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16 März 2024

Nazisymbole am Rhein - Sie fangen wieder an

So erfreulich, wie das KLB-Frühstück und der Marktgang heute waren, so unerquicklich wurde es nachmittags. Nicht nur, dass meine blau-weißen Jungs aus dem tiefen Westen die drei Punkte heute verdientermaßen bei den Meenzer lassen mussten, der nachfolgende Spaziergang in den Rheinanlagen brachte noch viel Bedenklicheres als eine Niederlage beim Fußball zu Tage.

Auf dem Weg vom Bollwerk rheinabwärts wunderte ich mich schon, das die tolle Weide nicht nur trauerte, sondern auch ihren Kopf gegen den Wind in Richtung Alter Krahnen lehnte.

Erst auf dem Rückweg fiel mir dann ins Auge, wovor sie sich so gruselte. Auf einem der Stahlträger, die den gelifteten Kiosk tragen, haben sich tatsächlich Menschen aus der rechtsextremistischen Szene verewigt und ihre böse Einstellung bekundet.

Kurz zur Erklärung der dort gezeigten Symbole: Nach dem Krieg wurden alle Nazisymbole in Deutschland verboten und ihre Verbreitung unter Strafe gestellt. Mit den Jahren wurde die weiterhin existierende Nazi-Szene erfinderisch und dachte sich eine "Ersatz-Symbolik" aus, wegen der sie nicht belangt werden konnte.  Nachzulesen hier

Auf dem Träger in Andernach sind beide Typen zu sehen.

Das verbotene Hakenkreuz ist dabei, ebenso wie das Keltenkreuz darunter, das von der rechtsextremen Szene als ein Symbol der Überlegenheit der nordischen weißen Rasse benutzt wird.

Darüber liest man Zahlen, die die Position der Buchstaben im Alphabet darstellen. Eigentlich steht 18 für AH, die Initialen eines Schwerbrechers und Massenmörders, den die Szene gerne wieder als Führer hätte. Dass hier die 14 steht, deutet eher auf die grammatischen Probleme hin, die bei den Anhängern des großteutschen Reichs gehäuft auftreten. Die 88, also HH, stellt den "heilsamen" Gruß an diesen Despoten dar, den ausgestreckten Arm muss man sich dabei denken.

Das hätte ich in Andernach nicht erwartet.

Klar, Neonazis und Unterstützer gibt es mittlerweile überall, aber dass man sich hier in der Provinz schon wieder so offen darstellt, hat mich überrascht.

Zum Glück gibt es hier mehr Menschen, die sich offen für ein humanes Miteinander und gegen die rechte Verbreitung von Hass und Hetze einsetzen, wie die Kundgebungen der letzten Wochen gezeigt haben. Als Mahnung will ich trotzdem den Song der Gebrüder Engel einbringen, die sich bereits 1979 sehr treffend dazu geäußert haben:

Text:
Sie fangen wieder an

Die Rune bleckt schon wieder
Zwischen unseren Plakaten
Da stehn sie wieder
Samstags in den Einkaufsstrassen
Sie wagen es tatsächlich mit dem Megaphon
So weit ist es schon?!

Die finden jetzt schon wieder
Dass die Zeit gekommen ist
Selbst im Fernsehen
Präsentierte sich ein stolzer Jungfaschist
Die machen doch tatsächlich eine Demonstration
So weit ist es schon?!

Sag nicht, wir haben nichts geahnt
Sag nicht, das sind nur ein paar Mann
Der böse Geist hat wieder hier und da ein Maul
Sie fangen wieder an!

Die laden doch tatsächlich zu Gesprächen ein
Der eine oder andere fällt schon wieder darauf rein
Die wagen glatt zu sagen
Dass die Dinge anders waren
Nach den paar Jahren?!

Die träumen jetzt schon wieder davon auszurotten
Sie schmieren wieder
Hakenkreuze an die Synagogen
Sie gröhlen hier und da schon ihre üblichen Lieder
So schnell schon wieder?!

Sag nicht, wir haben nichts geahnt
Sag nicht, das sind nur ein paar Mann
Der böse Geist hat wieder hier und da ein Maul
Sie fangen wieder an!

Die drücken sich am Mittag an den Schulen rum
Die spinnen schon in Wäldern mit Gewehren rum
Die mieten auch schon Rock n Roll Hallen
Dreist vor uns allen?!

Bestimmte Söhne schon
Und noch bestimmte Väter
Von Polizei umstellte Menschlichkeitsverräter
Wagen es tatsächlich und mit Megaphon
So weit ist es schon!!!


16 Juni 2019

Heimwärts rollt der Zug

Und wieder ist das lange Wochenende viel zu schnell vorbei. Und wieder steht uns ein neues Abenteuer mit dem Unternehmen Deutsche Bahn bevor.
Ausschlafen (fast), genüsslich zusammen am BIO-Frühstücksbuffet speisen, ausreichend Zeit zum Duschen und Packen, kurzer Fußweg zu den Landungsbrücken, 3 Stationen S-Bahn bis zum Bahnhof, genügend Zeit für einen Cappuccino an der Bar unseres Schwarzmeerkönigs, so schön kann eine Abreise sein.
Ernestos Espressobar - ohne "v"
Nachzubessern ist lediglich das fehlende "v" auf dem Firmenschild, aber der Cappu ist cöstlich.

Die Stimmung am Bahnsteig ist schon etwas wehmütig. Zu schnell vergingen die Stunden, und es blieb nicht genug Zeit für alles, was jeder gerne gemacht hätte.

