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15 März 2026

Alte Kumpels und schöne Zufälle

Auch die vergangene Woche brachte mir einige wohltuende Begegnungen mit Menschen, die mir gut tun. Und mal wieder schöne Zufälle. Die Treffen mit alten Kumpels, die Mittwochs- und Samstags-Rituale, Rummikub mit Freundinnen, Das post-therapeutische Monatsritual mit Freunden beim Thai, der Besuch von Frau Janz Wichtig mit privater Mike-Neuhaus-Lesung, einfach wunderbar, so war das graukalte Wetter schnell vergessen.

Den Vogel schoss der gestrige Samstag ab. Morgens kam beim besagten Spätstücksritual mit meinem Kleinen Lieblings-Bruder unser Gespräch auf eine frühere Nachbarsfamilie ein paar Häuser weiter, die 3 Kinder in unserem Alter hatte. Sie sind schon vor etwa 60 Jahren weggezogen, so dass sich auch unser Kontakt mit den Kindern damals schnell abriss. Der älteste Bruder war in meiner Volksschulklasse und verstarb bereits vor einigen Jahren. Mit der jüngsten Schwester, Nenni, hab ich mich damals an seiner Beisetzungsstelle getroffen und anschließend die Eltern besucht. Bea hab ich seit damals nicht mehr gesehen. Beide Schwestern leben weit entfernt von hier. Im gestrigen Brudergespräch kamen einige Erinnerungen bei uns beiden hoch.

Zwei Stunden später, mein Brüderlein war bereits wieder zu Hause, erreichte mich die Nachricht von Nenni, dass sie gerade mit Schwester und Mutter in unserem Heimatort ist. Ich natürlich sofort ins Auto und nix wie hin. Dort hatte sich die Familie bereits vor ihrem früheren Haus in unserer Straße eingefunden und begrüßte mich freudig. Ein schönes Wiedersehen mit den alten Nachbarn. 60 Jahre. HACH!

Nenni mit Hund, Bea, der Nachbar und ihre Mutter

Beim gemeinsamen Gang durch die Straße kamen bei allen Beteiligten Erinnerungen wieder hoch, auch wenn sich dort in den vergangenen Jahrzehnten sehr vieles verändert hat. Aber was für ein Zufall, dass ich morgens mit meinem Bruder darüber spreche und dann die Nachricht von Nenni kommt.

Mir fällt der Kaffeeklön mit meiner Cousine Resi ein, eine Woche vorher, bei dem wir gerade über unsere Nichte Elke sprachen, woraufhin Elke Minuten später "zufällig "zur Tür des Cafés reinkam.
Oder an die vorletzte Woche, als ich bei einem anderen schönen Kaffeeklön "zufällig" die beste Schulfreundin meiner Cousine Renate kennenlernte.
Oder an an den Besuch eine Stunde nach dem obigen Foto bei meiner früheren Nachbarin Rosi, die mich daran erinnerte, dass sie ebenfalls eine Schulfreundin meiner Cousine Resi ist.

Ist echt so ne Sache mit diesen Zufällen.

Heute durfte ich mich wieder vorbildlich an das Rentner-Ausschlaf-Gesetz halten, um die Verstöße dieser Woche zu kompensieren. Und heute Abend hat mich Nichte Elke angeschrieben, mit der ich mich morgen treffe. Das wird wieder ne schöne Woche.

29 November 2025

"Ein schöööner Tag ..." 🎙🎼🎶🎵🎤

Obwohl wir mein Spätstück mit dem KLB umständehalber auf morgen verschieben mussten, wurde es ein prima Tag. Auf dem Wochenmarkt vermisste ich zwar unseren Ölbischof Achim mit seinem Oliomobil, dafür hatte die gute Walli vom BIO-Hof Althaus wieder Rindersteaks, Mini-Chilis und andere Leckereien parat. Außerdem wies sie mich auf einen neuen Anbieter hin.

Der BIO-Hof Beisel machte mit seinem Gemüse-Sortiment einen sehr guten Eindruck und Lust auf mehr.

Die perfekte Ergänzung des regionalen BIO-Sortiments, die uns hoffentlich noch länger erhalten bleibt.

Pünktlich um 13 Uhr kehrte ich von meiner Einkaufsrunde zurück, um meine blau-weißen Jungs aus dem Tiefen Westen vor dem Fernseher lautstark anzufeuern. Das Team vonne Castroper belohnte mich mit einem tollen Auswärtssieg am Ronhof. HACH!

Derart gut gelaunt, beschloss ich, meinem alten Kumpel einen Besuch im Altenheim abzustatten. 

King Ernest International

Ernest International freute sich sehr über meinen Besuch und versicherte mir, dass dies bereits meine 16. Stippvisite war. Das alte Statistik-Gen lässt ihn auch im Altenheim nicht ganz los.

Zwar konnte ich seine Senseo diesmal (zum 6.Mal) nicht vor Ort reparieren, werde sie ihm jedoch morgen lauffähig wieder zurückbringen. Ab und zu mal entkalken und saubermachen wirkt manchmal Wunder.

Nach einer halben Stunde Austausch über die neuesten Fußball-Ergebnisse und andere wichtige Dinge machte ich mich wieder auf den Heimweg, bestückt mit einer verstopften Senseo und jeder Menge gute Laune.

