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27 Oktober 2024

Vom KLB zur Buchmesse

Mein Kleiner Lieblings-Bruder hatte gestern vorgeschlagen, unser samstägliches Frühstücksritual auf heute zu verschieben, um jeglichen Morgenstress vor unserem gestrigen Hausflohmarkt zu vermeiden. Ich muss gestehen, der KLB hat manchmal richtig gute Ideen. So konnten wir uns eine Stunde mehr Schlaf gönnen und es beim Spätstück richtig gemütlich angehen lassen.

Tiefenentspannt setzte mich der Kleine danach in Koblenz vor der Heinz-Moser-Halle ab, wo ich einen Rundgang über die 1. Koblenzer Buchmesse machte. 

Hier fand die Premiere statt

Ich hatte mir fest vorgenommen, heute kein weiteres Buch zu kaufen, da mein SuB längst wieder gigantische Höhen erreicht hatte. Es herrschte reger Andrang in der Halle, wie man schon am Einlass erkennen konnte.

Viele Schreiberlinge und Verlage hatten sich eingefunden, um ihre literarischen Erzeugnisse zu präsentieren. Ich hatte unterwegs einige nette Smalltalks mit verschiedenen Autor*Innen und auch mit einigen Freundinnen aus unserer Schreibgruppe, die sich hier ebenfalls Anregungen holten. An einem besonders interessanten Stand fanden wir uns zu einem Gruppenfoto zusammen. Hier präsentierten Dagmar Pascher und Gabriele Keiser ihre Werke - und ich durfte mich zusammen mit Karin, Gerda und Antje darüber freuen. Tanja und Michael waren ebenfalls auf der Messe, so dass unsere Schreibgruppe heute sehr gut vertreten war.

Strahlende Gesichter

Die beiden lasen auch später noch aus ihren Werken vor, was ich aufgrund eines wichtigen Folgetermins leider nicht mehr miterleben konnte. 

Ein weiteres Highlight für mich war es, das Mendiger Autorenduo Claire Larsen persönlich kennen zu lernen. Da ich bei amazon grundsätzlich nicht mehr bestelle, hatten die beiden mir ein signiertes Exemplar ihres Debutromans aus ihrem Bestand versandkostenfrei zugeschickt. Und ich kann sagen, dass mir das Buch sehr gut gefällt, nachdem ich es bisher zur Hälfte gelesen habe.

Sowohl Larsen als auch Claire waren sehr nett und freuten sich über meine positive Bewertung, akzeptierten aber auch meine Kritik an amazon und meine Anmerkungen zu kleineren kosmetischen Korrekturmöglichkeiten.

"Neunzehn Jahre" von Claire Larsen - meine Empfehlung - wenn man es in der Mendiger Buchhandlung Waldecker und nicht bei amazon kauft.

Michaels Bild von der Galerie aus zeigt nochmal, wie gut der Besuch heute war.

Nach etwa einer Stunde machte ich mich auf den Heimweg und hatte tatsächlich nur ein kleines Buch gekauft. Ich hatte reichlich Pufferzeit eingeplant, wollte ich den Heimweg doch mit dem ÖPNV absolvieren, und mit dem hab ich ja so meine Erfahrungen.

Der Fußweg zum Löhr-Center war schnell absolviert. Ich hatte zwar in der Zeitung gelesen, dass es für die Strecke zwischen Andernach und Koblenz einen Schienenersatzverkehr gäbe, aber meine Bahn-App auf dem Handy zeigte zuverlässig an, dass die Regionalbahn ab Koblenz-Stadtmitte fahren würde. Am Haltepunkt hinter dem Löhr-Center wunderte ich mich anfangs schon ein wenig, dass ich ganz allein auf dem Bahnsteig stand und auf der Anzeige immer nur die Uhrzeit präsentiert wurde. Weitere Blicke in meine BahnApp offenbarten dann, dass der Zug nun doch ausfällt und durch einen Schienenersatzverkehr, also einen Bus, ab dem Busbahnhof Stadtmitte ersetzt wird. 

Kein Problem, ein kurzer Sprint um das Löhr-Center und schon stand ich im Busbahnhof Stadtmitte. Hier sind die verschiedenen Bussteige von A bis G sauber gekennzeichnet. Leider stand in der BahnApp nicht, auf welchem Steig mein Bus abfahren sollte. Wäre ja auch zu einfach gewesen. So schaute ich mir bei einer Rundreise alle Aushänge an - und fand nirgendwo einen Hinweis auf den SEV (Schienenersatzverkehr). 

Auch kein Problem, dann frage ich halt den nächsten Busfahrer, der hier eintrudelt. Leider konnten mir die nächsten 3 Busfahrer nichts dazu sagen oder sie verstanden meine Frage erst gar nicht. Nur einer der Fahrer meinte, dass der SEV vielleicht auf der anderen Straßenseite abfahre, war sich aber nicht sicher.

Da die angesagte Abfahrtszeit des Busses eh schon überschritten war, beeilte ich mich, die Straße ohne Nutzung der Unterführung zu überqueren. An den hiesigen Bussteigen H, K und L fand sich ebenfalls keinerlei Hinweis auf den SEV. Ein gut versteckter Hinweis in der BahnApp sagte mir nun, dass SEV-Busse den Haltepunkt Stadtmitte gar nicht anfahren, sondern nur am Hauptbahnhof bestiegen werden können. Ein ebenfalls suchendes Paar in meinem Alter fiel mir auf, weil sie auch ratlos wirkten. Im Gespräch erfuhr ich dann, dass sie ebenfalls nach Andernach wollen. Als ich den beiden erzähle, dass wir lt. meiner BahnApp zum Hauptbahnhof müssen, stellen wir fest, dass in der BahnApp der Frau nichts davon steht. Irritierend.