.
Wenn dann noch der Zug pünktlich kommt, die Wagen vollständig sind und in der richtigen Reihenfolge stehen, Wagen 6 fast genau vor uns hält, unsere Platzreservierung geklappt hat, muss man schon langsam skeptisch werden. Was lässt man sich denn heute noch einfallen, um für etwas Aufregung zu sorgen? Immer ein spannendes Spiel bei der Bahn.
Bis Osnabrück verlief alles nach Plan. Selbst eine superfreundliche Dame mit Kaffee versorgte uns bereits kurz nach Bremen. Komisch. In Münster dann die erste Anzeige am Bahngleis: "Der Halt in Hanau muss heute leider ausfallen". In Hanau? Vermutlich hatten die uns verwechselt. und übersehen, dass wir nur bis Koblenz fahren.
Obwohl, bis Koblenz? Und dann zurück nach Andernach? Wir können doch auch in Bonn aussteigen und auf dem gleichen Gleis mit dem Regionalzug weiterfahren, 5 Minuten später. In Koblenz müssten wir in 8 Minuten von Gleis 4 auf Gleis 8 springen, wenn wir denn pünktlich wären.
Frankie ging zum Schaffner und fragte nach, ob wir in Bonn schon vom IC auf die Regionalbahn wechseln können und der Bahn einige zu viel gefahrene Kilometer ersparen können. Und uns einen gehetzten Umstieg.
Oha, da hatten wir aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wenn man, wie wir, ein Gruppen-Sparticket besitzt, darf man nicht vorzeitig auf die preiswertere (und sinnvollere) Alternative Regionalbahn wechseln, sondern MUSS mit dem IC bis zum Ende der gebuchten Strecke und von dort mit der Regionalbahn zurück fahren. Aber ok, wenn das Universum nur auf solche Art eingreift, dann sagen wir "Was soll's? Alles ok."
Mit Verspätung in Koblenz angekommen, mussten wir tatsächlich sprinten, treppab, 2 Bahnsteige weiter, treppauf - um auf Gleis 8 festzustellen, dass unsere Regionalbahn heute ausnahmsweise auf dem Bahnsteig abfährt, an dem wir eben ausgestiegen waren, auf Gleis 5. Also alle wieder zurück, husch rein in die gute alte RB, und mit leichter Verspätung zurück nach Andernach. Wenn ich so darüber nachdenke, welche Scherze sich die Bahn normalerweise erlaubt, wenn ich mit dabei bin, bin ich mit dieser Lösung hochzufrieden.

Gesund daheim bei lieben Freunden angekommen, gehen mir noch ein paar Bilder eines schönen Wochenendes durch den Kopf.

15 Juni 2019

Die Abschiedsgräten

Unser kleiner Morgenspaziergang führte uns heute über die Landungsbrücken zur Einkaufsmeile Mönckeberg/Spittaler. Der Ausblick unterwegs auf die Elbe, die großen und kleinen Schiffe und auf die ElPhi ist schon imposant.

Nach einigen kurzen Erledigungen mussten wir die erste Cappuccino/Darjeeling-Pause einlegen. Anschließend konnte ich meinen beiden Begleitern noch kurz die Lange Reihe auf St.Georg zeigen, dann zollte ich den Anstrengungen des Tages Tribut und legte im Hotel eine mehrstündige Pause ein.
Bin ja auch keine 61 mehr.
Walter Ludwig-Roche, Busfahrer
Zwei Stündchen Augenpflege bewirkten wahre Wunder, um kurz nach sechs trafen wir uns im Hotel und machten uns per pedes gemeinsam auf den Weg zum Fischerhaus am Fischmarkt St.Pauli. Hier hatte unser umsichtiger Busfahrer einen großen Tisch reserviert. An dieser Stelle nochmals meinen Dank an Herrn Ludwig-Roche für sein vorherschauendes Engagement. Und dabei bleibt er so bescheiden, toll!

Das Ende eines Filets

Diesmal würde ich es anders machen, hatte ich mir vorgenommen. Diesmal keinen ganzen Fisch, sondern ein SchollenFILET mit Salat und Kartoffelsalat. Der geneigte Leser wird es bereits ahnen:  Wieder einmal hatte ich vor lauter guter Urlaubsstimmung die universellen Kausalketten außer acht gelassen.

Während sich zwei andere Kolleg*Innen an SeelachsFILET in Reinkultur erfreuten, ja sogar der Pannfisch des Busfahrers, obwohl nicht als Filet ausgewiesen, drei völlig verschiedene grätenfreie tote Fische enthielt, hatte man in meiner Scholle offensichtlich alle in der Küche greifbaren Fischknochen untergebracht. Aber wenigstens konnte ich so den Beweis antreten, dass diese universellen Gesetze wirklich existieren, so richtig hatte mir das wohl bis heute Abend niemand geglaubt. Nun konnte keiner mehr dran vorbei schauen: Selbst wenn ich ein Rumpsteak bestellt hätte, wären darin Gräten gewesen!
Es führt kein Weg daran vorbei, man muss die universellen Gesetze anerkennen, auch wenn man sie niemals ganz versteht!

Nachdenken über das Universum
Doch so leicht kriegt man mich nicht klein. Mit stoischer Gelassenheit genoss ich die Scholle, die lecker angebraten war und auch den Kartoffelsalat, der übrigens keine Gräten enthielt. Dass ich trotzdem kurz über das Universum nachdachte, und über das, was es da mit mir macht, wird jedem verständlich sein

Auf dem Fußweg ins Hotel gönnten wir uns noch eine leckere Eiswaffel und begingen in der Hotellounge einen netten Abschluss mit doppeltem Espresso Macchiato, garantiert grätenfrei. Morgen mittag sitzen wir, so Gott will, im Zug nach Hause und ich freue mich auf die bevorstehende freie Woche.

Einige Impressionen von unterwegs:

Michel
ElPhi

14 Juni 2019

Shopping, Schanzen und Siebenunddreißig Gräten

Wenn ein Tag mit einem super Bio-Frühstücksbuffet beginnt, kann er nur gut werden. Auch das ist ein kausaler Zusammenhang der Art, auf die ich bereits im Zusammenhang mit der Deutschen Bahn hingewiesen habe. Und genau so funktionierte es auch heute.
Wir marschierten vom Hotel bis an die Alster, verabredeten uns für zwölf Uhr beim Alex am Jungfernstieg, und los ging die wilde Shopping-Tour. Nachdem C&A mich bei der Suche nach einer 4XL-Jeansjacke endgültig als Kunden verloren hatte (XL-Abteilung: "Jeansjacken, tja, sieht dieses Jahr mau aus, irgendwie"), dankte ich dies einem guten Geschäft um die Ecke mit der teuersten Klamotten-Investition meines bisherigen Lebens und nenne nun eine superleichte Camel-Active-Jacke mein eigen. In kobaltblau übrigens. (singing: Tief im Wässtäään ....)
Die mittägliche Currywurst bei Alex peppte mich auf für den anschließenden Besuch an der Schanze. Frankie umarmte die rote Flora, ich musste natürlich meine geliebte Schanzenbuchhandlung besuchen.

Flora-Frankie

Nach einem Cappucino vor dem Café Stenzel pilgerten wir zu Fuß bis ins Hotel zurück, um uns von den Strapazen des Tags zu erholen. Die Mädels meinten in der Zeit ihre vormittägliche Shoppingtour fortsetzen zu müssen, während wir uns eine wohlverdiente Pause gönnten.

