14 Oktober 2018

Neuland

Die erste Nacht im neuen Haus. Ein Umzug der seltsamen Art. Seit Monaten kenne ich den Termin, Kriege es aber nicht geregelt, rechtzeitig alles aussortiert und gepackt zu haben. Hab mich lange wohl gefühlt dabei, keinen Stress zu haben, trotz aller mahnenden Worte aus dem Freundeskreis. Daher wurde es jetzt nochmal richtig eng.
Ein weiteres Problem: Ein Großteil vom Freundeskreis ist auch ungefähr in meinem Alter angekommen, plus/minus 10 Jahre, und hat dementsprechend wahlweise Rücken, Schulter, Herz oder ähnliches. Ich laufe selbst seit Wochen mit Wärmepflaster auf dem Rückgrat rum.
Und so wurde es eine anstrengende Zeit, die noch bis zum Monatsende andauert. Aber der Hauptakt ist heute geschafft. Die großen Teile, die mitkommen sollen, sind alle angekommen.
Einige Helfer hat mir dabei der Himmel geschickt. Wirklich seltsam war das. Ich sitze in der alten Wohnung, erkenne ein ungelöstes Problem, denke "Scheiße, das wird nix!", und 10 Minuten später klingelt das Telefon oder piepst das Handy und meine Retter sind dran, speziell für dieses unlösbare Problem.
So wurde der heutige Tag zum Erfolg, ich liege in meinem alten Bett in meinem neuen Domizil, neben dem aufgebauten Kleiderschrank.
Ich habe heute den toten Punkt überstanden, an dem ich mich nur noch zum Sterben unter die Kommode legen wollte. Und mein Kumpel Mike T-Bone hat die letzten Tage wacker all meine Spezialitäten ertragen, wenn ich mitten im Packen wieder anfing, ganze Papierstapel korinthenkackerisch Blatt für Blatt auszusortieren, obwohl der Tag X immer näher rückte, an dem alle Großmöbel leer geräumt sein mussten. Heute morgen um halb eins wurden wir fertig, um 9 begann der Umzug. Und wir hatten ca. 15 große Kartons voll Altpapier aussortiert.
Was nicht funktioniert: Telefon und Internet. Ich habe den Umzug bei Vofasfone/Kabel vor 2 Monaten angemeldet und das ok bekommen. Noch Fragen? Immerhin geht der Fernseher.

Langsam komme ich zu Ruhe. Ich frei mich auf das erste Frühstück im neuen Haus. Besser Spätstück, morgen ist das hier weckerfreie Zone.

04 Oktober 2018

Rocky ist tot!

Schon die Internetmeldung traf mich vorgestern Abend ziemlich unverhofft. Da sie jedoch von dem Lügenblatt mit den vier Buchstaben kam, hab ich sie für ne Ente gehalten. Ich wollte sie für ne Ente halten, besser gesagt. BLÖD lügt ja fast immer. Als ich dann heute morgen die Rhein-Zeitung zum Frühstück aus dem Briefkasten holte, musste ich kurz die Luft anhalten. Da stand es - schwarz auf weiß:

Rocky stirbt bei Autounfall

Auf der letzten Seite dann ein ausführlicher Bericht, den ich heute morgen gar nicht lesen konnte. Den ganzen Tag über schwelte etwas in mir, immer wieder tauchte das zerbeulte, alte Gesicht vor meinem geistigen Auge auf. Was zum Teufel verbindet mich denn mit diesem Kerl, den ich nur aus dem Fernseher kannte? Was liegt mir an so einem, der ein Leben voller Exzesse und Skandale geführt hatte? Wieso berührt es mich so, dass gerade er den Löffel abgegeben hat?

Mach's gut, Rocky!
Er betrat die Boxbühne 1983, wurde 1985 erstmals deutscher Meister und somit auch im Fernsehen populär, als ich gerade anfing, mein verbeultes Leben wieder in gerade Bahnen zu lenken. Ich habe ihn bewusst nur ab der Zeit erlebt, als ich meine großen Exzesse hinter mir gelassen hatte. Da zeigte mir einer, dass es auch in einem Leben auf der Überholspur schöne Momente gibt. Zumindest schien er sich dort wohl zu fühlen. Er rotzte jeden an, der ihm was anderes erzählen wollte, schlug ständig über die Stränge. Wie oft dachte ich: "Junge, Du hast den tiefen Teller wirklich nicht erfunden, halt doch wenigstens die Klappe!" Aber er haute immer alles raus, so wie es kam. Aus den Fäusten wie aus dem Mund. Das hat mir trotzdem imponiert. Ich hab ihn stets als ehrlich und authentisch erlebt, wie falsch das auch manchmal war, was er in Interviews so von sich gab.
Wie schlimm war es, als es dann Niederlagen gab. Gegen Maske, gegen Darius. Wie er sich in all diesen Kämpfen bis zum letzten Atemzug gewehrt hat, auch wenn er chancenlos war. Einer, der immer wieder aufstand, so lange man ihn nicht tot schlug. Im Ring wie im Leben. Und einer, der immer wieder hinfiel. Der Straßenköter unter den Boxern.
Wie erbärmlich wirkte dagegen Henry Maske auf mich, der sich als der intelligente Gentleman-Boxer aufzuspielen versuchte, obwohl er in meinen Augen auch nicht mehr Grips in der Rübe hatte als Rocky, sich aber anders verkaufte. Wie schlimm waren Rockys beleidigende Sprüche vor dem Kampf gegen Darius Michalczewski. Und wieder dachte ich: "Red doch nicht so einen Mist!" Und trotzdem mochte ich ihn.

