19 August 2017

Travelling Deutsche Bahn: Der 06:18 nach Rügen

Während ich gemütlich im FirstClass-Abteil Richtung Norden sitze, fällt mir auf, dass ich genau diesen Zug immer benutze, wenn ich Richtung Norden fahre. Hamburg, Kiel, Lübeck, Bremen, stets lockt der 06:18 Uhr, weil er als Einziger von Andernach durchfährt bis nach Rügen. Das könnte die PPP-Serie der letzten Jahre erklären. Vielleicht weist genau dieser Zug ein paar elementare Mängel auf, welche die immer wiederkehrenden Probleme verursachen.
Heute morgen verlief immerhin bis Köln alles völlig planmäßig. Eine freundliche Stimme hieß die Zugestiegenen willkommen und wünschte allen eine gute Reise mit der Deutschen Bahn. Ich hatte ein FirstClass-Abteil für mich allein und beobachte den Sonnenaufgang über dem Rheintal. Toll!
In Köln kamen wir planmäßig an - und dann öffneten sich die Zugtüren nicht. Drinnen ein paar wenige Fahrgäste, die raus wollten. Draußen ein paar mehr, die rein wollten. Die Ansagen der nächsten halben Stunde in gekürzter Form:
"Die Zugtüren werden sich gleich öffnen."
*entspannt lächelnd*"Meine Damen und Herren, die Zugtüren werden sich gleich öffnen."
"Meine Damen und Herren, die Zugtüren lassen sich momentan nicht öffnen."
"Die Zugtüren lassen sich derzeit nur über die Notentriegelung öffnen."
"Wir haben ein technisches Problem mit den Zugtüren. Wir sind dabei, das zu lösen."
"Meine Damen und Herren, es lassen sich derzeit nur einige Zugtüren öffnen. Bitte steigen sie ggf. an einer anderen Tür zu."
"Das technische Problem mit den Türen wird gleich gelöst sein. Wir bitten um Verständnis."
"Wir können die Fahrt erst fortsetzen, wenn das Problem gelöst ist."
"Ich höre gerade, das Problem ist gelöst. Wir werden die Fahrt umgehend fortsetzen und bitten um Verständnis für die Verzögerung."
"Verehrte Fahrgäste, das Problem kann doch nicht gelöst werden. Wir werden die Fahrt nicht fortsetzen."
"Dieser Zug endet hier. Wir bitten alle Fahrgäste auszusteigen."
"Reisende in Richtung Düsseldorf finden Anschluss um 7:48 Uhr auf dem gegenüber liegenden Gleis 3 an diesem Bahnsteig."
"Reisende in Richtung Hamburg ..ähm.. können den Zug um kurz nach acht nehmen."
"Dieser Zug endet hier. Wir bitten alle Fahrgäste auszusteigen."
Im übernächsten Wagen finde ich eine funktionierende Tür und werde auf den Bahnsteig gespült. Abfahrplan checken. 08:10 Gleis 4, OK. Gemütlich zum Aufzug, runter und nebenan wieder hoch. Wagenstandsanzeiger gescheckt. Ich steh genau richtig für die 1.Klasse, denn die lass ich mir jetzt nicht mehr nehmen.
Neben mir ein großes Display, das die nächsten Züge anzeigt. 08:05 einer, 08:15 der nächste, von 08:10 keine Spur, irgendwie irritierend. Kurz vor acht ein letzter Kontrollblick auf den Abfahrtsplan, wo noch 2 weitere Gestrandete mit fragenden Gesichtern stehen. Dann seh ich es: Klein gedruckt am Ende. Erst ab dem 02.09.2017. Nächster regulärer Zug nach HH-Hbf un 09:09 Uhr. Auf Gleis 2. Ok, bevor ich wieder was kleingedrucktes übersehe, ab runter zum Reisezentrum, durch den halben Bahnhof. Eine freundliche Dame erklärt mit, dass ich natürlich den 08:14 auf Gleis 3 nehmen kann. "Da steht doch Stralsund!". "Ja der hält aber auch in Hamburg. Moment, ich schau nach. Ja, Harburg hält der, aber von da aus kommen sie doch auch weiter."
Ein Blick auf die Uhr, 08:09 Uhr! Im Sause-Düse-Schritt durch den Bahnhof, Aufzug besetzt, mit dem ganzen Geraffel die Treppe hoch - und da steht er tatsächlich. Am anderen Ende des Bahnsteigs, aber immerhin, er ist da! Ich besetze sofort den freien Platz im 2.Abteil, hier treffe ich auf weitere Gestrandete, die das als bahnerfahrene "Liebe Reisende" locker sehen. Mehr als 1 Stunde Verspätung gibt Erstattung, erfahre ich. Online zu beantragen. Schaumama.
Erstmal sitze ich wieder FirstClass. Und da das Reservierungsanzeigesystem ausnahmsweise defekt ist, kann mich bis Harburg eigentlich keiner vertreiben.

11:03 Uhr: Naja, keiner, hmmmmh...
Gerade war der Zugführer bei uns zu Besuch und hat gefragt, ob wir für diesen Zug reserviert hätten. Da alle sechs Insassen Gestrandete des Zugs mit den Problemtüren sind, haben wir natürlich alle in einem anderen Zug reserviert. Er hat uns total freundlich darauf hingewiesen, dass wir hier was räumen müssten, falls noch jemand zu steigt, der tatsächlich hier reserviert hat. Da das Reservierungssystem leider defekt ist, kann er das derzeit nicht überprüfen.
Die Gänge in der 1.Klasse sind mittlerweile auch überfüllt. Auf unsere Frage, wohin wir denn im Fall der Fälle ausweichen könnten, ob noch irgendwo im Zug ein Platz frei sei, muss er selbst herzhaft lachen. Also, Daumen drücken und hoffen. Ich erzähle derweil den Mitreisenden eine alte Geschichte vom Zugreisen in Italien. Dabei wird uns allen sehr bewusst, wie winzig klein die Problemchen der Deutschen Bahn sind.
Hotel, Hostel, Restaurant. Alles BIO
Ich bin ohne weitere Probleme bis Harburg gekommen, Ankunft 12:56 (statt geplant 11:18). Hier nahm mich Maren in Empfang und wir fuhren mit der S-Bahn direkt nach Altona ins BIO-Hotel Schanzenstern. Das ganze Ambiente hier ist sehr nach meinem Geschmack. Einfach, sauber, bezahlbar. Toilettenspülung mit gefiltertem Regenwasser. Nach dem Einchecken sind wir dann um die Häuser geschlendert. Bahrenfelder Straße, Friedensallee, hier gibt es viele kleine Geschäftchen. Beim Italiener haben wir draußen gesessen, als der Himmel mal ne halbe Stunde aufriss, die Spaghetti carbonara salmone waren lecker, und anschließend ein herzhafter italienischer Espresso, klein, schwarz, heiß, stark. Perfetto. Nach unserem Rundgang und einem kleinen Einkauf spürte ich dann allerdings, wie ich meiner Rest-Energie vollends verlustig wurde. Und so sitze ich nun nach 2 Stunden Tiefschlaf und der Sportschau im Hotelzimmer und verfasse diese Zeilen. Ein schöner Start in den Urlaub.
Lecker Spaghetti im Piazza


Morgen früh erwartet mich ein BIO-Frühstück und mittags treffen wir uns zur Besichtigung des Energiebergs Georgswerder, auf den ich auch sehr gespannt bin.

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