26 September 2026

Auf der Lauer, auf der Mauer ...

Ein Bilderbuchtag neigt sich dem Ende zu. Begonnen hatte alles heut Morgen mit meinem eklatanten Verstoß gegen das Rentner-Ausschlaf-Gesetz, als ich bereits um 9 Uhr (!) meine Bettstatt verließ. Wenigstens machte ich dadurch mir keinen Stress in der Morgenroutine und konnte nach FRÜHstück, Marktgang, Einkaufsrunde und Sprung unter die Dusche  meine beiden lieben Begleiterinnen pünktlich um eins zum Mittagessen begrüßen. Mein Ofengemüse erntete allgemeine Zustimmung, ebenso der Nachtisch und der Espresso/Kaffee.

Unsere Leisereiterin Cornelia Gulisa hatte für heute wieder einen interessanten Ausflug organisiert. Durch den folgenden strammen Fußweg zum Bahnhof waren wir einige Minuten früher am Bahnsteig, was die DEUTSCHE BAHN dazu nutzte, unserem Regionalzug ein par Minuten mehr Verspätung hinzuzufügen. Aber diesmal KAM die RB26!
Dass aufgrund der Komplettsperrung der rechten Rheinseite viele auf die Züge der linken Seite ausweichen müssen, veranlasste die Bahn, dem Zug nur sehr wenige Wagen zu gönnen, so dass man am Bahnsteig schon beim Einlaufen sah: Wir können da unmöglich alle reinpassen. Aber dank meines energischen Einsatzes schafften wir es alle drei hinein in den Zug. Aufgrund der ständig nachdrängenden Fahrgäste standen wir im Türenbereich auch nicht alleine da, und als wir dann endlich losfuhren, konnte auch keiner mehr umfallen.

Kurz vor Remagen dann die befürchtete Durchsage, dass alle Menschen aus dem letzten Wagen in Remagen aussteigen und sich in einen der hoffnungslos überfüllten vorderen Wagen begeben müssen. Auch aus unserem Wagen machten sich einige auf den Weg, aber dank Connys Fachwissen konnten wir drinbleiben und mit mehr Luft zum Atmen abwarten. Als sich nach gefühlt 20 Minuten unser Wagen wieder in Bewegung setzte, wussten wir, dass wir gerettet waren.

Wenig später spazierten wir in Bonn-Mehlem vom Bahnhof zur Rheinfähre, wie schon so oft in den letzten Jahren. Die Überfahrt nach Königswinter ging schnell und fehlerfrei, jetzt fehlte nur noch das letzte Stück auf der falschen Rheinseite bis zurück bis nach Rhöndorf, für das unsere Reiseleiterin die Fahrt mit der Straßenbahn geplant hatte. Diese fiel jedoch genauso aus wie alle rechtsrheinischen Bahnverbindungen, aber es wurde eine Schienenersatzverkehr angeboten. Die Suche nach der passenden Haltestelle und der richtigen Straßenseite hatte die Bahn als ein kniffliges Ratespiel gestaltet, das wir jedoch bravourös lösten und letztendlich unversehrt in Rhöndorf angelangten, dem Ziel unseres heutigen Ausflugs.

Auf dem folgenden kleinen Fußweg zum Objekt der Begierde erfuhr ich eher zufällig zum ersten Mal, dass die Heilige Mutter Maria auch in Versuchung geraten war. Möglicherweise habe ich aber auch damals im Religions-Unterricht nicht richtig aufgepasst.


In der etwa einstündigen Führung durch das Wohnhaus eines gewissen Herrn Adenauer erfuhren wir viel Privates aus seinem Leben.

Es sind einige Höhenmeter bis zur Villa Adenauer

Herrlich gelegen im Berghang liegt des Altkanzlers Wohnhaus, welches nach seinem Tode von den Erben dem Staat vermacht wurde, damit es noch lange besichtigt werden kann. Die Räume und Möbel sind seit Adenauers Tod 1967 weitestgehend unverändert geblieben und wir konnten uns schon ein gutes Bild davon machen, wie der erste deutsche Bundeskanzler privat gelebt hat.

