19 April 2023

Entspannungstage sind auch schön

Ein Tag ganz ohne Termin - das wird langsam schon eine Seltenheit. Und wenn ich mal wieder so einen erwische, halte ich mich brav an das Rentner-Ausschlaf-Gesetz. Jedenfalls ziemlich. Wenn ich jedoch trotz allem um kurz nach neun ausgeschlafen habe, lasse ich mir von keinem Gesetz der Welt vorschreiben, im Bett liegen bleiben zu müssen. Vor allem, wenn ich mich schon auf mein abends aufgesetztes 8-Komponenten-Porrdige freue und es morgens noch um 2 weitere Bestandteile ergänze. Echt lecker. Und gemütlich, wenn man mit der Zeitung auf dem Tisch und einer guten Tasse beanarella alle Zeit der Welt hat.

Beim anschließenden Abarbeiten der ToDo-Liste stellte ich wiederholt fest, dass diese jede Woche länger wird, obwohl ich täglich etwas wegschaffe. Aber anscheinend kommt immer etwas mehr dazu als ich erledige. Die Zeit, um nette und erfreuliche eMails zu beantworten, nehme ich mir trotzdem, egal wie lang die Liste ist. Und eh man sich versieht, wird es schon Zeit, das Ofengemüse zuzubereiten, denn morgen kommt die neue Gemüsekiste und ich liebe die Resteverwertung aus dem Gemüsefach. Wie beim Sommerschlussverkauf, "Alles muss raus!" So wurde auch das heutige Blech bunt und üppig - und vor allem lecker. Ebenso der Espresso nach dem Essen, heute mal ein Typ Classico.

Schmatzi-guti-feini - trotz Gesundi 😎

Der KLB legte heute eine Pause ein, zuviel frische Luft soll ja auch nicht gut sein. Aber eine kleine Runde konnte ich mir bei diesem Prachtwetter nicht verkneifen. Es wurde ein schöner Verdauungsspaziergang vom Rathaus zum Hörgeräteakustiker und anschließend zur Stippvisite bei Marlies im Kleinen Antiquariat. Aber auch der Vater Rhein wartete bereits auf mich. Irgendein Schmierfink hatte schon wieder die hässlichen drei Buchstaben in Schwatzgelb auf der anderen Rheinseite an die Mauer gesprüht, ich hoffe, das wächst jetzt schnell wieder zu.

Schaut bitte nicht genau hin, davon werden die Augen krank

Ansonsten zeigte sich das Wetter von seiner schönen Seite. Petrus hat am Rhein ja immer ein wenig sein Gebläse aufgedreht, so auch heute. Aber die Sonne hielt schon mit erstaunlicher Kraft dagegen.

Es ist endgültig Frühling

Die Schweizer waren heute als Wikinger verkleidet unterwegs

Viking - Suisse- Orvan - eine seltsame Kombination

und am Steiger der Collée sonnte sich eine einsame Taube.

Ein anderer Vogel kreiste hoch über uns vor strahlend blauem Himmel.

Am Ende der wunderbaren Runde inspizierte ich noch ein Stück uralte Andernacher Geschichte am Straßenrand und traf passenderweise auf dem Weg zurück zum Auto den netten Kollegen vom Stadtmuseum.

Auch die Römer hatten schon gute Ideen

Als ich heute Abend die beiden aktuellen "Zufalls"-Geschichten niederschrieb, fiel mir spontan der Kollege Zaphod Beeblebrox ein, dessen Raumschiff mit dem Unwahrscheinlichkeitsdrive angetrieben wird und nur so diese Riesenstrecken in kurzer Zeit überwinden kann. Vielleicht bin bin ich auf meiner Reise per Anhalter durch die Galaxis von ihm mitgenommen wurden. Das würde manches erklären, vielleicht auch, was meine ältesten Cousinen mit dem Bleidenberg und dem Volk der Kalmücken zu tun haben. Aber all diese Geschichten spar ich mir besser für das große Buch der Zufälle auf., dessen Veröffentlichung ebenfalls noch auf meiner ToDo-Liste steht. Irgendwann mal.

18 April 2023

Es krayert und pöntert der Tönis

Zum heutigen Spaziergang hatte mich eine Freundin animiert, die nicht mit Bild und Namen im Netz der Netze auftauchen möchte. Das respektiere ich natürlich und benenne sie daher mit dem Pseudonym Ilsebill. Wir beide teilen das Leiden der Frischluftsucht und so bietet es sich an, dass wir diesem Laster manchmal gemeinsam frönen.

