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29 Juni 2025

Szenen aus dem Leben eines freilaufenden Rentners

Nach der vorletzten schönen Woche hatte ich mir ein Auslauf-Wochenende verdient. Das RAG befolgen und anderthalb Tage Nixtun war auch eine Wonne. Mein KLB hatte mich am Samstag zum Spätstücks- und Wochenmarktritual beehrt - und nach einer kurzen folgenden Einkaufsrunde hatte ich mich "nur mal kurz" im bequemen Sessel niedergelassen. Die Hitze der letzten Zeit machte mir bis heute keine Probleme, lediglich eine Schlappheit und Müdigkeit ist zu spüren. Das führte dazu, dass ich am Vorabend im Sessel wieder wach wurde - und mich bestens fühlte. So waren meine Abendspazierrunden in den Rheinanlagen meine einzige körperliche Betätigung an diesem Wochenende.

Samstagabend am Rhein

Sonntagabend am Rhein

Dass ich auf der Sonntagsrunde dann noch auf Marlies traf, die Mutter eines früheren Klassenkameraden, setzte dem Ganzen das Sahnehäubchen auf. Dass unsere Unterhaltung über Gott und die Welt schön, inspirierend und interessant war, lässt sich auch daraus ersehen, dass Marlies mich im Auto vor ihrer Haustür auf einmal fragte, ob ich auf die Uhrgesehen habe. Wir hatten halb zwölf, als wir uns dann verabschiedeten und ich auf einen Kaffee im Café Rosa eingeladen wurde.

Der Ernst der Woche begann am Montag mit einem Arzttermin, aus dem ich strahlend wieder heraus kam. Am Dienstag besuchte mich eine "Wilde Hilde" zum Spätstück, wobei wir beide wieder mal feststellten, wie gut wir uns gegenseitig tun. Den Vorsatz, mehr Zeit mit Menschen zu verbringen, die mir gut tun, setze ich immer besser in die Tat um.

So auch am Mittwoch, als mich das gute Ännchen nach einem sehr bunt gemischten Salat ziemlich gnadenlos beim Rummikub abzockte. Irgendwann ist es soweit, dass ich eingestehen muss, dass sie einfach besser ist. Ich glaub, wir müssen mal wieder öfter Skat spielen.

Das machten wir am Donnerstag, als ich mit den beiden alten Kumpels zum Retro-Skat verabredet war. Tom und ich besuchten Good Old Ernest International in seiner WG und verbrachten einen gemütlichen Nachmittag, ohne dass ich eine Runde verlor. Also, geht doch!

Für Freitagnachmittag war ich dann zum Büchertausch in den Garten Ebel eingeladen. Ich brachte Pia "Die Bibel nach Biff" mit, ein tolles Werk, dass ich vor einiger Zeit verschlungen hatte Dafür durfte ich mir am Ende "Das Evangelium nach Pilatus" mit nach Hause nehmen und werde vielleicht am Ende wissen, wer wirklich recht hat mit den biblischen Erzählungen. Außerdem vermachte mir die gute Pia ein weiteres Glas ihres selbst gemachten Kräutersalz' aus dem Garten Ebel, aus frischer Ernte. Das Zeug ist göttlich, kann ich Euch sagen. Kein Wunder, bei dem Garten.

Der Garten Ebel

Wir verbrachten den Nachmittag auf der Gartenterrasse bei Erfrischungen, glutenfreien Knabbereien und vor allen Dinge bei sehr interessanten Gesprächen über spirituelle Dinge, mit denen sich Pia bestens auskennt.

Rosi at home

Der Samstag begann, wie immer, mit dem Familienfrühstück und dem Marktgang mit meinem Lieblingsbruder. Für Nachmittags hatte mich meine ehemalige Nachbarin Rosemarie gebeten, einmal nach ihrem PC zu schauen.

Wir konnten einige Dinge wieder in Gang bringen und Rosi verwöhnte mich mit selbstgebackenem Kuchen, Sahne und Kaffee. Und natürlich mit Gesprächen über alte und neue Zeiten. Außerdem ist Rosi ein wandelndes Datenlexikon, Ich hab das Gefühl, sie kennt die Geburtstage aller Mneschen, die ihr jemals über den Weg gelaufen sind. Unglaublich!
Für mich ist es einfach schön, nach so vielen Jahren (33?) wieder miteinander Kontakt zu haben.

