02 Oktober 2022

Wieder daheim

Bisher läuft alles planmäßig - wenn es auch lange dauert und immer wieder mit Warten verbunden ist. Nachdem mir gestern einer der Ärzte endlich die Vermummung entfernt hatte, konnte ich heute nach einem Abschlussgespräch planmäßig entlassen werden. Mein kleiner Lieblingsbruder holte mich vor der Klinik ab und nun bin ich doch froh, wieder daheim zu sein.

Die letzten Tage waren gar nicht schlimm. Ich konnte jeden Tag meine Frischluftrunden auf dem Klinikgelände drehen, Nur am OP-Tag selbst wurde das Soll nicht erfüllt, an den anderen Tagen kam ich immer über meine derzeit gesetzte 7.000-Schritte-Marke. Dreimal täglich um den Block, ohne dass es unterwegs geregnet hat. Und das ohne Zauberschirm. Vielleicht hab ich ja jetzt ein Zauber-Implantat. 

Es gab ein paar schöne Weitsichten vom Klinikgelände aus.

Vom Parkhausdeck: Wolkenhimmel zum Ersten
Blick bis zur Festung Ehrenbreitstein
Wolkenhimmel zum Zweiten

In der Bildmitte im Hintergrund ein bekannter Kirchturm

Von mir nehme ich mal einen Bildvergleich direkt nach der OP und drei Tage später.

Voll vermummt

Beim Sonnenbad

Es war natürlich ein großer ZUFALL (Hach, dieses Wort!), dass ich einen Zimmerkollegen hatte, der wie der letzte Zimmerkollege vor zwei Monaten in der anderen Klinik
- auch aus Bonn kommt,
- mich nach einem Nachtsheim fragte,
- ein Redakteur in Rente ist, und zwar ein Sportredakteur,
und jetzt kommt's:

Anders als der letzte Zimmerkollege ist dieser Mitbewohner selbst Autor und hat voriges Jahr seinen Debütroman veröffentlicht, im Alter von 80 Jahren (was ich hoffentlich etwas früher schaffe).
Außerdem trägt er den gleichen Vornamen wie ich.

Ich hatte richtig Glück, einen so netten und verträglichen Menschen auf dem Zimmer zu haben. Wir verstanden uns von Anfang an gut, auch wenn ich leider oft meinen Kommunikator benutzen musste, da das operierte Ohr noch tamponiert und somit komplett taub ist. Aber wir haben uns mit Händen und Füßen verständigen können, das war klasse. Ich vermachte ihm unsere letzte Kurzgeschichtensammlung "Von Scherben und Glück" und er las sie in einem Rutsch weg. Er versprach mir, dass ich, sobald er wieder daheim ist, sein Buch geschickt bekomme. Ist das nicht schön?

Und weil es so schön ist, machten wir noch ein Abschiedsfoto vom spontan gegründeten Autorenduo ManniTwo

 German Television proudly presents - live on stage: ManniTwo

29 September 2022

Lagebericht - und Zufälle

Eins vorweg: Der gestrige Eingriff ist gut verlaufen. Wenn in ein paar Tagen alles gut verheilt ist, wird das Cochlear-Implantat aktiviert - und dann wird alles besser. Solange muss ich mich noch gedulden, fühle mich hier gut aufgehoben.

Heute hab ich nach dem Abendbrot meine erste kleine Frischluftrunden gedreht, das hat gut getan. Aber zu den Zufällen:

Vor meiner letzten OP vor zwei Monaten fragte mich mein Zimmernachbar unaufgefordert, ob ich Verwandte in Bonn hab. Denn er kommt von da, und der Vermieter von ihm und auch seinen Eltern wäre jahrzehntelang ein Herr mit meinem Nachnamen gewesen. An den Vornamen könnte er sich leider nicht mehr erinnern. Er war dort Zeitungsredakteur und ist mit Renteneintritt vor ca. 20 Jahren hier in die Gegend gezogen. Nach der OP kam ich auf ein anderes Zimmer und habe ihn nie mehr gesehen.