Erst während der Fahrt aus dem Städtchen hinaus diskutierten wir die Frage aus: "Wohin denn heute?" Denn trotz gemeinsamen Lasters haben wir konträre Vorlieben bei der Auswahl der Spazierwege. Ilsebill liebt ausschließlich dicht bewaldete Wege und ich bevorzuge die offenen Wege mit freier Sicht zum Himmel und in die Weite. Nachdem wir unterwegs verschiedene Möglichkeiten ausgelotet hatten, landeten wir schließlich in einem schmalen Bachtal mit steilen bewachsenen Hängen. Von freier Sicht ist zwar im ganzen Tal keine Spur zu sehen, aber ich mag dieses Tälchen genauso wie sie und war lange nicht mehr hier gewesen.

Nach dem Einstieg passierten wir u.a. eine Wohnanlage, an deren Stelle sich einst die Mühle meiner Vorfahren befunden hatte. Damit der geneigte blog-Leser einen Eindruck bekommt, hier die ersten beiden Bilder vom Weg.

Blick nach vorn
Blick zurück



Unterwegs findet man dann viele naturbelassene Fleckchen wie dieses hier, wo sich der Bach zu einer kleinen Auenlandschaft ausgedehnt hat.

Da wir beide um gemeinsamen Gesprächsstoff nicht verlegen sind, aber auch eine Stunde schweigend nebeneinander herlaufen können, genossen wir diese urtümliche Strecke und vor allem Ilsebill entdeckte immer wieder neue Sehenswürdigkeiten in der Natur.

Hier ein Moosbaum
dort ein steiler Hang

Irgendwann waren wir bereits ein Stunde unterwegs und sahen die Hallen einer bekannten Mineralwasserfirma vor uns. Hier glaubte Ilsebill plötzlich einen imaginären weißen Turm über der großen Halle zu sehen. Sofort checkte ich, dass sie wahrscheinlich ein wenig dehydriert sein musste. Auch der KLB hat, wie ihr wisst, immer mal wieder solche Anwandlungen und glaubt, weiße Türme zu sehen. Als ich in die angegeben Richtung fotografieren wollte, war da natürlich nichts zu sehen. Zum Glück hatte Ilsebill eine Flasche Mineralwasser im Rucksack, denn der Hahn für das hiesige Quellwasser, der neben der Halle außen angebracht ist, war versiegt. Hier konnte sich kein Wanderer mehr laben. Nachdem Ilsebill etwas getrunken hatte, verschwanden auch die Visionen vom weißen Turm wieder. Pooh!

Wir beschlossen, den Weg bis ans nahe nächste Tal durchzugehen, denn das war auch für mich eine Premiere. Dort angelangt, gelangen uns noch ein paar schöne Aufnahmen.

Heilbrunnen. Wo?
Der heilige Tönis

Und hier geht's zum Häuschen

Nebendran dann noch ein Häuschen mit irreführender Beschriftung.

In dieser Behausung war kein Heilbrunnen zu finden und die angeschriebene Schweppenburg befindet sich im Haupttal auf der gegenüberliegenden Seite ein Stück weiter bachabwärts im Hang.
So what?

Es stellte sich heraus, dass die wohl das Wartehäuschen für die Reisenden der kleinen antiken Bahnlinie ist, die dort vorbeiläuft.

Aber gut, immerhin wird hier ein gutes heimisches Mineralwasser hergestellt und deshalb will ich an dieser Stelle nicht weiter meckern, sondern mich wieder auf die vielen positiven und sehenswerten Dinge fokussieren.

Hier sah ich zum ersten Mal die Stelle, an welcher die beiden Gewässer zusammenfließen. Der kleine Bach, an dem entlang wir gewandert waren, und der nächste größere Bach. Am Zusammenfluss sieht man allerdings keine Größenunterschiede.

Das Treffen der Bachläufe. Who is who?

Der Eingang zum Platanenweg mit den beiden Weltkugeln hat schon was Imposantes.

Hier geht's zur Firma von Welt.

Portal von hinten

Wir machten uns dann auf  den Rückweg, wo das Portal von hinten betrachtet ziemlich unscheinbar wirkt. 

