Posts mit dem Label Lustiges werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Lustiges werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

09 Januar 2025

Weg mit den langen Atzeln!

Das Wetter von heute hatte diesen Namen eigentlich nicht verdient. Nass, kalt, windig, also genau richtig, um lange im warmen Bett liegen zu bleiben und beim Lesen wieder einzuschlafen.

 Aber als ich heute Nachmittag, kurz nach dem Aufstehen, mein zerrupftes Spiegelbild im Bad betrachtete, beschloss ich umgehend, etwas zu tun. Ich geb's zu, das gestern gefundene Schönheitszertifikat hat mich schon irgendwie beeindruckt und wirkt nach. Nachdem ich in Ruhe mein lecker lecker Porridge gefrühstückt hatte, schaffte ich es auch noch bei Tageslicht (und Kälte und Wind und Regen) bis zum Friseur auf den Marktplatz.

Hier bemühten sich zwei freundliche Jungs um mich und machten alles genau so, wie ich es gewollt hatte. Im Hinterkopf hatte ich noch den armen Freund vom letzten Skatabend, der seinen Friseur verklagen musste. Daher erklärte ich alles haargenau - und siehe da: Ich bin sehr zufrieden.

Wie man sieht, ist der dunkle Rallye-Streifen mittlerweile ganz nach unten gerutscht. Der wächst sich wohl langsam raus. Auch sind vereinzelt noch dunkle Haare unter dem Silberhelm zu erkennen.

die Platte
die Seite

Ok, es sind nur marginale Unterschiede zum gestrigen Aussehen, die nur der Experte bemerken kann, aber mir gefällt's, wie man unschwer erkennen kann.

der Strahlemann

Auch der Catweazle-Bart wurde in eine erträgliche Form gebracht. Wenn schon, denn schon. Schade, dass mir die Idee mit den Fotos erst hinterher kam, sonst hätte man die Unterschiede sicher deutlicher erkennen können. So oder so, die Jungs vom Friseur Awand haben das wieder mal gut gemacht.

Ich hoffe, dass die Chancen auf die Gültigkeit des Schönheitszertifikat damit steigen, denn bisher habe ich noch keine Antwort vom Hersteller bekommen.

08 Januar 2025

Das Schönheits-Zertifikat

Eins vorweg: JA, man kann Pack-Choi zusammen mit Rosenkohl und Radieschen in einem bunten Ofengemüse verarbeiten. Wie mir das gute Ännchen heute bestätigt hat, schmeckte es vorzüglich.

Sie hatte mir zuvor gut beim Schnippeln geholfen, so ging die ganze Zubereitung viel schneller vonstatten. Dann hatten wir noch eine schöne kleine Runde in den Rheinanlagen gedreht, an deren Ende uns der Regen überraschte. Aber danach schmeckte es nochmal besser.

Die Gute hatte mir ein Buch zurückgebracht und sich drei andere ausgeliehen. Das hatte noch ein Nachspiel. Erstmal erinnerte mich Google mit einem Foto daran, dass ich heute vor genau zwei Jahren nachmittags meine Kollegin Sommersprosse in den Rheinanlagen getroffen hatte, als es ebenfalls zu regnen begann. Ich schickte ihr dieses Erinnerungsfoto per WhatsApp und erfuhr in ihrer Antwort, dass sie just heute nach der Arbeit die Anwandlung hatte, noch einen Spaziergang am Rhein entlang auf ihrem Heimweg zu integrieren. Genau 2 Jahre nach dem letzten zufälligen Regentreffen, spaziert sie parallel zu uns um die gleiche Zeit auf der anderen Straßenseite und wird ebenso vom Regen überrascht wie wir. Zufälle gibt's ...

Nachdem sich das Ännchen auf den Heimweg gemacht hatte, entdeckte ich auf dem Küchentisch die drei Bücher, die sie mitnehmen wollte und schickte ihr ein Foto. Dann kam mir der verrückte Gedanke, dass das Universum dies genau so eingeplant hatte, damit sie dazu kommt, das Buch zu lesen, das ich ihr letzte Woche mitgegeben hatte, glaubte ich jedenfalls. Sie wusste nichts davon und daraufhin kramte ich meine Bücherstapel auf dem Wohnzimmertisch nochmal durch, um das Buch zu suchen. Dabei rutschte die Kiste mit dem Geraffels von ihrem Platz und kippte komplett im Wohnzimmer um. Die Kiste mit dem gesammelten Küchengedöhns, die ich letzte Woche beim Kitchen Cleaning Day von den überfüllten Fensterbänken zusammengerafft hatte und die ich eigentlich schon lange aussortiert haben wollte. Nun musste ich es tun, denn es lag eh alles verstreut auf dem Boden. DAS war also der Sinn der vergessenen Bücher gewesen, nun hatte ich es verstanden. Jetzt, wo alles aus- und einsortiert ist, geht es mir besser.

Schnell stellte sich dann heraus, dass ich das besagte Buch jemand anderem ausgeliehen hatte. Beim Sortieren des Geraffels dann noch mal eine merkwürdige Geschichte. Ich fand ein Stück aus einem Kunstautomat, an dem man wie am Zigarettenautomat Kunst ziehen kann. Sofort ordnete ich es gedanklich meinem Lübeck-Urlaub vor ein paar Jahren zu, allerdings belehrte mich ein Blick in meinen blog eines besseren.

Kunstautomat in Lübeck

Dann musste es mir wohl jemand geschenkt haben. Ich öffnete es und war geplättet.

Nicht nur, dass ich in letzter Zeit zunehmend mit dem Attribut HERO in den verschiedensten Schreibweisen versehen werde, nun bekomme ich auch noch ein richtiges Zertifikat!

Mit stolzgeschwellter Brust las ich die hochoffiziellen Worte des Vorsitzenden der BETONPRÜFSTELLE E Station II.

Und am Ende sogar noch Tipps für das nächste Ofengemüse! Großschotige Schnabel-Brockelerbsen hört sich sehr schmackhaft an.

Ein Problem ist natürlich, dass kein Datum auf dem Zertifikat zu sehen ist. Ich weiß also gar nicht, ob es noch gültig ist. Auch die Aufhängschnur am unteren Rand des Zertifikats erscheint mir unpraktisch. Wenn ich es so aufhänge, steht es doch auf dem Kopf und keiner kann es lesen.

Wie gut, dass in der Schachtel auch eine Karte der Produzentin war, sogar mit einer eMail-Adresse. Diese habe ich soeben angeschrieben und um Beantwortung der Fragen gebeten. Wenn ich schon solch eine tolle Bescheinigung habe, dann muss sich das auch klären lassen.
- Gültet dieses Zertifikat noch?
- Wenn nicht, wo und wie kann ich es verlängern lassen?
- Und was ist mit der Aufhängung?

Sowas ist ja viel zu schade, um es wieder in einer Schachtel oder Schublade verschwinden zu lassen, oder?

13 Dezember 2024

Und wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ...

"Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen!"
So oder so ähnlich hat das doch einst der Weihnachtsmann gesagt, oder war es der heilige Matthias? Der hat es nur aufgeschrieben, glaube ich.
Wie dem auch sei - an solche Erlasse muss man sich natürlich halten! Ich hab direkt heute morgen damit angefangen und bin artig früh aufgestanden. Zum Einen erwartete ich Kaffee-Besuch vom Freund und Ex-Kollegen Luca Thomi und zum Anderen wollte ich Freund Goddi mittags zur Physio fahren.
Das ich da etwas durcheinandergeworfen habe, merkte ich erst, als ich an seiner Tür klingelte und niemand öffnete. Aber auch das passte ja gut zum heutigen Leitsatz - gerade Kinder verwechseln gerne mal etwas.

So hatte ich noch mehr Zeit, um mit Freund Luca die aktuelle Situation in der Fußball-Bundesliga Neuigkeiten aus der Familienforschung bei einem guten Kaffee zu besprechen.
Dieser hatte irgendwann die geniale Idee, zusammen eine Frischluftrunde am Rhein zu drehen. Aus der Frischluftrunde wurde eher eine Eisluftrunde, aber wir waren dick eingemummt. Wir bewunderten  unterwegs japanische Spindelsträucher und tote Bäume

Damit jeder sehen kann, wie notwendig die Fällung und Neusetzung einiger Bäume war, haben die Jungs vom Baubetriebshof einen kranken aufgeschnittenen Baum stehen lassen und die Erklärungen dazu direkt drangeheftet. Find ich klasse, das ist gelebte Transparenz und nimmt den notorischen Nörglern und Besserwissern (die es überall gibt) den Wind aus den Segeln.

Dass wir verrückt wie kleine Kinder sein können, bewies Luca Thomi bei seinem Versuch, dem Zungenmann die Augen zuzuhalten, Nach soviel Kindsein durfte ich dann auch ganz ungeniert meinen Wunsch an den Weihnachtsmann schriftlich äußern.












Nach dieser herrlichen Runde wartete zu hause die nächste schöne Aufgabe auf mich: Das Gemüsefach im Kühlschrank wollte geleert werden, denn die gestrige Gemüselieferung hatte ich bereits im "Außenkühlschrank" unter dem Balkon zwischengeparkt.

Ich belohnte mich für diesen Tag mit einem hohen Blech voller leckerer Sachen, wie bspw. Butternutkürbis, Kartoffeln, Pastinaken, Wurzelpetersilie, Karotten, lila Möhren, gelbe Bete, Rosenkohl, Lauch, Aubergine, Kohlrabi, Rote Bete, Roter Rettich, Grüne Spitzpaprika, Glatte Petersilie, Schafs- und Ziegen-FETA. Das alles in gutem naturtrüben Olivenöl eingelegt und mit Pfeffer, Salz und dem leckeren Ofengemüse-Gewürz von Hartkorn getoppt.

