13 März 2022

Es klingelt in der Wiese

Da mich mein tinnitöser Freund Harvey heute schon nach dem Aufwachen besonders lautstark an seine Präsenz erinnerte, gönnte ich ihm am Nachmittag ein paar neue Ausblicke an der frischen Luft. Den Weg von der klingelnden Wiese am Stadtrand hoch auf die nächste Anhöhe kannte ich selbst noch nicht.

Da geht's hoch

Ausruhen vor dem Kreuz

Es waren einige Frischluftsucher unterwegs, zu Fuß, mit dem Rad oder auch auf dem Pferd. Was mir unterwegs als erstes auffiel, war wie weit die Wohnbebauung am Stadtrand und der Büropark, an dem ich mein Auto abstellte, sich hier draußen schon angenähert haben. Das war mir bisher noch nie aufgefallen.

Auch die hier gelegene KiTa, die von einer Freundin geleitet wird, hat ein großes Außengelände.

Auf dem Weg nach oben eine Bank zum Ausruhen und dahinter eins der Wegekreuze, die man in unserer Region so zahlreich findet. Die Inschrift könnte ich leider nicht ganz entziffern.



Aber man passiert auch Höfe und Weiden mit allerlei zotteligem Viehzeug, langmähnige Ponys und Rinder. Von oben hat man einen schönen Panoramablick über das Koblenz-Neuwieder Becken.

Panoramablick Richtung Weißenthurm bis Ochtendung

Und als sich mir auf dem Rückweg dieser schöne Baum präsentierte, an dem ich auf dem Hinweg achtlos vorbeigelaufen war, müsste ich ihn natürlich im Bild festhalten.

Ein toller Baum

12 März 2022

Von Pröpsten und weißen Möwen

Für unsere heutige Tour de air frais entführte mich mein Lieblingsbruder zu einer altbewährten Stätte, von der aus wir jedoch heute einen anderen Rundkurs als sonst nahmen, der uns auch durch den Ortsrand der nahegelegenen Gemeinde führte.
Es begann mit einem schönen Ausblick über frischgepflügte Felder auf den Teil des Orts, der in den Hang einer der vielen vulkanischen Erhebungen gebaut ist. Auf dem frisch gepflügten Feld beköstigten sich Heerscharen von Möwen. (Ja, Brüderlein sagte, es seien Möwen!)

Die weißen Möwen waren auch nicht müde

Wir spazierten diesmal in genau diese Richtung und entdeckten in diesem Teil des Ortes viel Interessantes. So z.B. ein Kreuz, dass der gottesfürchtige Peter Ochtendung und seine Hausfrau Margreta 1757 errichten ließen.



Oder eine alte Propstei, die wohl gerade restauriert wird. Ein stattliches Gebäude, dass ich nur im Verschnitt aufs Foto bannen konnte, denn die große Gasse ist nicht breit genug, um mit entsprechendem Abstand die ganze Front auf ein Bild zu kriegen,


Die alte Propstei - im Verschnitt

Wer war BM?

Am Ende der Runde verließen wir den Ort wieder und sahen auf dem etwas wellingen Weg zum Auto verschiedene gut erhaltene Kreuzwegstationen aus Basalt am Wegesrand. Dahinter dann ein Gebäude, dass sehr nach Kapelle aussieht, dessen Eingänge aber leider verschlossen waren. An der gut lesbaren Inschrift erkennt man das Baujahr 1801, das typische IHS und wahrscheinlich die Initialen des Erbauers BM.





Eine knappe Stunde Bewegung an der frischen Luft hat uns gut getan, so dass wir anschließend ohne schlechtes Gewissen Nussecke und Müsliriegel zum Kaffee genießen konnten.


Bleibt nur die Frage: Wo waren die Kerle heute?


11 März 2022

Kleine Runde am Nettehammer - inkl. Murphy

Heute Morgen kutschierte mich mein lieber Bruder mal wieder zur dritten Kortisonspritze ins Krankenhaus. Das ging heut recht zügig, wenn auch weiterhin ohne den ersehnten Verbesserungsschritt. Aber wenigstens waren wir früh genug zurück, um gemütlich zusammen zu frühstücken. Und weil ich leider immer noch nichts hören/verstehen kann, übernahm mein Brüderlein noch einige Anrufe für mich, bevor er sich in seine wohlverdiente Wochenendauszeit zurückzog.
Für mich die Gelegenheit, noch schnell im Städtchen was zu besorgen und eine Freundin zu besuchen, die mir den AB des Handys abhörte und niederschrieb. Danach war auch ich reif für zwei Stündchen Augenpflege. Als der Handwerker dann bereits um kurz nach vier seine Unterschrift abgeholt hatte, unternahm ich noch einen kleinen Ausflug nach Miesenheim, wo ich die letzten 15 Jahre gewohnt hatte, bevor ich in 2018 meine Traumhütte in Andernach erwarb. Ich parkte am Ortsrand und lief den altbekannten Spazierweg an der Nette entlang und genoss die frische Luft und die Spätnachmittagssonne.

Unterwegs konnte ich am altehrwürdigen Gut Nettehammer sehen, dass die Hochwasserschäden des letzten Jahres auch hier noch nicht alle behoben sind. Die eigentliche Brücke über die Nette war wohl so sehr beschädigt worden, so dass man ein paar Meter daneben zumindest eine Behelfs-Fußgängerbrücke für die Gutsverwaltung und die Bewohner errichtet hatte.