Aber dann entdeckten wir das heutige Rätsel in der Böschungswand. Dort hatte sich irgendein Knallinger nicht nur mit den PR-trächtigen Buchstaben P.R. verewigt, sondern sich rechts daneben auch noch an einem Symbol versucht, das ziemlich undefinierbar aussieht.

P.R. und das ?!?

Ilsebill hielt es für den missglückten Versuch eines Hakenkreuzes. 

Ok, Hakenkreuze an sich sind ebenso unanständig und missraten wie ihre geistigen Väter, aber ich sehe da eher ein auf dem Rücken liegendes Schaukelpferd, ein Fliewatüüt oder ein undefinierbares Etwas, aber keine Insignie der rechten Dumpfbacken.

Also, was erkennt ihr darin?


Das Gekrakel in groß

Der Blick auf die Uhr zeigte uns, dass wir schon länger unterwegs waren, als wir geglaubt hatten. Auch hatten wir durch oftmaliges Vor- und zurücklaufen, um eine bessere Fotosicht zu haben, sowie einigen Besichtigungen von leckeren Pflanzen und kurzen Seitenwegen deutlich mehr Schritte und Meter auf dem Tourenzähler.


Muttergottes mit Plastikblumen

Aber als wir uns am Ende des Weges von der Muttergottes verabschiedeten, wurde doch noch alles gut und ich lag pünktlich zu meinem Physiotermin unter Natalies heilenden Händen.

Und natürlich hatten Ilsebill und ich vorher vereinbart, dass wir diesen Weg demnächst noch einmal gehen wollen. Sie will mir unbedingt den ominösen weißen Turm zeigen. Tja, warum nicht?

Anschließend schmeckte Wallis Rindersteak zu Hause nochmal so gut. Ich bin mir sicher, ich werde am Samstag wieder eins kaufen.

17 April 2023

Der Tag der alten Knochen

Wenn sich Mike "Blind Eagle" T-Bone und der alte Bearbone verabreden, dann sind einige Dinge unabdingbar. So z.B. ein Spezial-Porridge-Frühstück in Pillonia, mit dessen Bestandteilen (übrigens total leckere) ich hier niemanden langweilen will. Nur soviel sei verraten: Der unvergleichbare Café beanarella gehört natürlich auch dazu. Desweiteren gehört ein stundenlanges Festquatschen zwingend dazu, ebenso wie die anschließende Frischluftrunde von einem K*-Berg zum Anderen.
All diese Dinge sind übrigens im AKG gesetzlich geregelt, im Alte-Knochen-Gesetz, nicht zu verwechseln mit dem RAG, dem Rentner-Ausschlaf-Gesetz.

Nach diesem fantastischen, langen Frühstücksklön machten wir uns am frühen Nachmittag auf einen kleinen Rundweg, dessen flache Anteile sich sehr in Grenzen hielten. In der ersten Steigung bereits dee Ausblick in Richtung Pellenz. 

Im Hintergrund der Korret

Und da geht's zum Hochkreuz

Auch die Aussichten von der ersten Rastbank waren trotz schlechter Lichtverhältnisse nicht schlecht.

Ein fröhlicher T-Bone

Hab Sonne im Herzen ...


Auch der alte Bärenknochen genoss das Bad in der nicht sichtbaren Sonne.

Bevor sich jetzt jemand Gedanken macht, wenn er den wolkenverhangenen Regenhimmel sieht: Keine Sorge, ich hatte meinen Zauberschirm im Auto. Das reicht derzeit völlig aus, ich muss ihn gar nicht mit rumschleppen. Der sorgt auch vom Auto aus für trockenes Wetter, bis ich wieder zurück komme. Es fiel während der gesamten anderthalb Stunden, die wir unterwegs waren, kein einziger Tropfen.



Unser blauer Streifen im Regenhimmel

Hier geht's bergab


Der interessanteste Teil des Wegs kam ganz zum Schluss. Bergab führt ein mystischer Hohlweg, der sehr viele Kleinigkeiten zu bieten hat, wenn man genau hinschaut.

In den verschiedenen Abschnitten werden die Böschungen links und rechts mal höher, und mal flacher.

Und sehr viele dort verankerte Bäume halten sich auf ungewöhnliche Weise im schrägen Hang fest.

Oft sieht man ausgehöhlte und ausgespülte Wurzeln, die auch gut als Hobbit-Höhlen dienen könnten.


Wer wohnt wohl in diesen Hohlwurzeln?