Auf dem Teller dann mit ein wenig Kokos-Curry und dem Blüten-Kräuter-Salz aus dem Garten Ebel verfeinert war es der gelungene Abschluss eines schönen Tages. Ein Foto verkneif ich mir an dieser Stelle, ich will ja niemandem den Mund wässrig machen. Fürs Wochenende werde ich mir noch Mitesser suchen, um das alles verputzt zu kriegen.

Ich liebe Freitag, den 13., wenn er so läuft wie heute. Morgen müssen nur noch meine blau-weißen Jungs vonne Castroper bei den Eisernen punkten, dann wird alles gut.

23 April 2023

Aufgeflogen - Zweitkarriere wurde aufgedeckt

Und ich dachte immer, dass ich meine geheime Zweitkarriere so clever geplant und umgesetzt hätte, dass es niemandem auffällt. Heute platzte der Traum wie eine Seifenblase.

https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de
Vince Gill (2019)
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de

Meine Freundin Petra konnte nicht widerstehen und kaufte sich eine DVD von der ich-weiß-nicht-wievielten "letzten" Tour der Eagles.
Von der Originalbesetzung war immerhin noch Don Henley übrig.
Und genau auf dieser DVD entdeckte sie dann diesen Gitarrist und Sänger.
Dabei hatte ich alles so schlau eingefädelt. Eine astreine Biografie hatte ich mit zugelegt, die ich aus vielen Einzelstücken zusammen gebastelt hatte.

Pseudonym entlarvt - aufgeflogen!

Welchen Geburtsort sollte ich mir ausdenken? Mir fiel meine entfernte Schwägerin ein. Sie lebt seit Ende der 60er in Norman, Oklahoma, USA. Ein unverdächtiges Städtchen, das passte. Als Pseudonym wollte ich zuerst den Namen von ihrem ältestem Sohn nehmen. Aber Glenn hörte sich dann doch zu sehr nach dem 2016 verstorbenen Glenn Frey an. Und da dessen Sohn Deacon nun auch in der Band mitspielte, verwarf ich diese Idee schnell wieder. Stattdessen suchte ich mir den Vornamen Vince aus, nach einem der schönsten Lieder über Vincent van Gogh, das Don McLean einstmals gesungen hatte. Den Nachnamen Gill entlehnte ich meiner Wohnstraße, tauschte lediglich das P gegen ein G aus.

Ach ja, ein Geburtsdatum in Norman musste auch noch her. Ich vertauschte bei meinem Geburtsdatum flugs den Tag und den Monat und machte dann aus der 3 eine 1(+)2, fertig. So entstand das Pseudonym Vince Gill, unter dem ich auftrat.
Ich muss zugeben, mit dem Erfinden dieser Identität hatte ich viel Spaß. Aber ich hätte nie damit gerechnet, dass sich aus meinem Freundeskreis tatsächlich nochmal jemand eine halbwegs aktuelle Tour der Eagles als Video ansehen würde.

Mit Adlerauge Petra hatte ich wirklich nicht gerechnet, aber nun ist es passiert. Petra, ich habe dich unterschätzt! Die Tournee ist längst Geschichte und ich denke, dass ich mich als freilaufender Rentner nun wieder anderen Projekte widmen werde. Die wissenschaftliche Erforschung der sogenannten Zufälle würde mich bspa. interessieren. Wie sagte schon einst der Kaiser: Schaumama!

18 März 2023

BRINGS und die andere Seite

Wie sang schon einst der selige Georg Danzer: "... ja, es gibt sie, diese andere Seite ..."

Heute sah ich mich ermutigt, mir diese andere (Rhein-)Seite etwas näher anzuschauen. Ich wollte überprüfen, ob es wirklich die falsche Seite ist oder ob dort alles genauso ist wie hier auch. Aber der Reihe nach.

Nach einem schönen Start in den Tag mit dem KLB-Frühstück und dem anschließenden Besuch bei Walli auf dem Wochenmarkt hätte ich eigentlich vorgewarnt sein müssen, als der Kleine im Auto die alte Hymne "How bizarre!" von OMC spielte und wir beide mitsangen:
♫♬♫ How bizarre, how bizarre! ♬♫♬,
aber dazu später. Danach hatte ich nur noch wenige Erledigungen zu machen. Als ich vom Einkauf und von Fatma zurück kam, stand tatsächlich der Bus von BRINGS bei mir vor der Tür.

BRINGS sind da - was wollen die hier?

Da ich Kölschrockmäßig eindeutig der BAP-Fan bin und zudem eingefleischter Antikarnevalist, erzeugte das bei nur Verwunderung, aber keine Freudenausbrüche oder Autogrammwünsche. Aber die Jungs machten brav meine Einfahrt frei und ich konnte meine Einkäufe einräumen. Nun war es noch früh am Tag und das Spiel gegen die verhassten Ochsenplörrer fand erst um 15:30 statt. So folgte ich meiner spontanen Eingebung, die heutige Frischluftrunde auf die vermeintlich falsche Seite zu verlegen. Kurzerhand fuhr ich über die Weißenthurmer Brücke und parkte drüben in Rheinnähe. Aber wie ich ja wusste, war der direkte Blick zum Rhein hier durch einen Wall versperrt.

Keine freie Sicht über den Rhein

Das war schon mal das Erste, das hier drüben anders ist. Aber nicht nur das. Als ich den Wall erklomm, fiel mein Blick auf ein darauf platziertes Monument mit einer niederländischen Fahne.

Bin ich in Holland gelandet?

Oben angekommen fiel mir sofort auf, dass der Rhein hier falsch herum lief. Nicht von rechts nach links, wie es richtig wäre, sondern von links nach rechts. Alles eher seltsam hier. Im Monument angekommen, stellte ich fest, dass der weitere Weg über Deich leider abgesperrt war.

Aber man hatte in der Höhe eine Leuchttafel angebracht, die wohl anzeigte, dass es dort 3,67 Meter hoch ist. Es wurde immer seltsamer. Wieso machen die sowas hier?

So ging ich dann notgedrungen die Treppe zum Weg direkt am Rhein hinunter und spazierte dort weiter rheinabwärts.


Ich passierte ein großes Gebäude, dass mit einer langen Inschrift versehen war. Diese stammt  aus einem namenlosen Gedicht von Goethe, wie ich später zu Hause nachschlagen konnte.

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten

Allen Gewalten
zum Trutz sich erhalten,
nimmer sich beugen,
kräftig sich zeigen,
rufet die Arme
der Götter herbei.

Die Götter am Ende des Spruchs sind wohl dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen und kaum noch lesbar. Was ich dann auf dem weiteren Weg noch so an Kuriositäten sah, bestätigte meine Annahme von der falschen Rheinseite.

Äste werden offensichtlich abgeschnitten, sobald jemand ein Herz darauf gemalt hat.

Die Abfalleimer stehen direkt am Wasser, haben eine andere Form und sind mit Heizstrahlern ausgestattet.

Heilige Kreuze werden in 2 Farben angemalt und diagonal aufgehängt.

Bäume werden mit mehreren Plastikbändern umwickelt.

Tja, was soll man da noch sagen? Andere Länder, andere Sitten. Offensichtlich bemüht man sich sehr darum, alles anders zu machen als die Menschen am Ufer gegenüber.












Auf dem Rückweg wählte ich den Weg durch die Stadt, um nicht auf noch mehr Kuriositäten am Ufer zu stoßen. Was ich dort fand, war eine Darstellung des sogenannten Neuwieder Schärjers.

Von nun an ging's bergab

Auch das ist eine eigenartige Sache, die man hinterfragen kann. Was transportiert er da auf seiner Karre? Wieso kommt er mit seiner Last von dem Podest runter? Hat er das vorher von der anderen Seite aus alles aufs Podest hochgehoben? Warum ist er nicht mit seiner Karre drumherum gelaufen? Ihr seht, es ist ganz klar alles falsch hier. Allerdings entdeckte ich wenige Schritte weiter, was er transportiert.

Der alte Eingang zur Grube?

Wie man der Inschrift entnehmen kann, wurde hier offensichtlich bis 1964 noch Erz abgebaut, bis ein Blitz die Grube zum Einsturz brachte. Und das mitten in der Fußgängerzone! Schnell weg hier, bevor mir auf dem Parkplatz noch jemand erklärt, dass man hier mit dem Auto nur rückwärts fahren darf. Wer weiß?

Glücklich zu Hause angekommen, wurde sofort alles wieder richtig. Die glutenfreien Nussknacker waren eine Wucht, der Capuccino mit aufgeschäumtem Haferdrink "Barista" war sehr lecker. Und  pünktlich ab halb vier zeigten meine tapferen blau-weißen Jungs den ungeliebten Reklamekickern mit der Ochsenplörre einmal richtig, wo der Hammer hängt.

Die Ostkurve, wie immer mit ganzem Herzen dabei

"Sieg daheim - Glück allein" fiel mir spontan dazu ein. Dass die anderen Mitabstiegskandidaten überwiegend für uns gespielt haben, tat sein Übriges dazu. So waren die Absonderlichkeiten auf der falschen Seite wirklich nur eine Phase an einem schönen Tag. Wie sang einst Michael Holm:

Ein verrückter Tag ....

18 Dezember 2022

Deutsche Bahn - wie sie leibt und lebt

Die wenigen Kontakte, die ich im letzten Jahr mit meinen Freunden von DEUTSCHE BAHN hatte, gaben wenig Anlass zum Meckern. Es wurde also wieder Zeit für eine neue Geschichte.