Die Frau geht zu einem gerade einfahrenden Bus, als der Mann und ich vor uns auf der Straße liegend eine laminierte Seite entdecken, die sich tatsächlich als SEV-Fahrplan entpuppt. Hier ist klipp und klar ersichtlich, dass unser Bus auf Bussteig B abfahren wird. Ich sprinte sofort wieder über die Straße zurück auf die Seite des Löhr-Centers, um den Bus, sollte er gerade dort einfahren, solange aufhalten zu können, bis die beiden nachgekommen sind. 

Als ich gerade auf der anderen Seite ankomme und zurückblicke, winkt mir der Mann zu und zeigt an, dass der gerade dort eingefahrene Bus, den seine Frau gekapert hat, der richtige sei. Also wieder kehrt marsch und am Ende sitzen wir glücklich zusammen in einer Dreier-Sitzgruppe im Bus nach Hause. Der Mann hatte noch versucht, den Busfahrer dazu zu bewegen, die fehlenden und falschen Hinweise doch bitte an seine Zentrale zu melden, doch dieser reagiert zuerst gar nicht und dann ziemlich ungehalten. Ich hatte den Eindruck, dass er aufgrund seiner anderen Muttersprache überhaupt nicht verstehen konnte, was der Mann ihm sagen will.

Egal, wir haben es geschafft, alle Klippen zu überwinden die uns von der DEUTSCHE BAHN in den Weg gelegt worden waren. Irgendwann sagt der Mann: "Kennen wir uns nicht?" und ich antworte "Christoph?". Ja, wir kennen uns, der letzte Kontakt ist aber bereits einige Jahre her. Eine sehr erfreuliche Begegnung mit den Beiden endet mit einem Stück gemeinsamen Heimwegs vom Andernacher Bahnhof aus, den wir störungsfrei erreichen.

Das Timing ist perfekt. Mir bleibt zu Hause noch genügend Zeit, um meine blau-weiße Kluft anzulegen, mit der ich dann meinen Freund und Ex-Kollegen Luca Thomi besuche. Er ist Bayern-Fan und wir wollen uns das heutige Aufeinandertreffen unserer Lieblingsvereine zusammen anschauen. Ich komme rechtzeitig vor dem Anpfiff bei ihm an, werde mit Kuchen und Kaffee empfangen, den wir während der ersten Spielminuten genießen. Nachdem ich mit 2 Stück tollem glutenfreien Kuchen, 1,5 Tassen Kaffee und 1,5 Gläsern Mineralwasser verwöhnt wurde, endet das Spiel mit 0:5, was der Summe der Verwöhn-Einheiten entspricht, die mir kredenzt wurden. Das fällt mir aber erst auf, als ich nach dem Spiel wieder zu Hause bin. Beim nächsten Aufeinandertreffen sollte ich besser den Kuchen mitbringen.

Aber Ihr wisst ja, das wichtigste Wort im Leben eines VfL-Fans ist:

TROTZDEM!

05 September 2024

Murphys Rache

Den RE5 um 10:28 planmäßige Abfahrt in Andernach hatte ich mir für meinen heutigen Wuppertrip ausgesucht. Der Regionalexpress fährt durch bis Düsseldorf, von dort kommt man mit dem RE13 schnell nach Wuppertal. 11 Minuten Umstiegszeit dürften ja reichen, um von Gleis 17 auf Gleis 7 zu kommen. Und um 12:31 wollte ich tiefenentspannt in Wuppertal aussteigen und dort meine Sachen erledigen.

Ich hatte auch schon ausgekundschaftet, dass um 18:25 die letzte entspannte Reisemöglichkeit zurück besteht, RE13  bis D'dorf, RE5 nach Hause, also die gleiche Route wie auf der Hinfahrt.

Das war der Plan.

Aber mal ganz von vorne. Ales erfahrener Bahnreisender weiß ich natürlich, dass so etwas nie funktioniert (wenn man nicht gerade mit Gaby unterwegs ist). Beim momentanen Bahn-Chaos wäre es schon ein Wunder gewesen, wenn der ausgesuchte RE5 heute Morgen pünktlich in Andernach abfahren würde. Ich fuhr trotzdem früh genug los, um auf dem Bahnparkplatz ein Plätzchen zu finden, von dem aus man direkt auf den Bahnsteig gelangt. Neulich hatte ich erst gesehen, dass dort viele Plätze frei waren. Nur leider heute nicht. Nach einer erfolglosen kleinen Rundfahrt fuhr ich weiter zum REWE mit dem Riesenparkplatz, denn dort wollte ich bei meiner Rückkehr eh noch einkaufen. Die Uhr begann  hier bereits merklich schneller zu laufen.  Zum allerersten Mal, seit ich in Andernach wohne, erlebte ich Donnerstags um 10:15, dass der ganze REWE-Parkplatz lückenlos belegt war. Spätestens an diesem Punkt wusste ich, dass sich meine Vorahnung bestätigen würde: Murphys Rache war heute fällig. Er hatte die ganze letzte Woche gegen Gabys Beziehungen zum Universum keine Chance gehabt und sowas lässt der nicht einfach auf sich sitzen. Nicht mein Murphy.

Ich hatte Glück, dass nach einer erfolglosen Umrundung plötzlich eine junge Frau vor mir rausfuhr und ich doch noch einparken konnte. Da sich die Zeiger der Uhr dabei noch schneller gedreht hatten, hechelte ich mit meinem gefüllten Rucksack schnell zum Bahnhof, wo der RE5 gerade einlief, als ich den Bahnsteig betrat. Der wahrscheinlich einzige pünktliche Zug dieses Tages. Pooh!
Meine BahnApp zeigte im relativ leeren Zug(!) auf einem Sitzplatz(!) an, dass wir Düsseldorf mit nur 2 Minuten Verspätung erreichen werden. Oder eher würden?

Es begann in Brohl mit 2 Minuten Verspätung und wurde während der Fahrt mit immer wieder eingelegten ungeplanten Stopps auf offener Strecke schnell ausgebaut. Völlig überraschend fanden unterwegs Bauarbeiten und damit verbundene Umleitungen anderer Züge statt, was stets von der Lautsprecherdurchsage kommentiert wurde. "...  weil der vor uns liegende Streckenabschnitt nicht frei ist. Wir bitten um Verständnis."