Hier wird es wieder etwas breiter

Hellbraune Erde schimmert hindurch

Weiter geht's hinab

Dann werden auch die Böschungen wieder steiler und höher.

Und wieder diese hellbraune Erde hoch im Hang

Ein Stamm, der fast horizontal aus der Böschung herauswuchs, lud den alten Bärenknochen zu einer kleinen Kletterpartie ein. Das wollte er sich doch genauer ansehen.

Inspektion in der Höhe

GESCHAFFT!!!

Als letztes fanden wir neben vielen anderen märchenhaften Stellen im Hang auch noch einen Wegestein, dessen Beschriftung uns allerdings noch ein paar Rätsel aufgibt.

T-Bones Theorie, dass es sich hierbei nur um die Abkürzung für Theodor handeln könne, kann ich mich spontan nicht anschließen. Auch für die 13 fanden wir keine einleuchtende Erklärung.

Das Torpedoboot T13 der Kriegsmarine wird kaum hier geparkt haben. Und die standardisierte Schweizer Steckdose diesen Typs wird wohl auch nicht gemeint sein. Wenn also jemand mehr darüber weiß als wir, möge er es uns wissen lassen.

Nach solch einer interessanten Runde schreibt das AKG zwingend eine Espressopause mit den besten Nussknackern der Region vor. Gesagt, getan. So brachten wir diesen schönen Tag zu einem gesetzeskonformen Abschluss und ich hab heut Abend wieder etwas zu schreiben.

Nebenbei erwähnt mischte auch heute bei der kurzen Stippvisite im örtlichen REWE der sagenhafte Zufallsfaktor wieder kräftig mit, aber das ist eine andere Geschichte.

16 April 2023

Der Ernst des Lebens

Heute nehme ich erstmals Christianes Einladung zum Schreiben an.

Die obigen drei Worte,  Nestbau tanzen frostig, müssen in einem Text mit max. 300 Worten zwingend verwendet werden. Vorgeschlagen hat sie diesmal Anna-Lena mit ihrem Blog Meine literarische Visitenkarte.

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NIEMALS! Ernst würde sich nicht verkuppeln lassen. Dieser Vorsatz war in Stein gemeißelt. Das hatte er nicht nötig. Auch nicht von seinem besten Freund Charly. Und schon gar nicht mit dieser oberflächlichen, gutaussehenden blonden Tussi, die ihn gestern Abend nach einem einzigen tieffrostigen Blick demonstrativ ignoriert hatte.

Charly meinte es bestimmt gut, aber der hatte auch leicht reden. Smart und hübsch, wie er war, flogen ihm mehr Frauenherzen zu, als er annehmen konnte. Der hatte ihn gestern Abend mit zum Tanzen geschleppt, das hätte er sich besser gespart. Während „Charly Cool“ fröhlich über das Parkett gefegt war und sich vor Aufforderungen nicht hatte retten konnte, war Ernst den ganzen Abend mit trotzigem Blick am Tresen festgewachsen und hatte sich darüber geärgert, dass er überhaupt mitgekommen war. Die Fröhlichkeit und die offensichtliche Lebenslust der Tanzenden hatten ihn noch verdrießlicher gestimmt.

Ja, er hatte noch nie eine abgekriegt, weil er nicht der schöne Charly war, sondern der ernste Ernst, ein krummer Hungerhaken und ein Motztrotz obendrein. Er träumte auch nicht davon, sich jeden Abend mit einer anderen Schönheit zu vergnügen. Er wollte lieber mit einer soliden, nicht zu gut aussehenden Freundin das Zukunftsprojekt Nestbau angehen. War halt nur schwierig, wenn man nie eine abbekam, weil man ein Ernst war und auch so aussah.

Aber sich von seinem besten Freund verkuppeln zu lassen war völlig unter seiner Würde.

Welcher Würde? Ha! Er war jetzt 38 und immer noch Jungfrau. Und trotzdem: Lieber würde er sein ganzes Leben als unglücklicher Solo-Artist verbringen als so weit herabzusinken, dass er Almosen annehmen musste. Was konnte denn er dafür, dass die Frauen seine inneren Werte nicht erkannten, das war doch deren Problem! Ihm fiel ein alter Spruch ein, den er für sich leicht abwandelte:

Aus Spaß wurde Ernst – und Ernst ist heute 38 Jahre alt.