Für den heutigen Sonntag war etwas ganz Besonderes geplant. Unser Cousinchen Elke hatte ein Treffen mit Freunden meines Bruders organisiert, die ich ebenfalls kenne. Angekündigt hatte sie einen Überraschungsgast, aber nicht verraten, dass ich das bin.

Wir trafen uns mittags in Alo's Restaurant in Lay und saßen schön luftig mit Blick auf den Rhein. Die Überraschung war gelungen und es wurde ein sehr leckeres Essen mit guten Unterhaltungen.

Hermann, Gerd, Klaus, ich, Anita, Elke

Beschwingt machte ich mich danach auf den Heimweg, um mir dort gegen halb vier "ein Stündchen" Augenpflege zu gönnen. Das Stündchen dauerte dann bis kurz nach sieben, als ich wieder meine Augen aufschlug. Nach einem kleinen Imbiss bildete auch heute wieder die Rheinrunde den Abschluss des Wochenendes.




Mit diesen Ausblicken freue ich mich auf den morgigen Wochenstart, der im Café Rosa beginnt und im abendlichen Schreibkurs seinen Ausklang findet. So schön können Montage sein.

13 September 2024

Von der Heimat bis zur falschen Rheinseite

Gestern Morgen musste ich mich ein wenig sputen, denn ich hatte bereits für 14 Uhr ein wenig leckeres BIO-Zeug bei meinem Heimatbauern bestellt. Da kommt das Ausschlafen schon mal zu kurz, aber dafür bekomme ich weit mehr. Nämlich gesunde leckere Sachen und schöne Begegnungen mit wohltuenden Menschen. Mit Andreas und Ellen hatte ich beim Abholen von Paprika & Co. ausreichend Zeit für Gespräche über unsere familiäre Verknüpfungen, ebenso noch für eine kleine Spontanlesung zu diesem Thema. Der Naab lässt grüßen 😉.

Dass im Anschluss daran spontan die gute Hilde zu Hause antraf, war mal wieder einem Zufall zu verdanken. Aber sei's drum, es war schön - und bestimmt sollte es so sein. Ebenso schön wie der anschließende Skatabend bei den Freunden im Vorderhaus. Feucht-fröhlich ging es zu und es dauerte seeehr lange, bis wir den Bierlachs  zu Ende gespielt hatten. Wie es ausging, verrate ich an dieser Stelle nicht, um nicht in den Genuss einer körperliche Züchtigung zu kommen. Nur so viel sei verraten: Ich hatte viele Spass.

Heute Morgen beehrte mich Freund und Ex-Kollege Luca Thomi, auch dafür opferte ich gerne den Schlaf. 

Nach einem langen schönen Kaffee-Klön und dem kurzen Beantworten zweier eMails stand auch schon das liebe Ännchen wie verabredet vor der Tür und überraschte mich mit einem tollen Strauß. bei dem sie extra für mich an die Farben meines Vereins gedacht hatte.

Der ziert nun meinen Küchentisch und erinnert mich immer daran, dass wir vor vielen Jahren gemeinsam in der Stadionkurve Tief im Westen gestanden und dort den besten aller Vereine angefeuert haben.

Alles erstrahlt in blau und weiß, ist das nicht schön?

HACH!

Nach einer Espresso- und Klön-Pause machten wir uns auf den Weg, um wenigstens noch eine kleine Frischluftrunde zu drehen, denn die war auch heute wieder zu kurz gekommen. Das machten wir dann zwar auf der falschen Rheinseite, wo die Gute ihr Domizil hat, aber es war dennoch genau das Richtige und es war wunderschön.

Diese beiden Bilder rheinauf- und rheinabwärts zeigen den tollen Wolkenhimmel auf dem halben Weg in die Weinberge.

Und was der Zauberschirm bewirkt und wieso ich den vorsichtshalber mitgenommen hatte, dürfte jetzt auch jedem klar sein. Umbrellix Fantastix!