In Brühl waren es dann 16 Minuten Verspätung und es war klar: Der Anschluss in D'dorf wird nicht mehr klappen. Nach dem wiederholten Konsultieren meiner schlauen BahnApp beschloss ich, Murphy ein Schnippchen zu schlagen, wie schon so oft. Ich würde in Köln umsteigen. Aber nicht im Hauptbahnhof, sondern in Deutz. Die dort verkehrende Regionalbahn RB48 hatte lt. App bereits 48 Minuten Verspätung, der Umstieg sollte für mich klappen.
Umstiege in Köln Hbf. sind nämlich immer sehr problematisch, weil kaum ein Zug auf dem geplanten Gleis abfährt. Und Köln Hbf hat viele Gleise. In Deutz gibt es nur 3 Bahnsteige mit 6 Gleisen. Das spart viele Meter Fußweg. Gerade als ich diesen Entschluss gefasst hatte, blieb der Zug direkt vor dem Kölner Hauptbahnhof stehen und wir hörten zum x-ten Mal ...  weil der vor uns liegende Streckenabschnitt nicht frei ist. Wir bitten um Verständnis."
Murphy musste irgendwie mitgekriegt haben, was ich vorhabe. Minuten vergingen. Ein jüngerer Mitfahrer wirkte sehr verunsichert. Er studierte ständig den ausgehängten Netzplan der Bahn und schien sich damit überhaupt nicht auszukennen. Er fragte mich freundlich, ob ich wisse, wie er denn nun am besten nach Dortmund käme. Die geplante Anschlussverbindung wäre weg und er wolle halbwegs pünktlich zum Familientreffen dort erscheinen. Ich suchte ihm auf der App einen RE aus, der hier ab Köln Hbf. direkt nach Dortmund fährt und er bedanke sich erleichtert. Weitere 10 Minuten Standzeit später registrierte er, dass wir nun auch dafür zu spät waren und meinte hoffnungsvoll: "Der wird ja vielleicht auf uns warten." Ich konnte einen spontanen Lachkrampf nicht ganz unterdrücken und erklärte ihm das unvermeidliche Scheitern seiner Pläne.

Dann fuhren wir ein, ich blieb sitzen und stieg erst beim nächsten Halt in Köln-Messe/Deutz aus, wo auf dem gleichen Bahnsteig, auf dem wir einfahren, auch der verspätete RB48 einlaufen sollte. Da dieser dann mit noch größerer Verspätung um 12:17 in Deutz ablegte, gelang mir der Umstieg problemlos.

Für einen kleinen Moment überlegte ich beim Anblick des Displays, ob ich nicht doch auf den ebenfalls angezeigten Regionalexpress warten soll, der RE7 würde mich schneller an die Wupper bringen. Ich hatte den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, da änderte sich die Anzeige.

RE7 fällt aus!

Also alles wie immer. Ich war nicht der Einzige Betroffene, ein paar Clübchen älterer Damen (also in meinem Alter) irrten auf dem Bahnsteig umher und freuten sich mit mir, als der RB 48 endlich einlief und wir sogar Sitzplätze darin fanden. Ich würde nur wenig später als geplant in Wuppertal ankommen, dank meiner klugen Umdisposition. HA!

Der Zug fuhr dann tatsächlich los, nachdem wir noch einige weitere Verspätungsminuten beim Warten im Bahnhof addiert hatten. Und nach nur wenigen Minuten Fahrt verkündete der Lautsprecher, dass die RB48 heute leider nur bis Solingen fahren können und wir alle dort aussteigen müssen. Im Zug etwa gleich viele genervte wie lachende Gesichter. Sofort checkte ich in meiner Bahn-App, dass wir bereits in Opladen auf Gleis 2 ankommen und von dort mit einem RE, der mit noch größerer Verspätung unterwegs ist, weiterfahren können. Also, geht doch!

Kurz vor Opladen wies die Bahn uns noch darauf hin, dass es dort ein WC gibt

und das man dort auch anhält.

Ich bewegte mich schon zum nächsten Ausstieg, wo mir jedoch Murphy zuvor gekommen war.

Ok, nächste Tür, und schwupp war ich draußen.
Auf dem gegenüberliegenden Gleis am Bahnsteig stand bereits ein Zug, ob das schon unser RE war?
Dann ein Blick aufs Display:

Der RE7 würde heute ausnahmsweise auf Gleis 5 abfahren!

Ich sprintete die Treppe hinunter, um dort festzustellen, dass ich bereits auf Gleis 5 war. Wir waren auf Gleis 4 angekommen und nicht, wie geplant, auf Gleis 2.

Also hurka hurka wieder hoch und einfach in den dort wartenden Zug eingestiegen. Kurze Frage an die dort sitzenden Passsagiere: Fährt der nach Wuppertal? Einstimmiges Nicken rundherum, geschafft!

Dann stehen wir dort eine Weile und warten aufs - ja worauf eigentlich? Mein Mitfahrer Richtung Dortmund steht plötzlich wieder vor mir. Sein Anschlusszug in Köln Hbf hatte nicht auf ihn gewartet. HA! Ich frage ihn nicht, auf welch verschlungenen Wegen er nun im RE nach Rheine sitzt.

Nach 20 Minuten im stehenden Zug sehen und hören wir, dass jetzt auf Gleis 4, also dort, wo wir mit der RB48 vor einer halben Stunde ankamen, nun doch die nächste RB 48 abfahren soll. Diese war uns in Deutz als ausgefallen mitgeteilt worden. Hmmh, was tun? Meine Mitfahrerinnen überlegen, ob sie nicht aussteigen und mit der RB fahren sollen, jedoch nach meiner Warnung "Das ist eine Falle!" bleiben wir alle sitzen. Eine Minute später fährt unser Zug los.