Hier werde ich nach der OP gestern auch auf ein anderes Zimmer gelegt. Der neue Zimmerkollege fragt mich unaufgefordert, ob ich in Bonn Verwandtschaft hätte. Denn er kommt aus Bonn und hat in Bad Godesberg in den 70er Jahren mit einem Torwart in einer Mannschaft gespielt, der meinen Nachnamen trug. An den Vornamen kann er sich nicht mehr erinnern. Er selbst war übrigens 30 Jahre lang Sportredakteur beim Bonner General-Anzeiger.

Verschiedene Krankenhäuser, anderer Zeitpunkt, unterschiedliche Menschen und doch viele Parallelen. Hier habe ich sofort mit ihm die Kontaktdaten ausgetauscht. Das Universum will offensichtlich, dass ich rauskriege, wer aus unserer Familie diese Spuren in Bonn hinterlassen hat.

Verrückt, oder?

27 September 2022

Über das Warten

Nachdem ich gestern bei Voruntersuchungen im Krankenhaus von 07:30 bis 14:30 die meiste Zeit mit Warten verbracht habe, war heute Morgen bei der Inbetriebnahme der neuen Pellets-Heizung in unserem Mietshaus ebenfalls das große Warten angesagt. Diesmal zogen mein KLB und ich allerdings früher einen Schlussstrich. Zehn Uhr hatte es gehießen. Der Mieter war da, der Installateur erschien ebenfalls kurz darauf. Wer fehlte, war der entscheidende Mann: Der Techniker von der Herstellerfirma. Irgendwann probierten wir den Trick aus, der eigentlich immer funktioniert. Wir taten so, als wenn wir heimfahren würden, gingen aber nur um die nächste Ecke und vertraten uns für ein paar Minuten die Beine.
Denn das Gesetz ist ja: Wenn wir weiter warten, stehen wir um fünf Uhr noch da. Wenn wir aber heimfahren, kommt fünf Minuten später der Techniker in den Hof gefahren.
Es nutzte nichts, obwohl wir es mehrfach probierten, der Typ kam nicht an Land, war wohl auch nicht telefonisch zu erreichen. Und so entscheiden wir: Bis zwölf warten wir, dann fahren wir heim und lassen den Mieter und den Installateur die Einweisung und Inbetriebnahme genießen. Gesagt getan. Als ich gegen zwei Uhr dem Mieter eine Nachricht schickte, hieß es: Immer noch nicht da. Also gut, dass wir nicht länger gewartet haben.

So hatte ich genügend Zeit, zu Hause in Ruhe meine Vorbereitungen für morgen zu treffen. Aber ganz ohne Frischluftrunde wollte ich den Tag dann doch nicht beschließen. 

Ob er wohl gern mit den Vögeln fliegen würde?

Und so machte ich mich um kurz vor halb sieben nochmal zu einer kleinen Rheinrunde auf.
Das Wetter war kalt und grau, aber dank meines Zauberschirms kamen während meines Spaziergangs höchstens drei Tröpfchen vom Himmel. Unterwegs sah ich zuerst den Angler ohne Unterarm und Angel, der den Vögeln zuschaute, die sich auf dem Ponton eines Anlegers versammelt hatten. Geht es schon langsam gen Süden?

Weiter in Richtung Alter Krahnen warf ich zum ersten Mal einen Blick durch das neu errichtete Andernacher Fenster. Es ist etwas irritierend, dass obendrauf Andernach steht, man jedoch Leutesdorf im Bildrahmen erblickt. Ich finde, man sollte Leutesdorf draufschreiben.

Wenn man genau hinschaut, sieht man die orangene Marienburg

Auf dem Rückweg dann tatsächlich eine Lücke in den Wolken, aber die Sonne schien ausgerechnet auf die falsche Rheinseite, nach Feldkirchen und Irlich.