Nun freue ich mich auf das morgige Familienfrühstück mit dem KLB und auf viele weitere schöne Tage ...

13 April 2025

Ein Sonntag mit Rotem Hahn

Auf diesen Sonntag hatte ich mich gefreut. Ich war zum Spätstück bei einer lieben Freundin eingeladen, wenige Meter neben dem Zimmer, in dem ich vor mehr als 67 Jahren zur Welt gekommen war. Am Rosenmontag übrigens. Nach der schlafarmen Vollmondnacht brach ich beim vielfältigen Leckerschmaus alle meine Kaffeerekorde der letzten drei Jahre.
Und ehe wir uns versahen, waren drei Stunden vergangen, ohne dass uns das so vorgekommen wäre. Das ist oft so. Wenn es besonders schön ist, splittet sich die Zeit auf. Bei leckerem Essen und interessanter Unterhaltung mit guten Menschen scheint sie wohlig still zu stehen, im Rückblick danach sind die Stunden mit einem Wimpernschlag vergangen.

Zum Glück hatten wir uns beide sonst nichts vorgenommen, so dass ich das Angebot meiner Gastgeberin gerne annahm, eine Führung durch ein mir unbekanntes Gelände zu machen, in ihrer Heimat, dem Land der Roten Hähne.

Dort angekommen, starteten wir mit einem Foto vor dem Denkmal des Stifters dieser Anlagen, und direkt um die Ecke begrüßte uns dann diese mächtige Kirche mit ihren hohen Türmen.












Im Eingang zu diesem Prachtbau wurden sofort die Verhältnisse klargestellt.

Klare Verhältnisse

Im Innenraum dieser Kirche gab es dann so viel zu bestaunen, dass man damit problemlos ein Buch füllen könnte. Zum Glück hatte ich mit Hilde eine exzellente Erklärerin für fast alles, was es zu sehen gab. Ein paar wenige Beispiele seine hier aufgeführt.

Johannes tauft

Der, dessen Namen ich vergaß













Wie Johannes damals eifrig getauft hat, war mir noch aus dem gerade gelesenen Roman "Die Bibel nach Biff" in guter Erinnerung, was mir jedoch Hilde über die Geschichte dieses Buntglasfensters berichtete, war mir ganz neu. Ich glaube, der dargestellte Junge kam aus Oberwesel oder Bacharach.

Zum Abschluss noch dieser pompöse Hochaltar mittendrin, auf dem endlich einmal die ganze Kreuzigungsszene mit vielen Beteiligten dargestellt wird.

In dieser Szene sieht man beispielsweise alle drei Gekreuzigten.
v.l.n.r.: Gestas, Jesus, Dismas

Auch die zu zu Füßen der Gekreuzigten knienden und betenden Frauen sind verewigt, ebenso römische Soldaten.

Der Kerl mit der Lanze bereitete dem Leiden Jesu dann ein Ende, wenn ich mich recht an die Katechismusstunden meiner Kindheit erinnere. Was mit den beiden anderen Gekreuzigten geschah, hab ich entweder vergessen oder man hielt es für so unwichtig, dass es uns damals vielleicht gar nicht gelehrt wurde.


Als wir die Kirche beeindruckt verließen, ging es auf hügeligen , verschlungenen Pfaden durch die Frühlingslandschaft, an jeder Ecke des Parks erwartete uns die nächste Kapelle, Skulptur, Weihestätte und auch mehrere Kreuzwege.
Völlig überrascht war ich von der nächsten gezeigten Szene. War ich dich bisher im Glauben gewesen, dass unser Siegfried auf dem Andernacher Bollwerk den bösen Drachen erlegt hat, belehrte mich Hilde eines Besseren. Nicht Sigi, sondern Maria, die Mutter von Jesus, hat das Vieh platt gemacht, wie man hier sehr deutlich und farbenprächtig sehen kann.

Im Anschluss führte mich Hilde unterirdisch auf die andere Straßenseite zum Ölberg, wo uns ein Hinweisschild signalisierte, dass nun die heiligen Stätten vor uns liegen.

Hier geht's richtig los

Neben viele Darstellungen der Leiden und Aufopferungen von Maria, einem Haus Nazareth und einer nachgebauten Grotte von Lourdes gab es noch unzählige andere Skulpturen, die kunsthistorisch wohl von großer Bedeutung sind.

Hilde bewacht die schlafenden Apostel

Franziskus predigt den Tieren (außer den Fischen)

Dass Franz von Assisi die Sprache der Tiere verstehen und sprechen konnte, wusste ich noch. Dass dies auch seine Mitbrüder taten, war mir wiederum neu. Und das für mich Überraschendste war dann Hildes Erläuterung, dass der heilige Antonius nicht nur für das Wiederauffinden von verlorenen Gegenständen zuständig ist, sondern auch in dieser Anlage einen eigenen Teich hat, an dem er den Fischen predigte.
Und ziemlich zum Schluss der langen Runde fanden wir dann auch die Szene mit dem Judaskuss, die wir unterwegs vermisst hatten.

Wer steht da vor Antonius?
Der Mann aus Eich mit dem Kuss












Hier konnte ich wiederum mit dem Wissen glänzen, dass Judas aus Eich kam, was nur die wenigstens wissen werden. So vergingen auch hier Stunden in schöner Umgebung mit wenigen Strecke, aber viele n Höhenmetern. Danach tat uns eine kleine Rast auf einem ganz speziellen Bänkchen gut, wo wir vielen verschiedenen Vogelstimmen lauschten und Hilde mir die Legende vom Roten Hahn erzählte, bevor wir wieder zurück zum Parkplatz spazierten. 

