08 November 2022

Meine Radiostation

Vor einigen Jahren habe ich mir aus technischem (und musikalischem) Interesse eine Internetradiostation auf einer kostenlosen Plattform zusammengebastelt. Mit vielen Stunden, Tagen, Wochen und Monaten schöner Arbeit stellte ich in meiner Freizeit 31 Playlists mit verschiedenen Themen zusammen, füllte sie alle mit den entsprechenden Songs und stellte daraus einen Sendeplan für die ganze Woche zusammen. Und am Ende nahm ich mir bei einigen wenigen Sendungen auch die Freiheit, einige Lieder und Interpreten selbst an- oder abzumoderieren.

DJ Bearbone

Als am Ende alles rund um die Uhr lief, war ich glücklich und zufrieden. Ich hatte all meine Lieblingssongs ins Netz gestellt und sie waren rund um die Uhr zu hören. "Through the Years" nannte ich die Station, weil die Sendungen/Playlists eine wirklich bunte Mischung aus einigen Jahrzehnten darstellten. Da ich mir jedoch nicht jede Woche nur meine eigenen Favoriten anhören wollte, ließ mein Interesse, die Station selbst zu hören, immer mehr nach, bis sie letztendlich ganz in Vergessenheit geriet. 

Als ich heute Abend durch einen Zufall nochmal über meinen Sender stolperte, hab ich nachschauen müssen, wie lange das her ist und bin erstaunt, dass seit dem Start des Senders bereits 14 Jahre vergangen sind. Zwischen 2008 und 20212 habe ich den Sender mit musikalischem Leben gefüllt. Noch erstaunter war ich beim Blick in die Hörerstatistiken, wo ich feststellte, dass ich im letzten Monat täglich zwischen 18 und 46 Hörer hatte, die nicht nur kurz reinschalteten, sondern zusammen zwischen 36 und 102 Hörstunden täglich meinem Radio lauschten, also im Schnitt etwa 2 Stunden pro Nase. Dann kann meine Musikauswahl soo schlecht nicht gewesen sein, auch wenn ich gar nicht so auf den Mainstream fixiert war.

Wenn ich in die Playlists einzelner Sendungen reinschaue, sehe ich allerdings, dass hier manchmal etwas durcheinander geraten ist. So ist Bob Dylan mit drei Songs in der New Wave gelandet, und ein paar Hits aus der Soulecke bei den Superbands, wo ich eigentlich einzelne Interpreten mit mehreren Liedern vorstelle. Aber was soll's, es wird noch gehört und das ist schön.

In der linken Spalte dieses blogs befindet sich am Ende ein Link zur Radiostation. Wer sie noch nicht kennt, kann gerne mal reinhören oder sich im Sendeplan anschauen, wann welcher Sound über den Internet-Äther kommt, der für ihn/sie interessant ist. 

Wie z.B. mittwochs ab 22 Uhr die Melancholica. Es gibt auch zwei mehrstündige Sendungen Musikalische Zeitreise nach 1970 bzw. 1971, die jeweils an drei Tagen ausgestrahlt werden und einen wirklich in diese Jahre entführen können. Und vieles vieles mehr,

Eigene Ansagen habe ich nur in wenigen Sendungen eingespielt. New Wave, Soulecke und in den Superbands 1-5. Aber da sind auch wirkliche Superbands zu hören, natürlich alles nach meinem ganz persönlichen Geschmack der Jahre 2008 bis 2012.

Hier geht es direkt zum Sender:


07 November 2022

Aller guten Dinge sind drei

Parallel zur Wetterentwicklung draußen schlichen sich in den letzten Tagen stekum immer mehr graue Wolken auch in meine inneren Windungen. Wie ich von einigen Freund*Innen gehört habe, scheint das ein allgemeines Phänomen zu sein. Der graue Herbstblues raubt einem Energie und Lebensfreude.
Natürlich versuche ich mich davon nicht unterkriegen zu lassen und drehe weiterhin meine Runden, wenn auch reduziert. Denn mit der Sollerfüllung um jeden Preis tue ich mir keinen gefallen

Andere notwendige Aktivitäten sind da besser geeignet als Gewaltmärsche. So bereite ich mich auf zwei autofreie Wochen ab Donnerstag vor, denn meine alte Rappelkiste bekommt zum 18. Geburtstag nochmal zwei Jahre TÜV geschenkt. Das ist bei einem solchen Gefährt eine Herausforderung, die nur der Kfz-Meister meines Vertrauens so hinbekommt, dass die Reparaturkosten keine Überlegungen über ein neues Auto aufkommen lassen. Und da er die Hütte mit dringenden Aufträgen voll stehen hat, wird er an meiner Kiste etappenweise schweißen und feilen, wenn er zwischendurch grad mal die Bühne frei hat.
Mein erster Gedanke war natürlich ein Leihwagen. Als ich mir im Netz ein paar Preise für halbwegs vernünftige Autos angesehen habe, in die ich auch reinpasse, entscheid ich mich für das autofreie Zwei-Wochen-Experiment. Andere Menschen kommen ein Leben lang ohne Auto klar, dann werde ich es auch für zwei Wochen schaffen. Alles in Andernach kann ich eh zu Fuß erledigen. Für den Rest werde ich den ÖPNV testen.