Am meisten erstaunt war ich, als ich im Esszimmer das gleiche Kaffeegeschirr wie bei meinen Eltern entdeckte.

Ein anderer freundlicher Teilnehmer der Führung verewigte uns auf einem Abschiedsfoto vor dem Haus. Ich denke, wie gut es uns allen ging, sieht man uns auf dem Foto an.

Wir machten uns kurz darauf auf den Rückweg zum Bus. Unterwegs entwickelte sich eine kurze Diskussion über den möglichst schnellsten Rückweg nach Hause. Wir einigten uns auf den Bus zur Fähre Erpel-Remagen, der auch wenig später fast vor unserer Nase hielt. In Erpel erkannte dann Conny mit messerscharfem Blick, dass die dortige Fähre entgegen ihrer Internetanzeige besatzungslos vor Anker lag und trieb uns schnell  wieder zurück in den Bus. Zum Glück, denn ich alleine hätte das erst viel später bemerkt und wäre vermutlich in Erpel gestrandet.

So fuhren wir weiter bis nach Linz, wir sind ja zum Glück spontan und flexibel. Der Fußweg zur dortigen Autofähre zog sich zwar ein wenig in die Länge, aber letztendlich schafften wir auch diese Überfahrt nach Kripp. Einziges Manko: Kripp hat keinen Bahnhof, von dem aus wir hätten weiterfahren können. Und meine Bahn-App brauchte ich gar nicht mehr zu fragen, die zeigte mir seit einer ganzen Weile nur noch Unsinn an.
Aber was Kripp hat, sind sehr viele Bushaltestellen, eine davon direkt an der Fähre. Ruckzuck saßen wir im Bus zurück zum Bahnhof Remagen, wo auf Gleis 3 ein Regionalexpress Richtung Koblenz fahren sollte, der auch in Andernach halt macht. Der Bahnsteig war ziemlich leer, die angekündigte Verspätung bewegte sich im Minutenbereich, wir atmeten auf.

Etwa zehn Minuten, bevor der RE5 eintreffen sollte, begannen Menschen aus der Treppe des Bahnhofstunnels hoch zu strömen, erst auf das benachbarte Gleis 2 Richtung Köln, dann aber auch auf unser Gleis 3. Das hörte überhaupt nicht mehr auf. Da viele der Menschen angetrunken waren und teilweise Weinflaschen und Gläser bei sich trugen, fragte ich mich schon , ob sich irgendwo ein Fußballstadion geleert hatte. Da sich bei uns fast alle auf den Bereich C konzentrierten, konsultierten wir die Wagenstandsanzeige und entdeckten nach längerer Inspektion im Halbdunkel das große B 50 Meter weiter. Genau dort positionierten wir uns, als der Zug einrollte und erwischten eine freie Vierer-Sitzgruppe direkt neben der 1.Klasse. Es gesellten sich noch einige freundliche Mitfahrer hinzu, die auch das Rätsel des Besucherstroms auflösen konnten: Die kamen alle von einer langen Weinwanderung an der Ahr und waren entsprechend gut drauf.. Perfekt!

Gegen halb neun verabschiedete ich mich sehr herzlich von meinen Begleiterinnen. Gegen uns drei hatte der Bahn-Murphy einfach keine Chance gehabt. Und am Ende des schönen Tages waren wir alle froh, daheim die Füße hochlegen zu dürfen. HACH!

23 September 2026

Von Gulisa bis Liuduuinesthorp

Mit "Oh Mosella!" und "Warum ist es am Rhein so schön?" besangen einst die Künstler unsere schöne Gegend. Ich durfte mir in den letzten Tagen mal wieder selbst ein Bild davon machen.

Angefangen hatte es am Montag mit einer Einladung zum Spätstück um Punkt 12 Uhr bei Freunden in Gulisa. Mit meinem blau-weißen Freund konnte ich zusammen das letzte Fußballwochenende bejammern, auf das ich hier nicht weiter eingehen möchte. Mit seiner allerbesten Cornelia Fabulosa hatte er ein tolles  und vielfältiges Mahl bereitet. Schon mal Pflaume mit Tonka-Bohnen auf dem Brot probiert? Ich kann euch sagen, das ist einen Versuch wert.