Und als er nach dem Karriereende plötzlich in einem Videospot gegen Gewalt auf der Straße im Fernsehen den Mund aufmachte, wie er den Jungs auf den Kopf zusagte, dass sie erbärmliche Feiglinge sind, wenn sie zu dritt einen Einzelnen vermöbelten. Wie er sagte, sie sollen ins Box-Gym kommen und dann Mann gegen Mann kämpfen, dem Gegner ins Auge sehen, wenn sie echte Kerle sein wollten. Als dieser Mann mit dem damals schon verbeulten Gesicht das sagte, war ich mir sicher, dass er viele jugendliche Gewalttäter damit erreicht.
Dann über Jahre nur noch Meldungen von entzogenen Führerscheinen, Knast, zwischendurch wieder berappeln, ein neues Gym planen, um dann wieder abzustürzen. Das tat mir nur noch leid für ihn.
Und nun ist er weg. Für immer. In meinem Herzen wird er bleiben.

23 September 2018

Sauberes Essen in Andernach

Seit einigen Wochen ist mir der samstägliche Gang zum Andernacher Wochenmarkt zur liebgewonnenen Gewohnheit geworden. Ich hab gerade nachgeschaut, am 14.Juli habe ich den Wochenmarkt nach langen Jahren erstmals wieder besucht. Eigentlich hab ich mich mit Natalie getroffen, um möglichen freien Stellplatz für unsere Nachhaltigkeits-Aktion zu checken. Vom Markt selbst hatte ich nach den Erfahrungen früherer Jahre nicht viel erwartet. Damals, vor einigen Jahren, hielt ich vergeblich nach ungespritztem Obst oder Gemüse Ausschau, nach Eiern von glücklichen Hühnern, von Wurst und Käse aus artgerechter Haltung ganz zu schweigen. Diesmal war ich überrascht, auf der Ecke Kramgasse meine Kollegin Brigitte mit Ihren Mineralien und Steinen zu finden, daneben handgemachte Naturseifen aus Plaidt. So etwas hatte ich hier gar nicht erwartet.
Der Stellplatz, den wir eigentlich gesucht hatten, war schnell abgehakt, der war nicht da, weil viele Stände den Marktplatz bevölkerten. Stattdessen nahmen wir uns spontan vor, die Stände nach sauberen Lebensmitteln abzusuchen.
Ok, es gibt sie immer noch, die gespritzen Äpfel, die chemisch gedüngten Zucchini und auch die todunglücklichen Eier aus Käfighaltung, sogar sehr preiswert. ABER - es gibt auch die anderen, die ich seitdem jede Woche aufsuche. Es gibt die unbehandelten Tomaten aus der Grafschaft, Wurst und Fleisch vom BIOLAND-Hof an der Mosel, BIO-zertifizierte Ziegen- und Kuhkäse aller Arten vom Rech-Hof aus der Grafschaft und seinen Partnern.
Die Stände vom Rech-Hof und vom BIO-Hof an der Mosel
Und so lustwandelte ich auch gestern morgen wieder mit Vergnügen auf lukullischen Pfaden. Meist stehen meine Favoriten an der Ecke zur Schafbach hin. Bei der netten Walli vom BIO-Hof Althaus-Zell hat es mir die grobe Salami angetan, da könnt ich mich reinsetzen. Auch der mildgeräucherte Schinken ist ne Wucht, alles vom Bentheimer Landschwein, einer alten Rasse, die auch auf unserer Permakultur gehalten wird. Und bei der Verarbeitung der Blutwurst räumt sie mir mittlerweile sogar ein gewisses Vorschlagsrecht ein, die doppelt geräucherte dunkle Blutwurst könnte eines Tages Realität werden.

Auch bei Herrn Kupka vom Rechhof fühle ich mich ausgesprochen gut aufgehoben. Den Ziegenfrischkäse in verschiedenen Zubereitungen sollten sie probieren, ebenso den halbfesten mit Bockshornklee oder Kräutern. Beim Schnittkäse hat es mir die sizilianische Zubereitung angetan, nachdem ich mich mal durch fast alle Sorten durchprobiert hatte in den letzten Wochen.

unbehandelte Tomaten
Die unbehandelten
Tomaten liegen noch bei mir zu Hause und warten auf den Geschmackstest.
Hier gibt es kein BIO-Zertifikat, aber ehrliche Verkäufer, die mir Wochen vorher auf meine Frage hin auch erklärten, dass sie diesmal nur gespritzte Tomaten dabei hatten.