Ich habe eine nette Unterhaltung mit der Dame gegenüber, die doppelt so viele Jahre auf der Stadtverwaltung verbracht hat wie ich, allerdings in Aachen. Danach ist sie wg. der Familie nach Leverkusen gezogen und dort ist es nicht so schön. Aber sie ist viel mit der Bahn unterwegs und kann auch über den ganzen WirrWarr entspannt lachen.  Nach dem Austausch unserer Bahnerlebnisse beantworte ich ihre Frage, ob sich Andernach für einen Besuch lohnt, sehr ausgiebig und positiv. Ich denke, ein Wochenende mit ihrem Damenclübchen könnte draus werden.

Wir erreichen Wuppertal eine Stunde später als ich es geplant hatte und wir verabschieden uns vor dem Bahnhof nett, denn die Leverkusener Dame macht auch einen Besuch an der Wupper, einen Familienbesuch.

Da ich nun alle Zeit der Welt habe, schwebe ich erst mal gemütlich zum Hotel, um dort meine peinlichen Schulden zu begleichen. Silvia und Frankie de Palma erwarten mich bereits auf dem sonnigen Balkon und begrüßen mich sehr herzlich. Das sind wirklich tolle Menschen hier. Nachdem ich Frank zum Geburtstag gratuliert habe und wir uns angeregt unterhalten haben, mache ich mich wieder auf den Weg, nicht ohne eine genauso herzliche Verabschiedung von den beiden.

Ich besuche den Glücksbuchladen und bringe Frau Hardenburg weitere Exemplare unserer Kurzgeschichtensammlungen vorbei, die lt. ihrer Aussage letzte Woche sehr gerne mitgenommen werden, vor allem bei Lesungen. Sie regt wiederholt an, dass auch für unsere Kurzgeschichten einmal jährlich ein passendes Lesungs-Format von ihr veranstaltet wird. Ich werde das am nächsten Kursabend zur Diskussion stellen.

Für die geplante Verabredung zum Familientreffen schicke ich Claudia eine WhatsApp und warte auf Antwort. Vergeblich. Ungewöhnlich. Derweil verspeise ich eine leckere Reis-Hühnchen-Gemüse-Bowl und schaue mal vorsichtshalber in die BahnApp wg. meiner Rückfahrt. Resumee: Claudias Handy ist ihr just heruntergefallen und war zur Reparatur, wie sie mir schreibt, als ich schon wieder in der Bahn sitze. Denn sowohl meine gut geplante Rückfahrt um 18:25 als auch die gleiche Verbindung eine Stunde vorher finden nicht statt. Wegen Personalmangel fahren diese Züge heute nicht mehr. Aber eine weitere Stunde vorher steht noch alles als funktionierend in der App. 16:25 ist angesagt. Huch, das ist ja gleich. 

Also ab auf den Gleis 1, wo sich quälend viele Menschen einfinden. Die wollen doch nicht alle mit dem RE13?! Kurz darauf ändert sich die Anzeige und man schiebt die verspätete RB 48 vor. Allerdings heute ausnahmsweise auf Gleis 3. Völkerwanderung setzt ein.

Wieder einige Minuten später zieht man die RE7 vor, die bereits 1:20 Std. Verspätung hat. Ok, geht auch, bis Düsseldorf und dann umsteigen. Falsch gedacht - sofort erscheint im Display:

Heute nur bis Opladen!

Mittlerweile hat sich der Bahnsteig wieder sehr gefüllt, das könnte haarig werden. Aber es klappt gut. Ich bekomme einen Sitzplatz im Gang, wir erreichen schnell Düsseldorf, wo ich an Gleis 16 auf meinen letzten RE nach Hause warte.

Auch auf diesem Bahnsteig warten Massen von Menschen auf genau diesen Zug.

Kurze Verwirrung entsteht, als man auf der Anzeige 2 Züge von Gleis 15 und 16 tauscht, aber meiner ist nicht dabei. Im Obergeschoss des Doppeldeckers finde ich einen Sitzplatz und von da an läuft alles ziemlich normal. Ok, den Halt in Sinzig lässt man heute einfach mal ausfallen, aber am Ende steige ich mit nur 10 Minuten Verspätung in Andernach aus und bin zufrieden, dass ich mich mit dem rachsüchtigen Murphy doch so arrangieren konnte..

So zufrieden spazierte ich heute Abend noch einen schönen Gang in der luftigen Rheinanlagen  und erfreute mich an den Wolkenbergen und an einer Lesepause mit meinem nächsten interessanten Buch.


02 September 2024

Zwei im Glück auf dem Weg zurück

Der Abreisetag war viel schneller gekommen, als wir es uns gewünscht hatten. Dank Gabys gutem himmlischen Draht zum Wettergott hatten wir eine schöne Woche, dank ihres offensichtlichen Einflusses auf Murphy liefen alle Bahn-, Bus- und Schwebe-Fahrten so reibungslos, wie ich es selten erlebt habe. Sogar die Fußgängerampeln hörten sehr oft auf ihre telepathischen Anweisungen und sprangen auf grün, sobald wir uns näherten. Das kriege ich niemals hin. DANKE, Gaby!

Da der einzige durchgehende Zug zurück erst nachmittags verkehrt, hatten wir nach dem Frühstück Zeit genug, um ein letztes Stadtschweben nach Elberfeld anzugehen. Überhaupt, das Frühstück! Wir hatten uns am Ende des Urlaubs so toll eingependelt, dass wir gleichzeitig zum Frühstück erschienen und somit erstaunte Blicke ernteten, positiv erstaunte wohlgemerkt. Am Eingang zu dieser mächtigen Einkaufsmall trennten sich unsere Wege. Gaby verzichtete mutig auf meine fachmännische, geschmackvolle Beratung beim Textilkauf.

Kirche am Kolk

So verbrachte ich etwa eine halbe Stunde damit, die monströs große Mall auf kleinen Sträßchen und Gassen zu umrunden und mir die weniger belebten Orte zu erwandern.

Viele interessante kleine Läden und Kneipen gab es hier zu sehen. Ebenso eine der vielen Kirchen, die lutherische Kirche am Kolk. die bereits 1752 eingeweiht wurde.