Nach dem ausgiebigen Spätstücks-Klön wies Conny mir noch einmal den Weg hoch auf den Berg, eine Frischluftrunde mit wenigen, aber steilen Schritten. Vorbei an unbeschrifteten Grotten und Kreuzwegstationen strebten wir stetig bergauf.

Wir hatten richtig Glück mit dem Wetter und genossen den schönen Weg.










Oben angekommen, erfreuten wir uns am Ausblick von einer Bank und an der himmlischen Stille..

Cornelia Gulisa Confluentia

Bergab ging es später leichter und es hat mir sehr gut getan.

Nach so viel Bewegung war der Dienstag geradezu prädestiniert für Erholung. Der Besuch beim alten Kumpel Ernest International war auch erholsam und die spätere Wellness-Physio unter Natalies heilenden Händen geradezu göttlich. So geht Erholung!

Heute befolgte ich ebenfalls das Rentner-Ausschlaf-Gesetz und schaffte es dennoch, pünktlich um 16 Uhr auf der falschen Rheinseite zu sein und dort eine gute Freundin von der Arbeit abzuholen. Sie hatte mich an meinem Geburtstag mit einer Einladung zum Essen beglückt, für die wir heute endlich einen passenden Zeitpunkt gefunden hatten. Statt Ofengemüse in Pillonia gab es Rheinischen Sauerbraten in Liuduuinesthorp, wie es ursprünglich genannt wurde.

Auf der großen Rheinterrasse wurde uns ein Gericht serviert, dass ich seit Ewigkeiten nicht mehr gegessen hatte. Lecker Lecker Lecker!

Sauerbraten a la MS Franziska

Wenn man dazu auch noch einen tollen Sonnenuntergang über den Hügeln der richtigen Rheinseite präsentiert bekommt, ist der Tag perfekt.

Dementsprechend entspannt und gut gelaunt sitze ich nun zu Hause, schreibe diese Zeilen, und freu mich auf morgen.

05 September 2026

Das Maiglöcken und Mike Neuhaus

Der Tag begann mit einem Porridge vom Feinsten, das ich mit Achims Leinmus und meinem gestern frisch geröstetem Topping verfeinert genießen durfte.

Il Maestro de la Roestico im Einsatz

Derart gut gestärkt besuchte ich den Wochenmarkt, wo mich meine drei Favoriten Walli, Achim und Lili mit allerlei Leckereien versorgten. Ich sage nur Salsiccia Picante, Goldlein-Öl und Muskat-Kürbis.

Als Vorbereitung auf meine Lesung heute Abend in der Kulturnacht gönnte ich mir einen langen Mittagsschlaf und stärkte mich final mit einem der weltbesten BIO-Rindersteaks von Walli, gewürzt mit dem BIO-Smoky-BBQ-Rub von Hartkorn und einem Stück Wassermelone von alnatura. Bis dahin schon ein köstlicher Tag im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Maiglöckchen liest

Pünktlich um sieben landete ich im kleinen Antiquariat, um der Lesung meiner Mitschreiberin Maiglöckchen zu lauschen, die heute den Anfang machte. Besonders ihr dritter Text über wiedererkannte Vorfahren auf einem KZ-Foto hat mich sehr berührt. Einige Freunde und Bekannte waren bereits im Publikum. Danach machten wir eine Pause, denn ich war im Flyer für acht Uhr angekündigt und weitere Freunde hatten angekündigt, dabei sein zu wollen.

Mike Neuhaus wird gelesen

Als dann alle Stühle besetzt waren, trug ich einige Auszüge aus meinem bisher unveröffentlichten Roman "Fliegen Lernen" vor und fand dabei ebenso den Beifall der Zuhörerschaft, so wie es auch vorher bei Maiglöckchen gewesen war.

Die Worte "schön" und "gelungen" machten die Runde.

Da meine blau-weißen Jungs heute um 20:30 spielten, machte ich mich danach schnell nach Hause, um zeitversetzt den Triumph in Dresden vor dem Fernseher miterleben zu dürfen.

Wenn das mal kein perfekter Tag war.