Wieder waren Stunden schön und viel zu schnell vergangen. Auf einer kleinen Runde im Auto lernte ich noch die wichtigsten Häuser im Ort kennen, um hinterher im Heim meiner Gastgeberin mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen verwöhnt zu werden. Buchweizenkuchen mit Äpfeln, köstlich!
Ich freue mich jetzt schon auf den bereits fest geplanten nächsten Gegenbesuch. HACH!


14 Januar 2025

Besuchstage unter Vollmond

Obwohl die letzten Tage vor dem Vollmond nicht unbedingt die erholsamsten Nächte bewirken, wurde das alles vielfach aufgewogen und übertroffen von einigen schönen Besuchen. Schon der Freitagsbesuch bei der früheren Nachbarin, die ich viele Jahre nicht mehr gesehen hatte, war schön und sehr interessant.
Über den Fußball-Samstag möchte ich an dieser Stelle nur ein Wort verlieren: TROTZDEM!

Der Spontanbesuch aus Spanien machte aus dem Sonntag einen schöne langen Sonntag, den wir uns auch vom Thuri-Hochwasser nicht vermiesen ließen.

Montags dann endlich das geliebte KLB-Frühstück, dass wir um zwei Tage verschieben mussten, weil der Kleine ein wenig gekränkelt hatte. Es geht wieder aufwärts! Nachmittags dann der verabredete Besuch vom Consobrina Magna, den wir wie tags zuvor mit einer schönen Frischluftrunde begannen. Die Sonne lugte zwischen den Wolken hervor und wir sprudelten unterwegs nur so vor musikalischen Reminiszenzen an die Sonne. Vieles vergessen geglaubtes aus unser beider Abteilung "unnützes Wissen" kam im Lauf des musikalischen Spaziergangs wieder hoch. Ein Rätsel, dass wir unterwegs nicht auflösen konnten, kann ich hier klären: Es waren die Walker Brothers, die uns damals mit dem Schmachtfetzen "The Sun ain't gonna shine anymore" verzauberten.
Wir besuchten unterwegs wir auch die schöne kleine Hospitalskirche und gedachten mit Kerzen einiger Menschen, die uns in den letzten Tagen verlassen hatten. Danach wieder in der warmen Küche schmeckten Kaffee und Kuchen noch viel besser.


Am späten Nachmittag hatte ich dann Gelegenheit, den vollen Mond im Osten über den Häusern aufsteigen zu sehen. Entgegen sonstiger Gewohnheiten schlief ich in dieser Vollmondnacht lang und fest, träumte aber dabei unglaubliches Zeug in solcher Menge, dass es wohl gut ist, dass ich mich heute Mittag nach dem Aufwachen an nichts Genaues mehr erinnern konnte.

Der heutige Tag hatte außer dem Ausschlafen noch drei weitere Highlights. Nachmittags besuchte mich die fabelhafte Cerasa Servatia Gulisa  auf einen schönen und sehr interessanten Kaffeeklön, der leider schon nach einer Stunde enden musste, denn mein nächstes Highlight nahte: Ich begab mich nach vier Wochen Pause wieder unter Natalies heilende Hände. HACH!
Von dort aus ging es zum famosen Topping des Tages. Ich lud zwei Anhalter ins Auto, die beim MacDoof an der B9 rumlungerten und fuhr mit diesem zu einem schönen köstlichen Abend nach Chaopraya Confluentia. Dort machten sie sich einen Spaß daraus, mich erstmal draußen stehen zu lassen.

Aber schließlich durfte ich mich dann doch zu ihnen setzen und eine wunderbare Ente mit Bohnen, Aubergine, Mais und der scharfen grünen Currysauce genießen. Herrlich!
Als kleine Strafe fürs Ärgern fuhr ich die beiden aber nicht nach Hause, sondern warf sie am Mäckes an der B9 wieder raus, wo ich sie auch aufgelesen hatte.

Und nun freue ich mich auf morgen, wenn die nächsten schönen Begegnungen auf mich warten.

29 Dezember 2024

Schöne Trips in die Vergangenheit

Ein vergammelter Sonntag fing so schön an, mit lange Ausschlafen, noch dreimal rumdrehen, mittags gemütlich spätstücken, mit dem alten Kumpel chatten, Rekordzeit im SuDoKu aufstellen, hach! Dann schrie mich irgendwann nachmittags mein Schrittzähler an:

"Erst 378 Schritte! Sach mal, bist du bekloppt?
Gleich wird's dunkel. Sofort auf an die frische Luft!"

Da ich heute nicht wieder die Hausstrecke gehen wollte, setzte ich mich ins Auto und fuhr in Richtung meiner alten Heimat. Wer hat Lust, mit zu spazieren? Kumpel 1 liegt flach. Freundin ist woanders unterwegs. Kumpel 2 reagiert nicht auf meine WhatsApp. Dann kam mir eine meiner vielen blendenden Ideen 😎: Ab in die Vergangenheit! In ein Viertel, das früher mehrfach meine Heimat gewesen war, in meinen besten Zeiten *hüstel* sozusagen.
Schnell das Auto unter der Brücke abgestellt, und ab zum Ufer. Wenig später blickte ich vom Deich aus in die Straße meiner allerersten eigenen Wohnung. Damals (kurz nach dem Krieg 😉) eröffneten mein besagter Kumpel 2 und ich hier unsere erste "Raus von daheim!"-WG. Und dann stand ich davor - und viele Erinnerungen kamen hoch.

