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05 September 2024

Murphys Rache

Den RE5 um 10:28 planmäßige Abfahrt in Andernach hatte ich mir für meinen heutigen Wuppertrip ausgesucht. Der Regionalexpress fährt durch bis Düsseldorf, von dort kommt man mit dem RE13 schnell nach Wuppertal. 11 Minuten Umstiegszeit dürften ja reichen, um von Gleis 17 auf Gleis 7 zu kommen. Und um 12:31 wollte ich tiefenentspannt in Wuppertal aussteigen und dort meine Sachen erledigen.

Ich hatte auch schon ausgekundschaftet, dass um 18:25 die letzte entspannte Reisemöglichkeit zurück besteht, RE13  bis D'dorf, RE5 nach Hause, also die gleiche Route wie auf der Hinfahrt.

Das war der Plan.

Aber mal ganz von vorne. Ales erfahrener Bahnreisender weiß ich natürlich, dass so etwas nie funktioniert (wenn man nicht gerade mit Gaby unterwegs ist). Beim momentanen Bahn-Chaos wäre es schon ein Wunder gewesen, wenn der ausgesuchte RE5 heute Morgen pünktlich in Andernach abfahren würde. Ich fuhr trotzdem früh genug los, um auf dem Bahnparkplatz ein Plätzchen zu finden, von dem aus man direkt auf den Bahnsteig gelangt. Neulich hatte ich erst gesehen, dass dort viele Plätze frei waren. Nur leider heute nicht. Nach einer erfolglosen kleinen Rundfahrt fuhr ich weiter zum REWE mit dem Riesenparkplatz, denn dort wollte ich bei meiner Rückkehr eh noch einkaufen. Die Uhr begann  hier bereits merklich schneller zu laufen.  Zum allerersten Mal, seit ich in Andernach wohne, erlebte ich Donnerstags um 10:15, dass der ganze REWE-Parkplatz lückenlos belegt war. Spätestens an diesem Punkt wusste ich, dass sich meine Vorahnung bestätigen würde: Murphys Rache war heute fällig. Er hatte die ganze letzte Woche gegen Gabys Beziehungen zum Universum keine Chance gehabt und sowas lässt der nicht einfach auf sich sitzen. Nicht mein Murphy.

Ich hatte Glück, dass nach einer erfolglosen Umrundung plötzlich eine junge Frau vor mir rausfuhr und ich doch noch einparken konnte. Da sich die Zeiger der Uhr dabei noch schneller gedreht hatten, hechelte ich mit meinem gefüllten Rucksack schnell zum Bahnhof, wo der RE5 gerade einlief, als ich den Bahnsteig betrat. Der wahrscheinlich einzige pünktliche Zug dieses Tages. Pooh!
Meine BahnApp zeigte im relativ leeren Zug(!) auf einem Sitzplatz(!) an, dass wir Düsseldorf mit nur 2 Minuten Verspätung erreichen werden. Oder eher würden?

Es begann in Brohl mit 2 Minuten Verspätung und wurde während der Fahrt mit immer wieder eingelegten ungeplanten Stopps auf offener Strecke schnell ausgebaut. Völlig überraschend fanden unterwegs Bauarbeiten und damit verbundene Umleitungen anderer Züge statt, was stets von der Lautsprecherdurchsage kommentiert wurde. "...  weil der vor uns liegende Streckenabschnitt nicht frei ist. Wir bitten um Verständnis."