In der nächsten halben Stunde machte ich das Gleiche auf der anderen Seite der "Alten Freiheit", und auch hier gab es einiges Interessantes zu entdecken.

So z.B. das Armenpflegedankmal vor der Alten Reformierten Kirche Elberfeld, Das Denkmal wurde 1903 fertiggestellt, die heutige City-Kirche wurde 1953 nach dem Krieg wieder aufgebaut, ihre älteste Vorgängerkirche an diesem Platz wurde etwa 955 fertiggestellt.

City-Kirche
Armenpflegedenkmal

Als ich nach etwa einer Stunde wieder am Eingang der City-Arkaden stand, wurde es eine Punktlandung. Eine strahlende blonde Frau kam mir mit gefüllter Tasche entgegen und zeigte mir beim Cocktail am Marktplatz stolz ihre tollen Neuerwerbungen. Die Frau hat Geschmack!

Für unser letztes gemeinsames Mittagessen einigten wir uns schnell auf das einzig passende Lokal.

Nicht Hans, sondern ZWEI im Glück

Am Rand des Hardtwalds

Ein letztes Schweben zurück zum Hotel am Rand des Hardtwalds, dessen grünen Hang ich unbedingt noch einmal im Bild festhalten wollte. Unser Zeitplan war auch heute wieder perfekt, völlig stressfrei. Nach einer letzten Pause in den bequemen Sitzen des Foyers hatten wir das Glück, dass uns der Chef (aka Frankie dePalma) persönlich zum Bahnhof kutschierte. Wir verabschiedeten uns herzlich von diesem tollen Gastgeber. Was passiert, wenn man die Barzahlung der Hotelrechnung vertrauensvoll entgegennimmt und nicht sofort nachzählt, stellte sich dann heraus, als mich eine Nachricht auf dem Handy erreichte, während wir schon im Zug nach Hause saßen.

So hochnotpeinlich, dass ich das umgehend wieder korrigieren und die Gelegenheit nutzen werde, diese Woche noch einen Tagestrip an die Wupper zu unternehmen.

Kleckerhannes, Stolpervogel und Tagträumer in Einem, das macht mir so leicht keiner nach.

Unser Zug kam nur mit einer unwesentlichen Verspätung von etwa einer halben Stunde in Andernach an, wo meine Begleiterin wenig später vom weiblichen Teil ihrer Familie freudig begrüßt wurde.

Mit der Vereinbarung, dass wir diese schöne Tour auf jeden Fall wiederholen werden, trennten sich für heute unsere Wege mit einem guten Gefühl. HACH!

Nach dem Auspacken nutzte ich den Abend, um noch ein paar Schritte bei Vater Rhein zu machen. Und ja, ich habe noch alles wiedererkannt. Ein schöner Ausklang eines schönen Kurzurlaubs.

Westblick am Abend

Ostblick am Abend

27 August 2024

Mit DEUTSCHE BAHN ins Abenteuerland

Es hatte seltsam begonnen. Zwei Tage, nachdem ich Hotel und Bahntickets an die Wupper fest gebucht hatte, druckte die Rhein-Zeitung eine Pressemeldung der DEUTSCHE BAHN ab, nach der ab sofort keine ICs mehr in Andernach halten. Der Fernverkehr würde von Koblenz über die rechte Rheinseite geführt, bis alle Baustellen fertiggestellt sind. Oh mein Gott, für IMMER?!?!

Aber macht ja nix, dann fahren wir halt mit dem Regionalzug nach Koblenz und stiegen dort in den IC ein. Dachte ich so. Am nächsten Tag ließ die DB verlauten, dass eine Regionalbahn zwischen Kobenz und Andernach ab sofort nicht mehr fahre. Spätestens jetzt war klar, dass mein Bahn-Murphy wieder seine Finger im Spiel hatte. Meine Bahn-App verkündete stoisch weiter, dass der gebuchte IC uns in Andernach auf Gleis 2 abholen werde, und das sogar pünktlich.
Man muss dazu wissen, dass Gleis 2 in Andernach derzeit eine einzige Baustelle ist, an der kein Zug halten kann. Alles wird auf Gleis 1 und 3 umgeleitet. Hmmmmh?! Dank meiner langjährigen Murphy-Erfahrung gelang es mir, der Sache ganz gelassen entgegen zu sehen. Denn wenn DIE nicht wollen, dass wir Wuppertal erreichen, dann haben wir sowieso keine Chance, daran etwas zu ändern.

Sicherheitshalber fragte ich am Samstag noch einmal bei der freundlichen Dame am Bahnschalter nach und auch sie bestätigte mir, dass sowohl Hin- als auch Rückfahrt planmäßig und pünktlich stattfinden werden. Klar muss hier etwas faul sein. Warten wir's ab, dachte ich mir.

Heute Morgen erwartete mich meine Begleiterin fröhlich und gut gelaunt vor dem Bahnhof, so dass ich fast ein schlechtes Gewissen bekam. Wie sollte ich ihr beibringen, was uns wie auch immer nun erwartet.

Kurz darauf saßen wir beide im Zug, sogar auf unseren reservierten Plätzen, und kamen mit wenigen Minuten Verspätung in Wuppertal an.

Das kann nur an Gaby gelegen haben, da bin ich mir sicher.
Ob Murphy sich nicht getraut hat, ihr ein paar Steine in den Weg zu legen? Oder ob er diesem strahlenden Lächeln einfach nicht widerstehen konnte?

Es sieht echt so aus.

Selbst die Schwebebahn brachte uns sicher an die Völklinger Straße und wenige Minuten Fußweg später begrüßte uns die liebe Silvia sehr herzlich im also-Hotel an der Hardt.Angekommen - ohne Probleme mit der Bahn. Wow!

Hier war einst das legendäre Café

Nach dem Einchecken und Beziehen der Zimmer machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Werth. So konnte ich Gaby unterwegs schon mal das Matagalpa-Ufer, die Junior-Uni und andere Örtlichkeiten zeigen. So z.B das ehemalige Café Nachtsheim und auch das ehemalige Reformhaus Nachtsheim an der Höhne, meine obligatorischen Besichtigungen an der Wupper.
Aus dem alten Café ist heute ein Kultur Kinder Café geworden, die vier großen Leuchtbuchstaben an der Fassade sind noch übrig, drohen aber bereits herunter zu fallen.