Das Farbenspiel der Sonne beim anschließenden Spaziergang am Rhein ließen wir uns auch nicht entgehen. Die Volare flog vor der untergehenden Sonne den Rhein hoch und brachte uns zum Singen.

Voolaare - o-o-ooh- - Cantare -o-o-ooh

Beim Blick zurück versanken die Türme von Andernach langsam im Abenddunst.

So schön können Tage sein, auch auf der falschen Rheinseite.

31 August 2019

Kölle - Kesselemm

Die K-Reihe setzt sich fort. Nach Kollegen in Kölle letzte Woche gab es am gestrigen Freitag  Kartenspiel an Kirmes in Kesselemm.

Meine Oldschool-Mitspieler machten mir bereits in der ersten Runde unmissverständlich klar, was sie von meinem offensiv vorgetragenen Plan hielten, an diesem Abend wie immer keine Runde zu verlieren: NICHTS hielten sie davon und schossen mich binnen kürzester Zeit in den Bereich jenseits der 50 Miesen. Zack - die erste Runde am Bein! Obwohl es natürlich nur daran lag, dass ich ausschließlich unspielbare Drecksblätter auf die Hand bekam, wusste ich: Heut muss ich aufpassen! Denn erfahrungsgemäß lässt das Universum einen an Abenden, die so beginnen, nicht mehr los. So auch heute. Wenn ich aus lauter Verzweiflung auch mit 5 Faulen auf der Hand reizte und das Spiel an mich riss, lagen im Stock unweigerlich 2 weitere Stinkfaule. So konnte ich die zweite Runde nur dadurch retten, dass Ernest International in die Falle "Kesselemmer Ramsch" lief. Schiebe-Schuss. Aus die Maus!

Akkurate Statistik - Teil 21
Anschließend legten Tom und ich einen kleinen Besuch auf dem Kirmesplatz ein, den wir zwei Runden lang nur von Toms Terrasse aus beobachten hatten. Ne Rindscurry an der Imbissbude musste sein, ich sah viele gänzlich unbekannte Gesichter um uns herum. Bin ich hier wirklich in meinem Heimatort? In meiner aktiven Sturm- und Drangzeit kannte ich doch hier jeden. Seltsam.
Doch dann - der Blick rüber zum Bierbrunnen! Da waren sie, die alten Cracks. Wir schlängelten uns durch die Menge und landeten am Stehtisch bei Bert und Gittsche, Michael, Mon und Wern. Prompt kam Irene dazu. Mensch, ist heute Klassentreffen? Nach Verzehlsche hier und "Ei Goode" da, Hallo bei Beate und Günter, Björn und Jupp machten wir uns nach einer halben Stunde auf den Rückweg, bevor unser Ernest auf der Terrasse einpennt.
Derart positiv einjustiert, lief der Rest des Abends wie von selbst. Die Blätter wurden besser, das Glück holder, und so bliebe es dann am Ende bei einer verlorenen Runde. Auch in Ernies Langzeitstatistik stellte sich der 21. Retroskatabend am Ende sehr gut dar. So wurde aus dem verkorksten Anfang doch noch ein schöner Heimatabend.

20 Juli 2019

Der Club der alten Männer

Ein Skatabend der besonderen Art war angesagt, und ich hatte mich lange darauf gefreut. Im naturbelassenen, wunderbaren Garten unseres Altkumpels Tezi fanden wir uns ein. Ein paar rasch aufgestellte Holzmöbel, ein baufälliger Schwenkgrill, und einige Flaschen Bier, Cola, Wasser reichten aus, um diesen Abend zu Etwas besonderem zu machen.
Drei alte Herren - der vierte knipst
So ist das, wenn alte Freunde zusammen kommen, über neue und alte Zeiten reden, gut essen und trinken - und das Skatspielen darüber ganz in Vergessenheit gerät. Irgendwann wird es zu dunkel, ohne Brille kann keiner von uns mehr die Karten erkennen, aber der Gesprächsstoff geht uns nicht aus. Für mich ist es sehr bewegend, zu sehen, wie jeder von uns in seinem Wesen noch der Alte geblieben ist und sich gleichzeitig durch viele prägende Erlebnisse verändert hat, jeder auf seine ganz eigene Art und Weise, jeder in seinem ganz individuellen Leben. Ich merke gerade beim Schreiben, wie schwierig es ist, diese Eindrücke in Worte zu fassen, es hört sich irgendwie paradox an.