2 x Mary Poppins und 1 x Valeska

Um sechs ging es weiter. Unsere beste Leisereiterin verabschiedete zwei Damen persönlich an der Fähre zur Mary-Poppins-Vorstellung.
Wenn man schon mal in Hamburg ist, gönnen wir uns das, haben sich die beiden gesagt.
Der Rest der Truppe machte sich stattdessen auf den Weg ins Portugiesenviertel, um sich ein leckeres Essen zu gönnen.

Obwohl meine unerklärliche Gräten-Affinität in langen Jahren jeden Freitag Mittag bei Kerstin geprüft und für wahr befunden wurde, verließ mich für einen kurzen Moment meine Erinnerung daran und ich bestellte mir eine portugiesische Dorade mit einem unaussprechlichen Namen.

Mir wurde ein kompletter Fisch in einer Schale vorgesetzt, der mich von dort aus so anglotzte, dass ich daran zweifelte, ob er wirklich schon tot ist. Zugedeckt war er mit viel gebratenem Gemüse, begleitet von vielen Kartöffelchen wurde es eng in der Schale und ich fragte mich, wie ich den wohl töten und essen sollte, ohne ein Gemetzel auf dem Tisch anzurichten. Zum Glück erklärte mir Walter, dass man den "ganz normal" isst, wie man halt Fisch ist. Ha!

Dorada Gratinata Demontata - oder so ähnlich 

Aber, um es vorweg zu nehmen, ich meisterte diese Aufgabe mit Bravour, wie man am Endergebnis zweifelsfrei ablesen kann. Alle Gräten, die auf diesem Bild nicht mehr zu sehen sind, waren den Weg durch meinen Mund über meine Finger hinter die Schale auf den Teller gegangen, den Weg alles Irdischen. Fleisch war genug dran am Fisch, er war lecker und ich war pappsatt. Und auch wenn ich es immer noch nicht verstehe, warum man alle Gräten immer bei mir im Fisch versteckt, bin ich ein wenig stolz, diese Herausforderung gemeistert zu haben.
Gut gestärkt machte ich mich auf den Heimweg zum Hotel, um noch ein paar Zeilen schreiben zu können, bevor ich todmüde ins Bett falle.


13 Juni 2019

Deutsche Bahn in Reinkultur

Als unsere kleine Reisegruppe sich heute Nacht um kurz nach 6 vor dem Bahnhof traf, waren wir alle voller Vorfreude auf die bevorstehende Hamburg-Tour. Alle waren pünktlich und gut gelaunt.
Unsere Leisereiterin führte uns zum Bahnsteig, es gab keine Verspätung sang eine. Perfekt! - würde jetzt der bahnunerfahrene Reisenden denken.
Doch als der Wagenstandsanzeiger uns an das Ende des Bahnsteigs lotste, ahnte ich bereits, was gleich passieren wird. In der Tat rauschte unser Wagen 6 an uns vorbei und hielt fast am anderen Ende des Bahnsteigs. Wir eilten zurück und hechteten im letzten Moment bei Wagen 13 rein, kurz bevor der Zug wieder abfuhr.
Als wir uns drinnen schwer beladen durch erste Klasse, Bistrowagen und viele Wagen der zweiten Klasse kämpften, trafen wir auch den Zugbegleiter.
"Falsche Wagenreihung? Kann ich mir nicht vorstellen. Der fährt immer so!".
Wir beschlossen, uns davon nicht irritieren zu lassen und packten unser Frühstücksbuffet aus. WIR kennen ja die kausalen Zusammenhänge, nach denen das Unternehmen Deutsche Bahn arbeitet.
Frühstück im Zug
Das kausale Prinzip besagt, dass die Wagenreihung nur dann umgekehrt ist, wenn man einen Platz am Anfang oder am Ende des Zugs gebucht hat. Steht man irgendwo in der Mitte, wo es egal ist, ob man 1 Wagen nach links oder rechts laufen muss, wird NIEMALS der Zug gedreht. Und wenn man, wie heute, um halb sieben im Zug frühstücken will, wird man den Kollegen mit dem Kaffeewagen vor 10 NIE zu sehen bekommen. Den Weg in den Bistrowagen kann man sich auch sparen, die Kaffeemaschine wird defekt sein.
Heute besagte diese Prinzip, dass wir beim Halt in Essen an der dortigen Anzeige lesen mussten, dass unser Zug heute nicht in Hamburg Hbf. hält, was uns im Zug über Lautsprecher ungefähr eine Stunde später auch mitgeteilt wurde. Immerhin. Also hieß es: in Harburg umsteigen. Als der Knecht mit dem Kaffee auch um 10 noch nicht aufgetaucht war, verfiel ich in einen Sekundenschlaf, und das mehrfach.
Sigi muss natürlich mit dem Finger drauf zeigen!
Nun ja, ich musste gestern Abend kurz vor Mitternacht noch ein paar Sachen packen, drei eMails beantworten, eine defekte Kaffeemaschine austauschen (klar geht die genau gestern Abend kaputt!), und mir ein paar Gedanken machen, was ich heut morgen auf keinen Fall vergessen darf. Durch diese ungeplante Verquickung unglücklicher Umstände wurde es 1 Uhr, bis ich in einen unruhigen Schlaf fiel, der vom Höllenwecker um halb fünf gnadenlos beendet wurde. Und wenn man dann bis 10 Uhr keinen Kaffee bekommt, gehen die Lebensgeister automatisch auf Sparflamme.
Eine Viertelstunde vor unserer Ankunft in Harburg stand dann der Kaffeemann vor uns, als wenn nichts gewesen wäre. Ich kaufte ihm demonstrativ keinen Tropfen seiner miesen Plörre ab, war ich doch längst mit dem Zusammenpacken meiner Habseligkeiten beschäftigt. Mit mir nicht!
In Harburg geschah dann außer einem spontanen Gleiswechsel unserer Metronome nichts Besonderes.  Mit der Metronome zum Hauptbahnhof, mit der U-Bahn zu den Landungsbrücken und dann ein kleiner Fußmarsch durch hügeliges Gelände bis ins Hotel. Ich freute mich nur noch auf eine Stunde Augenpflege im Hotelbett, aber leider waren unsere Zimmer erst ab 15 Uhr bezugsfertig.
Wir nutzten die freie Zeit und fuhren mit der Hafenfähre nach Övelgönne und spazierten durch den Elbstrand zur Strandperle, und die ist echt klasse.