In Brühl waren es dann 16 Minuten Verspätung und es war klar: Der Anschluss in D'dorf wird nicht mehr klappen. Nach dem wiederholten Konsultieren meiner schlauen BahnApp beschloss ich, Murphy ein Schnippchen zu schlagen, wie schon so oft. Ich würde in Köln umsteigen. Aber nicht im Hauptbahnhof, sondern in Deutz. Die dort verkehrende Regionalbahn RB48 hatte lt. App bereits 48 Minuten Verspätung, der Umstieg sollte für mich klappen.
Umstiege in Köln Hbf. sind nämlich immer sehr problematisch, weil kaum ein Zug auf dem geplanten Gleis abfährt. Und Köln Hbf hat viele Gleise. In Deutz gibt es nur 3 Bahnsteige mit 6 Gleisen. Das spart viele Meter Fußweg. Gerade als ich diesen Entschluss gefasst hatte, blieb der Zug direkt vor dem Kölner Hauptbahnhof stehen und wir hörten zum x-ten Mal ...  weil der vor uns liegende Streckenabschnitt nicht frei ist. Wir bitten um Verständnis."
Murphy musste irgendwie mitgekriegt haben, was ich vorhabe. Minuten vergingen. Ein jüngerer Mitfahrer wirkte sehr verunsichert. Er studierte ständig den ausgehängten Netzplan der Bahn und schien sich damit überhaupt nicht auszukennen. Er fragte mich freundlich, ob ich wisse, wie er denn nun am besten nach Dortmund käme. Die geplante Anschlussverbindung wäre weg und er wolle halbwegs pünktlich zum Familientreffen dort erscheinen. Ich suchte ihm auf der App einen RE aus, der hier ab Köln Hbf. direkt nach Dortmund fährt und er bedanke sich erleichtert. Weitere 10 Minuten Standzeit später registrierte er, dass wir nun auch dafür zu spät waren und meinte hoffnungsvoll: "Der wird ja vielleicht auf uns warten." Ich konnte einen spontanen Lachkrampf nicht ganz unterdrücken und erklärte ihm das unvermeidliche Scheitern seiner Pläne.

Dann fuhren wir ein, ich blieb sitzen und stieg erst beim nächsten Halt in Köln-Messe/Deutz aus, wo auf dem gleichen Bahnsteig, auf dem wir einfahren, auch der verspätete RB48 einlaufen sollte. Da dieser dann mit noch größerer Verspätung um 12:17 in Deutz ablegte, gelang mir der Umstieg problemlos.

Für einen kleinen Moment überlegte ich beim Anblick des Displays, ob ich nicht doch auf den ebenfalls angezeigten Regionalexpress warten soll, der RE7 würde mich schneller an die Wupper bringen. Ich hatte den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, da änderte sich die Anzeige.

RE7 fällt aus!

Also alles wie immer. Ich war nicht der Einzige Betroffene, ein paar Clübchen älterer Damen (also in meinem Alter) irrten auf dem Bahnsteig umher und freuten sich mit mir, als der RB 48 endlich einlief und wir sogar Sitzplätze darin fanden. Ich würde nur wenig später als geplant in Wuppertal ankommen, dank meiner klugen Umdisposition. HA!

Der Zug fuhr dann tatsächlich los, nachdem wir noch einige weitere Verspätungsminuten beim Warten im Bahnhof addiert hatten. Und nach nur wenigen Minuten Fahrt verkündete der Lautsprecher, dass die RB48 heute leider nur bis Solingen fahren können und wir alle dort aussteigen müssen. Im Zug etwa gleich viele genervte wie lachende Gesichter. Sofort checkte ich in meiner Bahn-App, dass wir bereits in Opladen auf Gleis 2 ankommen und von dort mit einem RE, der mit noch größerer Verspätung unterwegs ist, weiterfahren können. Also, geht doch!

Kurz vor Opladen wies die Bahn uns noch darauf hin, dass es dort ein WC gibt

und das man dort auch anhält.

Ich bewegte mich schon zum nächsten Ausstieg, wo mir jedoch Murphy zuvor gekommen war.

Ok, nächste Tür, und schwupp war ich draußen.
Auf dem gegenüberliegenden Gleis am Bahnsteig stand bereits ein Zug, ob das schon unser RE war?
Dann ein Blick aufs Display:

Der RE7 würde heute ausnahmsweise auf Gleis 5 abfahren!

Ich sprintete die Treppe hinunter, um dort festzustellen, dass ich bereits auf Gleis 5 war. Wir waren auf Gleis 4 angekommen und nicht, wie geplant, auf Gleis 2.

Also hurka hurka wieder hoch und einfach in den dort wartenden Zug eingestiegen. Kurze Frage an die dort sitzenden Passsagiere: Fährt der nach Wuppertal? Einstimmiges Nicken rundherum, geschafft!

Dann stehen wir dort eine Weile und warten aufs - ja worauf eigentlich? Mein Mitfahrer Richtung Dortmund steht plötzlich wieder vor mir. Sein Anschlusszug in Köln Hbf hatte nicht auf ihn gewartet. HA! Ich frage ihn nicht, auf welch verschlungenen Wegen er nun im RE nach Rheine sitzt.