Bewacht und beschützt werden wir den ganzen Abend vom Treibholzzauberer, der seine Fänge beschützend über uns hält.

Der Treibholzzauberer
"Weißt Du noch, wie Du mich damals aus dem See gefischt hat, als ich besoffen rüber schwimmen wollte?", "Wie lange bist du eigentlich jetzt in Rente?", "Diese Klöckners ist mindestens genauso eine Fehlbesetzung wie die AKK bei der Bundeswehr!", "Lebt dat Klärsche eigentlich noch?", "Wie, Du hast kein Abitur? Ich dachte immer, Du hättest das gemacht damals. Erzähl doch mal!", "Gehst Du eigentlich oft in den schönen Park bei Dir gegenüber?", "WIE SCHWER bist du? NÄÄ!", Wo ist Deine Mutter im Altenheim?" ...
Die Gespräche ziehen sich durch alle Zeiten und Themen. Und dabei spürt man einen Konsens von leben und leben lassen. Jeder lässt jeden seinen individuellen Weg durchs Leben gehen, auch wenn wir über manche Geschehnisse unterschiedliche Auffassungen haben und kontrovers diskutieren.

Und das alles in dieser tollen Umgebung, es ist wie eine kleine Zeitreise bis in die eigene Jugend und zurück, bis zu Alter und Tod. Irgendwann wurde es frisch, die Gedanken wurden müder, und ich machte mich ganz beseelt auf den Heimweg. Tom und Ernest setzte ich noch dahein ab, da ich ausnahmsweise nüchtern geblieben war. Ich bin froh, dass ich das Glück habe, solch schöne Begegnungen erleben zu dürfen.

12 Mai 2018

Retro-Skat, die Dreizehnte

Radio Memory vermeldet einen weiteren schönen Skatabend mit den Altkumpels in meiner alten Heimat. (Wieso kommt eigentlich in dem Satz das Wort ALT so oft vor?) Wir konnten lange auf Toms herrlicher Terese zocken, mit Blick über den Kirmesplatz bis auf die andere Rheinseite. Draußen an der frischen Luft spielt sich doch ganz anders, wenn die Gehirnwindungen von einem lauen Abendwind durchgepustet werden. Als es gegen halb zehn dunkel wurde, lag unser Chefstatistiker mit drei verlorenen Bierlachsen scheinbar aussichtslos hinten. Seine Frischluftallergie machte ihm offensichtlich mehr zu schaffen, als er glaubte. Mich beflügelte meine erste Fantje-Sumatra nach Monaten sichtlich, trotz teilweise hundsmiserabler Karten kam ich nie ernsthaft in Bedrängnis.

Der Biker und der Statistiker auf der Terese

Nach dem Umzug ins Wohnzimmer und mit einigen selbstgestopften Glimmstengeln auf der Lunge spielte unser Statistiker plötzlich glänzend auf. Selbst eine kleine eigenhändig durchgeführte Zahn-OP brachte ihn nicht mehr vom Siegesweg ab. Dafür beflügelten Bier und Wein unseren Gastgeber zu Höherem, jedoch geriet er dabei regelmäßig aufs Glatteis und hatte die nächsten beiden Lachse an der Backe.

Eine blütenreine Weste

Weil sie mich so nicht gehen lassen wollten, rotteten sich die beiden zu einem abschließenden Malenko zusammen. Sie glaubten tatsächlich, ihre Chancen bei einem höheren Zufallsanteil steigern zu können. Das Ergebnis war ernüchternd (für die beiden) und überragend (für mich) zugleich: --->
Der Kesselheimer Ramsch ist echt eine Kunst für sich, der ist nur glockennüchtern richtig zu verstehen.

19 November 2017

Von der Bahn bis zum Retro-Skat

Die Eigendynamik eines falschen Freitags ließ sich gestern vorgestern exzellent beobachten.
Die Bahn begann morgens mit mäßiger Verspätung meines Regionalzugs ins Löhr-Center, denn man ließ vorher noch 2 Riesengüterzüge vor meiner Nase derart laut und schweineschnell durch den Bahnhof brettern, dass mein innerer Stresslevel sofort in ungesunde Höhen katapultiert wurde. Mir bleibt bei solchen Manövern sprichwörtlich die Luft weg.