Blick zur Strandperle
In die Sonne setzen, klasse Lachsbrötchen, Rhabarberschorle und Cappucino entschädigten für Alles. Die Betreiber haben sich echt was einfallen lassen. Wiederverwendbare Pfandbecher aus recycletem Kunststoff für Getränke, Säfte von regionalen BIO-Erzeugergemeinschaften, das hat nicht nur geschmeckt, sondern war auch sehr sinnvoll. Geht doch, wenn man will!

Blick zum Elbstrand
Als wir dann mit der Fähre zurück zum Hotel fuhren, gab es nur noch eins. Koffer aufs Zimmer, aufs Bett legen und die Äuglein schließen. Später hatte unsere vortreffliche Leisereiterin einen Tisch im Nom reserviert, einem vietnamesischen Restaurant direkt gegenüber vom Hotel am Zeughausplatz. Frankie und ich probierten uns fleißig durch die Karte. Vorspeisenplatte, Basilikum-Ente, vietnamesisches Bananen-Eis, dazu Chanh Da, Rhabarberschorle und vietnamesischen Espresso, der als Eiskaffee serviert wurde, mit handgerührter Kondensmilch von einer supernetten Bedienung. Das war kaum zu toppen. Während das Jungvolk sich anschließend noch zur Reeperbahn aufmachte, musste ich dem langen Tag endgültig Tribut zollen und sitze nun bei Espresso Macchiato und Rhabarberschorle in der Hotelbar und schreibe diese Zeilen. Da die Mehrzahl das morgige gemeinsame Frühstück auf 8 Uhr, also mitten in die Nacht gelegt hat, werde ich mich auch bald zur Ruhe begeben müssen.

02 März 2019

Hamburg in sechs Stunden

Der letzte Hamburgbesuch meines Reisebegleiters und Freundes Mike T-Bone fand in seiner Kindheit statt. Also kurz nach dem Krieg. Daher war er freudig gespannt, was ihn bei unserer heutigen Stippvisite dort erwarten würde. Wir waren schon früh auf den Beinen, erlebten jedoch im Bahnhof die neueste Variante einer Optimierungsmaßnahme, wie sie sich wahrscheinlich nur die Bahn ausdenken kann.
Hinter der Bahnhofstür ein Info-Schalter der Deutsche Bahn, hinter dem ein Beamter stand, der nur eine Kundin beriet, keine Warteschlange, klang schon mal gut. Das Warten zog sich doch einige Minuten hin, da die beiden wohl Ausführlicheres zu bereden hatten. Dann entdeckte ich eher zufällig das Schild neben dem Schalter, welches darauf hinwies, dass hier nur Infos, aber keine Fahrkarten erhältlich sind. Die gebe es am anderen Ende der Bahnhofshalle, im Reisezentrum.
Ok, kehrt marsch, am anderen Ende tatsächlich ein "Reisezentrum" mit zwei besetzten Schaltern und nur einer Kundin. Auf den 3,50 Meter zum freien Schalter gestikulierte die Schalterdame freundlich mit den Armen und deutete auf einen Ständer mit Display kurz hinter der Eingangstür. Irgendwann verstand ich, was sie will, schaute mir das Display genauer an. In diesem zeigte ein beschrifteter Pfeil auf einen Punkt in der Mitte. "Bitte hier drücken, um eine Nummer zu ziehen!" Ok, vielleicht waren ja noch Leute vor mir dran, die sich wegen Karneval als "Invisible Man" verkleidet haben. Ich drückte auf den Touchscreen, entnahm den Zettel mit einer Nummer, und wartete.
Wieder gestikulierte die nette Dame und bat mich zu sich.
"Und jetzt geben sie mir den Zettel!"
Machte ich.
"Wie kann ich ihnen helfen?"
Nachdem ich meine Verblüffung überwunden und meine Sprache wiedergefunden hattee, verkaufte sie mir das passende Ticket, wies mich aber darauf hin, dass ich meinen Namen auf der Vorderseite und den von Mr. T-Bone auf der Rückseite eintragen müsse, damit das Ticket gültig ist. Ich fragte vorsichtshalber nach, ob ich den Nummernzettel, den ich ihr gegeben habe, auch unterschreiben müsse. Musste ich nicht.
Wir verabschiedeten uns freundlich und verließen perfekt ausgerüstet das Reisezentrum, nachdem sie uns darauf hingewiesen hatte, dass der 10:08-Zug jetzt weg ist. Der Nächste fuhr eine Stunde später.
Spätestens hier erkennt der geneigte Leser ohne weitere Erklärungen, wo die Probleme der "Deutsche Bahn" liegen.

Wir nutzten die freie Zeit positiv, spazierten durch die umliegenden Straßen auf dieser Seite des Bahnhofs, die uns bisher unbekannt war, und entdeckten eine weitere große Niederlassung der Landwege. Eine supertolle demeter-Partner-Genossenschaft regionaler BIO-Landwirte, die hier wie auch in der Lübecker Altstadt auf großer Fläche ihre Produkte und sehr vieles mehr verkaufte. Alles, was man hier findet, stammt entweder aus der Region oder stammt von Rapunzel, Völkel oder anderen alnatura-affinen Produzenten. So etwas würde ich mir in unserer Region wünschen.

Nachdem wir uns mit Getränken und Knabbereien für die Fahrt nach Hamburg ausgestattet hatten, traten wir die Reise an in einer pünktlichen Regionalbahn mit WLAN und ausreichend freien Plätzen. Auch sowas gibt es. Nach kurzen außerplanmäßigen Verzögerungen auf der Strecke kamen wir im Hauptbahnhof an. Nun die spannende Frage: Wohin führe ich Mr. T-Bone in den paar Stunden Hamburg, die uns zur Verfügung standen? Eine gesunde Mischung aus "Muss man mal gesehen haben" und meinen Lieblingsplätzen sollte es sein.
Den Anfang machte natürlich das Schanzenviertel. Zwei S-Bahnstationen vom Hauptbahnhof entfernt, ging es am frank und frei vorbei in die Susannenstraße zum kostbar, wo wir unsere erste Auftankstation mit Cappuccino und dunkler Schokolade einlegten. Auch wenn die Schanze sich verändert hat, lohnte dennoch ein Rundgang durch die Bartelstraße zur Schanzenstraße, wo ich im Fachgeschäft endlich den fehlenden Käsehobel erstand (zum Preis einer Küchenmaschine) und dann über Schulterblatt wieder zurück bis zum Schanzenbuch, das ich bei keinem Hamburgbesuch auslassen darf. Immerhin schaffte ich es diesmal, nach langem Stöbern den Laden zu verlassen, ohne ein einziges Buch gekauft zu haben. Allerdings weiß ich nun, was ich mir daheim in der lokalen Buchhandlung vorbestelle ;-)