Nach 20 Minuten im stehenden Zug sehen und hören wir, dass jetzt auf Gleis 4, also dort, wo wir mit der RB48 vor einer halben Stunde ankamen, nun doch die nächste RB 48 abfahren soll. Diese war uns in Deutz als ausgefallen mitgeteilt worden. Hmmh, was tun? Meine Mitfahrerinnen überlegen, ob sie nicht aussteigen und mit der RB fahren sollen, jedoch nach meiner Warnung "Das ist eine Falle!" bleiben wir alle sitzen. Eine Minute später fährt unser Zug los.

Ich habe eine nette Unterhaltung mit der Dame gegenüber, die doppelt so viele Jahre auf der Stadtverwaltung verbracht hat wie ich, allerdings in Aachen. Danach ist sie wg. der Familie nach Leverkusen gezogen und dort ist es nicht so schön. Aber sie ist viel mit der Bahn unterwegs und kann auch über den ganzen WirrWarr entspannt lachen.  Nach dem Austausch unserer Bahnerlebnisse beantworte ich ihre Frage, ob sich Andernach für einen Besuch lohnt, sehr ausgiebig und positiv. Ich denke, ein Wochenende mit ihrem Damenclübchen könnte draus werden.

Wir erreichen Wuppertal eine Stunde später als ich es geplant hatte und wir verabschieden uns vor dem Bahnhof nett, denn die Leverkusener Dame macht auch einen Besuch an der Wupper, einen Familienbesuch.

Da ich nun alle Zeit der Welt habe, schwebe ich erst mal gemütlich zum Hotel, um dort meine peinlichen Schulden zu begleichen. Silvia und Frankie de Palma erwarten mich bereits auf dem sonnigen Balkon und begrüßen mich sehr herzlich. Das sind wirklich tolle Menschen hier. Nachdem ich Frank zum Geburtstag gratuliert habe und wir uns angeregt unterhalten haben, mache ich mich wieder auf den Weg, nicht ohne eine genauso herzliche Verabschiedung von den beiden.

Ich besuche den Glücksbuchladen und bringe Frau Hardenburg weitere Exemplare unserer Kurzgeschichtensammlungen vorbei, die lt. ihrer Aussage letzte Woche sehr gerne mitgenommen werden, vor allem bei Lesungen. Sie regt wiederholt an, dass auch für unsere Kurzgeschichten einmal jährlich ein passendes Lesungs-Format von ihr veranstaltet wird. Ich werde das am nächsten Kursabend zur Diskussion stellen.

Für die geplante Verabredung zum Familientreffen schicke ich Claudia eine WhatsApp und warte auf Antwort. Vergeblich. Ungewöhnlich. Derweil verspeise ich eine leckere Reis-Hühnchen-Gemüse-Bowl und schaue mal vorsichtshalber in die BahnApp wg. meiner Rückfahrt. Resumee: Claudias Handy ist ihr just heruntergefallen und war zur Reparatur, wie sie mir schreibt, als ich schon wieder in der Bahn sitze. Denn sowohl meine gut geplante Rückfahrt um 18:25 als auch die gleiche Verbindung eine Stunde vorher finden nicht statt. Wegen Personalmangel fahren diese Züge heute nicht mehr. Aber eine weitere Stunde vorher steht noch alles als funktionierend in der App. 16:25 ist angesagt. Huch, das ist ja gleich. 

Also ab auf den Gleis 1, wo sich quälend viele Menschen einfinden. Die wollen doch nicht alle mit dem RE13?! Kurz darauf ändert sich die Anzeige und man schiebt die verspätete RB 48 vor. Allerdings heute ausnahmsweise auf Gleis 3. Völkerwanderung setzt ein.

Wieder einige Minuten später zieht man die RE7 vor, die bereits 1:20 Std. Verspätung hat. Ok, geht auch, bis Düsseldorf und dann umsteigen. Falsch gedacht - sofort erscheint im Display:

Heute nur bis Opladen!

Mittlerweile hat sich der Bahnsteig wieder sehr gefüllt, das könnte haarig werden. Aber es klappt gut. Ich bekomme einen Sitzplatz im Gang, wir erreichen schnell Düsseldorf, wo ich an Gleis 16 auf meinen letzten RE nach Hause warte.