Am 15.11. kam ich nach einer CI-Untersuchung mit der Regionalbahn wieder in Andernach an und fand dort beim Überqueren des Bahnparkplatzes einen Schlüssel.
(Ich berichtete darüber https://bearbone.blogspot.com/2022/11/tag-6-im-opnv.html)
Nachdem ich ihn in 2 Andernacher Facebook-Gruppen als Fund veröffentlicht hatte und sich bis zum nächsten Abend niemand daraufhin meldete, gab ich ihn am darauffolgenden Tag bei einer Kollegin der Stadtverwaltung im Fundbüro/Bürgerbüro ab, denn der Schalter im Andernacher Bahnhof ist meines Wissens nicht mehr oft besetzt. Auch die Internetseite der Bahn sagt dazu: DB Information Nein

10 Tage später, bei einem Besuch im Rathaus, sagte mir die Kollegin im Bürgerbüro, dass noch niemand nach dem Schlüssel gefragt hatte. mmh, seltsam, das ist ein Schließanlagenschlüssel, das wird richtig teuer. Den muss doch jemand vermissen. Ich beschloss, nochmal nachzuhelfen und schaute auf den Internetseiten der DEUTSCHE BAHN nach einer Möglichkeit, diesen Fund zu melden.
Auch auf der Seite www.bahn.de/fundservice war keine Möglichkeit zu sehen, einen Fund online zu melden.

Außer einer Telefonnummer war leider nichts zu finden. Da ich durch meine Hörprobleme immer noch nicht telefonieren kann, beschloss ich, eine eMail an den Fahrkartenservice der Bahn zu schreiben mit einem Foto im Anhang und der Bitte, dies intern an die richtige Adresse weiterzuleiten. Gesagt getan.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich weiß, dass ich mit meinem Anliegen bei ihnen an der falschen Stelle bin, finde aber online keine schriftliche Kontaktmöglichkeit, um eine Fundmeldung abzugeben.
Telefonieren ist mir leider nach einem Hörsturz derzeit nicht möglich.
Ich habe am 15.11. auf dem Bahnparkplatz in Andernach einen Schlüssel gefunden (siehe Anlage). Der Schalter im Bahnhof war nicht besetzt, so dass ich den Schlüssel mit nach Hause genommen und den in zwei Andernacher Facebook-Gruppen gepostet habe, in der Hoffnung, dass sich jemand meldet. Nachdem dies bis zum nächsten Abend nicht der Fall war, habe ich den Schlüssel am 17.11. im Fundbüro der Stadtverwaltung Andernach abgegeben.
Dort kann sich der Eigentümer melden,

Stadtverwaltung Andernach
Bürgerbüro
Läuftstraße 11
56626 Andernach
Tel.  02632 922-331 oder -0

Ich bitte sie, diese Meldung an die entsprechende Stelle weiterzugeben.
Grüße aus Andernach 

Und prompt kam am nächsten Tag eine Antwort, wie ich sie von der DEUTSCHE BAHN erwartet habe:

Sehr geehrter Herr Nachtsheim,
vielen Dank für Ihre E-Mail.

Wir bedauern Ihren Verlust sehr und empfehlen Ihnen, ihn unserem Fundservice zu melden - am besten über www.bahn.de/fundservice. Oder telefonisch unter der Servicenummer 030 586020909. Sie erreichen das Team montags bis samstags von 8 bis 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 20 Uhr.

Wir hoffen, Sie schon bald wieder in unseren Zügen begrüßen zu können.
Helfen Sie uns unser Angebot und unseren Service weiter zu verbessern. Beantworten Sie dazu bitte nachfolgende Fragen unter Umfrage bahn.de. Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Team von www.bahn.de

Na prima, dann ist ja alles geregelt.

25 Februar 2022

DB live: Spontansprints in Koblenz-Stadtmitte

 
Mein heutiger Besuch beim HNO in Koblenz ließ sich wieder prima mit der Bahn organisieren. Bereits am Dienstag war ich auf diese Weise im Ärztehaus am Löhr-Center vorstellig geworden, um mir meine Kortisondröhnung nach einem  passablen Hörsturz verschreiben zu lassen. Der Haltepunkt Stadtmitte, den man vor Jahren direkt hinter dem Löhr-Center eingerichtet hat, ist eigentlich kein Bahnhof. Nur 3 Gleise und 2 Bahnsteige, das reicht auch.

Bereits am Dienstag war es so, dass mir nach dem Arztbesuch der Regionalexpress RE5 direkt vor der Nase wegfuhr, als ich gerade auf dem Weg zum Gleis 1 war. Hier fahren alle Regionalzüge Richtung Norden ab. Normalerweise. Heute fuhr mir die RB 26 direkt vor Nase weg, die um 11:31 als wahrscheinlich einziger Zug des Tages pünktlich war. Jetzt bin ich das ja von vielen Bahnfahrten gewöhnt, dass die Railroad Man so ihre Spielchen mit mir treiben. Also spazierte ich über den ganzen Bahnsteig und ging am Ausgang Herz-Jesu-Kirche raus, um mir noch etwas die Beine zu vertreten.
Meine RB23 nach Mayen-Ost war erst für 11:54 angekündigt und so hatte ich genug Zeit, um mich ein wenig umzuschauen. Die Bahn-App sagte mir bereits, dass derzeit mit 2 Minuten Verspätung zu rechnen sei, also wusste ich: Der kommt nicht vor 12 Uhr. Trotzdem stand ich bereits um 11:48 wieder am Bahnsteig, an dessen Ende eine Frau etwas abseits von den anderen Fahrgästen auf ihren Zug wartete. Wie sich herausstellte, war das der RB23 nach Mönchengladbach, der um 11:49 auf Gleis 1 ablegen sollte, also direkt vor meinem Zug.

In Kurzform der Plan:
11:49 Gleis 1 RB27 nach M'gladbach. Keine Verspätung gemeldet.
11:54 Gleis 1 RB23 nach Mayen-Ost. 2 Minuten Verspätung gemeldet.

Und nun die Realität:
11:49 Gleis 1 NICHTS passiert.
11:50 Gleis 2 Ein Zug Richtung Süden hält (versperrt die Sicht auf Gleis 3).
11:52 Gleis 3 Ein Zug Richtung Norden fährt ein (verdeckt durch Gleis 2).
11:53 Gleis 1 Laufschrift:: RB27 fährt heute ausnahmsweise auf Gleis 3 ein.
11:53:10 Die Frau auf meinem Bahnsteig liest das und beginnt einen Sprint
                zum Ende des Bahnsteigs, durch die Unterführung und wieder
                hoch auf Gleis 3. Am anderen Ende des Bahnsteigs geschieht
                Gleiches durch die dortige Unterführung.
11:54 Gleis 2 Der Zug fährt ab und wir sehen die RB27 auf Gleis 3 stehen.

Die Zugführerin der RB27 schaut gelassen durch das Fenster zu uns rüber und wartet tatsächlich ab, ob nicht noch irgendjemand nachkommt, der die Nachricht zu spät gelesen hat. Alle Fahrgäste konnten noch zusteigen. Find ich toll. Hätte sie das Fenster offengelassen, hätte ich ihr gerne nachgewunken.

Hinter dem kleinen Fenster ganz links am Wagen sitzt die nette Zugführerin

11:57 Gleis 3 Die Zugführerin RB27 schließt das Fenster und fährt ab.
11:58 Gleis 1 Meine RB23 fährt ein, alle steigen zu. 
12:00 Gleis 1 Meine RB23 tuckert in Richtung Andernach.

Die RB23 hält noch mehrfach auf offener Strecke an. Im Zugdisplay ist zu lesen: Verspätung wegen der Verspätung eines vorausfahrenden Zuges. Genau, der RB27 mit der netten Zugführerin. Die hat dem Bahn-Murphy heute aber mal so richtig den Tag versaut. Ich hoffe, der ist jetzt nicht so verärgert, dass er unterwegs nach Mönchengladbach noch irgendwas Blödes anstellt.

15 April 2021

Diskussionen mit Querdenkern

Meine bisherigen Diskussionen mit Querdenkern waren nicht sehr ergiebig, man könnte sie eigentlich allesamt unter dem Hashtag #brotlosekünste ablegen. Und heute bin ich beim Googlen endlich auf die alte Kurzgeschichte gestoßen, die mir komischerweise jedes Mal einfällt, wenn ich es mit einem Exemplar der Pandemieleugner zu tun habe.
In dem Buch „Drehn Sie sich um, Frau Lot“ (Ausgabe 1978, Ullstein:Wien) von Ephraim Kishon, einem großartigen israelischen Schriftsteller, gibt es ab Seite 99 eine tolle zweiteilige Geschichte, die mich schon als jugendlicher Leser zum Lachen gebracht hat. Ich habe sie heute in einem alten blogbericht wiedergefunden und möchte diese tolle Kurzgeschichte hier verbreiten. Vor allem der zweite Teil beschreibt am Ende, wie es mir in solchen Diskussionen nach kurzer Zeit geht und macht verständlich, wieso ich sie in letzter Zeit zu vermeiden suche.
Und ich verzeihe dem Autor auch, dass er dem Unbelehrbaren in dieser Geschichte ausgerechnet meinen Vornamen gegeben hat.

Aus absolut sicherer Quelle

Eine der künstlichen, von Menschenhand erzeugten Zores (=Sorgen), unter denen wir am meisten zu leiden haben, ist das Gerücht. Möglicherweise wurde es sogar von den Juden erfunden; unsere Geschichte liefert manche Anhaltspunkte für diese Vermutung.

Das Gerüchteverbreiten ist eine ebenso einfache wie ergiebige Tätigkeit: man denkt sich irgend etwas Erschreckendes aus und erschrickt dann selbst davor. Schon unsere Weisen wussten, dass die Menschen leichter glauben, was sie hören, als was sie sehen. Besonders gerne glauben sie etwas Nachteiliges über ihre Mitmenschen.