Nach dem Einkauf von ein paar kleinen glutenfreien Sachen in besagtem Reformhaus, das heute von der Familie Kaubisch geleitet wird, knurrte der Magen meiner Begleiterin verdächtig laut.

Der Kleckerhannes

Wir beschlossen, umgehend das neu bewirtschaftete Restaurant & Café Neva an der Wupper aufzusuchen. Diesen Tipp hatte uns Hotelchef Frank gegeben und es hat sich gelohnt. 

Sehr freundliche Gäste, sehr freundliches Personal, sehr leckeres Essen und davon seeehr viel.

Ich demonstrierte Gaby eindrucksvoll, wie einfach man aus einem Fladen und verschiedenen Saucen mit wenigen Handgriffen kleine Fingerfood machen kann.

Das Ergebnis ist nicht von der Hand oder eher vom Hemd zu weisen. Dass ich seitdem nur noch Kleckerhannes genannt werde, finde ich allerdings etwas überzogen.


Gut gesättigt und gelaunt deckten wir uns neben an noch mit Getränken ein und schwebten wir zurück ins Hotel. Hier tat uns beiden eine kleine Pause mit Augenpflege sehr gut, bevor wir uns wieder auf den Weg machten und in Richtung Luisenviertel schwebten. Nach einem längeren, interessanten Rundgang machten wir im Katzengold Station und labten uns an Zitronenwasser und Rhabarberschorle.


Danach drehten wir eine schöne Schweberunde bis zur Endstation Vohwinkel und von dort wieder zurück. Es ist schon beeindruckend, wenn die Schwebebahn hinter dem Zoo die Wupper verlässt und bis zum Ende direkt über den Straßen, Autos und Menschen schwebt.

Zurück im also empfing uns der nette Hotelinhaber (aka Frankie de Palma), mit dem wir nach einem angeregten Plausch die morgigen Frühstücks-(Gaby) bzw. Spätstücks-(Ich)-Modalitäten und freuten uns, nach einem schönen Tag mit vielen Schritten die Ruhephase des Abends einzuläuten.

Hasta mañana!

01 Juli 2024

Abschied vom also mit Alav statt Alaaf

mit Alav im also

"Time to say goodbye" hieß es heute Morgen nach dem leckeren Frühstück. Für mich gab es sogar als kleines Extra ein Rührei mit Schinken, natürlich alles glutenfrei 😋😉

Mit der freundlichen Alav durfte ich anschließend noch für ein kleines Erinnerungsfoto posieren, bevor es ans Packen ging.

Eine halbe Stunde später standen wie gestiefelt und gespornt an der Rezeption und wurden von Alav und Frank sehr herzlich verabschiedet. Keine Frage, wir kommen wieder!

Wenn jemand ein schönes, ruhiges, nettes, kleines ,sauberes Hotel mit einem sehr sozialen Hintergrundkonzept in Wuppertal sucht, dann ist er mit dem also-Hotel direkt am Rand des Hardtwalds sehr gut aufgehoben. Bei Captain Frankie the Beard und seinem Team habe ich bisher ausschließlich freundliche, nette Gäste kennen gelernt.

Smiling T-Bone

Unsere Heimfahrt wurde zu einer Offenbarung. Wie bereits auf der Hinfahrt, funktionierte fast alles pünktlich und reibungslos. Wir schwebten zum Hauptbahnhof in Elberfeld und beschlossen dort, die Rückfahrt diesmal über Düsseldorf zu nehmen. Der RE kam fast pünktlich, erreichte Düsseldorf pünktlich genug, um den Anschluss-RE nach Hause ohne Stress zu erreichen. Auch der RE5 nach Koblenz fuhr auf dem vorgesehenen Gleis ab. 

Es gab freie Sitzplätze für uns, der Wagen wurde nicht in Remagen abgehangen, wie das sonst schon mal der Fall ist. Alles perfekt. Gabi scheint meinen Bahn-Murphy wirklich getötet zu haben.

Mein Auto stand noch unbeschädigt auf dem REWE-Parkplatz. Zu Hause angekommen, hatte ich nach dem Auspacken das dringende Bedürfnis, mir eine Portion Augenpflege zu gönnen und die schönen Tage so nachwirken zu lassen. Eine rechte Wohltat.

Der freundliche Empfang bei Fatma, die herzliche Begrüßung von Marghy und die abendliche Frischluftrunde in gewohnter Umgebung ließen mich fühlen: Ich bin wieder daheim.

Freundschaft unter Göttern und Helden: Der gute Sigi bewacht die Olympia

Ein wenig Land unter am Rhein

Es waren sehr schöne Tage und es ist schön, wieder daheim zu sein.
Ganz schön gut, finde ich.

26 Juni 2024

Endlich wuppert es wieder

Ich hatte mich innerlich bereits auf eine längere Anreise mit meinen Freunden von DEUTSCHE BAHN eingestellt. Auch das konnte meine Vorfreude auf diesen Kurztrip nicht trüben. Selbst die Tatsache, dass ich Kumpel Mike, der bereits in Koblenz eingestiegen war, nicht im (pünktlichen!!) Zug finden konnte, obwohl wir beide im drittletzten Wagen saßen und mein Spezi durch den ganzen Zug gegangen war, ohne dass wir uns gefunden hätten, irritierte mich nicht groß.
Ok, ich geb zu, dass ich kurz darüber nachgedacht hatte, wie Murphy es geschafft hat, uns in zwei zeitgleiche Paralleluniversen zu beamen, aber wirklich nur ganz ganz kurz. Wir blieben ja über WhatsApp in Verbindung und vereinbarten so, in Köln Hbf umzusteigen und begrüßten  uns dort auf dem Bahnsteig. Hier liefen also die Parallelwelten wieder zusammen. Zu verdanken hatten wir das meiner Freundin Gabi, die mir vorher versichert hatte, dass ich Murphy heute völlig ignorieren könne. Welchen Deal du auch immer mit Murphy gemacht hast, Gabi, ich danke dir.
Unser Anschlusszug auf dem gleichen Bahnsteig kam überpünktlich, wir bekamen Sitzplätze und kamen pünktlich in Wuppertal an. Selbst die Schwebebahn brachte uns unversehrt zum Lieblings-Hotel, wo wir von Silvia herzlich empfangen wurden. Man hatte uns zwei schöne Zimmer zugewiesen, es war ein wenig wie heimkommen.