Auch auf diesem Bahnsteig warten Massen von Menschen auf genau diesen Zug.

Kurze Verwirrung entsteht, als man auf der Anzeige 2 Züge von Gleis 15 und 16 tauscht, aber meiner ist nicht dabei. Im Obergeschoss des Doppeldeckers finde ich einen Sitzplatz und von da an läuft alles ziemlich normal. Ok, den Halt in Sinzig lässt man heute einfach mal ausfallen, aber am Ende steige ich mit nur 10 Minuten Verspätung in Andernach aus und bin zufrieden, dass ich mich mit dem rachsüchtigen Murphy doch so arrangieren konnte..

So zufrieden spazierte ich heute Abend noch einen schönen Gang in der luftigen Rheinanlagen  und erfreute mich an den Wolkenbergen und an einer Lesepause mit meinem nächsten interessanten Buch.


02 September 2024

Zwei im Glück auf dem Weg zurück

Der Abreisetag war viel schneller gekommen, als wir es uns gewünscht hatten. Dank Gabys gutem himmlischen Draht zum Wettergott hatten wir eine schöne Woche, dank ihres offensichtlichen Einflusses auf Murphy liefen alle Bahn-, Bus- und Schwebe-Fahrten so reibungslos, wie ich es selten erlebt habe. Sogar die Fußgängerampeln hörten sehr oft auf ihre telepathischen Anweisungen und sprangen auf grün, sobald wir uns näherten. Das kriege ich niemals hin. DANKE, Gaby!

Da der einzige durchgehende Zug zurück erst nachmittags verkehrt, hatten wir nach dem Frühstück Zeit genug, um ein letztes Stadtschweben nach Elberfeld anzugehen. Überhaupt, das Frühstück! Wir hatten uns am Ende des Urlaubs so toll eingependelt, dass wir gleichzeitig zum Frühstück erschienen und somit erstaunte Blicke ernteten, positiv erstaunte wohlgemerkt. Am Eingang zu dieser mächtigen Einkaufsmall trennten sich unsere Wege. Gaby verzichtete mutig auf meine fachmännische, geschmackvolle Beratung beim Textilkauf.

Kirche am Kolk

So verbrachte ich etwa eine halbe Stunde damit, die monströs große Mall auf kleinen Sträßchen und Gassen zu umrunden und mir die weniger belebten Orte zu erwandern.

Viele interessante kleine Läden und Kneipen gab es hier zu sehen. Ebenso eine der vielen Kirchen, die lutherische Kirche am Kolk. die bereits 1752 eingeweiht wurde.

In der nächsten halben Stunde machte ich das Gleiche auf der anderen Seite der "Alten Freiheit", und auch hier gab es einiges Interessantes zu entdecken.

So z.B. das Armenpflegedankmal vor der Alten Reformierten Kirche Elberfeld, Das Denkmal wurde 1903 fertiggestellt, die heutige City-Kirche wurde 1953 nach dem Krieg wieder aufgebaut, ihre älteste Vorgängerkirche an diesem Platz wurde etwa 955 fertiggestellt.

City-Kirche
Armenpflegedenkmal

Als ich nach etwa einer Stunde wieder am Eingang der City-Arkaden stand, wurde es eine Punktlandung. Eine strahlende blonde Frau kam mir mit gefüllter Tasche entgegen und zeigte mir beim Cocktail am Marktplatz stolz ihre tollen Neuerwerbungen. Die Frau hat Geschmack!

Für unser letztes gemeinsames Mittagessen einigten wir uns schnell auf das einzig passende Lokal.

Nicht Hans, sondern ZWEI im Glück

Am Rand des Hardtwalds

Ein letztes Schweben zurück zum Hotel am Rand des Hardtwalds, dessen grünen Hang ich unbedingt noch einmal im Bild festhalten wollte. Unser Zeitplan war auch heute wieder perfekt, völlig stressfrei. Nach einer letzten Pause in den bequemen Sitzen des Foyers hatten wir das Glück, dass uns der Chef (aka Frankie dePalma) persönlich zum Bahnhof kutschierte. Wir verabschiedeten uns herzlich von diesem tollen Gastgeber. Was passiert, wenn man die Barzahlung der Hotelrechnung vertrauensvoll entgegennimmt und nicht sofort nachzählt, stellte sich dann heraus, als mich eine Nachricht auf dem Handy erreichte, während wir schon im Zug nach Hause saßen.