Blick vom Deich

Blick von vorne













Die Dachfenster erinnerten mich an die Brötchentüten, die mit einer Kordel nach oben gezogen wurden, wenn einer früher raus musste (meist mein Kumpel) und dem anderen den Weg über 4 Stockwerke und zurück bis zum Bäcker ersparen wollte. Denn leider war damals kein Aufzug vorhanden. Was auch den Transport der Waschmaschine beim Einzug nicht gerade vereinfachte.

Auf dem weiteren Weg dann die alte Stammkneipe an der Ecke, die heute ganz anders aussieht als früher.

Ein bisschen wehmütig dachte ich, dass die Biermarke Fohr Pils, die damals groß daran prangte, als Name völlig ausgereicht hatte, warum muss man daraus eine Balduinstube machen? Für uns hieß das eh nur "beim Siggi".

Weiter ging es zu den Wohnung Nr. 2 und 3, zwischen denen genau genommen 5,5 Jahre mit 4 anderen Wohnungen und 2 Notunterkünften lagen. 

Wohnung Nr. 2 war nur ein großes Appartement in einem alten Herrenhaus, das der ortsansässigen Brauerei gehörte. Passte irgendwie. Auch hier war es eine wilde Zeit, an die ich zurückdenken musste.

Aus den beiden Fenstern ein Blick über den Fluss direkt auf die Altstadt. Passte auch. Aus dem zweiten Fenster von rechts im Erdgeschoss wurde manch eine Flasche Gerstensaft hinaus auf die Straße gereicht.

Ich sah sie wieder vor mir, die bunte Hausgemeinschaft aus dem Haus der Gestrandeten und Karin, die nette Hausverwalterin, zu der ich heute wieder Kontakt habe.

Wohnung Nr. 3 im Quartier, die also strenggenommen Wohnung Nr. 7 war, befand sich im zweiten Stock dieser Hütte und war eine 5-Personen-WG, in der ich mich wieder zusammen mit Kumpel 2 aus der 1. gemeinsamen Wohnung einfand.
Die hier vorhandenen Zusammensetzung der Insassen als "bunte Mischung" zu bezeichnen, wäre eine gnadenlose Untertreibung.

Allerdings war es uns nach etwa einem Jahr dann doch entschieden zu bunt und wir machten uns wieder gemeinsam auf den Weg zur nächsten Hütte in einem anderen Örtchen. Aber das ist auch eine andere Geschichte.

Was mir auffiel: Obwohl diese meine Zeiten erst 40 Jahre her sind, wohnt keiner der damaligen Mieter mehr dort. Auf allen Klingeln an den Häusern nur unbekannte Namen!

Auf dem Rückweg von dieser Zeitreise durfte ich bei Irmgard (93) Station machen und erlebte mit ihr, Katze Lissy und leckerem Gebäck Rückreisen in noch weiter zurückliegende Zeiten, interessant und sehr lustig, auch weil wir beide über uns selbst lachen können.

Auch ihr nächstes diffiziles Buntglaskunstwerk hat sie bereits in der Mache und ich bewundere sie sehr dafür, wie sie ihre große Kreativität auch im fortgeschrittenen Alter noch so toll auslebt. Ich wäre mit solchen Sachen hoffnungslos überfordert. Zudem bekam ich wieder 1a Tipps zur Familiengeschichte, die mir außer Irmgard heute keiner mehr geben kann.

Als wir irgendwann erschreckt feststellten, wie schnell die Zeit bei diesem kurzweiligen Besuch gerast ist (und dass ich bei der Schale mit dem Gebäck keine Gefangenen gemacht hatte), wurde es Zeit für den Heimweg. Nach dem anfänglich holprigen Tag, als ich niemanden erreicht hatte, bewahrheitete sich für mich einmal wieder, dass am Ende doch alles einen Sinn ergibt. Und auch: Es kommt immer drauf an, was man daraus macht.

10 November 2024

Vom Glühen und Blühen

Nach einer schönen Woche mit lieben Besuchen, leckerem Essen und heilenden Händen  passte sich auch das Wochenende gut in diese Phase ein. Mein Brüderlein beehrte mich zum Samstagsfrühstück, die gute Walli erlaubte mir mangels Rindersteak ausnahmsweise auf die lecker gewürzten Schweinesteaks auszuweichen, da die Schweine lange genug auf der Rinderweide gewesen sind. Passt! Und "weil ja Samstach iss", machten mir nachmittags meine blau-weißen Jungs mit ihrem couragierten Auftritt gegen die Pillen eine besondere Freude. Sie glühen wieder.

Der Abend wurde nachdenklicher. Ich besuchte die Gedenkveranstaltung zur Reichsprogromnacht vom 9.November 1938, in welcher landesweit die Synagogen brannten, so auch hier in Andernach. Christiane hatte mich auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht und ich sah viele vertraute Gesichter unter den Zuhörern. So wie sich die politische Lage hier entwickelt hat, ist es umso notwendiger, dafür zu sorgen, dass diese schlimmen Zeiten nicht in Vergessenheit geraten und sich vor allem nicht wiederholen.