Nachdem wir alles ausgepackt hatten, machten wir einen ersten kleinen Einkaufsspaziergang zum Unterdörnen, wo wir uns mit lebensnotwendigen Dingen wie Nüssen, Schokolade und Fruchtsaft versorgten. Mit gut gefülltem Rucksack spazierten wir noch ein Stück weiter bis über den Alten Markt, wo ich in der Schuchardtstraße eine frühere Wirkungsstätte meiner Sippschaft die Aufwartung machte.

Noch immer sind die Schilder vom Café und vom Veltins zu sehen, obwohl diese Stätte bereits vor 40 Jahren umgenutzt wurde.

Der Gang zum Café Nachtsheim, in dem heute eine Kinderkultureinrichtung untergebracht ist, gehört  für mich zum Pflichtprogramm.

Auch das Reformhaus nur wenige Meter entfernt gehörte einst zu dieser Familie. Im heutigen VITA NOVA Reformhaus fanden wir nicht nur glutenfreie Brötchen, sondern auch eine nette Inhaberin, die die Vorgängerfamilie (bis 1984)  noch gekannt hatte und mir einige Informationen geben konnte. 
Ja, die Welt ist klein.

Wir schwebten gemütlich zurück ins Hotel, um dort die fällige Siesta zu genießen. Bei mehr als 30 Grad waren wir doch selbst im Schatten etwas ins Schwitzen gekommen und genossen die Pause, ehe wir uns am späten Nachmittag wieder auf den Weg machten. Diesmal schwebten wir zurück nach Elberfeld, wo wir einige Eindrücke vom Spaziergang durch das Luisenviertel im Bild festhielten.

Die Herder Schule
Die Fassade vom Katzengold


Die Salate nebst Rharbarberschorle draußen am Katzengold waren ein Gedicht, ebenso wie der Espresso Macchiato danach. Tolle Wandbemalungen gibt es in dem Viertel auch zur Genüge.

Mit genügend Schritten auf dem Tourenzähler begaben wir uns am Ende unseres interessanten Rundgangs an der Ohligsmühle wieder in den Schwebezustand, diesmal jedoch bis zur Endstation nach Vohwinkel und von dort wieder zurück.

Oldbearbone
Chief "Blind Eagle" T-Bone













Von der Vohwinkeler Endstation aus kann man schön sehen, dass die Bahn ab Sonnborn auf den letzten Stationen nicht mehr über der Wupper, sondern direkt über der Straße schwebt. Und genau daher schwebten wir zurück ins Hotel.

Over the streets and far away

Kurz bevor wir ausstiegen ,stellten wir fest, dass die Uhr bereits kurz vor 22 Uhr anzeigte, ohne dass wir bemerkt hätten, wie so viel Zeit vergangen ist. Auch unsere Schrittzähler bewegten sich weit im fünfstelligen Bereich und waren somit super zufrieden mit uns. So wie wir selbst auch.

20 Juni 2024

A walk in the park

Mit meinem Kumpel Mike T-Bone hatte ich heute eine schöne Fahrt in die Umgebung ausgemacht. Mittels unseres Deutschland-Tickets ersparten wir uns jeden Auto-Stress und machten uns lieber mit der Bahn auf den Weg. Und ja, Ihr ahnt es schon, auch Murphy war heute wieder dabei. Er ist einfach mein ständiger Begleiter mit der Bahn und ohne ihn würde mir wahrscheinlich was fehlen.

Meine Regionalbahn um 11:12 wurde in Andernach mit nur 5 Minuten Verspätung angekündigt. Verspätung wegen eines vorausfahrenden Zuges. Auf dem Bahnsteig sah ich dann auch, was damit gemeint war. Der vorausfahrende Regionalexpress kam mit einer halben Stunde Verspätung an, spuckte in Andernach vorzeitig und außerplanmäßig alle Fahrgäste aus, blieb noch 20 Minuten dort stehen und fuhr dann leer weiter. Es waren sieben Waggons voller Leute, die mich auf Gleis 1 begrüßten.

Richtig Betrieb hier

Viele ausländische Fußballfans, die die unverhoffte Pause nutzten, sich in Andernach mit kalten Getränken zu versorgen und dann auf die nächste Regionalbahn zu warten. Die kam letztendlich mit halbstündiger Verspätung an und bestand unglücklicherweise nur aus drei Wagen, die auch schon mit Fahrgästen befüllt waren. Wie passend. Danke, Murphy!

Ich weiß ja, dass beim Fußball das Runde ins Eckige muss, aber wie Passagiere aus sieben Wagen in drei Wagen passen sollen, hat sich mir noch nicht erschlossen. Eine weitere Parallele zum Fußball bestand darin, dass sich auch hier ein aktives Pressing als formidable Methode erwies, erfolgreich zum Zug zu kommen. Im Bereich zwischen den Türen stand ich so dichtgepresst zwischen etwa 20 weiteren Mitfahrern beiderlei Geschlechts, dass Umfallen unmöglich war. Klimaanlage Fehlanzeige, nach fünf Minuten eine Luft zum Schneiden mit einer Herznote aus Achselschweiß.