So hochnotpeinlich, dass ich das umgehend wieder korrigieren und die Gelegenheit nutzen werde, diese Woche noch einen Tagestrip an die Wupper zu unternehmen.

Kleckerhannes, Stolpervogel und Tagträumer in Einem, das macht mir so leicht keiner nach.

Unser Zug kam nur mit einer unwesentlichen Verspätung von etwa einer halben Stunde in Andernach an, wo meine Begleiterin wenig später vom weiblichen Teil ihrer Familie freudig begrüßt wurde.

Mit der Vereinbarung, dass wir diese schöne Tour auf jeden Fall wiederholen werden, trennten sich für heute unsere Wege mit einem guten Gefühl. HACH!

Nach dem Auspacken nutzte ich den Abend, um noch ein paar Schritte bei Vater Rhein zu machen. Und ja, ich habe noch alles wiedererkannt. Ein schöner Ausklang eines schönen Kurzurlaubs.

Westblick am Abend

Ostblick am Abend

01 September 2024

🎵Lazy sunday afternoon ... 🎶

Unser Sonntag(=Schontag) begann mit einem gemütlichen, leckeren und sogar gemeinsamen Frühstück. Meine Freundin hat sich ein wenig mit dem RAG angefreundet und muss nicht mehr mitten in der Nacht frühstücken. Ich hingegen arbeite daran, das Frühstück schon vormittags einzunehmen, so haben wir nach ein paar Tagen einen gesunden Kompromiss gefunden.
Und auch nach einem solchen Frühstück kann man sich eine kleine Pause gönnen, ja!

Mit einem sehr flexiblen Zeitplan schwebten wir anschließend wieder einmal über die Wupper, was zu einer von Gabys Lieblingsunternehmungen geworden ist. Außerdem ist sie mittlerweile so stadtkundig, dass ich mich ganz ihrer Führung anvertrauen konnte.

Auf dem Laurenz machten wir den ersten Stopp, um uns bei kalten Getränken niederzulassen. Wir hatten insofern Glück, dass das Sinfonieorchester seinen Auftritt schon beendet hatte und sich die Bühne bereits im Abbau befand.

Ende der Sinfonie vor den Laurenz-Türmen

Lt. Gaby ein "Tagträumer"
















Zum Mittagessen besuchten wir Gabys zweiten Lieblingsort: Das Katzengold. Pünktlich hatte gerade  jemand für uns Platz gemacht, so dass wir auch heute draußen einen freien Tisch fanden. Auf der täglich wechselnden Tageskarte wurden wir schnell fündig und genossen ... ratet mal, was?

Als wir uns später im Hotel kurz erfrischt hatten, stand wenig später bereits ein weiterer Schwebeausflug bevor. Nicht ohne eine sehr herzliche Verabschiedung von Silvia landeten wir in der Wuppertaler Brauerei, wo ich Gabys sympathischen Cousin Ralph kennenlernen durfte, der bereits auf uns wartete. Auch hier war es wie immer in den letzten Tagen, die schönen Stunden verflogen wie im Flug, und schwupps schwebten wir wieder ins also-Hotel zurück, um den letzten Abend mit Ausruhen zu verbringen.

Marino spreizt die Flügel

Obwohl wir uns nur sehr wenig bewegt hatten, zeigte der Schrittzähler wieder mehr als gewöhnlich an. Wuppertal scheint eine Entschleunigungszone für Menschen und gleichzeitig eine Beschleunigungszone für Schrittzähler zu sein.

Eben fällt mir auf, dass ich noch ein Foto aus dem Botanischen Garten übersehen habe.
Bei unserem dortigen Besuch am Donnerstag hatte sich in einer unserer Trink- und Lesepausen auf einer schattigen Bank der kleine Marino zu mir gesellt und wollte gar nicht mehr von mir lassen.

Wie schön, dass Gaby dies im Bild festgehalten hat. HACH!

31 August 2024

Neues aus dem Reich der Tiere

Dass es heute ein Tag mit vielen Tieren werden würde, konnten wir beim morgendlichen Frühstück noch nicht ahnen. Gaby war ausnahmsweise vor mir im Frühstücksraum, leistete mir dann aber netterweise noch Gesellschaft.