Im Foyer des historischen Rathauses mussten aufgrund der vielen Besucher noch Stühle hinzugestellt werden, damit letztendlich alle einen Platz fanden. Der Kölner Schauspieler Georg B. Lenzen war eingeladen, um aus Michel Friedmans Buch "Fremd" ausgewählte Passagen zu lesen.

Auch wen ich aufgrund meiner Gehöreinschränkungen nicht alles verstand, war es sehr beeindruckend und auch ein wenig bedrückend, an diese Ereignisse erinnert zu werden.

Ein Erinnerungsglühen. Nie wieder ist jetzt!

Im Anschluss ging es im Schweigemarsch durch die Stadt zu der Stelle, wo einst die Synagoge gestanden hatte. Nach einer kurzen Rede wurden zum Abschluss viele Gedenklichter dort aufgestellt .

Nach diesem Tag voller gegensätzlicher Eindrücke kam ich erst sehr spät zur Ruhe, so dass ich heute dem RAG mal wieder in Gänze Folge leisten konnte. Durch die ständigen morgendlichen Termine gab es dringenden Nachholbedarf. Beim nachmittäglichen Spätstücks-Porridge zeigte mir der graue Himmel draußen, dass ich nichts verpasst hatte. Nichtsdestotrotz machte ich mich kurz darauf auf den Weg, um wenigstens noch eine kleine Frischluftrunde bei Tageslicht drehen zu können, wobei der Ausdruck Tageslicht eine maßlose Übertreibung ist. Tagesgrau trifft es eher. 

Aber das Schöne daran ist, dass es trotz Novemberfeuchtkaltgrau immer noch viele Wesen gibt, die sich diesem Dauergrau widersetzen. Vor meiner Haustür sorgt ohnehin meine liebe Buddhine dafür, dass aus dem einjährigen Berufkraut ein Immerblüher geworden ist.

Auch unsere Novemberrosen blühen wie eh und je, auch die blaue Berg-Flockenblume strahlt noch. Das kann eigentlich nur auf Buddhine zurückzuführen sein, deren positive Aura einfach alles Graue überlagert.

Dank dieser Anregung hatte ich mir schon länger vorgenommen, mich nicht komplett dem Herbstblues auszuliefern, sondern weiter zu blühen und dem Blues damit eine schöne Melancholie zu verleihen.

In den Rheinanlagen fand ich dafür reichlich Unterstützung.

Schon der dortige Blühstreifen erfreute mich mit den Farben von Schmuckkörbchen, gelben Kosmeen, rauen Sonnenhüten, Garten-Zinnien und blauen Korbblumen, die sich allesamt ebenfalls weigerten, nach Grau zu konvertieren.

Selbst die vielen Dixi-Klos, die neuerdings dort stehen, erfreuten mich in strahlendem blau-weiß, so dass ich fast in Versuchung kam, sie mit einem meiner Fanschals zu dekorieren.


Der aufgestellte Holzhaufen, wie ich ihn vor dem Kleinen Deutschen Eck sah, ist wohl der Grund für die Dixi-Klos. Aus dem soll wohl mal ein Martinsfeuer werden, was aber ganz anders aussieht als zu meinen Zeiten.

Wir sind als Kinder noch selbst durchs Dorf gezogen, einen vom Bauer geliehenen Hänger im Schlepptau und haben im Dorf eingesammelt, was verbrannt werden sollte.
🎵Mir sammele füred Meerdesfeuer - ahle Manne oder e Bierd Strieh!🎶

Der Blick auf die falsche Rheinseite deutete an, dass das dortige Grau eindeutig eine viel trostloseres Schattierung hat als das hiesige.

Wie wichtig Satz- und Leerzeichen sind, wurde mir bei diesem Anblick bewusst:

Ob dort auf der Wiese viele Gänsen essen oder ein leckeres Gänseessen ansteht, ist ein himmelweiter Unterschied.

Auch entdeckte ich eine völlig neue Direktverbindung zum Runden Turm.

Dieser hatte sich zwar hinter zwei Bäumen versteckt, aber dass diese Treppe geradewegs zu ihm hinaufführt, ist nicht zu leugnen.

Da haben die Denkmalspfleger wieder mal Großartiges geleistet.

Nebenan war der Bausparkassenhund Leo nach langer Zeit endlich mal wieder zu hören. Er ist zwar weiterhin nicht mehr zu sehen, aber sobald sich irgendein Lebewesen der Grundstücksmauer nähert, hört er nicht mehr auf zu bellen.


Kurz vor dem Bollwerk begrüßte mich dann eine letzte Pusteblume, die sich dem Herbst nicht gebeugt hatte. Irgendein sehr junger Rennfahrer hatte sein Gefährt vor dem Tunnel abgestellt, war aber selbst nicht mehr zu sehen. Ich hoffe, er hat sich seinen Parkplatz gut gemerkt.


Mit diesem guten, bunten schön-melancholischen Gefühl lässt sich gut schlafen. Und lang.