Saadet zeigt: BIO macht lustig!
Und - nicht zu vergessen - ein paar Meter weiter in der Kramgasse 19 bietet Saadet Duran mit ihrem Mann Ali seit mehr als 2,5 Jahren neben Konventioneller Ware aus der Region auch ein reich gefülltes Regal mit BIO-zertifizierten Produkten an. Hier bekomme ich auch die glücklichen Eier von freilaufenden Hühnern, ebenfalls BIO-zertifiziert.
Ich finde, das ist ein guter Anfang für alle, die sich bewusst ernähren und denen artgerechte Tierhaltung wichtig ist. Und ich habe die Hoffnung, dass die Nachfrage diesbezüglich auch in Andernach weiter steigt, damit noch weitere nachhaltige Anbieter dazu kommen, auf dem Markt und in der Stadt. Leerstehende Geschäfte, in denen sich das realisieren ließe, haben wir genug.

22 September 2018

Andernacher R(h)einheit

Jetzt geht's gleich los
Gestern veranstaltete Natalie Karij bereits zum fünften Mal die Aktion "Andernacher R(h)einheit", bei der freiwillige Helfer das Andernacher Rheinufer von Müll und Unrat befreiten. Trotz des schlechten Wetters kamen mehr als 30 Helfer zum Ufer, und die schlimme Ausbeute konnte sich hinterher sehen lassen.

Mit der Unterstützung vom Bauhof der Stadt Andernach und von einigen Andernacher Firmen war die Aktion ein Erfolg. Was die fleißigen Helferlein in drei Stunden alles am Ufer fanden, wurde in bereitgestellte Container und Tonnen gefüllt.

Was so alles in den Rhein geworfen wird
Vom Fahrrad über Glas, Metall, sehr viel Plastikmüll bis  zum Verkehrsschild war alles vertreten, und zwar in großen Mengen. Kaum zu glauben, dass nach der letzten Aktion vor ein paar Monaten das Ufer blitzsauber war.

Nach der Aktion kamen alle Teilnehmer hoch zur Stadthausgalerie, wo man sich mit gespendeten Speisen wie Kuchen, Pizza und Obst stärken konnte und im Anschluss einige Preise unter den Teilnehmern verlost wurden.

Ich war persönlich zum ersten Mal unterstützend mit dabei und kümmerte mich überwiegend um unsere gemeinsame Idee, einen Info-Markt zum Thema Nachhaltigkeit. Der fand zum ersten Mal im Rahmen von Natalies Aktion statt und wir hatten ihn wegen des angekündigten Regens vom Rheinufer in die Stadthausgalerie verlegt. Hier war die Frequentierung nicht so hoch, wie wir erhofft hatten, was wohl auch dem Wetter und dem Freitagnachmittag geschuldet war. Nichtsdestotrotz haben wir viele Gespräche mit interessierten Menschen geführt, auch der Kontakt der Aussteller untereinander war gesucht. Denn es waren viele Aussteller versammelt, die sich allesamt der Nachhaltigkeit verschrieben haben, jedoch unterschiedliche Bereiche vertreten.
NaBu, Tierarten und Klimaschutz
Der NaBu Mayen informierte über seine Tätigkeit, Matthias Küchler zeigte, welche Tierarten in und um Andernach vom Aussterben bedroht sind. Der Klimaschutzmanager der Stadt Andernach, Andreas Faßbender, präsentierte Wissenswertes aus seiner Tätigkeit, ich selbst hatte eine erste "nachhaltige Einkaufsliste" erstellt.

C2C. KeepGreen u.a.
Burkhard Mosen von TANA erläuterte das Cradle2Cradle-Konzept, nach dem überhaupt kein Müll mehr entsteht, Marco Hackenbruch zeigte mit KeepGreen Photovoltaikmodule fürs Balkongeländer. Er repräsentierte auch die Neue Energie Bendorf eG, die lokale Bürgerenergie-Genossenschaft, welche ausschließlich Strom aus regenerativen Quellen produziert.
Auch die FSG mit Willi Stroganoff bot regenerative Energie an. Der REWE-Markt Andernach wurde vom Inhaber Nico Grunert mit einigen nachhaltigen Produkten präsentiert. Carmen Rakemann und Doris Büma zeigten Kunstwerke, die zum Teil aus Müll hergestellt waren. Natalie Karij selbst präsentierte an einem Stand Alternativen zu Plastik und zeigte u.a., wie man Zahnpasta selbst herstellen kann. Auf den kunstvollen Fotos von Johannes Palm konnte man sehr gut sehen, wie unterschiedlich Landschaften mit und ohne Müll aussehen. Für den Weltladen Andernach zeigte Hildegard Bender, dass es dort fast nur ökologisch saubere und fair hergestellte Produkte im Sortiment gibt.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die mitgemacht haben. Es wird sicher nicht die letzte Veranstaltung dieser Art gewesen sein.