17 Dezember 2017

Von Utopien bis zu Hans im Glück

Die Globetrotterin Fabienne ist nach Neuseeland, Tonga, Südafrika und Tansania glücklicherweise (für uns) an der Wupper angelangt. Das verschaffte uns nicht nur den Genuss eines leckeren gemeinsamen Frühstücks, sondern auch einen genussreichen schönen Tag mit der Begehung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten.
Trio Utopio
Nach dem Frühstück schwebten und fuhren wir zur Utopiastadt am Mirker Bahnhof. Wir schlürften einen Latte in den Sesseln auf der Bühne, die noch vor einigen Monaten (ich berichtete) der legendäre John Bramwell (Ex-"I am Kloot") für seinen Auftritt benutzte. Und es war auch heute wie im Sommer. Gemütliche Atmosphäre, nettes Personal, interessante Räumlichkeiten.

Auf der Terrasse schauten wir uns die Nordbahntrasse an, die direkt hinter dem Haus herführt. Im Sommer ist hier der Teufel los, wenn Radfahrer, Skater, Jogger und Spaziergänger gastronomische Station machen. Heute war's echt sehr ruhig - und sehr kalt.
Nach der Rückfahrt nach Elberfeld führte uns Fabi durch das Luisenviertel, bis wir bei Hans im Glück einkehrten. Obwohl ich nur kleinen Hunger auf einen Salat hatte, war ich von dem großen Teller überrascht und muss sagen: Das war klasse! Unsere Bestellung lautete "Abendbrot, Trumpfblatt und Goldkehlchen", und alles war super lecker und ausreichend, die selbstgemachten Holunder-Minze bzw. Orange-Basilikum-Limonaden waren ein Gedicht.

Als wir danach von der Ohligsmühle in Richtung Barmen schwebten, fuhren wir sogar bis zur Endstation Oberbarmen, um einmal zu sehen, wie so eine Schwebebahn am Ende dreht. Sie fährt tatsächlich in einen kleinen überdachten Halbkreis kurz hinter dem Bahnhof und kommt auf der anderen Seite zurück. Von der Werther Brücke aus durchquerten wir die ganze Werth, die Einkaufsstraße Barmens, wo ich natürlich dem Singen auf dem Weihnachtsmarkt nicht widerstehen konnte.
Oldbearbone ft. Santa
Danach waren wir auch froh, als wir glücklich Fabis WG erreichten, um uns beim Kaffee aufzuwärmen. Eine Stunde später dann der Heimweg ins Hotel, und wir sind alle ganz schön platt nach einem interessanten, genussreichen, schönen Tag. Nun gilt es, beim Finale von The Voice of Germany bis zum Ende die Augen offen zu halten.

16 Dezember 2017

Weltraumschrott in Kirchlinde

Mit einem schönen Frühstück unter netten Leuten beginnt man den Tag am besten. So auch heute morgen in unserem schnuckeligen Hotel. Alles reichlich, nettes Personal, leckerer Kaffee. Derart gut gestärkt und gelaunt machte ich mich auf den Weg in die verbotene schwatz-gelbe Stadt.
Bahnhof Königswall Treppen
Nahe an dem dortigen Hauptbahnhof sollte die Bushaltestelle der 460 sein. Am Königswall. Direkt gegenüber vom Bahnhof führte eine große breite Treppe den Wall hinauf. Das konnte nur der Königswall sein.
Also zackig über die Straße und viele Stufen hoch. Oben empfing mich viel Platz, auf dem ein paar Weihnachtsmarktbuden verteilt waren. Alles, aber keine Bushaltestelle.
Der erste, den ich anquatschte, war ein Norweger, der mir in Englisch erklärte, dass er nur die U-Bahn-Haltestelle kenne, straight ahead and then turn left, you'll see it. Maybe there's a bus stop too. "Maybeee" sang schon der Mann in den Bergen. Maybe, war aber nicht.
Ein paar jüngere Damen hatten leider auch nur Vermutungen für mich übrig. "Ja, die U-Bahn ist irgendwo da vorne, aber ein Bus? Wo wollen sie denn hin? Kirchlinde?? Geht das nicht mir der U-Bahn???"