Unser Morgenausflug führte uns an die Utopiastadt im alten Mirker Bahnhof, der derzeit eine große Baustelle ist. Und so spazierten wir von dort aus auf der Nordbahntrasse, wo heute bereits einige Fußgänger, Jogger, Skater, Roller und Radfahrer unterwegs waren. Am Wegesrand sind Dankes-Plaketten für alle Meterspender eingelassen, die dieses tolle Projekt durch finanzielle Unterstützung ermöglicht haben. Darunter auch einige bekannte Namen.

Die ehemalige Bahntrasse wurde mit viel ehrenamtlicher Hilfe umgebaut und 2014 feierlich eröffnet. Wir gingen u.a. durch den 171 Meter langen Engelnberg-Tunnel und bewunderten immer wieder allerlei Interessantes am Wegesrand. Ein Privatmann hatte seinen dortigen Garten zu einem witzigen Wimmelbild umgestaltet, bei dem einem bei jedem Blick wieder etwas Neues auffiel. Viele verschiedene Tiere wohnten in diesem Garten, vom Teddybär bis zum großen Fisch.

Beim Ausstieg aus der Trasse am Café Tacheles standen wir leider vor verschlossener Tür. Hier hat man den Café-Betrieb schon im letzten Jahr eingestellt. Aber schön zu lesen, dass auch hier kein Ort für Nazis ist, sondern dass man sich lieber weiter mit Beratungsstunden sozial engagiert. 

Nach einem kleinen Fußweg bergab schwebten wir ins Luisenviertel, um dort festzustellen, dass der Italiener, den Frank uns empfohlen hat, nur abends geöffnet hat. Aber kein Problem, an Lokalen mangelt es hier nicht.

Am Café Laurenz stärkten wir uns mit einem schmackhaften und trotzdem günstigen Mittagstisch. Das Sinfonieorchester hatte bereits angekündigt:"Wir spielen wieder", so stand es auf dem großen Plakat vor der Bühne am Laurentiusplatz. Als die Abstimmung der Mikrofonanlagen abgeschlossen war, wurde es auch wieder herrlich ruhig.

Für den Nachmittag hatten wir uns auf ein riskantes Unterfangen eingelassen. Frank hatte uns eingeladen, ein sehr wichtiges Fußballspiel bei ihm zu Hause mit anzusehen, spielten doch seine Jungs gegen meine Jungs. Und er hatte mich vorgewarnt, dass er so richtig Fan ist. Bin ich aber auch. Hmmh. Silvia befürchtete, dass es Mord- und Totschlag geben wird. Aber wir verstehen uns außerhalb des Fußballs so gut, dass ich diese Einladung gerne annahm.

Da meine Jungs dieses Heimspiel gegen die Fohlen vom Niederrhein natürlich gewinnen würden, hatte ich mir schon einen Fluchtplan zurecht gelegt für den Fall, dass Frank die Machete zücken würde. Gaby stellte sich außerdem als menschlicher Beruhigungspuffer zur Verfügung, um Schlimmeres zu verhindern. Leider entpuppten sich beide Teams im Torabschluss nicht gerade als Effektivitätsmonster, zudem war ich in der Unterzahl, da Frank auch seinen Sohn Luki zu einem Fohlen-Fan zwangserzogen hat. 2:1 also vor dem Fernseher - und Gaby war der Doppelpunkt.

Um es kurz zu machen: Ich möchte an diesem Wochenende nicht mehr über Fußball sprechen!

Lucky Luke & Lucky Frankie

Knock-out? No!

Nachdem ich den beiden zum verdienten Sieg gratuliert hatte, wurde es Zeit, die Fliege zu machen.  Sonst hätten die beiden sich noch weiter über dieses Spiel ausgelassen und das muss ja nicht sein.

Ich versuchte Frankie beim Abschied noch mit der Faust zu maßregeln, aber der Kerl lachte nur in einem fort - und wenn einer lacht, muss ich am Ende mitlachen und bin hilflos ausgeliefert.

Nach einer kurzen Erholungspause im Hotel beschlossen wir, den Tag mit etwas Schweben und ein paar Schritten zu beenden. Nach einem kurzen Abstecher nach Oberbarmen zog es und dann doch schnell nach Elberfeld. Während des Schwebens hatte ich noch Gelegenheit, Gaby das kleine Tuffi-Denkmal kurz vor der Adlerbrücke zu zeigen.