Zum Beispiel saß eines Nachmittags mein Freund Jossele bei mir, als das Telefon läutete und jemand fragte, ob er mit der Vereinigten Holzwolle AG verbunden sei. „Vereinigte Holzwolle AG? Nein, da haben Sie eine falsche Nummer“, sagte ich und hängte ab. Gleich darauf läutete es zum zweiten Mal und der kurze Dialog wiederholte sich.

Als es zum dritten Mal läutete, nahm Jossele den Hörer auf und sagte: „Vereinigte Holzwolle.“

„Endlich“, sagte eine Stimme am anderen Ende des Drahtes. „Ich möchte mit Salzberger sprechen.“

„Bedaure. Herr Salzberger hat mit unserer Firma nichts mehr zu tun.“

„Wieso nicht? Ist etwas geschehen?“

„Man ist ihm auf seine Betrügereien gekommen.“

„Was Sie nicht sagen!“

„Sie sind überrascht? Solche Sachen müssen ja einmal auffliegen.“

„Wem erzählen Sie das. Ich warte schon seit Monaten darauf.“

Der unbekannte Telefonpartner beendete das Gespräch und macht sich eilends auf den Weg, um die frohe Nachricht zu verbreiten, dass Salzberger am wohlverdienten Ende sei. Hätte Jossele ihn stattdessen zum Generaldirektor der Vereinigten Holzwolle AG avancieren lassen – der Mann am Telefon hätte Lunte gerochen und kein Wort geglaubt.

Und das bringt mich zu meinem Erlebnis mit Kunstetter.


Freunde erwählt man, nahe Verwandte kann man entfernen, aber Nachbarn bleiben Nachbarn. So konnte ich es nicht verhindern, dass Manfred Stockler vor Sonnenaufgang an meine Tür klopfte. Ich muss, obwohl das nicht besonders rühmenswert ist, vorausschicken, dass ich in den frühen Morgenstunden, während die übrige Bevölkerung sich in den Produktionsprozess unseres emsigen Landes einschaltet, gerade noch die Energie aufbringe, mich von einer Seite auf die andere zu wälzen und weiterzuschnarchen.

Man wird somit ermessen können, welchen Schock es für mein labiles Innenleben bedeutete, als ich eines Nachts um sieben Uhr durch wildes, hemmungsloses Klopfen an der Tür aus meinem Schlaf geschreckt wurde. Ich tastete mich hinaus, da die beste Ehefrau von allen alarmsicheres Ohropax in den Ohren hatte. Aber da hatte Manfred die Tür bereits aufgebrochen und stand im Pyjama vor mir.

»Weißt du schon?«, fragte er atemlos.

»Nein«, antwortete ich mit halbgeschlossenen Augen. »Ich will schlafen.« Damit wandte ich mich ab und schlug, vor Müdigkeit torkelnd, den Weg zum ehelichen Schlafzimmer ein.

Mein Nachbar hielt mich an der Hose fest.

»Mensch!«, keuchte er. »Das Histadruthhaus ist in die Luft gegangen! Eine Katastrophe!« (Das Histadruth- oder Gewerkschaftshaus, im Volksmund auch »Kreml« genannt, ist ein pompöses Gebäude, das alles enthält, wovon ein Bürokrat nur irgend träumen kann.)

»Wie gut müssen wir geschlafen haben, wenn uns nicht mal diese Explosion geweckt hat«, brummte ich gähnend.

»Auch ich habe nichts gehört«, gestand Manfred. »Aber Guggelmann sagt, dass ihm davon beinahe das Trommelfell geplatzt wäre. Er war schon um fünf bei mir und ist dann zu den Nachbarhäusern weitergelaufen. Ich habe es übernommen, eure Gegend zu benachrichtigen, damit keine Panik entsteht. Guggelmann ist überzeugt, dass das Haus von Terroristen gesprengt wurde. Über den Ruinen liegen dicke Rauchschwaden. Manchmal sieht man noch kleine Stichflammen in die Höhe schießen.«

Es erschütterte mich, mir das einstmals so stolze Gebäude als rauchenden Trümmerhaufen vorstellen zu müssen. Doch fiel mir gleichzeitig auf, dass mein Freund Manfred von der Wirkung seiner Nachricht so stolzgebläht war, als hätte ihm sein Chef auf die Schulter geklopft. Darüber ärgerte ich mich sehr. Ich habe für die Histadruth als solche nicht viel übrig, weil ihre Funktionäre immer stundenlang reden, ohne dass man nachher wüsste, was sie gesagt haben – aber das ist noch lange kein Grund, über die Zerstörung des Gewerkschaftshauses vor Freude zu strahlen.

»Sag einmal, Manfred – was macht dich eigentlich so glücklich?«, fragte ich unwirsch. »Wozu soll es gut sein, dass dieses Haus in die Luft gegangen ist?«

Manfred sah mich verächtlich an.

»In den Blocks, in denen ich bisher war, hat mir kein Mensch so eine blöde Frage gestellt. Ich bin durchaus nicht glücklich. Ich bin nur nicht so borniert wie du. Als altes Mitglied der Histadruth sage ich dir: Es ist ganz gut, wenn wir von Zeit zu Zeit merken, dass es in diesem Land auch noch andere Kräfte gibt. Um das Haus ist es allerdings schade, das stimmt. Eine Katastrophe.«

Mittlerweile war ich so rettungslos wach geworden, dass ich die Fensterläden öffnete und in die Welt hinausblinzelte. Der neue Tag zog strahlend auf. Vom Mittelmeer wehte eine kühle Brise. Die Wäsche der Familie Kalaniot von nebenan trocknete auf unserem Rasen. Zwei junge Hunde jagten einander im Kreis. Von der Stadtmitte her grüßte das imposante Gebäude der Histadruth. Gerade kam der Zeitungsjunge auf seinem Fahrrad vorüber, verspätet wie immer.

»Verzeih, wenn ich störe – aber die Explosion des Histadruthhauses scheint sich erst im Stadium der Planung zu befinden. Das Haus steht noch.«

Manfred versuchte mit seinen Pantoffeln verschiedene ellipsoide Figuren auf den Teppich zu zeichnen und sah mich nicht an.

»Das Haus ist vollkommen unbeschädigt«, sagte ich mit Nachdruck. »Hast du gehört?«

»Natürlich hab ich gehört. Ich bin ja nicht taub.«

»Willst du es dir nicht anschauen?«

»Nein. Das hat keinen Zweck. Es ist ja heute Nacht in die Luft gesprengt worden. Eine Katastrophe.«

»Aber du kannst es doch hier vom Fenster mit deinen eigenen Augen sehen!«

»Genug!«, brauste Manfred auf. »Du bist wirklich störrisch wie ein Maulesel! Nimm gefälligst zur Kenntnis, dass ich meine Information aus absolut sicherer Quelle habe!« Er warf mir noch ein paar wütende Blicke zu, aber dann schien sich sein Zorn zu legen und freundschaftlichem Mitleid zu weichen. »Na, mach dir nichts draus, mein Alter. Kopf hoch. Man muss auch solche Schicksalsschläge ertragen können. Weiß Gott, wer ein Interesse an dieser Explosion hatte … eine Katastrophe … Rauchwolken … Stichflammen …«

Die Wolke, die mich jetzt umfing, war nicht rauchig, sondern rot, blutig rot.

»Zum Teufel!«, brüllte ich. »Was stehst du da und erzählst mir Märchen, wo du doch nur ein paar Schritte zum Fenster machen musst, um dich selbst zu überzeugen –«

»Ich brauch mich nicht zu überzeugen. Guggelmanns Wort genügt mir.«

»Und wenn Guggelmann hundertmal sagt, dass –«

»Einen Augenblick!« Empört fiel mir Manfred ins Wort. »Willst du damit vielleicht andeuten, dass Guggelmann ein Lügner ist? Ausgezeichnet. Ich werde mir erlauben, ihm das mitzuteilen. Du kannst dich auf etwas gefasst machen!«

»Wer – was – wieso? Wer ist dieser Guggelmann überhaupt?!«

»Also bitte. Da haben wir’s. Er weiß nicht einmal, wer Guggelmann ist – aber er nennt ihn vor der ganzen Welt einen Lügner. Gehst du da nicht ein wenig zu weit?«

Ich sackte zusammen und brach in Tränen aus.

Manfred strich mir teilnahmsvoll übers Haar.

»Falls du Wert darauf legst«, sagte er begütigend, »kann ich dir Augenzeugen bringen, die mit ihren eigenen Ohren gehört haben, wie Guggelmann gesagt hat, dass vom ganzen Histadruthgebäude nur ein paar Stichflammen übriggeblieben sind. Eine Katastrophe.«

»Aber hier – von diesem Fenster –«, wimmerte ich.

»Auch das Radio hat es gebracht, wenn dich das beruhigt.«

»Welches Radio?«

»Guggelmanns Radio. Das neueste auf dem Markt. Mindestens neun Röhren.«

Ein paar wahnwitzige Sekunden lang war ich drauf und dran, ihm zu glauben. Das menschliche Auge kann irren, aber Guggelmann bleibt Guggelmann …

Dann warf ich mich mit heiserem Röcheln auf Manfred Stockler und zerrte ihn ans Fenster:

»Da – schau!! Schauen sollst du!! Hinausschauen!!«

»Wozu?« Manfred schloss die Augen und krümmte sich in meinem eisernen Griff. »Wenn ich zum Fenster hinausschauen wollte, könnte ich ja zu meinem eigenen Fenster hinausschauen. Aber Guggelmann hat gesagt –«

»Schau – schau hinaus – schau – schau hinaus –«, ich hatte mich in seinen Haaren festgekrallt und schlug seine Stirn im Takt gegen den Fensterrahmen, »schau hinaus und sag mir, ob sie das Haus in die Luft gesprengt haben oder nicht. Ob das Haus dasteht oder nicht.«

»Jetzt steht es da«, sagte Manfred.