Aber dann, ein Päärchen meines Alters mit Enkel an der Hand.
"Jaaa, wir sind von hier. Was suchen sie denn?"
"Die Bushaltestelle Linie 460."
"Wohin soll die denn gehen?"
"Nach Kirchlinde."
"Kirchlinde? Mittem Bus? Nehmen sie doch die U-Bahn da vorne!"
"Kirchlinde hat doch keine U-Bahn!"
"Nich? Ja dann wissen wir leider auch nich."
Nach einer Runde durch die halbe Dortmunder Innenstadt kam ich parallel zum Treppenwall wieder zurück vor den Bahnhof. Oh, das erste Straßenschild, das ich in Dortmund sehe, verkündete, dass diese breite Straße vor dem Bahnhof der Königswall ist. Zwanzig Meter weiter rechts die Bushaltestelle 460. Leider in die verkehrte Richtung. Blick auf die andere Straßenseite: Fehlanzeige.
Noch ein letzter Versuch, von zwei jungen Frauen, die am Auto stehen, die Position der Bushaltestelle zu erpressen.
"Ja, die ist doch schräg da drüben vor dem Bahnhof!"
Mein Gott, es gibt also doch noch Gerechtigkeit. Zur Belohnung für meinen großzügigen Spaziergang durfte ich wieder fast zum Ausgangspunkt zurück gehen und feststellen, dass ich zwanzig Meter daneben bei meiner Ankunft aus dem Bahnhof spaziert bin. Aber ich wurde reichlich belohnt. Ein abgerissenes Päärchen mit offenen Bierflaschen diskutierte an der Haltestelle lautstark aus, warum Jessy denn verreckt ist, obwohl der männliche Teil des Duos immer Kohle hatte und ihr jahrelang die harten Drogen finanziert hat. Natürlich braucht er sich keinen Vorwurf zu machen, sacht sie, denn er hat auch immer Kohle genug gehabt, alles Andere zu finanzieren, aber sie wollte datt ja nich, woll?!
In Kirchlinde hatte ich das Vergnügen, den talentierten Fotografen Jalou endlich mal länger live kennen zu lernen, bei Kaffee und Butterstreusel. Ein sehr sympathischer Mensch mit vielen Begabungen, den ich für das, was er macht, ehrlich bewundere.

rostfreie alte Liebe vor Weltraumschrott
Anschließend chauffierte er mich auch noch zu meiner alten Freundin Elke, die ich schon jahrelang nicht mehr gesehen hatte. Ja, in der Tat ist es schon mehr als fünf Jahre her, dass ich mit Fabi zusammen ihre Ausstellung in Hattingen besuchte.
Seitdem ist bei uns beiden viel passiert und so war die Zeit eigentlich viel zu kurz, um alles Neue zu erzählen und viele alte Erinnerungen und Fotos wieder raus zu kramen. Der Besuch in Heidelberg, 1986. Mein Gott, ist das schon so lang her?!
Sie malt immer noch tolle Bilder, das mit dem Weltraumschrott nahmen wir als Hintergrund für unser Selfie. Dass sie mir ein Wunschbild schenken möchte, berührt mich sehr und ich bin auch total gespannt, wie das "Kreativbild" am Ende aussehen wird. Es wird auf jeden Fall wieder ein Anlass für meinen nächsten Besuch sein.
Gegen sechs machte ich mich auf den Rückweg mit Bus und Bahn. Alle Übergänge funktionierten einwandfrei. Ich glaube, dass ist das Ergebnis jahrelanger Selbstdisziplinierung. Seitdem klar ist, dass ich über Verspätungen, fehlende Wagen und ähnlichen Mumpitz nur noch schmunzeln kann, ist die Anzahl der bahnverschuldeten Malheure um gefühlte 90% zurück gegangen.
Es gelang mir übrigens, den ganzen Tag über alle ungesunden Farbkombinationen in der verbotenen Stadt galant zu ignorieren, meine Augen haben keinen Schaden erlitten.
In der Schwebebahnstation Döppersberg ergatterte ich noch schnell ein Spezial-Dürüm zum Mitnehmen, dass ich ne Viertelstunde später im Hotelzimmer mit Heißhunger verdrückte. Und nun, müd, satt, glücklich, werd ich noch das aktuelle Sportstudio vom Bett aus verfolgen, solange die Augen offen bleiben.


15 Dezember 2017

"also" ruft die Wupper!

Nach einer glücklicherweise beendeten Arbeitswoche mit viel zu viel Nebenbeigedöhns und Brotlosekunstgeschwurbel saß der alte Bärenknochen heute nachmittag glücklich und erholungsreif mit seinem Oldschoolbuddy Mike T-Bone im pünktlichen(!) IC der Deutsche Bahn heading for Wuppertal. Sogar der Umstieg in Köln fand ohne spontanen Gleiswechsel, Verspätung oder sonstigem Malheur statt, für das die Deutsche Bahn mittlerweile Gewohnheitsrecht geltend machen kann.

Als wir ab dem Wuppertaler Hauptbahnhof die letzten Kilometer weiter schwebten, führte uns ein netter, kommunikationsfreudiger Wuppertaler mit seinem alten lieben Schoßhündchen (1,60m, 80 kg) hilfreich bis zum also-Hotel an der Haardt. Das war echt rührend, auch wenn nicht genau auszumachen war, ob der Hund oder das Herrchen transpirierten wie ein toter Büffel.
Das Hotel war schon beim Empfang so, wie ich es in Erinnerung hatte: Schlicht, sauber, nette hilfsbereite Menschen, sehr sympathisch. Kleine Zimmer mit Dusche, WC und WLAN, alles picobello sauber. Und bezahlbar. Ein super soziales Konzept, schaut es Euch selbst an. Es überraschte mich nicht, dass hier mittlerweile sehr viele Bands und Musiker campieren, wenn sie in der Nähe spielen, so eine schöne interessante Atmosphäre spricht sich rum.