Manfredo Ottenso

Zurück zur S-Bahn, zwei Stationen weiter nach Altona. Ein kleiner Rundgang durch Ottensen brachte uns zu tollen Breakdance-Jungs, die artistische Nummern vor großem Publikum abzogen, vorbei am Kurth und am BIO-Stammhotel Schanzenstern zum zweiten Mampfstopp beim Kumpir-Türken, von Mike T-Bone aufgrund seiner altersbedingten Sehschwäche sofort als "Krumbier-Laden" identifiziert. Zwei leckere Falafel-Dürüm stärkten uns für den Rest des Tages, denn wir hatten ja noch was vor.

Betrieb auf dem Jungfernstieg - im März!

Zwei in der Koppel

Nach S-Bahn-Stopps mit Rundgang an den Landungsbrücken und am Jungfernstieg kamen wir wieder am Hauptbahnhof an und spazierten sofort weiter nach St.Georg in die Lange Reihe. Die Espressi in der Koppel 66 mundeten primella und putschten uns für die Rückreise, die ich ohne großes Nachdenken in der S-Bahn nach Altona antrat. Zum Hotel Schanzenstern, wie immer in Hamburg. Wir bemerkten es glücklicherweise schnell, fuhren vom Dammtor aus wieder zurück und dort stand bereits unser Regionalexpress nach Lübeck, mit freien Plätzen und WLAN.

Ein langer schöner Tag neigt sich dem Ende zu, mit Kilometergeld wären wir reich geworden, so wurden wir nur müde. Für morgen haben wir einen Ruhetag beschlossen, irgendwann ist ja auch mal gut.

28 Januar 2019

Ach du liebes Bisschen!

Heimfahrtage sind meistens traurige Tage, vor allem, wenn man ein paar schöne Tage auswärts verbracht hat und gerne noch länger bleiben würde. Ein wenig ging uns das heute auch so, jedoch hatten wir bis 15:30 noch Zeit genug, und das ein oder andere anzuschauen, da kommt man nicht so richtig dazu, an Abschied zu denken.

Imponierender Standort am Elbufer

Natalie und ich freuten uns, dass die neuen Betreiber der Stadthausgalerie Zeit nahmen, sich unsere Ideen Die anzuhören. Managementleiterin und ein Vorstandsmitglied empfingen uns freundlich, hörten sich unsere Meinungen und Ideen zur weiteren Entwicklung in der Stadthausgalerie an, und fragten uns auch nach unseren Einschätzungen. Nach knapp anderthalb Stunden konstruktiven Dialogs vereinbarten wir, in Kontakt zu bleiben und wurden sehr freundlich verabschiedet.

Ach du liebes Bisschen!

Auf dem Rückweg holten wir unsere beiden Freunde im 's Fachl ab und machten uns auf den Weg ins Altonaer Museum. D.h. wir wollten uns auf den Weg machen, als uns nach ein paar Metern das Café "Liebes Bisschen" auffiel. Eine kurze Stippvisite mit kleinen Leckereien und doppeltem Espresso war eine willkommene Pause, bevor wir uns auf's Museum stürzten.

Museum Altona - Vorführraum

Eine witzige Sonderausstellung zum Thema "Mein Name ist Hase - Herkunft der Redensarten" hatte es uns angetan, aber auch sonst gab es hier einiges zu sehen. Da wurde unsere Museumsleiterin schon ein wenig neidisch ob der Möglichkeiten in einem solchen Haus. Man konnte sich auf dem 4 Etagen und weitläufigen Räumen und Fluren glatt verlaufen.

Eine letztes gemeinsames Mittagessen gegen halb drei im Ottenser Kumpir, dann ging's schon zum Bahnhof. Unser Zug fuhr tatsächlich pünktlich ab. Die Heimfahrt verlief ohne große Zwischenfälle, Fabian musste uns leider in Dortmund verlassen. Viele der in Hamburg inspirierten Ideen wurden bereits unterwegs weiter gesponnen, vor allem die beiden Damen waren in ihrem Element. Auch die Deutsche Bahn zeigte sich heute von ihrer allerbesten Seite, so dass wir mit nur einer dreiviertel Stunde Verspätung in Andernach aufschlugen. Die gute Tatjana spielte nochmal das Taxi für uns und setzte uns vor der Haustür ab.

Nun daheim, nach einem letzten kleinen Abendbrot, bin ich müde und glücklich - und bin mir sicher, dass das nicht die letzte gemeinsame Reise mit diesen Freunden war. Außerdem habe ich nun einige neue, interessante Punkte auf der ToDo-Liste, auf deren Abarbeitung ich mich freue.


27 Januar 2019

Kulinarischer Sonntag

An unserem dritten Tag in der Hansestadt legten wir ein schönes Rahmenprogramm rund um unsere Mahlzeiten. (Mein Gott, fahren wir wirklich morgen schon wieder nach Hause?!)
Die Eröffnung bildete, wie jeden Morgen, das BIO-Frühstückbuffet in unserem Hotel Schanzenstern-Altona. Ohne Lachs oder Kaviar, aber vielfältig, für jeden etwas dabei, und guten Kaffee, leckere Säfte. Der anschließende Verdauungsspaziergang runter zur Elbe auf den Heldenmarkt tat gut. Nach einigen interessanten Gesprächen dort (z.B. ecofinanzplan,empfehle ich unbedingt!) gönnten wir uns eine Mittagspause im Fischrestaurant Fischereihafen.
Nobel nobel - aber saulecker!
Das ist eins der Lokale, wo uns am Eingang die Mäntel abgenommen wurden, die Platzanweiserin uns zum Tisch begleitete, schicke Pinguinkellner elegant durch die Tische schweben. Also genau so ein Restaurant, in dem ich noch nie war. Als wir dann saßen, stellten wir beim Blick in die vollbesetzte Runde fest, dass wir komplett underdressed waren, genauer genommen nicht wir, sondern ich. Dass wir nach dem Blick in die Speisekarte auf Vorspeisen für 17,50 verzichteten, löste bei der Bedienung leichtes Zucken in den Mundwinkeln aus, sie verlor jedoch nicht die Contenance. Eine Boullabaisse, ein Steinbeißer-Piccata und ein gebratenes Zanderfilet, alle unter der 30-Euro-Marke angesiedelt, waren uns für heute Mittag genug. Serviert wurden unsere Fisch-Teller unter einer Metallglocke. Fabian und ich suchten bereits verzweifelt nach einem Platz auf dem Tisch, um diese Teile abzulegen, da beschwor ein weiterer Kellner uns mit Handzeichen, ja die Dinger drauf zu lassen. Und schwupp - zog er mit einem geübten Schwung beide Glocken gleichzeitig von den Tellern und gab strahlend den Blick auf das Essen frei. Pooh, Glück gehabt, wir haben uns nicht komplett blamiert! Das Essen war richtig klasse, wir haben den Besuch nicht bereut.
Das Rätsel des Blaubeertörtchens

