09 Oktober 2017

Skippy zum Dritten

Oh Mann, es ist vollendet, das Buch fertig gelesen. Ich muss meine erste Einschätzung noch einmal korrigieren. Es geht nicht nur um eine Jugend in einem Dubliner Internat, es geht um mehr.
Es geht um Wahrheit und Lüge, um Freundschaft und Liebe, um die tausend Dinge, die dazwischen liegen und um die sich unser eigentliches Leben dreht, tagtäglich. Nämlich um vermeintliche und richtige Wahrheiten und gute und schlechte Lügen, um falsche und richtige Freundschaften und wahre und enttäuschte Liebe. Es geht um den vermeintlichen Sinn des Lebens, der sich als niederschmetternde Fälschung erweisen kann. Es geht einfach um alles.
Obwohl Skippy schon auf den ersten Seiten stirbt, befasst sich das ganze Buch mit dem Weg dorthin, kommt irgendwann bei Skippys Tod wieder an - und geht dann weiter. Eine schräg aufgebaute Dramaturgie, nichts zum gedankenlosen Runterlesen, mich hat es bis zum Schluss sehr berührt.
Und ich konnte mir ein paar Tränchen am Ende nicht verkneifen.

Zur Erinnerung an Ruprecht van Doren: Doughnuts

01 Oktober 2017

Lesestunde unter blauem Himmel

Schöner Oktober in der Pellenz
Skippy stirbt unter freiem Himmel, ein Lesevergnügen besonderer Art, wenn der Oktober einen so begrüßt wie heute. Hach!

29 September 2017

Ein Roman über das Erwachsen werden in Dublin

Auch mit diesem Buch scheine ich mal wieder einen Volltreffer an Land gezogen zu haben. Hilde hat es vor mir gehabt und mich schnell davon überzeugt, dieses Buch als Nächstes zu lesen. Der Klappentext beginnt so:

Ruprecht Van Doren ist ein übergewichtiges Genie, seine Hobbies sind komplexe Mathematik und die Suche nach außerirdischer Intelligenz. Mit Daniel >Skippy< Juster teilt er sich ein Zimmer im Turm des Seabrook College, einer altehrwürdigen Dubliner Institution, in der sich keiner so richtig für die beiden interessiert.

Schon auf den ersten Seiten (bis 79 bin ich gekommen, 780 sind es insgesamt) werden nicht nur die beiden Protagonisten, sondern auch einige andere Mitschüler und Lehrer in ihren Alltagssituationen so dargestellt, dass man sich gut in die Szenen hineinversetzen kann. Sehr berührt hat mich eine Passage auf Seite 36, die ich hier zitieren möchte:

Man verbringt ja einen großen Teil seiner Kindheit vor dem Fernseher und denkt, dass man alles, was man da sieht, eines Tages selbst erleben wird: Ein Formel-1-Rennen gewinnen, Trainhopping machen, einer Terroristengruppe das Handwerk legen, zu jemandem "Geben Sie mir die Waffe!" sagen usw. Dann kommt man in die höhere Schule, und plötzlich fragen einen alle nach beruflichen Plänen und langfristigen Zielen, und mit Zielen meinen sie nicht die, die man dereinst im DFB-Pokal zu erreichen hofft. Nach und nach dämmer einem die schreckliche Wahrheit - dass die Zukunft nicht die Achterbahnfahrt sein wird, die man sich vorgestellt hat, dass die Welt der Eltern, die Welt, in der man abwaschen, zum Zahnarzt gehen und am Wochenende im Baumarkt Bodenfliesen kaufen muss, weitgehend das ist, was die Leute meinen, wenn sie "Leben" sagen. Jeden Tag scheint sich jetzt eine weitere Tür zu schließen, die etwa, auf der PROFISTUNTMAN oder KAMPF GEGEN BÖSEN ROBOTER steht, bis dann im Lauf der Wochen auch die Türen mit Aufschriften wie VON EINER SCHLANGE GEBISSEN WERDEN, DIE WELT VOR EINEM ASTEROIDEN RETTEN oder IN LETZTER SEKUNDE EINE BOMBE ENTSCHÄRFEN eine nach der anderen zufallen und man das Geräusch allmählich sogar mag und anfängt, einige Türen selbst zu schließen, auch solche, die ruhig offen bleiben könnten.

Ich finde, berührender kann man das Erwachsenwerden kaum beschreiben. Wer Geschmack dran gefunden hat, dem empfehle ich die Buchhandlung meines Vertrauens in Andernach Anker-Buch oder online die Bestellung beim sozialen Versender buch7.

22 September 2017

Der Lauf der Dinge

Das Wochenende bot erneut ein gutes Beispiel dafür, was ich noch alles lernen kann im Leben. Auch als alter Knochen bin ich davor nicht gefeit, zum Glück. Diesmal begann es am Freitag mit unserem beliebten Retro-Skat. Unser Gastgeber Tom empfing uns gut gelaunt auf seiner überdachten Terese, zum Skatkloppen begaben wir uns dann doch lieber ins Warme. Schon beim ersten Spiel ging es los. Das Gefühl kennt wahrscheinlich jeder Skatspieler. Du kriegst ein Mistblatt, mit dem Du auch nicht ramschen kannst, sagst 18, und dann hast Du die Scheisse am Bein. Und von da an wusste ich, dass das an diesem Abend nicht mehr besser wird, egal wie gut ich spiele. Diesmal hab ich es, im Gegensatz zu früher, schnell akzeptiert.

Die drei Cracks - alle etwas retro
Dieser Abend ist nicht meiner und wird es auch nicht mehr. Du reizt auf ein Spiel ohne zwei mit fünf halbgaren Trümpfen, einem As und vier Batschfaulen. Kriegst mit 18 das Spiel und findest - zwei weitere Faule von Deiner bisherigen Fehlfarbe. Sechs Faule aus drei Farben. Was drückst du? Egal, was Du drückst, es ist FALSCH. Irgendwas muss man drücken. Ok, Du drückst Dich in einer Farbe frei. Behältst Das As bestellt und drei kleine Karo. Du sitzt hinten. Was spielt Vorhand auf: Die blanke 10 von der Farbe, die Du dreimal schwach behalten hast. Karo 10. Der andere das As, und Du bist verratzt. Nach drei Stichen haben die Gegner 49 Punkte. Sie haben noch die Zehn von deinem bestellten As und die höchsten zwei Bauern. Tataa!
So setzte es sich den ganzen Abend fort, aber ich rege mich nicht auf. Frau Werwolf würde sagen: "Das g'hört so!". Für einen solche Abend schlage ich mich mit zwei verlorenen Runden von sechs noch ganz beachtlich. Aber ich kann die Hauptsache genießen: Einen schönen unterhaltsamen Abend mit den alten Cracks, Darum bin ich hier.

Als ich kurz vor Mitternacht Long Tall Earnie daheim absetze, geht es mir gut und freue mich auf einen langen Schlaf.