Satt und zufrieden
Nach Check-In und kurzerr Pause war ein längerer Abendspaziergang durch Barmen genau das Richtige. Wir landeten am Ende tatsächlich beim famosen "La Mamma" in der Friedrich-Engels-Allee. Auch hier, wie im ganzen Viertel, alles einfach, sauber gut. Die Penne mit Garnelen, Knoblauch und Rucola waren ein Gedicht, die Pizza Tonno sehr gut und riesig, die beiden italienischen Espresso heiß, schwarz, stark. Gut, dass der Weg ins Hotel zurück nicht mehr weit war. Die Horizontale zieht mich bereits mächtig an.

24 November 2017

Zeitreise ins Mittelalter

Historisches im Historischen war das Motto des heutigen Abends. Im historischen Rathaus zu Andernach hatten die Kollegen vom Kulturamt und der Stadtbücherei zu einem außergewöhnlichen Leseabend geladen.
Fabienne war heute aus Wuppertal angereist, ich konnte sie am Bahnhof in -Empfang nehmen. Mittlerweile ist es schon eine feste Tradition, dass wir dieses Event gemeinsam erleben - wenn sie nicht grad in Neuseeland, Südafrika oder sonstwo in der Welt weilt. Heute Abend waren erfreulicherweise auch Goddy und Margherita mit dabei.
Wir hatten unsere V.I.P.-Plätze in der ersten Reihe eingenommen, als Andreas Schulte kurz nach 19 Uhr im historischen Kostüm die Veranstaltung anmoderierte. Der große Saal war sehr gut gefüllt. Die Bühne war dieses Mal zur Kramgasse hin aufgebaut, was meines Erachtens eine spürbar verbesserte Akustik zur Folge hatte. Trotz dauerfiepsendem Tinnitus und weiter anhaltenden Problemen mit Gehör und Hörgeräten konnte ich fast alles verstehen, was den Genusslevel einer solchen Veranstaltung natürlich deutlich erhöht.
Als erstes wurde Tilman Röhrig angesagt, der seit vielen Jahrzehnten über viele Themen schreibt, aktuell gerade wieder einen historischen Roman die Flügel der Freiheit über Luther, Müntzer, Cranach und andere historische Menschen im frühen 16. Jahrhundert. Er schaffte es mit seiner Art des Vortragens, die Atmosphäre dieser Zeit gut zu vermitteln.
Anschließend lud uns Andreas Schulte zu einem Ausflug in die frische Andernacher Abendluft, wo wir mit Fackelführung zu historischen Orten im Schlosspark und danach hinter der Christuskirche seinen Kurzgeschichten lauschten, die auch mit viel Humor gewürzt waren. Andreas Schulte überzeugte gewohnt souverän mit guter lauter Stimme, so dass für mich auch draußen alles gut zu verstehen war.

Auf dem Rückweg ins Historische überraschten uns gepanzerte Schildwachen auf der Hochstraße, die dann vor dem historischen Rathaus spannende Schwertkämpfe zeigten.
Schildwache
Beim Schwertkampf geht's zur Sache














Im Anschluss konnten wir uns drinnen im Warmen mit leckerer Suppe und Käseplatte sowie mit kalten und warmen Getränken stärken, bevor es in die letzte Runde ging. Vom Büchertisch, der von der Anker-Buchhandlung gestellt wurde, machten einige Besucher Gebrauch und nutzten die Gelegenheit, die erworbenen Romane von den Autoren signieren zu lassen.

Petra Schier las aus ihrem Roman Das Gold des Lombarden und erklärte dazu auch viele historische Hintergründe zur Stadt Köln im Jahr 1423. Der Stoff des Romans ist wirklich spannend. Die sympathische Eifelanerin hatte es am jedoch am schwersten, nicht nur, weil ihre Vorlesestimme nicht so gut war wie die der beiden anderen Autoren, sondern weil sich nun auch die Länge der Veranstaltung und die Nachwirkungen des Spaziergangs in frischer Luft und des anschließenden Essens im warmen Saal bemerkbar machten.
Petra Schier und Andreas Schulte
Die Konzentration lässt bei den Zuhörern irgendwann nach. Und wenn dazu die erste Hälfte des Vortrags andauernd vom Gemurmel und Lachen eines offensichtlich angetrunkenen Zeitgenossen gestört wird, tut das ein Übriges dazu. Nachdem ihm der Bibliotheksleiter in einer Lesepause verbal die gelbe Karte gezeigt hatte, komplementierten wir den Herrn schließlich nach seinem übernächsten Vergehen höflich, aber bestimmt hinaus. Er hatte offensichtlich nur ein warmes Plätzchen zum Verweilen gesucht. Das hätte ihm auch niemand verwehrt, wenn er nur die Klappe gehalten hätte.

Gegen elf Uhr endete ein schöner und interessanter Abend, wie ich ihn in dieser Form auch noch nicht erlebt habe. Ein dickes Lob an die KollegInnen von Kulturamt und Bücherei, die das organisiert haben!