Anschließend sammelten wir Natalie ein, die einen Vortrag auf dem Heldenmarkt nicht versäumen wollte, luden im Hotel unsere gesammelten Werke ab, und fuhren mit der S-Bahn zum Schanzenviertel. Für mich ein Pflichtbesuch bei jedem Hamburgbesuch, kamen wir erstmal nur bis zum Café KostBar in der Susannenstraße, um uns koffeinmäßig auf den Rest des Tages einzustimmen.
Im Galopp durchs Schanzenviertel











Beim anschließenden Rundgang übers Schulterblatt, Schanzenstraße und Bartelsstraße wurde es schon langsam dunkel. Ok, im Sommer und tagsüber ist es hier wesentlich heimeliger. Die Damen entdeckten aber auch im Halbdunkel einige interessante Auslagen. 

Zurück im Hotel gönnten wir uns ein gutes Stündchen Auszeit, bevor wir zum Abendessen ins Hatiri Altona spazierten. Ich muss sagen, das hatte Ricarda super ausgesucht. Einfache Einrichtung, aber eine sehr interessante Speisekarte. Libanese Vegetables, Veganer Burger, Ziegen-Burger und Flammkuchen Steiermark waren gut und reichlich, am Ende hatte fast jeder von allem etwas gekostet.

Gesuch tund gefunden
Die beiden Mädels haben sich echt gesucht und gefunden, da sagt ein Bild mehr als tausend Worte. So geht ein weiterer schöner Tag zu Ende. Morgen haben wir nach dem Auschecken noch drei Punkte auf dem Programm, bevor wir nachmittags im Zug nach Hause sitzen.

26 Januar 2019

Helden auf dem Markt

Ein langer Tag geht zu Ende. Wir haben es langsam angehen lassen. Zwar trafen wir uns bereits um neun zum gemütlichen Frühstück, gingen aber dann trotz kaltem Regenwetter zu Fuß zur Elbe, spätestens hier war ich richtig wach. Und da war er: Der Heldenmarkt!

Vier Helden über dem Markt
Der Heldenmarkt
Für mich bereits ein gewohntes Bild, für meine drei Mitstreiter "das erste Mal". Die Halle war reichlich gefüllt mit interessanten Ständen und mit Massen von Besuchern, die ich in der Anzahl um die Zeit nicht erwartet hatte. Ich pickte mir gezielt meine Stände raus, hatte im Vorfeld bereits einige Gesprächstermine mit potentiellen Sponsoren für unser Solarmobil-Projekt ausgemacht. Meinen Begleitern ging es ähnlich wie mir beim ersten Besuch vor ein paar Jahren, sie waren ein wenig erschlagen von dem übergroßen Angebot, den vielen Besuchern und der Lautstärke von vielen gleichzeitig stattfindenden Gesprächen an allen Ständen. Zum Abschluss für heute besuchten wir gemeinsam einen tollen Vortrag über nachhaltige Finanzgeschäfte und Versicherungen. ecoplanfinanz ist ein Name, den man sich merken sollte.

Als wir nach vier Stunden wieder an der kalten regnerischen Luft standen, war ich ziemlich platt, der Kopf war total voll von so vielen Eindrücken, Informationen und Gesprächen. Der zwanzigminütige Marsch zurück an der kalten Luft tat gut, die Stunde Pause im Hotel noch besser.

Im Gao Kitchen
Lecker Kerlchen
Nun begann der kulinarische Teil des Tages. Wir fuhren mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof, von dort aus wollten wir uns die beste von 4 Sushi-Bars in St.Georg aussuchen. Was die Damen natürlich nicht davon abhielt, unterwegs noch das ein oder andere "Ach-kuck-mal-wie-toll!"-Lädchen zu stürmen. Aber am Ende wurden wir im Gao Kitchen belohnt. Maki, Nigiri, Hokkaido Rolls und andere Köstlichkeiten mundeten hervorragend, Fabian und ich schwelgten uns gegensätzlich hoch ob der Gaumenfreuden, und auch die beiden Engel strahlten.

Danach war natürlich wieder Regenspaziergang angesagt. Runter zur Alster, über die Lombardsbrücke rüber, dort zurück zum Jungfernstieg, wo wir im Alex dann den Abschluss mit abendlichem Blick auf das erleuchtete Ufer der Binnenalster begingen.

Glückliche Freunde
Schönes Paar













Der Rückweg mit der S-Bahn war kurz, ich sitze glücklich in meinem Hotelzimmer im Schanzenstern Altona und lasse den Tag Revue passieren.

25 Januar 2019

Hamburg, wir kommen!

Wenn die "Deutsche Bahn" mitspielt, kommen wir vielleicht wirklich heute noch in Hamburg an. Es begann heute morgen planmäßig mit Frühstück und kurzem Kofferpacken, als um 9:09 die E-Mail eintraf mit der Mitteilung, dass unser Zug statt um 09:56 heute ausnahmsweise um 10:22 abfährt. Der aktuelle Stand der App wies bereits 10:26 aus, so dass wir unsere Abholung durch Natalie Mutter eine halbe Stunde verschoben.

Um 10:15 am Bahnhof mussten wir dann auf der Anzeige lesen, dass heute leider Wagen 7 fehlt. Komischerweise hatten wir in Wagen 9 reserviert, das war ja fast schon zu viel des Glücks. Spätestens als Wagen 9 dann auch noch genau vor unserer Nase hielt, wusste ich: Hier stimmt was nicht. Das kann nicht sein. Da kommt noch was. Dann kam eine neue Ansage, die Reservierungsschilder im Zug seien leider ausgefallen. Ich ahnte bereits, was sich die "Deutsche Bahn" heute ausgedacht hatte. Und so war es.