»Was heißt das – jetzt?«

»Es wurde heute Nacht in die Luft gesprengt und am Morgen wieder aufgebaut.«

Schlaff sanken meine Arme nieder. Manfred entwand sich mir unter hässlichen Flüchen und eilte in den klaren Morgen hinaus, um die noch nicht informierten Nachbarn über die Katastrophe zu informieren.

Ich schleppte mich mühsam ins Bett neben die friedlich schlummernde beste Ehefrau von allen zurück, schloss die Augen und verfiel in einen krampfigen, ungesunden Schlaf, der auch pünktlich einen Alptraum mit sich brachte: Sämtliche Atombombenvorräte sämtlicher Großmächte waren durch einen Irrtum gleichzeitig explodiert, und die ganze Welt lag in Trümmern. Nur das Histadruthgebäude stand unversehrt da.

15 November 2020

Magical Mystery Tour - Gegendarstellung


Nachdem mein kleines Brüderlein sich per Kommentar über meine Berichterstattung zu unserer magisch-mysteriösen Tour vor etwa drei Wochen beschwert hatte, gebe ich ihm natürlich gerne die Gelegenheit, das Ganze aus seiner Sicht zu schildern. Der geneigte Leser wird sich sicher selbst sein Urteil bilden. Wenn er beide Berichte vergleicht, wird ihm die unvergleichliche sachliche Objektivität meines ersten Berichts .... - ok, lassen wir das, lesen Sie selbst, was der Kleine glaubt, erlebt zu haben.
Anzumerken lediglich, dass lil'bro auch noch die Tage 4 und 5 seiner Verwirrung beschrieben hat, während ich mich lediglich auf die Fakten der ersten Tage konzentriert habe.

Here we go:

Vor ein paar Tagen sah ich, dass mein großer Bruder einen Blogeintrag über ein paar sehr eigentümliche Geschehnisse während unserer Wanderungen in der Region geschrieben hatte. Dabei waren ihm ein paar Details entgangen oder vielleicht waren sie ihm auch nicht mehr erinnerlich. Hier nun die Wahrheit, und nichts als die reine Wahrheit über Phänomene der Heimatforschung.

Prolog
In den letzten Wochen habe ich mit meinem großen Bruder fast täglich, wenn das Wetter es zuließ, Spaziergänge unternommen. Dabei waren wir, ganz die neugierigen Ahnenforscher, natürlich in den Gefilden unserer Vorfahren unterwegs. Wir mussten dabei feststellen, dass sich bestimmte Regionen oder Orte auf perfide Weise gegen uns verschworen haben. Gebäude verschwinden plötzlich von der Landkarte um dann an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Orte tauschen und verändern über Nacht ihre Namen, dass es einem ganz wirr im Kopf wird.
Sehr mysteriös.

Tag I
Bei einem dieser Ausflüge, der uns zur "Schönen Aussicht" bei Kell führt, sehen wir unterwegs auf der anderen Seite des Brohltals die Umrisse von Oberniederlützingen. Hier beginnt der schwierige Teil der Mission, denn es gibt zunächst keine richtige Erklärung dafür, warum der eine Ort Ober- und der andere Niederlützingen heißt. Genauer: hieß. Wir schwanken zwischen einer Höhentheorie - der eine Ort liegt höher auf dem Berg als der andere - und der Flusslauftheorie - Niederlützingen liegt weiter flussabwärts am Brohlbach. "Fluss" ist hier eine maßlose Übertreibung, es ist wirklich nur ein Bach.
Dann wird es richtig kompliziert, denn im Zuge einer Gebietsreform wurden die beiden Orte, seit vielen Jahrhunderten eng verbunden, organisatorisch getrennt.
Niederlützingen, Heimat von einigen unserer Ahnen, hieß von nun an Lützing, genauer Brohl-Lützing, denn es war jetzt nur noch ein Teil der Doppelgemeinde Brohl-Lützing. Offenbar war das "Nieder" und das "en" am Schluss den Reformern zu viel geworden. Weg damit!
Den Oberlützingern erging es nicht viel besser. Sie wurden nun ein Ortsteil von Burgbrohl (wie Brohl nur mit Burg) aber beim Verhunzen des Ortsnamens war man etwas gnädiger, die Oberlützinger durften das 'en' am Ende behalten, dafür musste das 'Ober' am Anfang geopfert werden. Die Revolution frisst auch schon mal Ortsnamensenden statt Kinder. 
Und Google, das sollte man auch wissen, nennt einen der Orte nach wie vor Niederlützingen(!). 
Und erwähnt werden muss an dieser Stelle auch, dass Burgbrohl einen Ortsteil namens (hinsetzen, Luft holen) Niederoberweiler hat, der aus den beiden ehemals eigenständigen Orten Niederweiler und Oberweiler gebildet wurde. Wir erkennen: Verwirrung durch Umbenennung hat hier durchaus Methode.
Wir haben es also nun anstatt mit Niederlützingen mit Brohl-Lützing zu tun. Und aus Oberlützingen wurde Burgbrohl-Lützingen. Nicht zu verwechseln mit Brohl, unweit von Einig, im Maifeld, wo sich die Familie Einig(Oma!) auch schon niedergelassen hatten.
Und auch bitte nicht verwechseln mit den nahe gelegenen Ober-/Nieder- -zissen und -dürenbach, die der Volksmund "Zesse" und "Dermerich" nennt. Wenn man also durch das schöne Brohltal fährt, so sollte man sich immer bewusst sein, dass auf den Höhen, und nicht nur dort, ein heimtückisches Namens-Verwirrspiel lauert, das eine wahre Herausforderung werden kann.

Das mit der Höhe passt leider gar nicht, denn per Augenschein ist schon zu erkennen, dass die drei Höhenmeter keinen Ausschlag geben konnten. Also bleibt, in der erklärungssüchtigen Nachtsheim-Weltsicht, nur noch der Bachverlauf als das unwiderlegbare Argument der Namensgebung.


Imagine...
Ich fahre durch das Brohltal und möchte nach Niederlützingen, weiß aber nicht mehr, welcher von den beiden neuen Namen der richtige ist, denn es gibt kein Ober- und Nieder- mehr. Ich weiß nur, dass der Ortsteil, den ich besuchen möchte, ein Teil von irgendwas mit Brohl ist. Also Brohl oder Burgbrohl, nicht zu verwechseln mit Rheinbrohl auf der anderen Rheinseite. Während der Fahrt durchs Brohltal komme ich an einer Reklametafel vorbei, auf der "Brohler" steht. Damit ist jedoch kein Einwohner vom Brohl-Lützinger Ortsteil Brohl gemeint, sondern das Mineralwasser, das in eben jenem Brohl am Rhein, aber nicht in Rheinbrohl, auch am Rhein, abgefüllt wird.Und in Burgbrohl heißt das Mineralwasser ‚Rhodius‘, das ist mal einfach zu merken.
Ich gebe auf, meine Synapsen sind für heute hoffnungslos verknotet. Ich beschließe, den Ausflug nach Niederzissen umzuwidmen. Dort ist es eindeutig, Nieder- heißt Nieder- und Ober- heißt Oberzissen.
Vor mir fährt nun ein Laster mit einer mysteriösen Aufschrift, denn dort steht statt Burgbrohl "Brohlburg"(ein Andernacher Unternehmen).


Z
urück zum Ausflug zur Schönen Aussicht mit meinem Lieblingsbruder.

Wir diskutieren über Ober- und Niederlützingen und halten fest, dass der eine Ort, der von der Schönen Aussicht sichtbar ist, durch einen weithin sichtbaren weißen Turm überragt wird. Vermutlich ein alter Kirchturm oder sonst ein Teil eines jahrhundertealten Bauwerks, das wir unbedingt mal sehen müssen. Zukünftigen Nachtsheim-Ahnenforschern auf Brohltal'scher Perspektivsuche soll dieser Turm ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal sein. Ich beschließe, auf Wikipedia nachzuschauen, zu welchem Lützingen dieser Turm gehört und mir eine solide, einfache Eselsbrücke zu bauen, die ich nicht mehr vergessen kann. Abends spät, mit halb geschlossenen Augen, erzählen mir Google und Wikipedia etwas dazu und ich finde eine Eselsbrücke vom weißen Turm zum Obernieder-Rätsel. Am nächsten Morgen ist von dieser genialen Eselsbrücke nur noch ein nutzloses "Weißenthurm" geblieben. Was mich verzweifeln lässt, denn das ist ein Ort am Rhein.
Note to self: Wikipedia hacken und diesem arglistigen Namensterror ein Ende bereiten!


