellen, genauer gesagt der Lieblingsbücher der letzten 20 Jahre. Denn erst im Jahr 1996 brachte mich meine alte Liebe dazu, überhaupt mal etwas anderes als Fachliteratur, Tageszeitung und Rolling Stone in die Hand zu nehmen.
Das schaffte sie, indem sie mir den kleinen Hobbit schenkte. Dafür (und für vieles andere) bin ich ihr bis heute dankbar. Die Geschichte von Bilbo Beutlin hat mich damals so gefesselt, seitdem kann ich mir ein Leben ohne Bücher nur noch schwer vorstellen.
Auf eine Reihenfolge möchte ich nicht festlegen. Zum Einen fehlt mir jegliches literarische Grundwissen, zum Anderen hängt es auch oft von der aktuellen Befindlichkeit ab, wonach einem gerade der Kopf steht. Daher geht diese Liste auch querbeet durch alle Genres.

Der Hobbit + Der Herr der Ringe - J.R.R. Tolkien
Otherland - Tad Williams
Der RAMA-Zyklus - Arthur C. Clarke
Die Zeit-Verschwörung - Stephen Baxter
Zeitstürme - Kage Baker
1Q84 - Haruki Murakami
Die Chroniken der Zeitpatrouille - Poul Anderson
Enders Spiel - Orson Scott Card
Alles, was wir geben mussten - Kazuo Ishiguro
Replay - Das zweite Spiel - Ken Grimwood
Schattenklänge - Lewis Shiner
Die denkwürdige Geschichte der Kirschkernspuckerbande - Gernot Gricksch
Becks letzter Sommer - Benedict Wells
Liegen Lernen - Frank Goosen
Herr Lehmann - Sven Regener
Emmas Glück - Claudia Schreiber
Niemalsland - Neil Gaiman
Gott bewahre! - John Niven
Alte Liebe - Elke Heidenreich
Eine wie Alaska - John Green
Und Gott sprach: Wir müssen reden! - Hans Rath
Ich und die Menschen - Matt Haig
Heldensommer - Andi Rogenhagen
Die unglaubliche Reise des Smithy Ide - Ron McLarty
Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat - Gavin Extence
Letztendlich sind wir dem Universum egal - David Levithan
Was man von hier aus sehen kann - Mariana Leky
Der Ozean am Ende der Straße - Neil Gaiman
Skippy stirbt - Paul Murray
Der Grund - Anne von Canal
Eleanor & Park - Rainbow Rowell
Die Knochenuhren - David Mitchell
Nachricht von Dad - Matt Haig
Die lange Erde - Stephen Baxter & Terry Pratchett
Wie man die Zeit anhält - Matt Haig
Kindheitsroman (+Folgeromane) - Gerhard Henschel


Bestimmt hab ich noch genau so viele Bücher vergessen. Schreibt mir Kommentare, wenn Ihr zu wissen glaubt, was ich vergessen hab.


24 Dezember 2018

Feelin' blue, aber in schön

Der heutige Tag ist ein Paradebeispiel dafür, dass man die englische Redewendung "I'm feelin' blue" auch sehr positiv interpretieren kann. Nach zwei Überraschungsbesuchen von lieben Freunden, einmal morgens, einmal nachmittags, nach dem Genuss einer leckeren Paella und - was darf nicht fehlen? - einem leckeren Espresso aus der Lavazza-Blue-Tasse sitze ich hier in meinem eigenen Zuhause vor der schönsten blau-weißen Tasche der Welt und könnte alle und jeden umarmen. Hach!
Blue, blue, blue ...
Als mein Brüderchen mir heute ein Foto von seinem Besuch am Grab der Eltern zusandte, kamen Erinnerungen hoch, an die letzten Heiligabende bei den Oldies, die uns vor ein paar Jahren verlassen haben. Und es fühlt sich gar nicht nach Trauer und Verlust an, sondern nach der schönen Erinnerung an Nudel-, Kartoffelsalat und leckeren Spießbraten vom Ali. An die Bescherung danach, an die leuchtenden Augen des alten Herrn beim Anblick der Olympiasammelalben von 1936 und 1938, der Alben seiner Kindheit, an das glückliche Gesicht unserer Mutter, wenn sie uns von früher erzählte.