Auf einem unserer drei reservierten Plätze am Vierer mit Tisch saß ein halsstarriges Eselsgesicht, das sich standhaft weigerte, den Platz zu verlassen. Der Typ grummelte einige unverständliche Halbsätze vor sich hin, blickte dabei immer stur geradeaus, und stand nicht auf. Kurz war ich versucht, ihn am Kragen zu ziehen und ihm einen körperlichen Verweis anzudrohen. Aber eine so schöne Reise mit Zores zu beginnen war dann doch nicht mein Ding. Also setzten wir uns 3 Reihen weiter und warteten auf die Zugbegleiterin. Die würde das schon regeln. Und das tat sie. Als Ausgleich für die Verspätung, den fehlenden Wagen und die ausgefallenen Reservierung Schilder hatte man beschlossen, im ganzen Zug die Reservierungen aufzuheben. Das Reservierungsgeld könne sich jeder Reisende dann einzeln an jedem Schalter der "Deutsche Bahn" erstatten lassen.
Tausend Reisende stehen an den DB-Schaltern der Republik und füllen zweiseitige Formulare aus, um sich 4,50 erstatten zu lassen. Auf sowas muss man erstmal kommen!
Wir konnten dann, als das Eselsgesicht in Düsseldorf endlich ausgestiegen war, gut gelaunt unsere richtigen Plätze einnehmen.


Zwei Damen vom Grill

Der Gierige














Die beiden Damen vom Grill hatten Leckeres für Unterwegs gekocht - und gaben dem Gierigen gegenüber sogar gerne etwas davon ab. Chapeau! Wider Erwarten fuhr unser Anschlusszug in Hannover nicht pünktlich ab, sondern passte sich uns mit einer halben Stunde Verspätung exakt an. Wir konnten also ohne Stress aussteigen, auf den nächsten Bahnsteig wechseln - und dort sehen, dass der IC nach Altona bereits dort stand! Schnell in Wagen 7, proppevoll, durch den halben Wagen gequetscht, unsere Plätze aufgesucht - da saßen schon wieder Leute! So langsam konnte ich über solche Späße nicht mehr lachen. Auf meine Reklamation hin zeigten mir die Mitreisenden IHRE Reservierungen - für die gleichen Plätze!

"Ihr seid vielleicht im falschen Wagen!" sagte eine der Reservierungs-Erschleicherinnen.
"Nein, das ist Wagen 7!" entgegnete ich, "und das ist der 14:20 nach Altona!"
"14:20? Der kommt in ner halben Stunde! Das ist der 14:36, der ist pünktlich!"
Ach Du Scheiße, wir wieder mit unserem ganzen Pröll zurück zum Ausgang, ich kam als Letzter grad noch durch die sich bereits schließende Tür. Dass ich auch immer wieder auf die Tricks der "Deutsche Bahn" reinfalle, so was Blödes! Aber gut, nun war unser Ankommen in Altona einigermaßen gesichert, zumindest am heutigen Tag.

Ein kleiner Zwischenfall am Rande passierte noch, nachdem ich meine Begleiterinnen kurz vor Gütersloh darüber aufgeklärt hatte, dass Bielefeld in Wirklichkeit nicht existiert (die wussten das tatsächlich beide nicht!). Es gesellte sich plötzlich eine Berlinerin zu uns auf den vierten Platz, die spontan erzählte, dass sie schon in Bielefeld gewesen sei, persönlich. Sie sei im dortigen Bahnhof umgestiegen, und dabei sei ein Waggon verloren gegangen. Eine Minute später erzählte der nette Typ gegenüber unaufgefordert, er sei sogar mehrfach auf der Bielefelder Alm gewesen und habe dort Bundesligaspiele gesehen. Jaja, auffälliger geht's ja wohl nicht! Aber immerhin verzichteten sie darauf, uns kurz vor dem vermeintlichen Bahnhof Bielefeld jemand vor den Zug zu werfen, wie sie das Jahre vorher einmal getan hatten.

Happy together

s'Fachl hat was

Gut gelaunt in Altona angekommen, checkten wir im Hotel ein und drehten eine kleine Runde durchs Viertel. Viele kleine Geschäfte, Kneipen, Restaurants, wenig große Filialisten, das liebe ich an Altona. Mit Natalie bestaunte ich s'Fachl, ein tolles Shop-in-Shop-Geschäft mit vielen hochwertigen handgemachten Sachen.

Abends stieß Fabian dann dazu, und wir speisten noch lecker im Knuth direkt um die Ecke von unserem Hotel. Ich merkte dann, dass es doch ein langer, schöner Tag war, nach dem Super Tofu-Curry wurden auch meine Augenlider schwerer, so dass ich die Niederlage unserer Handballer dann doch lieber im Hotelzimmer anschaute und nun gerade noch genug Energie habe, diesen Bericht fertig zu schreiben und mich gleich auf mein Bett zu freuen.


03 November 2017

Bahn voll im Plan? Sogar über Plan!

Mein gestriger Banktermin begann seltsam. Ich hatte im Hotel etwas länger gebraucht dadurch fuhr mir die S-Bahn vor der Nase weg, die nächste wurde mit Verspätung angekündigt. Und wenn es so beginnt, weiß man ja um die kausalen Zusammenhänge, die ein pünktliches Erscheinen dann völlig unmöglich machen, egal was man macht. Und so folgten dann verpasste Anschlussbahn, telefonisch nicht erreichbare Bank, falscher Ausgang am Ziel-S-Bahnhof, ein Smartphone-Navi, dass mich über viele kleine Fleetbrücken dreimal ums Viertel führte, bevor eine nette Passantin mir den Weg um die Ecke zeigte. Mit einer halben Stunde Verspätung stand ich dann in meiner Bank.
Und es wurde trotzdem alles gut. Ein super Beratungsgespräch in einem sehr entspannten Klima.
Am Ende des Tages stand der Besuch beim Griechen in St.Georg und die herzliche Verabschiedung von Maren.

Nach einem entspannten letzten Tag läuft unsere heutige Heimreise bisher überraschend planmäßig. Die S-Bahn fährt uns pünktlich zum Hauptbahnhof. Wir haben Zeit genug, um uns im Bahnhof mit Getränken und Reiseproviant zu versorgen. Der IC rollt planmäßig ein, die reservierten Plätze sind frei. Was will man mehr?
Mir gegenüber sitzt eine nette ältere Dame, die über's Handy mit ihrer Tochter wichtige Dinge bespricht.
Wenn nur nicht dieses komische Bauchgefühl wäre, irgendwas stimmt doch hier nicht.....
Gerade, als ich diese Zeilen schreibe, kommt die Durchsage: "Außerplanmäßiger Halt kurz vor Osnabrück zur Aufnahme von Reisenden." Den Namen des Bahnhofs hab ich bis heute noch nie gehört. Wer mag wohl hier gestrandet sein?