An Tagen wie diesem geht dann schon viel Zeit drauf für langes Schlafen, Frühstücken, Tablettenplan für die Woche ausdrucken, eMails beantworten, Buslinien und -zeiten recherchieren, um die nächsten Termine in Saffig, Koblenz und Kettig per Bus und Zug wahrzunehmen. So war es plötzlich schon wieder Nachmittag und Zeit, meine Runde zu drehen, mit der ich dem Alltagsgrau momentan täglich Paroli biete.
Vom Bollwerk aus nahm ich die gewohnte Rheinrunde in Angriff und machte dabei zwei Fotos von unten. Zum Einen den arm- und angellosen Angler, aus dessen Bauch ein Moniereisen heraus ragt. Welche Knallköppe ihm immer wieder die Angel demontieren, will ich lieber gar nicht wissen.

Angler ohne Unterarme und Angel
Im Kreis die Kanzel












Zum Anderen versuchte ich mal, die Kanzel von hier unten abzulichten, auf der ich gestern die Rheinanlagen von oben fotografiert habe. Ein schwieriges Unterfangen bei limitierter Handykamera und schlechten Lichtverhältnissen. Aber man kann doch erkennen, dass es ganz schön hoch ist.

Auf dem Rückweg vom Pegelhaus aus machte ich einen spontanen Umweg durch das Rheintor hin zum Rathaus, meiner ehemaligen Wirkungsstätte. Denn da aller guten Dinge drei sind, würde ich heut natürlich die beiden Kolleginnen antreffen, die ich in den letzten beiden Wochen vergeblich besuchen wollte. Als mir im zweiten Stock der freundlicher Kollege Westwood sagte, dass Lady Colonia heute ausnahmsweise früher Feierabend gemacht hat und vor etwas zehn Minuten gegangen ist, dachte ich spontan an die versteckte Kamera. Urlaub - dienstlich unterwegs - Feierabend. Das glaubt einem ja keiner.

Die nette Motorradbiene

Aber dafür war die Motorradbiene tatsächlich anwesend und empfing mich mit einem sympathischen Lächeln. So lernte ich meine Mit-Spielerin in der Fußball-Tipprunde auch mal persönlich kennen. Nach einem kurzen Smalltalk wollte ich sie nicht weiter von ihrem Job abhalten und machte mich wieder auf den Rückweg, natürlich nicht ohne unterwegs eine kurze Tätigkeitskontrolle bei anderen Kolleginnen und Kollegen vorzunehmen. Alleine mein  strenger Blick reichte aus, um Skippy, Glückspilz und Spider-Arni sofort wieder zum Arbeiten zu bringen. 😂
Klar, bei dem Jungvolk muss man immer mal nach dem Rechten schauen.

Die heutige Rheinrunde und solche Begegnungen brachten wieder etwas mehr Licht ins Grau und die angekündigten sonnigeren nächsten Tage tun ihr Übriges dazu. Nicht zu vergessen, das Implantat im Kopf lässt mich sehr langsam, aber kontinuierlich wieder mehr Worte verstehen, so dass ich weiter die Hoffnung habe, eines Tages wieder halbwegs normal hören zu können.

06 November 2022

Auf der Suche nach der verlorenen Energie

Was für ein Tag. Kennt ihr das auch, wenn man morgens wach wird und grad so weiterpennen kann? Beim Lesen nochmal einschlafen und dann gegen elf wieder wach werden?

Nach der Morgentoilette und dem Frühstück war heute der halbe Tag bereits rum - und ich war immer noch müde und schlapp. Wie gut, dass ich gestern spontan einen Besuch bei meinem Freund und Ex-Kollegen Gerd für zwei Uhr ausgemacht hatte. Nach einer Stunde Erzählen, wovon ich mittlerweile einiges wieder verstehen konnte, beschlossen wir, den Kampf mit unseren inneren Schweinehunden aufzunehmen und zusammen wenigstens noch eine Runde an der Luft zu drehen, bevor es schon wieder dunkel wird. Diesig war es ohnehin schon die ganze Zeit, und kalt. Ungemütlich.

Gerd und der Knutzen

Bis zum nahegelegenen Park ist es nur ein Kilometer durch ruhige Wohnstraßen und dort besuchten wir den Schäfer Toni und andere alte Bekannte. Ich konnte Gerd an einem naturgeschaffenen Kunstwerk ablichten, dem Knutzen. Irgendwann bemerkten wir beide, dass die Beine langsamer wurden, Müdigkeit breitete sich im ganzen Körper aus. Wir machten kurz hinter der warmen Quelle kehrt und ließen den Rückweg langsamer angehen. Es gibt halt solche Tage, da geht nicht viel. Trotzdem waren wir froh, wenigstens diese Schritte an der frischen Luft gemacht zu haben. Ich verzichte heute großzügig auf das Erreichen der 8.000er Marke und hoffe, dass meine Energien morgen etwas besser aufgeladen sind.