13 Oktober 2024

Premierenlesung in Rengsdorf

Wer hätte gedacht, dass es über das kleine Rengsdorf so viel Interessantes zu erzählen gibt, dass es ein dickes Buch füllt? ICH hätte das gedacht. Denn die heutige Premierenlesung im Rengsdorfer Gemeindehaus machte niemand Geringeres als meine ehemalige Deutsch- und Geschichtslehrerin Marie-Luise Dingeldey.

Wir hatten uns im letzten Jahr nach 48 Jahren wiedergefunden, als sie mir im Schulportal stayfriends.de zum Geburtstag gratulierte. Seither sind wir in Kontakt geblieben und unser nächstes persönliches Treffen ist schon fest in der Planung. Mein KLB konnte heute wegen Rotzkotz leider nicht mit dabei sein und freut sich schon auf unser nächstes Zusammentreffen.

Die kurze Fahrt nach Rengsdorf  über die B256 verlief reibungslos und schnell. Ich war früh genug vor Ort, um mir noch einen Platz in der ersten Reihe sichern zu können, von wo aus ich mir mit meinen Ersatzohren ein zumindest akzeptables Hörverständnis erhoffte. Als sich dann die Reihen weiter füllten, mussten fleißige Helfer weitere Stühle dazu stellen, so groß war der Zuspruch.

Der Verkaufsstand für die Bücher hielt auch für alle Besucher kostenlose Getränke bereit und war schon vor dem Beginn der eigentlichen Lesung gut besucht. Als dann alle Besucher einen Platz gefunden hatten, ergriff Marie-Luise das Wort. Sie begrüßte das Publikum und den Neuwieder Bürgermeister Peter Jung, den es am heutigen Sonntag ebenfalls hierhin gezogen hatte.

In einer Zeitreise führte sie uns dann durch einige Kapitel der Gemeinde Rengsdorf und der Umgebung, denen ich mit Hilfe des frisch erworbenen Buchs in meinen Händen auch ganz gut folgen konnte.

Es waren vor allen Dingen die Geschichten der Menschen, die diese Zeitreise prägten. Vom Streit zwischen dem Grafen von Wied und dem Trierer Kurfürsten um die Herrschaft in Rengsdorf, über einen Pastor mit "Verfehlungen" und einige andere Menschen bot sich ein Bild der Geschichte aus Sicht der damals lebenden Menschen und nicht nur die Herrschergeschichte.

Mit etwas erkälteter Stimme legte sie dann eine Pause ein, in der wir uns mit Getränken versorgten.

Auch für einen Smalltalk und das Signieren ihrer Bücher fand sich Zeit. Nun darf ich mich zusätzlich über eine sehr schöne Widmung freuen.



Nach der Pause ging es weiter mit den Geschichten der Auswanderer, dem Deichbau in Neuwied und jüdischem Leben in Rengsdorf, um nur einige Punkte zu nennen. Kurzum, es war ein sehr schöner, interessanter und kurzweiliger Nachmittag, der Abstecher auf die falsche Rheinseite hat sich für mich gelohnt.

Dass ich hier dann auch meine frühere Musiklehrerin wiedergetroffen habe, war ein weiteres Highlight dieser Veranstaltung. Frau Neumann erinnerte sich noch an meinen Namen, auch weil Marie-Luise ihr von unserer Begegnung erzählt hatte. 

Es scheint aber fast so, dass ich damals das Fach Musik in der Oberstufe der neu eingeführten MSS abgewählt habe.

Ich denke, ich werde die alten Zeugnisse nochmal hervorkramen, auch auf das Risiko hin, dass ich bei deren Anblick meine Vergangenheit auf unrühmliche Art und Weise umschreiben muss.

Mein Schrittzähler hat am heutigen Tag sehr leiden müssen, aber mein Gott, Ausschlafen, Essen, Trinken, Lesungen besuchen, was soll ein freilaufender Rentner denn noch alles machen?! Mir hat dieser Tag jedenfalls sehr gut getan - und der Schrittzähler kann mich mal gern haben.

12 Oktober 2024

Von Samstagsritualen und Heimatbesuchen

Das samstägliche Frühstücksritual mit meinem KLB ist immer wieder eine Herzensangelegenheit - und der anschließende Marktgang immer wieder ein Genuss. Heute war bei Walli soviel Andrang, dass wir uns zuerst Achim und seinem Oliomobil widmeten. Der gute Oliommelier hatte sich gerade die Zeit genommen, um einen Blick in die Zeitung zu werfen, als wir beide den Käuferreigen eröffneten. Nachdem wir ihn mit ganz trübem Mariendistel- und Goldleinöl bewaffnet verließen, hatte sich wieder eine Schlange hinter uns gebildet. Qualität spricht sich halt rund.

Mittlerweile war die Schlange bei Walli deutlich kleiner geworden, so dass wir nach kurzer Wartezeit von der freundlichen Frau bedient wurden. Auch heute hatte sie mir vorsichtshalber ein saftiges Rindersteak zurückgelegt und vakuumiert, ich liebe Walli.
Später zu Hause musste ich beim Nachwiegen feststellen, dass sie sich vertan hatte und ich viel zu wenig bezahlt hatte. Das werden wir beim nächsten Mal wieder in Ordnung bringen. Während sie meinem KLB die Köstlichkeiten zubereitete, fiel mein Blick auf ein symbolträchtiges Federvieh. Einst hatte mein alter Held Hans Hartz, Gott hab ihn selig, ihr ein traurig schönes Lied gewidmet. 