Schnell war klar, dass ich so ohne körperlichen und seelischen Schaden nicht bis zur Zielstation kommen würde.  Aber unsereins ist ja sowas von flexibel, dass ich spontan umdisponierte und in Koblenz-Stadtmitte ausstieg, wo mein Kumpel bereits wartete. Nehmen wir einfach von dort den nächsten Zug und alles wird gut.
Leider wurde der auch mit soviel Verspätung angekündigt, dass wir beschlossen, den Weg zum Hauptbahnhof zu Fuß zurück zu legen und dort in den nächsten Regionalexpress zu steigen. Das funktionierte auch (mit nur unwesentlicher Verspätung) und so kamen wir nur eine gute Stunde später als geplant am Ziel an. Knapp zwei Stunden für eine Strecke, für die wir mit dem Auto auch ne halbe Stunde gebraucht hätten. Geht doch.

Am Ziel unserer Abenteuerreise zeigte mir Mike als erfahrener Stadtführer ruhige Wege durch die Innenstadt und am Rhein entlang, wobei wir unterwegs auf interessante Gestalten trafen.

Der Engelbert
Ed Schnuggel-Elsje

Irgendwann standen wir am Eingang zum Park, von dem Mike mir schon öfter erzählt hatte. Ich hatte das Gefühl, wir sind auf einen Schlag in einer anderen Welt. Grün, nur Vogelstimmen und Bachgeplätscher zu hören, sehr wenige Leute unterwegs.

Bei einer Trinkpause auf einer bequemen Bank sahen wir auf der anderen Seite des Weges zwei Bäume, die sich mit ihren Ästen verbunden hatten, als gäben sie sich die Hand.

Kleine und große Teiche gab es an mehreren Stellen, die von kleinen Bächen gespeist wurden.

An einem der Teiche überkam meinen Wanderführer eine plötzliche Müdigkeitsattacke, die so heftig war, dass er eine kleine Pause einlegen musste.

Gut erholt ging es dann weiter und wir wurden nach einigen Schritten von einem schönen Schmetterling erwartet, der sich vor unseren Augen mitten auf den Weg setzte.

Doch nicht nur das. Nachdem wir ihn eingehend betrachtet und bewundert hatte, flog er auf und umkreiste uns freudig.

Sleepy Mike hatte es ihm besonders angetan, denn er ließ sich schließlich auf dessen BauchHemd nieder und begleitete uns eine Weile auf unserem weiteren Weg.

Wahrscheinlich wollte er uns zeigen, dass er unsere Gesellschaft genießt und wir öfter kommen sollen.

Ich denke, das werden wir auch machen.


Und so ging es vorbei an großen amerikanischen Douglasien und kleinen plätschernden Wasserfällen , deren Anblick wir so genossen wie das ganze Ambiente in diesem schönen Kleinod.












Als wir später wieder zurück im Städtchen waren, fielen uns viele alte Häuschen auf, auch diese Beschriftung eines historischen Hauses gefiel uns.

Dann machte mich mein Kumpel auf dieses interessante Café aufmerksam.

Welche Köstlichkeit diese Lokalität auf dem Speiseplan hatte, seht Ihr auf dem nebenstenden Foto, das ich von der Auslage machen musste.

Es gibt sie tatsächlich hier: Nussknacker!

Nachdem ich in Andernach seit einiger Zeit auf diese Köstlichkeit verzichten muss, habe ich nun wieder eine Quelle für meine Lieblings-Schnuckelei gefunden. Weil das Café jedoch mindestens anderthalb Bahnstunden entfernt liegt, brachte ich dem freundlichen Mann hinter der Theke nahe, dass sie unbedingt eine Filiale in Andernach eröffnen sollten.

Er reagierte mit einem Schmunzeln und warf die Idee in den Ring, dass ich einfach öfter hierhin kommen sollte und diese Spezialität bei einem guten Kaffee vor dem Haus genießen sollte. Ok, mach ich.

Nach einer Snack-Pause am Brunnen auf dem Marktplatz machten wir uns wieder auf den Weg zum Bahnhof, wo uns Murphy bereits erwartete. Jetzt hatte dieser Kerl es bereits geregelt, dass meine Bimmelbahn bis Koblenz viel Verspätung hatte und der dort folgende Regionalexpress heute ganz gestrichen wurde. Und wieder bewiesen wir unsere Spontanität und stiegen einfach in den nächsten Regionalexpress, um im Koblenzer Hbf. in die Regionalbahn umzusteigen. Geht doch.

Gesagt getan, die kurze Fahrt bis Koblenz verbrachten wir auf bequemen Sitzplätzen, und in Koblenz erfuhren wir, dass die nächste Regionalbahn erhebliche Verspätung hatte. HA!
Wir nahmen den Weg zum Haltepunkt Stadtmitte also auch auf dem Rückweg wieder zu Fuß, was meinem Tagesschrittzähler heut Abend wieder eine Zahl jenseits der 13.000 bescherte, um dort festzustellen, dass die Regionalbahn wegen eines vorausfahrenden ICEs leider auch so viel Verspätung hatte, dass ich nochmal eine halbe Stunde warten musste. Aber was ist schon eine halbe Stunde?! Oder, wie ich es einst in meiner Lieblingsgraffiti gelesen hatte:

WAS IST SCHON MARION GEGEN DIE
UNENDLICHEN WEITEN DES UNIVERSUMS?!

T-Bone, Oldbearbone mit Umbrellix

Eine nette junge Frau lichtete uns noch mit dem Handy ab, als untrüglicher Beweis für einen richtig schönen Tag, auch mit Murphy.

Im Gegenzug hatte ich ja auch meinen Zauberschirm Umbrellix mitgenommen, der sehr zuverlässig den für mittags angekündigten Regen abhielt und auch die vorhergesagten Gewitter abblitzen lies, so wie ich das von ihm gewohnt bin.

Ich habe das Gefühl, dass er, seit Ria ihn vor einiger Zeit in der Hand hatte, noch viel zuverlässiger geworden ist.

Fazit: Wir lassen uns nicht von kleinen Unregelmäßigkeiten davon abbringen, uns einen schönen Tag zu machen.


Und ich bin schon sehr gespannt, was Murphy sich für nächste Woche einfallen lässt, wenn wir beide mal wieder richtig wuppern wollen.