05 November 2022

Die Acht auf dem Berg

Wenn die Tage immer kürzer werden und dazu noch geliebtes Programm ansteht, dann muss ich mich sputen, um bei Tageslicht auf meine gewünschten Schritte zu kommen. So auch heute. Morgens das liebgewonnene Frühstücks- und Marktgangsritual mit meinem KLB und nachmittags stand das wichtige Auswärts-Derby meiner blau-weißen Jungs bei den marodierenden Horden aus Lüdenscheid-Nord an. Aber über Fußball werde ich an diesem Wochenende gar nicht schreiben geschweige denn sprechen.

Aber Fakt ist: Nach dem Spiel ist es dunkel draußen. Um fünf geht die Sonne unter! Und vor dem Spiel will ich mir noch etwas Leckeres auf den Teller zaubern, So entschloss ich mich, nach dem Einkauf sofort eine Runde auf unserem Hausberg zu drehen, das Wetter lud auch sehr dazu ein.
Zuerst begab ich mich auf einen kleinen Rundweg auf dem Plateau, zwischen Feldern und Wiesen, und mit einem schönen Weitblick nach allen Seiten.

grün und blau und weiß und weit ....

Als ich nach der Runde auf den Schrittzähler blickte, war klar: Da fehlt noch was. Also machte ich aus der Kreisrunde eine Acht und nahm mir die kleine Runde am Rheinhang entlang vor. Zuerst kam ich zur prämierten Weinsicht, deren schöne Rastmöglichkeit ich heute nicht in Anspruch nahm.

Blick auf Leutesdorf mit der Marienburg im oberen Kreis
Der direkte Durchblick auf die Leutesdorfer Weinberge

Man hat hier oben einen wirklich tollen Blick sowohl auf die Weinberge gegenüber als auch rheinabwärts bis an die nächste Rheinbiegung zwischen Bad Breisig und Sinzig. In wärmeren Monaten ein viel genutzter Rastpunkt auf den Wanderungen. Bei 12°C empfehlen sich kürzere Pausen.

Weiter gings an den wenigen Wohnhäuschen vorbei, die auf der Rheinseite in den Hang gebaut sind. Beim Blick von unten macht mir das schon Schwindel im Kopf. Dann ging der Weg schon etwas abwärts und die Reste der alten Krahnenburg kamen in Sicht.

Der Turm von oben gesehen

Blick zurück von unten


Die Krahnenburg war ein ehemals sehr beliebtes Ausflugslokal, das 1887 errichtet wurde, verfällt seit Jahrzehnten. Einstmals war es über eine eigens dafür errichtete Drahtseilbahn vom Alten Krahnen aus erreichbar, ebenso wie die Kaiserburg, die wenige Jahre später gebaut wurde, von der aber wohl heute nichts mehr übrig ist.
Seit ein paar Jahren gibt es wieder Pläne, hier eine Lokalität am alten Turm anzubauen. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht.

Hat man die Krahnenburg passiert, steht man schon an der Kanzel, die wie die Weinsicht tolle Ausblicke bietet. Bei klarerem Wetter blickt man weit über das ganze Koblenz-Neuwieder Becken hinaus. Auch auf die Höhen der anderen Rheinseite sieht man mit dem Windhäuser Hof links und dem Neuwieder Höhenstadtteil Hüllenberg rechts.

Die Kanzel

Auch der Blick von oben auf Andernach lohnt sich. Im Foto links kann man sehr schön die Rheinanlagen erkennen, meinen Standard-Frischluftweg mit dem Bollwerk am hinteren Ende, dem Kleinen Deutschen Eck mit seinem Sandstrand davor und den vielen Schiffssteigern entlang der Anlage.

Die Rheinanlagen von oben

Der Alte Krahnen von oben

Um das vordere Ende sehen zu können, muss man sich schon ein wenig weiter an das kleine Geländer vorwagen und die Kamera darüber hinaus halten. Dann erblickt man auch ein Andernacher Wahrzeichen, den Alten Krahnen, der auf dem rechten Foto zu sehen ist.

Auf dem letzten Stück bergauf zurück zum Auto versteckt sich hinter Bäumen in einem unscheinbaren Seitenweg eine interessante Anlage.

Die Gedenksteine

Das Turnerheim

Der Andernacher Turnerbund TBA hat eine lange Geschichte und dieses nunmehr restaurierte/erneuerte Objekt spielt eine wichtige Rolle dabei. Ich hoffe, demnächst vom Präsidenten des TBA ein wenig zur Geschichte dieser Stätte erfahren zu können.

Dann war ich am Ende meiner Runde angelangt und mein GPS-Tracker im Schrittmacher zeigte erfreuliche 3,9 km und 4.700 Schritte allein für diesen Ausflug an, so dass ich mein Tageslimit von 8.000 Schritten heute locker erreiche.

Die 8 auf der Höhe sieht gut aus