Das macht Stress!

Damit war ich auf den Tag vorbereitet.
Der HNO-Besuch im Löhr-Center endete mit der Vereinbarung eines MRT-Termins für nächsten Mittwoch. Anschließend suchte ich im Haus den Shop eines großen Mobilfunkproviders auf, um ein defektes Smartphone einer lieben Freundin zu reklamieren. Garantiefall. In dem zwei mal drei Meter großen Lädchen stand ein älteres sportliches Päärchen an der Verkaufstheke und wurde von einem jungen Mann zu Fragen des Vertrags, des Empfangs und einiger anderer mobilfunkrelevanter Themen sehr entspannt beraten. Ich blieb im maximalen Abstand und in Sichtweite stehen, wollte das Gespräch nicht stören, mich aber gleichwohl bemerkbar machen. Hallo, hier ist noch ein Kunde, der wartet. Die beiden älteren Herrschaften drehten sich auch ab und an in meine Richtung und warfen mir freundliche Blicke zu. Nicht, dass einer der beiden auf die Idee gekommen wäre, mich heran zu winken, so weit ging die Freundlichkeit natürlich nicht.

Aufgrund des geringen räumlichen Abstands bekam ich zwangsläufig einige Gesprächsfetzen mit, so war man ca. zehn Minuten später bei der Effizienz von Heizsystemen angekommen, dann bei Erlebnissen im Freizeitpark und der Krankheit der alten Katze. Schön, dass sich ein junger Mann Zeit nimmt, gelassenen Smalltalk mit älteren Herrschaften zu treiben, ohne seinen Blick auch nur einmal in Richtung seines Verkaufspalastes zu bewegen. Geschäft ist ja nicht alles. Ich nutzte die Zeit, mir alle überteuerten Smartphone-Modelle in der Auslage mehrfach zu bestaunen. Als man thematisch bei der Planung der nächsten Urlaube angekommen war (wer weiß, wie viele Urlaube die beiden noch genießen dürfen? Sie waren in meinem Alter!), durchquerte ich langsam die gesamte Verkaufsfläche, um die Auslage am anderen Ende zu bestaunen. Beide registrierten meinen Durchmarsch mit einem freundlichen Nicken und wandten sich wieder dem Berater zu.

Nachdem ich auch die zweite Auslage ausgiebig studiert hatte, ging ich zwei Schritte aus dem Laden raus in die Einkaufsmall, d.h. ich wollte rausgehen, stolperte aber anderthalb schwarz-gelb markierte Stufen runter, die ich glatt übersehen hatte und brach mir dabei fast das Genick. Fünf Minuten später hatte ich mich wieder einigermaßen erholt, die drei Helden waren beim Erörtern der weltpolitischen Lage angekommen. Es ging langsam auf zwölf Uhr mittags zu, als ich mich dann doch näher ans Geschehen schob und den Dreien etwas auf die Pelle rückte, damit ich nicht mit dem Nachtzug zurückfahren musste. Irgendwann stieß sie ihn in die Seite, deutet mit dem Kinn ganz unauffällig in meine Richtung und er brach die nette Plauderei ab, kurz bevor man bei der galaktischen Sicherheitslage und den bemannten Flügen zum Neptun angekommen war.

Nun, endlich stand ich vor dem sympathischen jungen Mann, der sich so viel Zeit für seine Kunden nimmt. Offenbar jedoch nicht für alle Kunden. Wenn einer ein Schild mit der Aufschrift "Ich habe nur eine kleine Reklamation!" vor seiner Stirn trägt, dann ist alles anders. Ohne den Kopf eine Sekunde lang zu heben fing er an, sich auf einem DIN A4-Blatt Notizen zu machen. Viele Notizen. Vielleicht versuchte er, das ganze halbstündige Gespräch aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren.
Vielleicht ist er ja blind, dachte ich. Und sieht mich gar nicht. Nachdem ich mich räusperte und "Hallo!" sagte, würdigte er mich keines Blickes und schrieb weiter an seinen Memoiren. So langsam begann ich zu verstehen, warum im direkten Umfeld kein Waffengeschäft zu finden ist.