Nun wird er sich freuen, wenn er von oben zusieht und entdeckt:

Sie sind nicht mehr müde, sie laufen und bald fliegen sie auch wieder.

Immerhin, sie laufen wieder!

Im Reformhaus meines Vertrauens bestellte ich auf dem Rückweg mein liebgewonnenes glutenfreies dunkles Rosmarin-Knäckebrot und war so rechtzeitig zu Hause, um der RME (Rentner-Mittagsschlaf-Empfehlung) ausgiebig nachkommen zu können, war ich doch heute Morgen bereits in aller Herrgottsfrühe auf den Beinen gewesen. Mit dem Lied von den weißen Tauben auf den Lippen dusselte ich gemütlich ein.

Auch nach dem Kaffeetrinken war mein Schrittzähler noch nicht zufrieden. Es zog mich zum wiederholten Mal in die alte Heimat, Heute traf ich auf meiner Runde Beate, hielt sie mit einem Schwätzchen von der Gartenarbeit ab und besuchte danach auf meinem Spaziergang meinen alten Jugendfreund Müs, den ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Die Freude über das Wiedersehen war beiderseits zu spüren und wir zwei Rentner hatten uns Einiges zu erzählen.

Ein Salatexperiment mit Dill und Schnittlauch bildete zu Hause den schönen Abschluss, um nach diesem blog-Eintrag heute mal etwas früher schlafen zu gehen. HACH!

08 Oktober 2024

Begegnungen mit Menschen und Schiffen

Die Begegnungen setzen sich fort. Der Austausch mit einem Nachbarsmädchen aus der Kindheit in den letzten Tagen weckte einige verloren geglaubte Erinnerungen, und auch heute sinnierten wir über Vergangenes.
Ich hatte mich auf den Weg in die alte Heimat gemacht, um beim Doc meine Pröbchen abzugeben. Dort lief mir Pit vor die Füße und berichtete nichts Erfreuliches von seiner Mutter, die ich vor drei Monaten noch besucht hatte. Das erinnerte mich daran, dass ich auch Karola zugesagt hatte, sie zu besuchen und so machte ich mich auf den Weg zu ihr. Sie (91) war gerade dabei, ihre Terrasse von allerlei Ranken zu befreien, die zu lang geworden waren. Gerne ließ sie sich von der Arbeit abhalten und freute sich über meinen Besuch.. Bei interessanten Gesprächen am Wohnzimmertisch präsentierte sie mir dann zwei wahr Schätze: Kopien von zwei großen Stammbaumskizzen, die 1910 angefertigt worden waren. Natürlich entdeckte ich darauf auch einige Verwandtschaft meinerseits und machte mir einige Notizen über weitere Zusammenhänge aus alter Zeit, die Karola noch aus dem Gedächtnis wusste. Faszinierend, wie schnell zwei schöne Stunden vorbeigerast waren, als ich mich wieder auf den Weg machte.

Den Rückweg wählte ich durchs Dorf vorbei an der Stelle, an der ein altes Haus gestanden hatte, über das ich auch mit Karola gesprochen hatte. Darin hatte ich als junger Kerl manche Stunden mit dem alten Herrn des Hauses verbracht. Nach seinem Tod musste die baufällige Hütte abgerissen werden und seine Enkelin baute an dieser Stelle etwas schickes Neues. Seit den 80ern lebt sie auch selbst darin, aber ich habe sie jahrzehntelang nicht mehr gesehen. Vorsichtshalber inspizierte ich die Klingelschilder uns stellte fest: Sie wohnt immer noch da. Wer kam mir fünfzig Meter weiter entgegen? Mit 2 ihrer Enkelchen im Kinderwagen strahlte mich ein freundliches Gesicht an, Gisela! Natürlich genau diese Enkelin des alten Herrn. Eine sehr schöne Begegnung, über die wir uns beide freuten und die Handynummern austauschten, um in Kontakt zu bleiben.

Weiter ging's zum Kirmesplatz, wo ich mein Auto geparkt hatte, als es unterwegs anfing zu regnen. In dem Moment kommt mir eine nette Frau mit Schirm entgegen, die ich vor ein paar Wochen bei ihrem Mann besucht hatte: Ellen! Die Gute beschirmte mich zurück zum Auto und wir hatten noch eine nette Unterhaltung.

Nach all den schönen Begegnungen schaffte ich es, rechtzeitig und stressfrei zu meiner Physio-Wohltat unter Natalies Händen zurück zu sein.

Beim anschließenden Abendspaziergang am Rhein gaben sich einige Berühmtheiten ein Stelldichein.

Johann Strauß meets Charles Bukowski!

Was machten Johann Strauß und der Andernacher Sohn Charles Bukowski denn nebeneinander am Rheinufer? Na klar sie beäugten die vor ihnen liegende Aurora und sangen gemeinsam: "Aurora mit dem Regenschirm!"

Hinter ihnen hatten sich Vaya con Dios ein Schiff gemietet und betrachteten das merkwürdige Geschehen vom Heck aus. Seit 2010 ankern sie dort und singen noch immer ihren Smash-Hit "Hey (Nah Neh Nah)". Jedenfalls hörte ich etwas sehr Ähnliches vom Rhein her klingen.

Diesen Tag konnte ich nur mit einem superleckeren Salat zu hause abschließen und werde mich nun noch ein wenig der Familienforschung widmen. Die neuen Erkenntnisse wollen verarbeitet werden.