Die Brücke zum Gut Nettehammer

Wenn man danach die Baumallee in Richtung Weißes Haus nimmt, hat man von unterwegs einen schönen Blick zurück über die Dächer von Miesenheim. Aus der Silhouette ragen beide alten Kirchen heraus.

Die Silhouette von Miesenheim

Nach einer Dreiviertelstunde zurück am Auto dann der erste kleine Aufreger: "Bitte den Ölsand kontrollieren!" blinkte es mir dick und fett vom Armaturenbrett entgegen. Ok, auf dem Heimweg fuhr ich sehr vorsichtig und überlegte kurz, am Autohaus anzuhalten, das auf der Strecke liegt, entschied aber dann, die paar Meter bis nach Hause rollen zu lassen und daheim erstmal selbst nach dem Öl zu schauen. Gesagt, getan. Ein Blick in meine Box im Kofferraum sagte mir, dass sich die Flasche Motoröl, die ich seit Jahren spazieren fahre, anscheinend in Luft aufgelöst hatte. Mein Versuch, den Deckel zum Motorraum zu öffnen, um überhaupt den Ölstand kontrollieren zu können, scheiterte komplett. Das Drecksteil klemmte wie festgeschweißt und ließ sich keinen Zentimeter öffnen. Aber wofür ist man denn Stammkunde der besten Werkstatt der Region, die immer bis mindestens halb acht geöffnet hat?!

Da ich mir des Risikos bewusst war, evtl. ohne Öl unterwegs zu sein, betätigte ich auf den zehn Kilometern dorthin maximal dreimal das Gaspedal und ließ ansonsten nur untertourig rollen. Keine Bundesstraße, sondern schön ruhig über die Landstraßen. Der Wagen ließ mich nicht im Stich . und dann stand ich vor der Werkstatt. Kurz nach sechs - alles dunkel!
Telefonisch war auch niemand zu erreichen. Das glaubt einem doch keiner! An dem wahrscheinlich einzigen Werktag im Jahr, an dem meine Werkstatt pünktlich dicht macht, fängt mein Öllämpchen an zu blinken und ich kriege den Deckel zum Motorraum nicht auf! Wenn es je eines Beweises für die Existenz Murphys bedurft hätte, HIER WAR ER!

Also rollte ich  den gleichen Weg zurück und schickte Wünsche ans Universum, dass mein treues Gefährt bitte bitte nicht unterwegs ohne Öl mit verrecktem Motor liegenbleiben möge. Auf meine SMS antwortete der Werkstattchef eine halbe Stunde später, als ich schon wieder zu Hause war. Er war gerade in Aschaffenburg. Zum Glück habe ich total nette und hilfsbereite Nachbarn, mit deren Hilfe ich a) den Motorraum öffnen konnte (Ölstab zeigte große Trockenheit an!) und b) zur Tanke gefahren wurde, um mir dort ein Liter passendes Öl zu kaufen und anschließend aufzufüllen.
Tief durchatmen - ich bin zu alt für so 'nen Scheiß!

10 März 2022

Und schon wieder am Rhein

Der heutige gebrauchte Tag ließ mir keine andere Wahl, als mich nachmittags nochmal in die sonnigen Rheinanlagen zu begeben, um meine tägliche Frischluftrunde zu drehen und dabei ein paar schöne Eindrücke aufzunehmen. Erfreulicherweise gesellte sich mein Brüderlein auch dazu, den ich eigentlich erst heute Abend erwartet hatte.


Und so zeigte ich meinem tinnitösen Begleiter im Kopf heute nochmal etwas genauer, was es alles Interessantes zu sehen gibt, So z.B. den Angler, der seit Jahr und Tag die andere Rheinseite beobachtet, obwohl man ihn immer wieder seiner Angel beraubt hat und er anstatt Armen nur noch ein paar Stümpfe hat.

Außerdem hatten wir heute Nachmittag eine gute Sicht auf die ganze Leutesdorfer Rheinfront bis hin zur Marienburg.


Ok, Namedy versteckte sich weiterhin im Dunklen hinter dem Krahnenberg. Man sieht nur das vorgelagerte Werth, auf dem auch der weltberühmte Geysir springt. Der Zugang aus dieser Richtung wird auch aus gutem Grund in Andernach vom Alten Krahnen aus kontrolliert.

Ja, die meisten Namedyer, so berichtete mir ein entfernter Neffe von dort, sind froh, den Krahnenberg zwischen sich und Andernach zu haben. Er vergaß dabei zu erwähnen, dass er natürlich im Andernacher Krankenhaus zur Welt kam. Und seine Heimatliebe zum geliebten Namedy geht so weit, dass er selbst seit Jahren in Afrika lebt und nur noch zum Besuch bei der Familie hierhin zurückkommt.

Man kann auf dem folgenden Bild auch schön erkennen, wie schmal der sonst so breite Vater Rhein sich in der Namedyer Stromenge macht, um an diesem Örtchen unbeschadet vorbei zu kommen.

Mit Äppelschmeer allein ist es halt auch nicht getan.


Zum Schluss noch ein Blick direkt nach Gegenüber, wo zwischen Leutesdorf und Feldkirchen die ehemals bewirtschafteten Terrassen der Weinberge zu sehen sind. Heute alles sehr karg oder verwildert.


Wir beendeten unseren Spaziergang daheim bei Kaffee, Nussecken und Rüblischnitten aus der besten Bäckerei der Region. So kann man es aushalten.