Ich dachte mir, es ist besser, ich bringe einfach mein Anliegen vor, ob er nun zuhört oder nicht. Gesagt, getan. Und siehe da, er war gar nicht blind. Er schaute mir direkt in die Augen und erklärte mir, dass müsse ich beim Mobilfunkprovider klären. Ich deutete auf das Schild genau dieses Providers, das überlebensgroß an seinem Drecksladen hing. Woraufhin er mir erklärte, das Schild hinge zwar da, aber er sei das doch nicht wirklich.

Und weil mir alles, was ich jetzt wirklich wollte, mindestens einen Prozess wegen Beleidigung, Körperverletzung und Nötigung gebracht hätte, entschied ich mich lieber, diese Hobbyisten-Kaschemme sofort zu verlassen und zwei Ecken weiter den RICHTIGEN Providershop aufzusuchen. Hier wurde ich freundlich empfangen und die Reklamation wurde anstandslos entgegengenommen. Klar, dass an solchen Tagen kein Ersatzgerät mehr auf Lager ist. Man schickt das defekte Gerät ein und spätestens am Dienstag ist das Austauschgerät bei der Freundin daheim. Mit der Post.

"Die liegt aber im Krankenhaus. Kann man das auch dahin schicken?"
"Geht leider nicht."
"Ok, dann bitte Nachricht an mich, wenn es rausgeht."
 "Nein, die Benachrichtigungs-SMS geht direkt an die Mobilfunknummer der Freundin."
"Die hat aber kein Handy! Das hab ich Euch grad gegeben. Das ist kaputt!"
"Das ist aber jetzt blöd."
"Stimmt!"

Ok, an einem solchen Tag geht das wohl nicht anders. Freitag der sechzehnte? Weiß der Geier. Aber ich weiß, was ich zu tun habe. Zurückfahren. Runterfahren. Einen leckeren toten Fisch bei Kerstin genießen, in netter Gesellschaft. Heimfahren. Augenpflege machen.

Still crazy - after all these years

Abends ist Retro-Skat bei den alten Herren angesagt. Müßig zu sagen, dass der Skatabend mir fünf Runden lang verheerende Blätter brachte. Immerhin konnte ich einiges dazu lernen. Wenn Tom oder Arno das Spiel kriegen, liegen zwei passende Karten im Stock. Wenn ich höher reize, werden diese irgendwie so blitzschnell ausgetauscht, dass ich das nicht mitkriege und immer - IMMER! - zwei Dreckskarten drinliegen. Wie das funktioniert, ist  mir völlig schleierhaft. Wer dahintersteckt, ebenso, das Universum, Murphy oder das fliegende Spaghettimonster. Aber was es mir sagen will, wurde mir wieder sehr klar:
Ed kütt, wie ed kütt. Versuch es nicht mit Gewalt zu drehen, sondern mach das Beste draus. Und das ist mir mit nur zwei verlorenen Runden gut gelungen.

22 September 2017

Der Lauf der Dinge

Das Wochenende bot erneut ein gutes Beispiel dafür, was ich noch alles lernen kann im Leben. Auch als alter Knochen bin ich davor nicht gefeit, zum Glück. Diesmal begann es am Freitag mit unserem beliebten Retro-Skat. Unser Gastgeber Tom empfing uns gut gelaunt auf seiner überdachten Terese, zum Skatkloppen begaben wir uns dann doch lieber ins Warme. Schon beim ersten Spiel ging es los. Das Gefühl kennt wahrscheinlich jeder Skatspieler. Du kriegst ein Mistblatt, mit dem Du auch nicht ramschen kannst, sagst 18, und dann hast Du die Scheisse am Bein. Und von da an wusste ich, dass das an diesem Abend nicht mehr besser wird, egal wie gut ich spiele. Diesmal hab ich es, im Gegensatz zu früher, schnell akzeptiert.