Ein Ritual, dass wir uns in den Jahren vorher mühsam erarbeitet hatten. Mühsam, aber erfolgreich. Nach vielen schwierigen, konfliktbeladenen Jahren war es uns gelungen, einen gemeinsamen Weg zu finden, der sich für alle Beteiligten gut anfühlte. Wenn ich bedenke, welche heftigen Auseinandersetzungen wir über Jahrzehnte ausgefochten haben, dann war das eine tolle Leistung von uns allen. Sowohl die Eltern als auch mein Bruder und ich haben uns bewegt, uns zurück genommen, uns bemüht, bis es letztendlich diesen Weg gab.
Und heute noch, wo "der Gerrad" und "ed Friedsche" seit Jahren nicht mehr bei uns sind, kann ich mich mit einem guten Gefühl an die letzten gemeinsamen Heiligabende erinnern. Auch als nach dem plötzlichen Tod unseres Vaters die letzten Jahre mit der eigensinnigen Mutter alles andere als einfach waren, bleibt das gute Gefühl, das wir uns bis zum Schluss um sie gekümmert haben. Wenn ich mir dagegen vorstelle, wie das gewesen wäre, die Eltern ohne Versöhnung verloren zu haben, dann spüre ich sofort, dass ich mir das erst gar nicht vorstellen will. Der Herr wird sie in Frieden ruhen lassen.

22 Dezember 2018

Alter ist relativ

Wenn man, wie ich, auf die 62 zugeht, fühlt man sich innerlich ja nicht wirklich alt. Das hab ich auch von vielen anderen Menschen so oder so ähnlich gehört. Das innere Kind wächst offensichtlich sehr viel langsamer als die äußere Hülle.
Trotzdem gibt es einige Signallampen, die so unübersehbar sind, dass auch mein inneres Kind es höchstens schafft, sie ein wenig an den Rand der bewussten Wahrnehmung zu drängen. Wenn ich z.B. mal wieder die Treppe runter, aus dem Haus raus und nach vorne an den Carport gelaufen bin, und dann dort völlig ahnungslos bin, was ich eigentlich da wollte. Das ist so eine Lampe.
Ok, ist mir auch im Alter von 25 schon mal passiert. Aber seltener. Viel seltener. Und es hatte andere Gründe. Nach einem wochenendlichen Dreitagerennen durch die heimische Kneipenszene war ich schon mal froh, wenn ich meinen Namen noch wusste. Aber heute? Kann ich eigentlich nur was aus dem Auto holen gewollt haben. Sonst ist im Carport nix Nennenswertes zu finden. Ich hab aber gar keinen Autoschlüssel dabei. Komisch. Jetzt ganz ruhig bleiben und logisch denken. Ich schlurfe zurück ins Haus. Wenn ich jetzt den Schlüsselbund hole und wieder zum Auto gehe, wird es mir einfallen. Bestimmt. Gesagt getan. Im Haus dann den Schlüssel suchen.
An seinem Stammplatz im Regal ist er nicht. Hmmmh, den hab ich doch immer nur da oder in der rechten Hosentasche. Ein Griff in die rechte Hosentasche - kein Schlüssel. Aber mein Handy. Was macht das denn in der rechten Tasche? Das ist doch immer in der linken! In der linken Tasche ist - der Schlüsselbund! Ach ja, ist klar, wenn rechts das Handy ist, kann ich den Schlüsselbund nicht auch noch dort einstecken und hab ihn in die linke Tasche getan. Ich wusste doch: Es gibt für alles eine logische Erklärung!
Mit dem Schlüsselbund in der Tasche wieder zurück zum Auto. Hmmh, was will ich denn am Auto? Immer noch keine Ahnung. Und als ich da so stehe, fällt mein Blick zur Straße auf den Briefkasten. Ach ja, ich wollte nach der Post sehen. Aufschließen, nachsehen - nix drin. Ach herrje, wir ham ja Sonntag! Wenigstens klärt sich so alles auf. Aber ich muss mir selbst eingestehen, dass mich die Altersstruddeligkeit doch ein wenig erwischt hat.