Tag II
Einen Tag später beschließen wir einstimmig, dass wir die andere Seite des Brohltals besuchen werden, um mit einem ausgedehnten Spaziergang zwischen dem einen und dem anderen -lützing(en), das Mysterium für immer und alle Zeiten zu lösen. Eine schöne Allee mit Obstbäumen zwischen den beiden Orten sollte ausreichend Strecke zum Wandern sein und uns in die Lage versetzen, die Geschichte und den Standort des weißen Turmes final zu klären. 
Wir fahren also nach Oberlützingen, das in Wirklichkeit Burgbrohl-Lützingen heißt, weil es im Flussverlauf weiter OBEN liegt. Ein erster Lichtstrahl im Dunkel des Nachtsheim'schen Erklärbär-Zoos. 
Dort gibt es aber dummerweise keinen Turm und in dem anderen Lützingen, das mal Niederlützingen hieß und jetzt nur noch Lützing heißt, Brohl-Lützing, um genau zu sein, ist von Lützingen aus auch keiner zu sehen. Die Bruderadleraugen suchen den Horizont ab, es stimmt - der weiße Turm in dem anderen Ort, der von der anderen Seite des Brohltales zu sehen war, ist WEG. VERSCHWUNDEN. Wir marschieren mutig los und fragen unterwegs eine nette Dame, die mit ihrem Hund vorbeispaziert, ob "das da" auf der anderen Seite des Brohltales Kell ist und sie bestätigt das mit einem leichten Stirnrunzeln. Ich glaube, im Weggehen auch den Ansatz eines bösartigen Grinsens erkannt zu haben. Ich merke, ich bin etwas verunsichert. 
Aber wir halten fest: auf der anderen Seite des Tales liegt Kell und von dort aus hatten wir am Vortag den weißen Turm gesehen. Das ist gut, zumindest hat das Zeit-Raum-Kontinuum noch Bestand. Wir sind doch nicht in Bi*l*f*ld. 
Aber, was den verflixten Turm angeht, den weißen, sind wir weiter völlig ratlos.
"Das Ding ist entweder über Nacht abgebaut worden oder steht ganz woanders" - der große Bruder ist entsetzt.
Auch wenn ich kein Freund von Verschwörungstheorien bin - so langsam wird es echt unheimlich. Wir beschließen, der Sache auf den Grund zu gehen. Als wir den Ort erreichen, wo der Turm früher stand, sehen wir nur eine Kirchturmspitze, die nicht das gesuchte Objekt der Begierde ist. Meinem unentwegt murrenden Bruder zum Trotze, beschließe ich, weiter zu marschieren.
"Der ist weg, Jung! Weg!" - heißt es aus brüderlichem Munde, der jammernde Unterton signalisert aber sehr deutlich "Genug gelatscht, meine Füße tun weh!".
Aber ich gebe nicht auf.
Und plötzlich... da! Eine Spitze des weißen Turmes taucht auf, um eine Sekunde später wieder, mir nichts, Dir nichts, hinter einem Häuserdach zu verschwinden.
"Wir werden doch vera....t! Die haben eine Attrappe aufgebaut, als wir gestern von Kell aus rüber geschaut haben!" jammert das Bruderherz.
Ich denke nur 'Bielefeld reloaded' und stapfe weiter Richtung Potemkin. Es ist zum Mäusemelken, ab und an taucht eine weiße Turm-Spitze über den Häusern auf, um sich zehn Meter weiter wieder in Luft aufzulösen.
Manni ist mittlerweile ganz in der Verweigerungsphase - "Das bringt doch nix! Wir müssen den ganzen Weg noch zurücklatschen, denk dran! Und das alles wegen eines Turms, den es gar nicht gibt!".
Ich willige resigniert ein - wer widerspricht schon gerne großen Brüdern? Das hat schon vor 50 Jahren kein gutes Ende genommen und ich bin ja, über die Jahrzehnte, lernfähig geworden.
Auf dem Nachhauseweg nehme ich eine andere Route als beim Hinweg. Jetzt geht es auf direktem Wege runter an den Rhein, ohne nochmal mit dem verhexten Brohltal in Berührung zu kommen.
Und dann, am Ortsausgang von "Oberniederlützingen mit dem weißen Turm", da steht er: der Turm! Ein Wasserturm, in hässliches, weißes Plastik eingepackt. Er ist noch nicht mal besonders hoch, obendrauf sind noch ein paar Antennen. 
Die Niederungen der Heimat- und Ahnenforschung, ich habe sie gesehen.


Da steht er, der weiße Turm

Am Ortsausgang genießen wir noch den Blick zum Rhein von einem tollen Aussichtspunkt nahe der Strasse. Zurück geht es dann parallel zur B9, auf der Strecke die wohl mal die alte B9 war, nur erstmal in die falsche Richtung gen Bonn. In Bad Breisig schließlich finden wir Anschluss an die gute alte, neue B9, die uns zurück nach Andernach führt.
Zu Kaffee und Kuchen und diversen Diskussionen über Oberniederbrohllützingburgen und seine unheimlichen weißen Türme. 
Stay tuned...

Tag III
Heute geht es nach Oedingen, dass übrigens nicht Ödingen heißt sondern Oedingen. Mein Navi ist da sehr pingelig. Oedingen mit oe liegt oberhalb von Unkelbach und das liegt irgendwo nördlich von Remagen am Berg. Von da aus kommt man weiter nach Oedingen. Als wir dort hochfahren, habe ich bereits vergessen, warum wir überhaupt dort hin fahren wollten. Etwas anderes hat unsere Aufmerksamkeit erregt und lässt uns nicht mehr los. Eine Art Weltraumbeobachtungskugel in weiß, die hie und da entlang der Strecke in der Ferne sichtbar wird. Ich erinnere mich an einen Sommerausflug nach Bruchhausen auf der anderen Rheinseite. Als ich dort Richtung Rhein bergabwärts fuhr, wurde diese sonderbare Kugel in Form eines überdimensionalen, 100-eckigen weißen Tischtennisballes sichtbar. Ich wusste damals nicht, was es ist und wo es stand.

Jetzt hatten wir es vor Augen, manchmal, und wir wollen, ähnlich der gestrigen Lützingen Discovery Tour, der Sache auf den Grund zu gehen. Und, als ob ich es geahnt hätte, dieses merkwürdige Weltraum-Ei spielt mit uns und verschwindet von der Bildfläche, grad wie es lustig ist.
Von "Ah! Da hinten! Rechts!" bis "WTF ist denn das *** Ding jetzt schon wieder hin?" sind es meist nur Sekundenbruchteile.
Vorgewarnt von den Widrigkeiten der Odyssee vom Vortag, beschließen wir, strategisch vorzugehen. Das heißt, so lange dem Augenschein zu folgen, bis von dem Ei nix mehr zu sehen ist. Oder eben alles. Auf einem Parkplatz schließlich, in der Nähe von Wachtberg oder Berkum, kommt unsere Expedition zum Stillstand und Manni beschließt, das Problem mit Google Maps zu lösen. Während er fluchend darauf wartet, so etwas wie ein Netz zu bekommen, fällt mir siedend heiß ein, dass ich vor ein paar Jahren schon einmal mit Freund Hermann hier war. Und dass wir eine Stunde um den Block fuhren, um dieses blöde Ding zu finden, das sich vor unseren Augen aufzulösen schien. Wir fanden es damals nicht, gaben ziemlich frustriert auf und fuhren unter Absingen schmutziger Seemannslieder nach Hause.

Manni hadert mit dem Schicksal - "Wieder so ein gaaaanz schräges Ding! Die wollen uns nur reinlegen, vermutlich kann man 'es' unsichtbar machen. Und wir werden hier nur vorgeführt! Und jetzt, wo ich das Problem per Internet lösen möchte, kriege ich auf einmal kein Netz! Merkst Du was, Junge? Na, merkste was hier los ist?"
Am Ende fanden wir die Adresse doch noch per Internet, "es" stand gerade mal 700 Meter vom Parkplatz entfernt und wir waren an dem von hohen Zäunen umgebenen Gelände bereits vorbeigefahren. Kurzum: es war ziemlich peinlich.

Die weiße Kugel der Fraunhofer

In Wachtberg, das übrigens nicht Wartburg heißt, steht eine astrologische Messstation des Fraunhofer-Instituts(nur echt ohne e) und die dazugehörige Straße heißt folgerichtig auch Fraunhoferstraße.
Alles macht, vielleicht auch wegen des trüben Wetters, einen etwas verlassenen, fast schon gespenstischen Eindruck. Die militärisch anmutende Einzäunung und das massive Stahltor verstärken noch das ungute Gefühl.
Nach einer kurzen Begehung entlang der Zäune, bei dem die Kugel wieder mal verschwindet, beschließen wir, diese Abenteuerreise zu beenden und uns dem obligatorischen Kaffee und Kuchen zu widmen, der zu Hause auf uns wartet.
Abends fällt mir noch auf, dass es schon wieder diese sonderbaren 'Kleinigkeiten' gab, die dem unbedarften Reisenden gar nicht ins Auge fallen. Ich sage nur: Wartburg, Frauenhoferstraße, Ödingen.

Tag IV
Was war denn das bloß, was uns in den letzten Tagen so an der Nase herumgeführt hat?
Verschwindende weiße Türme und Astro-Eier?
Bi*l*f*ld  lässt grüßen?
Manni bittet mich um ein Photo von Oberniederbrohlburglützingen, von der Keller Seite aufgenommen, auf dem man den weißen Turm sehen kann. Ich finde zunächst keines, dann eines von vor drei Monaten. Darauf finde ich aber keinen weißen Turm, auf einem anderen Photo sind deren zwei.
Ich bekomme echte Panik und googele sicherheitshalber schon mal nach Gimp und Photoshop.
Schlussendlich hat das Schicksal ein Erbarmen, der zweite Turm ist doch kein Turm sondern bloß ein UFO, das zufällig, von der Welt unbeobachtet, an diesem schönen Sommertag auf der grünen Wiese vor Oberniederburglützbrohlingen gelandet war. Oder ein weißer Riesen - Traktor. Oder ein Zirkuszelt. Oder ein paar Riesen-Strohballen in weißer Plastikfolie.
Ich bin erleichtert und schicke das Photo rüber. Der Blogeintrag ist gerettet.

Tag V
Wir touren durch das Brohltal zwecks Verbesserung unserer sichtlich beeinträchtigten Orientierungssinne und stellen mit Entsetzen fest, dass Ober- und Niederzissen die Plätze getauscht haben. Jedenfalls passt die Realität nicht so ganz zur Landkarte im Kopf. Während der Fahrt wird auffällig laut geschwiegen und vermutlich wissen wir uns beide gerade nicht ganz eins mit den Mächten, die die Orte auf den Landkarten festlegen und ändern, ganz wie sie gerade Lust haben. Wenn wir unterwegs sind.
Irgendwann sehen wir den Rhein und dann schwenken die inneren Sensoren automagisch auf "Ortung von Kaffee und Kuchen" um, wir sind wieder versöhnt mit dem Universum.
Ich beschließe vorausschauend, den geplanten Ausflug nach Eulgem und Gamlen ein paar Wochen oder Monate zu verschieben, denn der innere Monk hat schon Eumeln und Gammeln und noch Schlimmeres draus gemacht. Auch Weißenthurm ist gerade keine Option.