Die drei Cracks - alle etwas retro

Dieser Abend ist nicht meiner und wird es auch nicht mehr. Du reizt auf ein Spiel ohne zwei mit fünf halbgaren Trümpfen, einem As und vier Batschfaulen. Kriegst mit 18 das Spiel und findest - zwei weitere Faule von Deiner bisherigen Fehlfarbe. Sechs Faule aus drei Farben. Was drückst du? Egal, was Du drückst, es ist FALSCH. Irgendwas muss man drücken. Ok, Du drückst Dich in einer Farbe frei. Behältst Das As bestellt und drei kleine Karo. Du sitzt hinten. Was spielt Vorhand auf: Die blanke 10 von der Farbe, die Du dreimal schwach behalten hast. Karo 10. Der andere das As, und Du bist verratzt. Nach drei Stichen haben die Gegner 49 Punkte. Sie haben noch die Zehn von deinem bestellten As und die höchsten zwei Bauern. Tataa!
So setzte es sich den ganzen Abend fort, aber ich rege mich nicht auf. Frau Werwolf würde sagen: "Das g'hört so!". Für einen solche Abend schlage ich mich mit zwei verlorenen Runden von sechs noch ganz beachtlich. Aber ich kann die Hauptsache genießen: Einen schönen unterhaltsamen Abend mit den alten Cracks, Darum bin ich hier.

Als ich kurz vor Mitternacht Long Tall Earnie daheim absetze, geht es mir gut und freue mich auf einen langen Schlaf.


01 Juli 2017

Ende eines Abschnitts mit Retro-Skat Nr. 8

Die letzte Fulltime-Woche meiner Arbeitszeit wollte ich eigentlich gestern Abend mit einem glänzenden Sieg beim Retro-Skatabend in der alten Heimat würdig abschließen. Aber es hatte sich schon die ganze Woche im Büro angedeutet: Ohne Schmerzen komm ich da nicht raus.
Letzte Schulwoche vor den Sommerferien. Schnell noch dies oder das regeln. Und alle, die man zum Klären/Umsetzen benötigt, sind nicht zu erreichen. Urlaub, krank, Telefon besetzt oder es geht keiner dran, keine Rückrufe, plötzliche Komplett-Amnesien ("Iiich?? Hab da gar nix mit zu tun, weiß da nix von!"), das ganze Programm.

Gestern Mittag nochmal schnell Mangold ernten, ich war froh, als ich mich mittags mit leichter Verspätung bei den Freunden zum Fischessen niederlassen konnte. Kurzer Zwischenstopp daheim, dann ab ins Heimatdorf, Besichtigung des Elternhauses mit einem Kaufinteressenten. Unterwegs im Auto festgestellt, dass die Schlüssel fürs Haus noch daheim auf dem Küchentisch liegen. Nochmal zurück und schnell zum Haus, die Interessenten warten schon. Anschließend bei alnatura die bestellten Sachen für Sonntag abholen, alles nach Hause in den Kühlschrank, dann wieder zurück ins Heimatdorf. So, genug! Jetzt wird Skat gekloppt, dass die Schwarte kracht.
Der Rest der Altersriege hatte sich schon auf der überdachten Terrasse niedergelassen. Freunde, Euch werd ich's zeigen heut Abend. Dachte ich. Und dann passierte etwas (O-Ton Ernest International: "Ein historischer Abend!"), das ich erstmal verarbeiten muss: Die alten Herren knöpften mir drei Runden ab. DREI Bierlachse an einem Abend! Nochmal O-Ton Ernie: "Das gab's noch nie, seit ich mich erinnern kann. Ach was, seit Menschengedenken!"

Tom McGuiness und Ernest International freuen sich über den "historischen Tag"

Nachts auf der Heimfahrt, nachdem ich Ernest in seiner heimischen Räucherhalle abgesetzt hab, verfuhr ich mich dann noch zwischen Bendorf und Neuwied beim Weg über irgendwelche gottverlassenen Landstraßen und landete nur aus purem Glück irgendwann an einer Auffahrt zur Neuwieder Rheinbrücke. Ich hätte mich allerdings auch nicht mehr gewundert, wenn ich am Ende in Montabaur oder Rengsdorf gelandet wäre.