 Mir fällt spontan die Szene von letzter Woche ein, als ich am Kassenautomat des Parkhauses fast verzweifelt bin, der Drecksautomat wollte meinen gelben Parkchip nicht akzeptieren, behielt ihn ne Weile ein, rumpelte, machte Stimmen, um ihn dann wieder auszuwerfen. Im dritten Versuch hab ichs dann mit kräftigen Fausthieben versucht. Vergeblich. Auch diesmal spuckte er meinen Chip wieder aus. Meinen gelben EINKAUFSWAGENCHIP! Den hinter mir Wartenden ist es nicht aufgefallen. Ich hab das Teil dann unauffällig gegen den richtigen Chip getauscht, den ein paar Mal an meiner Jeans gerieben und dann "Also, es geht doch!" gesagt, als ich bezahlen konnte. Aber gut, die Chips waren beide gelb, das kann ja dann mal passieren.

Ok, die Häufigkeit solcher oder ähnlicher Vorgänge steigt in den letzten Jahren linear an. Und als ich eben darüber nachdenke und mir endgültig eingestehe "ICH BIN ALT und ich steh dazu!",  schalte ich den Fernseher nach dem Fußballspiel um und erschrecke mich, denn ich bin hier gelandet:

Mutantenball  mit Andy Borg

und singen bumsfallera .....
Und nun weiß ich: Ich bin gar nicht alt! Es gibt noch viele, viele Menschen, die viel, viel älter sind als ich. Darunter sogar einige, die nach mir geboren wurden. Jetzt geht's mir direkt besser.
Ich schalte den Fernseher aus und lege die neue Feelies-CD ein. Schööön!

16 Dezember 2018

Ernie, Staarman und ein alter Bärenknochen


Es waren einmal drei Jungs, die vor langer, langer Zeit im selben Dorf aufwuchsen. Es mag vor 45 Jahren gewesen sein, da begannen die beiden älteren Jungs, abends gemeinsam um die Häuser zu ziehen anstatt brav zum Abendessen am Familientisch zu sitzen. Ernest International und der noch junge Bärenknochen erlebten viele schöne Skatabende, heiße Kickerduelle und spannende Fußballübertragungen. Spätestens, als der Benny-Hill-Klassiker in den SWF3-Top-Ten bei Frank Laufenberg auftauchte, wurde aus Ernie der schnellste Milchmann des Westens, während Bearbone sich mehr anderen Getränken widmete und alsbald die elterliche Höhle und das Dorf verlies.



Längst hatte auch der kleine Bruder des Bärenknochens, der junge Sternenmann, begonnen, seinem großen Bruder nachzueifern und wurde zunehmends häufiger beim Abendessen vermisst. Und so beschritt jeder von ihnen seinen Lebenspfad, der Bärenknochen und der Milchmann verloren sich komplett aus den Augen, nur die Lebenswege der beiden Brüder kreuzten sich immer wieder und sie liefen immer wieder kleine und große Abschnitte zusammen.
Smoking Ernie
Und heute, Jahrzehnte später, laufen alle drei Fäden wieder zusammen. Einer kommt mit dem Bus, einer mit der Bahn und der dritte mit dem Auto und treffen sich am Wochenende in der nahe gelegenen Stadt, um mittags zusammen lecker zu speisen und zu quatschen. Anschließend lassen sie nach einem kleinen Spaziergang im Kulturbackhaus bei Cappuccino, Café Crema und Rauchwaren ihr Treffen ausklingen. Jeder der drei lebte und lebt seinen eigenen Lebensentwurf, jeder ist an einem anderen Wohnort gelandet, aber der Bezug zueinander ist immer noch vorhanden.
Staarman, Oldbearbone und Ernie im Kulturbackhaus
Auch wenn diesmal ein weiterer Dorfjunge leider absagen musste: Die alten Männer sitzen wieder zusammen, ist das nicht wunderbar?