Der kleine Elefant Tuffi, wo er leibte, stürzte und überlebte

In Elberfeld wurden wir noch kurz vor Schließung im Rossmann fündig und füllten unseren Getränkevorrat auf, entdeckten total schicke Anziehsachen in einer großen Mall (ich nicht!) und seufzten zurück im Hotel tief, als wir feststellten, dass morgen bereits Sonntag ist und unser schöner Aufenthalt bald zu Ende geht.

Wir kommen wieder!

30 August 2024

Ruhetag mit Mut zur Lücke

Einen richtigen Ruhetag hatten wir uns für heute vorgenommen, denn die bisherigen Versuche hatten stets mit 5-stelligen Schrittzahlen auf dem Tourenzähler geendet. Es gelang uns heute sehr gut, soviel sei vorweg gesagt.

Ich hatte mir bewusst heute Morgen etwas mehr Zeit gelassen, um meine Begleiterin nicht um den wohlverdienten Schlaf zu bringen (man denke auch an das RAG!). Dann musste ich feststellen, dass sie mir eine halbe Stunde vorher bereits Eichhörnchen-Suchbilder aus dem Nachbargarten zugeschickt hatte und bereits ohne mich am Frühstückstisch saß.

Durch die Fenster unserer Hotelzimmer blicken wir direkt auf den Hang des Haardtwalds hinter dem Haus und dort tummelt sich wunderbarerweise oft viel Getier. Ich huschte nach unten und wir konnten so noch einen Teil des Frühstücks gemeinsam einnehmen. Nach einer langen Lese-, Dös- und Computerpause machten wir uns zur Kaffeezeit auf einen kleinen Weg. Zuerst zum immer wieder interessanten Bücherladen direkt um die Ecke, bei dem dem die Inhaberin mit dem Aufkleber [Mut zur Lücke] auf der Eingangstür direkt ins Schwarze traf. Sie heißt übrigens Jutta Lücke.

Mut zur Lücke

Natürlich wurden wir beim Stöbern fündig und ich schaffte es, mit nur zwei tollen Büchern aus dem Antiquariat wieder hinaus zu gehen. Na gut, auch ein paar witzigen Karten und Wuppertalbildern konnten wir beide nicht widerstehen.

Über die kleine Brücke an der Kornmühle wupperten wir hinüber, um einige Schritte weiter im Bella Ciao Platz zu nehmen. Eine kleine Wagenradpizza Quattro irgendwas und ein Champignon-Spinat-Gratin mundeten uns wunderbar, der Espresso danach war vorzüglich.

Die letzte Etappe für heute bildete der kleine Fußweg zum DM, wo wir uns mit Getränken und Snacks versorgten. Irgendwas an den Getränken muss wohl sehr inspirierend gewesen sein, denn das Landgericht an der gleichnamigen Schwebebahn-Station sah heute irgendwie seltsam anders aus.

Als wir dann heimwärts schwebten, war alles wieder normal. So waren wir wenige Minuten später zurück am Hotel und staunten nicht schlecht beim Blick auf die Uhr. Obwohl wir fast nichts gemacht hatten, waren viele Stunden vergangen und der Abend wurde bereits eingeläutet. Ein schöner Abend, den wir nach einem netten Smalltalk mit Good Old Young Frankie nun langsam beenden. HACH!

29 August 2024

Von Elisa Botanica zum Katzengold

Heute Morgen war kein Morgen wie jeder Andere. Ich ließ alle Rentner-Ausschlaf-Gesetze außer Acht und stand auf, als ich wach und fit war.

Und was sah ich, als ich auf dem Frühstücks-Balkon des Hotels ankam:
Gähnende Leere.
Meine Reisebegleiterin arbeitete wohl fleißig daran, den Beinamen Schlafmütze zu bekommen. Unglaublich!

Wieder einmal musste ich sie aus dem Tiefschlaf reißen, denn offensichtlich bekennt sie sich jetzt plötzlich zu den RAGs.

Wir blieben jedoch unserem Grundsatz treu und genossen ein langes, leckeres Frühstück, dass uns von Silvia und Alav, den beiden lieben Hotelfrauen, angerichtet wurde.