Ich schließe die Augen und hoffe auf ein paar einfachere Eingebungen für die nächste Ortserkundung in der näheren Umgebung.
Aber, Karma is a bitch, und kennt kein Erbarmen mehr.
Vor meinem geistigen Auge verbinden sich Kalt, Küttig, Kollig, Keldung und Kehrig mit Kettig, Kärlich und Kattenes zu einer neuen Schiffs-Reiseroute durch die Untiefen einer verhexten Buchstabensuppe.
Auf einem Ortsschild steht 'Kennfus Ueß Dünfus Wirft Schuld Auw Wirfus' und jetzt reicht es mir. Ich verbitte mir und meinem irrlichternden Unterbewusstsein alle weiteren Wortspiele mit Ortsnamen und wende mich mit Inbrunst wieder der Ahnenforschung zu, wo die Nachterschens und die Nechtersheims und Nettesheims und sonstige "so ähnlich wie 'Nachtsheim'" - Familiennamen auf ihre Entwirrung warten.

Epilog
Heute haben wir übrigens von Eich aus die Fraunhofersche Astro-Disko-Kugel auf dem Wachtberg gesehen, die an der Fraunhoferstaße.
Wir waren uns zu 100% sicher, dass das eine Luftspiegelung gewesen sein muss, denn eigentlich ist es technisch unmöglich, dass man das kleine, hinterhältige Ding, das sich bei weniger als drei Kilometern Entfernung vor einem versteckt, mit bloßem Auge aus dieser Entfernung noch sehen könnte. Es bleibt mysteriös...

Soll noch einer sagen, das Leben als ahnenforschender Privatier würde langweilig.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Schlussbemerkung des blog-Betreibers (und älteren, erfahreneren Bruders):

Den Wahrheitsgehalt dieser Gegendarstellung sollte man sicherlich nicht als wichtigstes ..... ääähm ..... nee is klar, aber der Kleine schreibt einfach super gut.






25 Oktober 2020

Wege und Sichten - und magische Objekte

Es gibt wahrlich schöne und interessante Wege in unserer Gegend, für die man nicht weit fahren muss. In der vergangenen Woche konnte ich das tägliche "Tausend Schritte tun" zusammen mit meinem Bruderherz und auch einmal mit Kumpel Mike T-Bone gut umsetzen.

Der Rauscherpark in Plaidt machte den Auftakt, ne kleine Runde zum Einstieg sozusagen. Wie in Plaidt hatten wir auch sonst immer ein gutes Timing, genau die Regenpausen zu erwischen.

Die schöne Aussicht bis hinter die Burg Olbrück

Auch der Rundweg am Sportplatz in Kell, den wir am nächsten Tag in Angriff nahmen, ist immer wieder einen Ausflug wert. Die schöne Aussicht und von anderer Stelle aus der Blick übers Brohltal nach Lützing, sind schon was Besonderes. Den weißen Turm, den man von dort aus gegenüber zu sehen glaubt, wollten wir am nächsten Tag vor Ort finden, irgendwo auf der anderen Seite des Brohltals.

In der rechten Bildhälfte der vermeintliche weisse Turm

Auch um die immer wiederkehrende Unklarheit über die korrekte Lage, Benamung und Zuordnung von Nieder- und Oberlützingen endgültig zu klären, schauten wir uns tags darauf vor Ort um um und spazierten über die Chaussee von Ober- nach Niederlützingen. Dort angekommen, dachte sich mein Bruder etwas Seltsames aus, solche Anwandlungen hat er immer mal wieder.
Er behauptete, der historische weiße Turm, den er tags zuvor von Kell aus gesehen habe, stehe genau in Brohl-Lützing, wie Niederlützingen heute heißt. Diesen Turm, der alles überragt, hätten wir aber auf unserem Spazierweg von Oberlützingen aus bereits sehen müssen, aber: Fehlanzeige! Also musste er wohl woanders stehen. Aber der Kleine beharrte hartnäckig darauf, der Turm sei hier und ging eine Straße nach der anderen ab, ohne dass wir den Turm jemals sehen konnten. Am Ende unserer mehrstündigen Erkundungstour fand er dann einen kleinen Wasserturm, der mit Funkantennen aller Art bestückt war, und behauptete, dies sei das prächtige Objekt, dass wir tags zuvor von der anderen Seite des Tals aus gesehen hätten. Ja gut, was soll man da sagen? Ich weiß ja schließlich, was ich gesehen bzw. nicht gesehen habe, lassen wir ihm seine blühende Fantasie.

Blick zurück von der anderen Seite des Brohltals

Am nächsten Tag sollte sich für mich herausstellen, dass auch meine Wirklichkeit manchmal anders ist, als ich es eben noch sicher zu wissen glaubte. Wir beschlossen, unsere Frischlufttour nach Wachtberg zu verlegen und die Anfahrt hinter Remagen über Unkelbach und Oedingen zu nehmen. Zwei Orte, von denen man maximal einmal den Namen gehört hat, weil man jemanden kennt, der behauptet, dort zu wohnen. Schon bei der Durchfahrt stellten wir erstaunt fest, dass die beiden nie vorher gesehenen Örtchen aus mehr als zehn Häusern und drei Straßen bestehen, aus weit mehr.

Auf der Straße von Oedingen nach Wachtberg sahen wir sie dann, die große weiße Kugel, die den ganzen Ort überstrahlt. Wow, was sagt Dr. Google dazu?! Ja klar, das RADOM, die Radarkuppel der Fraunhofergesellschaft, welche hier von der Höhe aus die unendlichen Weiten des Universums beobachtet. Die wollten wir uns auf jeden Fall näher ansehen. Da das Teil aufgrund seiner Größe überhaupt nicht aus den Augen zu verlieren ist, konnten wir aufs Navi verzichten und rein auf Sicht navigieren. Jedenfalls bis wir im Ort waren - und plötzlich war das Ding nicht mehr zu sehen!
"Immer weiter geradeaus, wir sind doch genau drauf zu gefahren! Das muss noch kommen!"
Denkste, am Ortsausgangsschild ist noch immer nix zu sehen. So langsam verstehe ich, wie es meinem Bruder gestern beim Suchen des weißen Turms gegangen ist. Wir drehen, fahren zurück und biegen an der großen Ampel links ab. Da geht's runter ins Rheintal, abwärts. Nach ein paar hundert Metern halten wir an. Das kann nicht sein. das Ding liegt so hoch, dass man es von der anderen Seite des Orts aus bei der Anfahrt sehen konnte! Und wieder befrage ich Dr. Google, und der sagt, wir seien eben daran vorbei gefahren. Drehen, zurück durch den Ort, und plötzlich taucht das Ding über den Dächern wieder auf!

Im Hintergrund die KUGEL, wie sie hier genannt wird

An der Ampel schaue ich meinen Bruder am Steuer an und rufe "Da! Das gibt's doch gar nicht!"

Der schüttelt nur verständnislos den Kopf. Als er anfährt, schaue ich wieder nach vorne und - das Ding ist wieder weg! Spätestens jetzt wird uns beiden klar, dass das Universum irgendwelche magischen Spiele mit uns treibt. Wir akzeptieren es mit Demut, was bleibt uns auch anderes übrig? Wir geben die Straßenadresse ein, die Google uns liefert und stehen letztendlich vor dem eingezäunten Gelände des Instituts. Unser Spaziergang führt uns seitlich am Gelände vorbei, wo es mir sogar gelingt, die große Kuppel zu fotografieren. Während wir weitergehen, zeige ich meinem Bruder das Bild auf dem Handy. Als ich den Kopf wieder drehe, ist das Ding wieder weg. Mich überrascht nix mehr. Mein Bruder zeigt mir dann, dass es ungefähr fünfzig Meter schräg hinter uns wieder aufgetaucht ist.

Was zeigt uns das alles: Wahrheiten sind relativ! Wenn das Universum grad mal Lust hat, sie umzudrehen, kann man auch nix dagegen tun. Wir nehmen es hin und lassen uns anschließend Kaffee und Kuchen noch besser schmecken als wir das ohnehin schon immer tun.

18 Mai 2019

Schneeblondchen, Rosenwasser und der große Bär

Es begab sich heute, dass die zwei unglaublichen Schwestern Schnee-blondchen und Rosenwasser den großen Bär überredeten, sie am Abend zur Krone zur fahren, weil sie dort mit ihm die Hochzeit einer lieben königlichen Freundin feiern wollten. Der große Bär war so leichtgläubig, ihnen das zu glauben. Er ist überhaupt etwas blauäugig in seiner Art.
So machten sie ihm weis, er müsse sich überhaupt nicht festlich kleiden, denn das Ganze sei ein Lumpenball. Auch das glaubte der Bär ihnen und kleidete sich in den einfachen Klamotten, die er jeden Tag anzog. Auch verzichtete er für diesen Abend als Fahrer auf die leckeren Biere und Aufgesetzten, die den Gästen in der Krone gereicht wurden. Die beiden unglaublichen Schwestern hatten ihm vorgesäuselt, auch sie würden an diesem Abend solidarisch nüchtern bleiben.


Rosenwasser - der große Bär - Schneeblondchen

Als sie ins Auto einstiegen, musste der Bär feststellen, dass sich beide in ihre schicksten Festtagsklamotten geworfen hatten, während er in seinen Alltagslumpen da stand. Und kaum hatten sie die Krone betreten, griffen die beiden nach Bier und Erdbeerschnaps, während der arme Bär sich mit Cola und Wasser abquälen musste. Immerhin freute sich die königliche Braut auch über den Bär, obwohl der völlig underdressed auflief und von allen anderen Partygästen mit abschätzigen Blicken bedacht wurde.