Die Sonne auf der falschen Rheinseite

Aber was soll's, ich blieb im Trockenen und die Bewegung an der Luft hat mir gut getan. Mein KLB kam gerade zum Abendbrot und wird mich morgen früh netterweise chauffieren. Wenn alles gut geht, hab ich morgen Abend schon mein neues Ohr. Ich bin guter Dinge, dass sich auch hier das lange Warten am gelohnt hat.

25 September 2022

Eine Runde mit Socken und Kunst

Entgegen allen Wettervorhersagen wurde es heute doch trocken, zumindest nach dem FrühSpätstück, also so ab zwölf. Damit das auch so bleibt, beschloss ich, mit meinen Zauberschirm auf einem asphaltierten Weg meine Runde zu drehen. Dazu musste ich auch heute ein paar Meter fahren, denn in Andernach am Michelsmarkt einen Parkplatz zu finden ist so gut wie unmöglich. Unterwegs sah ich mich bestätigt, als Kolonnen von PKWs im Kreis um die Kernstadt fuhren, um irgendwo eine Parkmöglichkeit zu finden.
Am neuen Parkhaus, an dem ich vorbeifuhr, leuchtete die rote Schrift BESETZT, das andere Parkhaus liegt mitten im Marktgeschehen und ist deshalb geschlossen.

Ok, mich kümmert's nicht, denn ich habe mir eine andere, oft besuchte Strecke ausgesucht. Auf dem Dorfparkplatz war genug Parkraum frei. Dort steht ein kleines Brünnchen und bietet Sitzgelegenheiten bei schönerem Wetter.

Das gemütliche Eckchen

Das Sockenfenster

Noch war der Himmel grau, aber dank meines Zauberschirms regnete es wenigstens nicht. Mein Weg führte mich auf einem Sträßchen mitten durch das Dorf. Hier sah ich ein Sockenfenster, dass mit bisher noch nie aufgefallen war. Die älteren Häuschen stehen meist direkt an der schmalen Straße. Manch ein Fenster ist mit Büchern oder Kunst verziert, auch manche Vorgärten der neueren Häuser sind mit Kunst dekoriert. Auf dem Schild steht, dass handgestrickte Socken und Mützen zu verkaufen sind.


Am Dorfrand gibt es dann noch viel mehr Kunst zu sehen, hier nur einige Beispiele:


Links und rechts die "Einweiser" (von Norbert Bleidt)

"NUR DU" (von Christoph Rossner)

Am Ende meines Gehwegs, kurz bevor ich wieder umkehrte, hatte sich offensichtlich ein des Schreibens Unkundiger auf einer Bank verewigt:

GERNG SENIS steht auf der Bank, oder?

Am Himmel zeigten sich schon die ersten Folgen meines Zauberschirms:

Der Zauberschirm wirkt: Es blaut auf!

Auf dem Rückweg erhaschte ich noch einen schönen Blick durch zwei Torbögen auf ein kleines Türmchen im Park.

Wo mag das sein?

Zurück am Auto zeigte mir mein Schrittzähler 6,5 km und über 7.000 Schritte für diese Runde an, das war sehr ordentlich für meine Verhältnisse. Und doch, als ich zu Hause gegessen hatte und draußen Sonne und blauen Himmel sah, musste ich nochmal losziehen.

Der Zauberschirm wirkt noch nach, wie man sieht

Per pedes ins Städtchen, wo die Autos immer noch im Kreis fuhren und keinen Parkplatz fanden. Unterwegs traf ich Ex-Kolleginnen und Kollegen, aber wirklich nur die netten, die ich mag. In der Bahnhofstraße ging ich ein kurzes Stückchen zwischen den vielen Händlern hindurch, aber das Gedränge wurde mir schnell zu eng. Und so suchte ich mir für den Rückweg eine andere Route aus, vorbei am Michelsmarkt und landete mit mehr als 13.000 Schritten insgesamt wieder wohlbehalten daheim an. Mittlerweile ist auch mein KLB eingetroffen und ich bin froh, meinem Freund Harvey wieder einen Tag abgetrotzt zu haben.