Und so fühlt sich mein erstes Altersteilzeit-Wochenende heute irgendwie seltsam an. Endlich hab ich mehr Zeit und Ruhe für die Dinge, die mich wirklich interessieren, dachte ich. Und nun bereite ich heute ab spätnachmittag nach dem Einkaufen mit meinem Kollegen die Leckereien für morgen vor (Andernacher ManGold) und stehe morgen früh um viertel nach neun vor meiner Arbeitsstätte, um dort aufzubauen und zu verkaufen, worauf ich mich allerdings wirklich freue. Die Veranstaltung "Andernach schmeckt" ist eine tolle Sache und ich werde im Anschluss an meine Schicht die Zeit nutzen, u.a. die römischen Speisen im Stadtmuseum zu probieren.

Den ersten freien Montag danach habe ich mit Arztbesuchen verplant, dienstags geht's wieder zur Arbeit. Irgendwie scheine ich eine eigenartige Vorstellung von "mehr Zeit und Ruhe" zu haben.

08 Juli 2016

Retro-Kloppabend Nr. 3

Den letzten Skatabend mit meinen beiden Altspezis in der alten Heimat am 15.04. habe ich geflissentlich unter den Tisch fallen lassen. Ich hatte so schlecht gespielt, dass die Burschen mir tatsächlich 2 Runden anhängen konnten. Ich muss in diesem blog wirklich nicht über jede Lappalie berichten. Mittlerweile kann ich wieder drüber schreiben, zumals die Geschichte heute abend komplett anders lief.
Ohne eins spielt zwei ....
Oh"Ernest International" hatte heute Geburtstag und dröhnte sich mit Bitburger 0,0 völlig zu. Auch Tom hatte nicht seinen konzentriertesten Tag erwischt, und so war es wieder ganz wie früher. Ich konnte nach Herzenslust die vorlaute Klappe aufreißen und lästern, und ging am Ende nach 3 Bierlachsen und einem Malenko verlustfrei nach Hause. Ein schöner warmer Sommerabend auf der überdachten Terrasse, mit Blick auf den Kirmesplatz und die Weitersburger Kirche, eine leckere Fantje gequalmt, ein Abend mit guten Leuten, was will man mehr?

24 Januar 2016

Retro Kloppabend

Gestern Abend war es wieder soweit: Nach ungefähr 35 Jahren ist es unserem Altkumpel Arno gelungen, einen Skatabend bei Altspezi Tom in unserem gemeinsamen Geburtsort zu organisieren.
Es war herrlich, nach kurzer Zeit fühlte sich das an, als sei es das Normalste der Welt, als lägen nicht 35 Jahre, sondern 2 Wochen seit dem letzten Treffen dazwischen. Sehr vertraut.
Sprüche wie "Watt en Rään!" hatte ich seit damals nicht mehr gehört. Und wir konnten uns richtig gegenseitig anpflaumen ("Jetz spillt dä schunn widda dä gläische Mest!", "Du blöder Bless!"), ohne dass wir uns das krumm nahmen.
Und obwohl ich seit damals nicht mehr nach den alten Vorkriegsregeln gereizt (Grand=20) und erst recht nicht mehr den "Kesselemmer Ramsch" gespielt hatte, kam ich nur einmal im abschließenden Malenko in Verlegenheit, als mich ein kaputter Pflichtgrand von Tom im letzten Spiel mit 59 Augen vor der drohenden Niederlage rettete. Ich muss meinen Mitspielern allerdings zu Gute halten, dass beide seit Jahren keinen Skat mehr gekloppt hatten, und dafür klappte es erstaunlich gut, zumindest bei Tom.
Ganz nebenbei war dies natürlich auch die Gelegenheit, über das ein oder andere außerhalb des Skat-Universums zu plaudern. So erfuhr ich z.B., dass in Basjanes Bio-Lebensmittel beim örtlichen Versorger angeboten werden. Alnatura ist auch nicht weit, das gefällt mir.
Im Hinblick auf meinen geplanten Rückzug in die alte Heimat hat es sich gut angefühlt. Es war dieses vertraute Gefühl, die emotionalen Brücken in das alte Leben sind noch nicht abgerissen, egal wie sehr man sich selbst glaubt, verändert zu haben.