Der arme Bär wurde zudem gezwungen, Currywurst zu essen und im Nachgang Käsewürfel mit Trauben zu vernaschen. Gerade als der Bär unter den Gästen sowohl seinen alten Freund Captain Shak als auch einen Halbgroßneffen vierten Grades entdeckt hatte und sich sehr darüber freute, nette Gesprächspartner gefunden zu haben, zwangen ihn die Schwestern unter Androhung körperlicher Gewalt, sie sofort nach Hause zu fahren.
Und die Moral von der Geschicht - trau den unglaublichen Schwestern nicht!

13 Mai 2019

Irgendwas stimmt hier nicht

In der chinesischen Stadt Yulin werden beim jährlichen Hundefleischfestival 10.000 Hunde gekocht oder gebraten und verzehrt, nachdem sie vorher unter unsäglichen Bedingungen gehalten und getötet wurden. Die westliche Welt regt sich furchtbar auf ob dieser barbarischen Sitten - und macht mit hunderttausenden Rindern, Schweinen, Hühnern in Massentierhaltung genau das gleiche.
Die deutsche Industrie verkauft mit Hilfe der Politik fleißig Waffen aller Art an jeden zahlungskräftigen Machthaber auf der Welt. Wenn die damit ausgetragenen Kriege die Bevölkerung in die Flucht zwingen, diskutiert man hier über Transitzonen und Aufnahmequoten.
Beispiele gibt es mehr als genug, sie alle belegen:

Unser Verhalten ist paradox! 

Aufgefallen ist das bereits Väterchen Franz(-Josef Degenhardt) in seinem Klassiker "In den guten alten Zeiten", wo er aus der Zeit nach dem großen allerletzten Knall auf unser heutiges Treiben zurückblickt.

...Manchmal durfte man nicht töten, manchmal aber musste man,
was Genaues weiß man nicht, aber irgendwas ist dran,
denn wer Tausende verbrannte, der bekam den Ehrensold,
doch erschlug er einen Einzelnen, hat der Henker ihn geholt
In den guten, alten Zeiten...

Betreiben wir ein wenig Ursachenforschung, so dämmert uns nach kurzer Zeit die Erkenntnis, dass es keinerlei Indizien dafür gibt, dass es jemals anders zuging auf diesem Planeten, jedenfalls nachdem Eva sich von dieser blöden Schlange hat verführen lassen. Vielleicht könnte man ja darauf hoffen , dass Zeitreisen bald technisch möglich sind, um dann jemand zurück zu schicken, der dem Weib auf die Flossen haut oder, noch besser, dem Kriechtier den Garaus macht.

Oder gibt es bereits Zeitreisen? Ist schon jemand zurückgereist und hat beim Versuch, etwas zu reparieren, sein früheres Ich getroffen? Ist bereits etwas eingetreten, das Doc Emmet Brown in Teil 2 der intergalaktischen Kult-Trilogie "Zurück in die Zukunft" für den Fall einer Begegnung mit seinem früheren Ich vorhergesehen hat?


Doc: „Ich sehe 2 Möglichkeiten voraus. Erstens ... - Oder zweitens:
Die Begegnung bewirkt ein Zeitparadoxon, in deren Folge eine Kettenreaktion ausgelöst wird, die die Struktur des Raum-Zeit-Kontinuums auflöst und das gesamte Universum vernichtet
. Zugegeben, das ist das schlimmste Ereignis. Es wäre möglich, dass sich die Zerstörung in Grenzen hält und sich nur auf unseren Teil der Galaxis bezieht." 

Ich hab dazu eine ganz eigene Theorie: Was ist, wenn es uns nicht ganz so schlimm getroffen hat und wir nur alle ein Stück bekloppt geworden sind? Beispiele siehe oben.

Der dreizehnte Beatle

Gerhard Henschels Satire handelt von einem Beatles-Nerd, der im Jahr 2005 einer guten Fee hilft. Diese gewährt ihm dafür die Erfüllung von drei Wünschen. Ein paar Sekunden vor Ablauf der  Wunschfrist haut er sein Herzensding raus: Zurück nach 1967. Dort wird er verhindern, dass John Lennon Yoko Ono kennen lernt und dass damit das Ende der FabFour eingeleitet wird. Als wandelndes Popmusik-Lexikon kennt er jedes Datum, jede Person, jeden Furz, den jemals einer der Musiker losgelassen hat. Und er schafft es damit tatsächlich, das originale Treffen zu verhindern. Was er aber damit in der Folge verschlimmbessert, ist eine viel größere Katastrophe. Und so tappt der Protagonist von einem Fettnäpfchen ins Nächste, bis Hopfen und Malz verloren ist.
Ein herrlich launiges Buch, dass man nicht im Café lesen sollte, sonst muss man gerade in der ersten Hälfte des Buchs zu oft zu spontan zu laut lachen und zieht befremdliche Blicke auf sich. Mehr will ich nicht spoilern, aber den Rat geben: Wer Spaß an Musikgeschichte und schrägen Stories hat, sollte es unbedingt lesen, auch wenn es in der zweiten Hälfte seine Längen hat, zu viele Namen, die wohl nur dem Pophistoriker etwas sagen, und den Schluss liebe ich wieder.

04 März 2019

Geburtstag und Rosenmontag

's Margitsche

Stellt Euch vor, Ihr wärt an einem Rosenmontag in einem Ort am Mittelrhein geboren und Euer 62. Geburtstag fällt zum ersten Mal wieder auf Rosenmontag!
Gibt's doch gar nicht, werden manche jetzt sagen, es sei denn, man heißt Margit.
Nein, auch ohne 's Margitsche, stellt es euch trotzdem einfach mal vor!

Na gut, Fassenacht fällt jedes Jahr ungefähr in die gleiche Zeit, da müsste ab und an auch mal wieder ein Rosenmontag dabei sein. Ich will's Euch verraten: Es passiert nach genau 62 Jahren zum ersten Mal. Und zwar nicht dem Margittsche, sondern mir.
Was macht man in solchen Fällen?
"Feiern bis zum abwinken!" werden einige jetzt sagen.
"Zwei Feiertage an einem Tag, ist doch klasse!"
Aber die wahre Geschichte ist ne ganz andere ...


Mykelti Williamson aka Bubba

Menschen, die am 4.3.1957 geboren werden, an einem Rosenmontag, haben es schwer im Leben. Es gibt außer mir nur noch einen: Mykelti Williamson, der Darsteller des Benjamin Buford Blue, kurz Bubba genannt, im legendären Film "Forrest Gump". Ein Soldat, der in Vietnam in Forrests Armen verstirbt, nachdem dieser ihn völlig selbstlos unter Einsatz seines Lebens noch aus dem Kampfgebiet gerettet hat. Forrest verspricht seinem besten Freund Bubba, zu Hause gemeinsam mit ihm die Bubba Gump Shrimp Company zu gründen, und löst dies später auch ein, obwohl Bubba tot ist. Ein wahrhaft tragischer Held, der Bubba, diese Szenen treiben mir heute noch die Tränen in die Augen.

Ein solches Schicksal blieb mir zum Glück erspart. Aber immerhin, ich durfte als Kind an Karneval den Erwachsenen viel Freude bereiten, wenn ich ihnen, immer ausgestattet mit Filz-Cowboyhut, Pulverblättchen-Revolver (die mit Patronenringen waren zu teuer) und aufgemaltem schwarzen Schnurrbart jedes Jahr das Lied vorsingen durfte, "mein" Lied:

Am Rosenmooontag
bin ich geboohoren,
am Rosenmontag,
in Kesselheim

Jedes Jahr, wieder und wieder. Ich nehme an, Bubba hätte sich unter so einem Trauma direkt das Leben genommen. Dazu fehlte mir in diesem Alter glücklicherweise der Mut. Jedoch das Trauma blieb.

Den Geburtstag sollte ich damals zwar immer wieder karnevalistisch besingen, aber geschenke- und feiertechnisch war in einem gutkatholischen Haus am Geburtstag selbst TTH, Total Tote Hose. Am Namenstag wurde man in den Strickpullunder gezwängt, den man ohnehin irgendwann von den Eltern bekommen hätte.
Als Pubertier gelang es mir dann einige Jahre, das Trauma zu ertränken, teilweise hörte ich mir in diesem Zustand sogar die unvergleichlichen einheimischen Büttenreden in der Turnhalle an.

Unn dann hatt et schwer gekracht
Ei watt hamma da gelacht!
Ta-Dää Ta-Dää Ta-Dää!

Ja, es ist wahr, ich hab mich damals halb totgelacht über solche feinsinnigen Verbalien!
Aber irgendwann, nachdem ich mich trocken geschwommen hatte, untersuchte ich das Rosenmontags-Trauma und fand: MICH. Mich, der mit dem ganzen aufgesetzten Rummel überhaupt nix am Hut hatte und seither auch den Geburtstag lieber gemütlich im kleinen Kreis begeht, wenn überhaupt.

Und wenn Rosenmontag und Geburtstag dann EINMAL im Leben wieder auf einen Tag fallen, dann entgehe ich dieser Höchststrafe mit einer tollen Woche im Norden, mit einem guten Freund in der karnevalsfreien Zone, und freue mich des Lebens.

Beim Recherchieren über 's Margitsche fallen mir noch ganz andere Dinger über die Füße, die ich schon komplett verdrängt hatte: Rucki Zucki, Humbta Humbta tätärää, heile heile Gänsje, Gell du hast mich gellegern - von und mit Ernst Neger, Tony Hämmerle und ähnlichen Fassenachtsmutanten. Grauslich! Schnell wieder verdrängen!

Vielleicht schicke ich Mykelti Williamson eine Nachricht mit einem tollen Foto aus Lübeck.