Anschließend bedurfte es nur einer kurzen Pause auf den Hotelzimmern, bevor wir uns auf den Nommensen-Weg machten.

Klar, der Besuch auf der Elisenhöhe MUSS sein, wenn man schon mal an der Wupper ist. Wir erfreuten uns beide an der Viertelstunde Fußweg durch den Waldhang, die Temperaturen waren angenehm, die Luft war frisch und gut zwischen all dem Grün.

Als ich Gaby dann durch den Botanischen Garten führte, war sie genauso angetan wie ich es immer hier oben bin. Die florale Vielfalt ist einfach toll. Vom umwachsenen Baum bis zu unserer Pause am Libellenteich gefiel uns schon der Start genauso wie der schön angelegte Heilpflanzen- Garten.

Los Latschos Libellos Maritimos

Pflanzen mit seltsamen Bezeichnungen tauchten überall auf, die beiden folgenden Exemplare seien nur beispielhaft genannt.

Die Scheinkamelie
Der Erdrauch
















Zwischendrin solche Kleinode wie dieser kleine grün zugewachsene Teich.

Als wir vom Botanischen Garten in den Haardt-Park spazierten, bot sich uns eine solche bunte Pracht, dass wir staunend auf einer schattigen Bank Platz nahmen und einen ganze Weile einfach nur die Schönheit und die entspannte Atmosphäre genossen.

Mit einem letzten Blick auf den Turm machten wir uns auf den Weg zurück und wunderten uns darüber, wie viel Zeit bei unserem kleine Ausflug bereits vergangen war.

Bergab ließ sich der Nommensen-Weg noch einfacher gehen als bergauf, und unterwegs hatten sich Joel, Dilan, Theodora und Antonio vor dem Bolzplatz mit Basketballkörben auf der Straße verewigt.

Und Nazis werden auch gestoppt!

Das Mittagessen war bereits überfällig. Nach einigen guten Tipps vom Hotelchef Frank machten wir uns wieder auf den Weg und schwebten ins Luisenviertel. 

Da wir ich zu dämlich war, den Italiener zu finden, den Frank uns sogar auf dem Stadtplan eingezeichnet hatte, freuten wir uns, als wir vor dem Katzengold schon wieder einen der seltenen freien Plätze fanden.

Wir wurden auf der umfangreichen Tageskarte fündig. Sowohl das Schweine-Scharmützel als auch der Seelachs mit Feigen und Linsen waren ein rechter Genuss. 
Die Rhabarber-Schorle, die Holunder-Bionade und der anschließende Espresso Macchiato mundeten ebenfall sehr. 

Und wo findet man sonst ein Gasthaus mit solch lieben Aufklebern an dem Türrahmen und so schöner Bemalung auf den Klopapierspendern der Toilette?

Ok, die Kenntnis von der Zahl aller Zahlen, der 42, hat sich auch noch nicht bis an die Wupper verbreitet. Aber ich gebe den jungen Künstlern noch Zeit zum Üben. 263, tzz tzzz ...

Und wieder war es unglaublich, wie schnell die Zeit rast, wenn es am Schönsten ist. Auf dem Weg zur Schwebebahn besuchten wir noch den schönen glücksBUCHladen von Kerstin Hardenburg, die mir zum wiederholten Mal berichtete, wie gerne unsere letzen Kurzgeschichtensammlungen mitgenommen wurden, die wir bereits mehrfach bei ihr auslegen durften. Zwei Stück hatte ich noch im Rucksack, die ich ihr gerne aushändigte. Natürlich wurde ich auch fündig und erwarb mit "Klara und die Sonne" einen vielversprechenden Roman mit einem sehr aktuellen Thema.

Als wir danach wieder zurück ins Hotel schwebten, waren unsere Schrittzähler wieder im fünfstelligen Bereich angelangt und wir ließen den Abend dementsprechend sehr ruhig und schön  auf dem Balkon ausklingen.

Nicht vergessen möchte ich den BO, der uns auf dem Weg vom und zum Hotel stets die gleiche tolle Botschaft vermittelt. Und ebensowenig möchte ich das gestrige Foto vom Tippen-Tappen-Tönchen unter den Tisch fallen lassen, das einfach zu Wuppertal gehört.

Die Treppe aller Treppen
Live Young Die Old