23 August 2017

Bummeln im Karo - Labyrinthspiel inklusive

Ein richtiger Bummel- und Gammeltag war angesagt. Was? Noch einer? Jawohl, genau das! Mir fällt im Nachhinein auf, dass das wahrscheinlich der letzte Frühstücksklön mit Philipp war. Er reist morgen mittag ab, ich bin morgen schon früh nach Fehmarn unterwegs und Don Philippo pflegt jeden Tag länger auszuschlafen. Er war ein sehr angenehmer Gesprächspartner beim Frühstück.

Blaubeerlimo handmade - in der Sonne
Heute mittag durchstreifte ich das kleine Karolinenviertel - das Karo, wie es die Eingeborenen nennen. Nach einer ersten Runde um den Block machte ich Siesta im Gefundenen Fressen, besser gesagt davor auf Palettenmöbeln und zu selbstgemachter leckerer Blaubeerlimonade. In der Sonne sitzen, lecker trinken, tolles Buch lesen, Leute beobachten - Mann wie toll ist das! Das ich hier im Lokal von Samy de Luxe war, erfahre ich erst abends im Hotel von Dr.Google.

 Anschließend machte ich ganz neue Erfahrungen im gegenüberliegenden NAHKAUF-KAROMARKT. Was man da geschaffen hat, ist physikalisch eigentlich unmöglich. In einem relativ kleinen Laden von vielleicht 5 x 13 Meter gefühlte 400 Meter Regal unterzubringen, da sagt jeder: Geht doch gar nicht! Da braucht man überhaupt nicht zu rechnen. Hier ist der Gegenbeweis: Es geht!
Unglücklicherweise hatte gerade ein LKW ca. 20 rollbare Warencollis ausgeladen. Das bemerkte ich jedoch erst, als ich mich am hintersten Regal befand und die gesuchte rote Beerenschorle noch nicht gefunden hatte. Der türkische Inhaber dirigierte lautstark seine Großfamilie zum Nachfüllen durch die Gänge, alle sechs mit einem eigenen Rollcontainer ausgestattet. Die Gänge waren eh so eng, dass es nur mit akrobatischer Technik möglich war, aneinander vorbei zu kommen. Stand ein Rollcontainer im Gang, blieben rechts wie links maximal ein Zentimeter Platz, also gar keine Chance, vorbei zu kommen. Nun könnte man auf die Idee kommen, dass die geschäftstüchtigen Männer natürlich den Kunden freundlich Platz machen, denn schließlich sind die Kunden König und man lebt ja von denen. Weit gefehlt! Das hier waren keine devoten Weicheier, die sich verbiegen, um ein paar Mark zu verdienen. Nein, hier gilt noch Ehre und Stolz, und just mit diesem Stolz ignorierte jeder von ihnen alle Käufer im Laden vollständig und führte anstatt dessen lautstarke Diskussionen untereinander in türkischer Sprache, deren Inhalt mit leider (oder zum Glück) völlig verschlossen bleibt.
Dadurch ergab sich für die gefühlten 8 Kunden im Laden ein abwechslungsreiches Labyrinth-Spiel. Ein Gang längs ist leer - husch hindurch - der nächste links quer - Mist, am Ende wieder eine Vollblockade - nochmal links längs zurück - rechts quer - Oh die Kasse am Ende in Sicht, schnell reingerannt - zack schiebt sich in der Mitte der Senior mit einer turmhohen Ladung Konservendosen in den Weg - Mist! Am Ende lande ich wie durch Fügung im rechten Seitengang tatsächlich vor der roten Beerenschorle - die wird leider grad von Junior 1 mit Sixpacks blockiert. Aber mit einem ganz langen Arm von der Seite schnappe ich mir schnell eine Flasche und überbrücke die drei Meter zur Kasse mit einem Hechtsprung, ehe mir Junior 2 den Container mit den Chipstüten in den Weg schieben kann. Geschafft - erlöst!
Die Kundin hinter mir hat leider Pech und bleibt hinter den Chips hängen. Aber - mein Gott, so ist das Leben, einmal zurück durch den ganzen Laden sprinten - neues Spiel, neues Glück!

Draußen durchkämme ich das Viertel längs der lauten Karolinenstraße und lande am Ende wieder an der Marktstraße an einem kleinen Platz mit Bäumen und Bänken, wo sich einige Anwohner und Touristen aller Coleur aufhalten. Das lädt zum Verweilen ein, zum Lesen und Schauen. Beim Türken gegenüber hol ich mir ein leckeres Köfte im Fladenbrot auf die Hand. Und das neue Buch von David Mitchell - Die Knochenuhren - kann ich gar nicht mehr aus der Hand legen.

Friedensallee - Bahrenfelder
Spätnachmittag mit der U3 und S1 wieder zurück nach Altona ins Hotel. Nach einem Päuschen dreh ich auch hier nochmal eine Runde bei tollem Wetter um die Bahrenfelder Straße. Leider existiert das Insbeth nicht mehr, an gleicher Stelle aber immerhin der hiesige Weltladen. Trotzdem Schade.

Hier war einst das Insbeth
Mein Platz vor dem Klamottensen
Der Altonaer Stadtteil Ottensen hat doch einiges zu bieten, wenn man sich die Zeit nimmt, mal hin zu sehen. Am Ende lande ich vor dem gemütlichen Klamottensen und lege bei einem leckeren Latte Macchiato noch eine große Leserunde ein. Ich liebe diese tollen Tage, an denen ich ohne großartige Planung einfach entspannen kann, was mir in einer solchen Umgebung (und heute auch bei tollem Wetter) nicht schwer fällt.


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