06 Oktober 2024

Ein Tag in einem anderen Film

An Tagen wie diesen
fühlt man Unendlichkeit
An Tagen wie diesen
ist man Ewigkeit
und wünscht sich Endlichkeit.

In Abwandlung des alten Hosen-Songs passte es ziemlich genau auf den heutigen Tag. Nach all den schönen und interessanten Begegnungen und Eindrücken der letzten Tage war heute zwingend Ausschlaftag angesagt, Ganzlangschlaftag trifft es noch besser.

Nach dem Spätstück, also kurz vor der Kaffeezeit, fingen mein CI und mein Hörgerät gleichzeitig an zu spinnen und waren auch mit viel Gefummel nicht zur Rückkehr zum "normalen" Hören zu bewegen. Wobei mein "normales" Hören mit meinen Kunstohren ja schon ziemlich schräg ist. Sei's drum, dann hört es sich halt heute noch etwas anders an, dachte ich mir und verfolgte den Schluss der Zweitligakonferenz im bequemen Fernsehsessel. Das "Anders-Gefühl" hörte nicht auf. Am späten Nachmittag beschloss ich, nach Kaffee und Nussecke eine Frischluftrunde zu drehen, auf der ich mir vielleicht etwas Neues anschauen konnte. Dazu wählte ich zwei Orte in der Nähe aus, die ich beide kenne, deren direkten Verbindungsweg ich jedoch noch nie gegangen war.

Gesagt, getan. Ich parkte am Ortsrand und machte mich auf den Weg.

Dort hoch soll es gehen

Auf der ersten Anhöhe ein Blick zurück über die ganze Gegend.

Erster Blick zurück

Wie ich bereits wusste, wird zwischen den Orten heute noch viel vulkanisches Gestein abgebaut. und das war beiderseits des Wegs auch nicht zu übersehen.

Und weiter ging es mit dem Plan, zu erkunden, wo man beim nächsten Örtchen genau herauskommt. Zwischendurch kontrollierte ich mit dem Handy, ob ich mich noch auf dem richtigen Weg befand, weil mir heute alles irgendwie seltsam vorkam und die frische Luft mich bis hierhin noch nicht wieder zurück ins reale Leben geholt hatte. Auf der Anhöhe schaute ich mich mehrfach nach allen Seiten um, in der Hoffnung, meine Orientierung bestätigt zu finden.

Endlich entdeckte ich den Weg hinunter ins Nachbardorf.

Dessen Anblick stimmte jedoch nicht mit der Stelle überein, an der ich und Google Maps anzukommen glaubten. Ja, dann erst recht. Volle Kraft voraus.

Es war heute so diesig, dass der Satellitenempfang fürs Navi wahrscheinlich sehr ungenau war. Das wird es gewesen sein, dachte ich. Als ich jedoch vor dem Ortsanfang rechterhand den Friedhof entdeckte, wurde es sehr befremdlich. Denn den Friedhof dieses Ortes kannte ich - und der lag auf der anderen Seite des Orts. Da konnte ich gar nicht gelandet sein. Das konnte alles nur ein merkwürdiger Traum sein.

Einen Moment lang überlegte ich, ob ich umkehren soll. Hier stimmte doch was nicht! Wenn mir jetzt mein legendärer Urgroßonkel Naab entgegengekommen wäre, hätte es mich auch nicht mehr gewundert.

Erst als ich an dieser Wegbiegung zurückblickte, wurde mir klar:

Ich war wieder zurückgelaufen! Ein Blick auf Google Maps bestätigte: es gab keinen Rundweg, der mich hierhin hätte zurückführen können. Ich hatte mich wohl beim orientierenden Sichten der Ausblicke nach allen Seiten auf der Höhe versehentlich umorientiert und wieder auf den Weg zurück gemacht. Jetzt gab alles einen Sinn. Deshalb hatte das Lavawerk auch nach dem anderen Ort zu eine sehr ähnlich aussehendes Abbauwerk. Deshalb war mir der Friedhof so bekannt vorgekommen.

Tief durchatmen. Und zum langsamen Wiedereintauchen in die Realität eine kleine Runde im Örtchen drehen, bevor ich wieder heimfahre. An der Kreuzung im Ort schaute mich dann unverhofft dieses Basaltbild an.

Ich tippe mal, irgendein Heiliger trägt irgendwen Kleines über den Hades. Und der Kleine zeigt mir mit der Rechten fröhlich das Peace-Zeichen.

Schnell weiter. In der alten Gasse fand ich natürlich den Hof meines Großonkels nicht wieder, das passte irgendwie alles zu diesem seltsamen Tag. Aber zumindest fand ich den Hof seiner Nachfahren  und mein Schrittzähler war auch zufrieden. Nach soviel frischer Luft und Bewegung war Ende auch der Kopf wieder etwas klarer. Diese Dinge im blog niederzuschreiben hilft übrigens auch dabei, das surreale Gefühl wieder in die Schranken zu weisen.

Und ein Abendessen mit Wallis Rindersteak und einem bunten Batavia-Rucola-Mausuhr-Basilikum-Petersilie-Paprika-Oliven-Radieschen-Salat mit der Leindotter-Senf-Estragon-Limetten-Sauce hat mich endgültig wieder ins reale Leben zurückgeholt. HACH!