Aber die Fahrt geht unbeschadet weiter, wir haben zwischendurch auch mal zehn Minuten Verspätung, kommen aber letztendlich sogar zu früh in Koblenz an.
ZU FRÜH - DIE BAHN!
Die ältere Dame wird in Koblenz von ihrem kleinen Enkelchen und seiner Familie freudig in Empfang genommen und nach Hause gefahren. Sie hat wahrscheinlich auch ein paar interessante und schöne Tage irgendwo verbracht.
Es ist seltsam, sogar mein Anschlusszug nach Andernach kommt pünktlich, hat freie Plätze, in Andernach steht mein Auto noch unbeschädigt auf dem Bahnparkplatz, springt sofort an.
Was ist los? Ich bin ziemlich ratlos, ich gebe es zu. Vermutlich bin ich während des Hamburg-Aufenthalts durch ein Raum-Zeit-Loch gefallen und in einem Paralleluniversum gelandet, anders kann ich mir das alles nicht erklären. Vielleicht vorgestern abend, als dieser seltsame Alarm im Hotel uns alle auf die Straße trieb, in Hemd und Schlappen, mit dem Buch in der Hand. Als wir später nachfragten, was denn los gewesen sei, hatte ma uns erklärt, dass jemand zu heiß geduscht hätte und dies hätten den Hitzesensor der Brandmeldeanlage ausgelöst. Mal ehrlich, wegen einer zu heißen Dusche das ganze Hotel zu evakuieren, das klingt ja noch abgedrehter als alles andere.
Ja, ich denke, dabei wird es passiert sein. Ich tu einfach mal so, als sei alles wieder normal und werde zukünftig die DEUTSCHE BAHN noch etwas genauer beobachten.

01 November 2017

Flanéren in der Mönckeberg

Auf die heutige Begegnung mit Martina hatte ich mich sehr gefreut. Die Cousine meines alten Kumpels Arno, die es seit vielen Jahren nach Hamburg verschlagen hat, kannte ich bisher nur vom WhatsAppen und telefonieren. Und so kam es, wie es kommen musste, wenn sich zwei Menschen treffen, die einen Sinn für Familienforschung haben: Die Zeit verging wie im Flug, ich fand unsere Unterhaltung hochinteressant, wir landeten am Ende in der kleinen Patisserie flané im Levante-Haus, und verabschiedeten uns mit dem Vorhaben, auf jeden Fall in Kontakt zu bleiben.
Eine sehr nette neue Bekanntschaft.
In der Zwischenzeit hatten sich Maren und Petra schon auf den Weg ins Chile-Haus gemacht und ließen den gut gelaunten, älteren Herrn einfach am vereinbarten Treffpunkt Karstadt warten. Ich sag's ja.
Als die beiden nach Stunden dann endlich auftauchten, wurde es auch Zeit für eine kleine Mahlzeit beim Italiener am Ende der Spittaler Straße. Und dann, schwuppdiwupp, waren die beiden wieder in der U-Bahn verschwunden in Richtung Reeperbahn zum Schmidts Tivoli, denn ein Musical sollte es beim Hamburg-Besuch schon sein. Mir blieb nur der Rückweg ins Hotel, denn in meinem Alter darf man sich auch ab und an eine Auszeit gönnen.

Kleiner Nachtrag: Zum Abschluss gab es kurz nach halb neun noch einen schrillen Alarm im ganzen Hotel. In Schlappen und dünnem Hemd fünf Stock runtergestolpert und zehn Minuten draußen bei 9°C im Nieselregen verbracht, bis Feuerwehr und Polizei Entwarnung gaben. Sowas kann auch ganz anders ausgehen, Glück gehabt.

31 Oktober 2017

Gerda und die Portugiesen

Eigentlich sollte es ein müder, vertrödelter Tag werden. Aber wenn man schon mal in Hamburg ist, rappelt man sich doch mittags auf und fährt zu den Landungsbrücken. Bei meinem x-ten Besuch in Hamburg mache ich tatsächlich heute zum allerersten Mal eine geführte Hafenrundfahrt.
350 meter lange Kähne mit 10 x 15.000 P.S - oder so ähnlich
Mit schnodderigen und nie langweiligen Ansagen und Erklärungen cruisen wir mit der vollbesetzten Barkasse Gerda 2.0 anderthalb Stunden lang durch Containerhafen und Speicherstadt. "Treten Sie bitte beim Besteigen des Schiffs nicht allzu fest auf, der Kahn ist schon etwas älter!"

In der Brücke 10
Auf dringende Empfehlung des Schiffsführers eilen wir danach bis zum Ende der Landungsbrücken und stellen uns ne Viertelstunde an, um an der Brücke 10 das definitiv beste Fischbrötchen des Hamburger Hafens zu futtern.

Danach brauchen wir dringend was Warmes zu trinken und suchen uns im Portugiesenviertel erst mal ein kleines Café auf, wo wir mit einem Galao und heißer Schokolade unsere Betriebstemperatur wieder über den Gefrierpunkt heben.

Galao zum Aufheizen








Eine Stunde später und einige Querstraßen weiter wollen wir uns im Porto auch noch mit fester Nahrung versorgen, ein Fischbrötchen allein hilft einem nur bedingt über den Tag. Leider ist im Porto selbst nichts frei, daher führt der Kellner uns galant raus zum Nachbarn, dem NAU, wo wir einen letzten Platz vor der Garderobe ergattern können. Unglaublich, nachmittags um fünf sehen alle Restaurants im Portugiesenviertel pickepackevoll aus. Im NAU liegt neben der hauseigenen Karte tatsächlich auch die Karte vom Porto aus. Und das gegrillte Lachsfilet mit Krabbensahnesauce, Kartoffeln und Brokkoli muss dran glauben. Danach bin ich pickepackesatt und Petra ist heilfroh, dass sie sich für die kleinere Portion Gambis entschieden hat.

Der Tag ist gerettet und nach einem Absacker in der Hotelbar sind wir beide froh, als wir wieder auf dem Zimmer sind.
Sie halten gut durch