20 August 2017

Energie auf dem Berg

Da ein gewisser Mr. Sandman mir gestern Abend recht früh die Äuglein zu drückte, konnte ich heute morgen mein erstes BIO-Frühstücksbuffet im Schanzenstern Altona bei völlig wachem Verstand genießen, obwohl ich bereits kurz nach neun frisch geduscht das Restaurant betrat. Der vermeintlich Hotelmitarbeiter, den ich dort wegen der Platzwahl ansprach, entpuppte sich als Philipp, reisender Twen aus dem kölschen Raum, der ebenfalls seit gestern hier Quartier bezogen hatte. Allerdings hatte er bei der Anreise einen späteren Zug als ich gewählt und war somit dem Gestrandetenlager im überfüllten IC2408 entgangen.
Sollte ich vielleicht auch mal ausprobieren, bei meinem abonnierten Glück mit der Bahn. Einfach mal die ausgetretenen Pfade verlassen und mit einem anderen Zug etwas Neues erleben. Obwohl, wenn ich mir vorstelle, eine Route zu nehmen, bei der ich umsteigen muss, also auf Pünktlichkeit der Anschlusszüge angewiesen bin, irgendwie - ok ok, ist ein blöder Gedanke. Ich fahr weiter wie bisher, da weiß ich, dass was passiert, kenne die meisten Varianten, damit kann ich leben. Bei Philipps Zug fehlte übrigens Wagen 14. War einfach nicht dabei. Kommt das irgendwem bekannt vor? Damit sollte das Thema abgehandelt sein.

Das Frühstücksbuffet war gut, vielfältig, mehr als ausreichend, der Kaffee lecker. Passt! Mit Maren war ich am S-Bahnhof Veddel verabredet. Ich fuhr so früh in Altona los, dass mir noch ne Stunde Zeit zur freien Verfügung blieb. Unglaublich, aber wahr. Ich, zu früh. Tzz tzzz...
Die Zeit verbrachte ich lesend in der "Lange Reihe" in St.Georg, wo der blaue, sonnige Himmel mich vor einem Bistro zum Verweilen und Lesen einlud. Die Fritz!-Holunderschorle kann ich übrigens empfehlen.
In Veddel machte ich dann eine Erfahrung, die mir irgendwie bekannt vorkam: Am Busbahnhof war auf keiner Fahrplanroute die passende Haltestelle für den Energieberg zu finden. Also fragte ich eine nette Busfahrerin der Linie 154, wie ich denn dahin käme. Da müsse ich mit der Linie 3 fahren bis zur nächsten Haltestelle, dann umsteigen bis zur Haltestelle "Fiskalische Straße". Die Linie 3 fahre direkt vor dem S-Bahnhof ab. Ok, zurück dorthin, die 3 fährt gerade vor, was sagt der freundliche Fahrer? "Zum Energieberg? Da müssen sie mit der 154 fahren, die fährt da vorne ab!". Die FUHR da vorne ab, vor 1 Minute. Als er mein ratloses Gesicht sieht, schiebt er nach: "Da können sie auch grad zu Fuß hingehen, das ist direkt um die Ecke. Gehen sie da vorn rechts, in fünf Minuten sind sie da.". Ok, wir beide marschieren los, entdecken ein Hinweisschild, gehen dem nach, und stehen ne Viertelstunde später an einer unwirklichen Kreuzung in einem Industriegebiet, keine Schilder mehr, nix. Die wenigen vorbei kommenden Passanten (ca. 8 aus 10 Nationalitäten) können uns allesamt nicht sagen, wo sich der ominöse Energieberg befindet. Selbst die, die unsere Frage verstehen, zucken nur mit den Schultern. Wie gut, dass Dr. Google hilft. 5 Minuten später sind wir in der richtigen Straße, weitere 10 Minuten später sind wir am Info-Zentrum am Fuße des Energiebergs angekommen.
Die Treppen zum Himmel, als er noch blau war
Dort haben wir ein wenig Zeit, die Multimedia-Terminals auszuprobieren. Dann führt uns eine junge Mitarbeiterin zuerst durch einen interessanten Filmbeitrag und anschließend mit einer Führung hoch zum Berg. Wir haben Glück, der Himmel ist aufgerissen und es ist trocken. Die vierzig Meter Höhe sind mit einer endlos langen Treppe zügig überwunden, obwohl Maren und ich zu den jüngeren Mitgliedern unserer Kleingruppe zählen. Oben geht's auf einem angelegten Rundweg einmal um den Berg, bei trübem regnerischem Wetter können wir den Blick auf die Hamburger Skyline nicht uneingeschränkt genießen. Aber was die junge Frau zu erzählen hat, ist sehr interessant. Es beginnt gerade wieder zu nieseln, als wir schnellen Schrittes die Stufen zum Infozentrum wieder hinunter eilen.
Skyline in grau
Den Rückweg nach Veddel machen wir mit dem Bus. Unweit vom S-Bahnhof haben wir auf dem Hinweg das Restaurant "Nach Amerika" des Auswanderermuseums Ballin-Stadt entdeckt, in dem wir uns stärken und dann in die Innenstadt zurück fahren. Nach einem Kaffee-Klön auf St.Georg merke ich dann allerdings, dass die heutigen Kilometer per pedes nicht spurlos an mir vorübergegangen sind. Maren geht es ähnlich, so machen wir uns beide auf den Heimweg. Die anschließende ausgiebige Augenpflege im Hotel hat mir sehr gut getan, die viele Bewegung heute auch.
Morgen ist das Portugiesenviertel fällig, das mir meine Schulfreundin Gabi kürzlich noch explizit ans Herz gelegt hat. Ich freu mich. Mir geht's gut.

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