23 März 2019

Ahrweinkönigin und Bauer Plath

Die in Andernach lebende Autorin Gabriele Keiser versucht schon seit fast drei Jahren, interessierten Menschen (ja, ich bin auch einer) in einem VHS-Kurs die Kunst des Schreibens näher zu bringen - und verzweifelt im stillen Kämmerlein sicher manchmal über unsere literarischen Übungsstücke. Um so erfreulicher, dass Sie uns für heute Abend tatsächlich zu einer privaten Lesung aus Ihrem neuen Roman "Ahrweinkönigin" zu sich nach Hause eingeladen hat.

Musikant und Literatin
Musikalisch begleitet wurde sie dabei vom Bendorfer Liedermacher Manfred Pohlmann, der in den Lesepausen mit thematisch passenden Liedern zeigte, dass er ein breites Repertoire beherrscht.
Die Autorin erklärte zu Beginn kurz das Setting des Romans, bevor sie einzelne Passagen vortrug. Ein Krimi, der nicht nur Regionalkrimi sein wird, sondern auch kritische gesellschaftliche Themen nicht weglässt. Multikulti war schon in allen Büchern der Franca-Mazzari-Reihe präsent, als Alltagsnormalität. Diesmal nehmen andere Kulturen mit einigen Blicken zum Schauplatz Afghanistan nochmal eine anderen Raum ein. Auch die Bienen-Problematik, die mittlerweile in jedermanns Wahrnehmung angekommen ist, spielt eine Rolle.

Aber natürlich, primär ist es ein Krimi. Und die Autorin hat viel persönlich in der Region und zu den Fakten recherchiert, sich auf Ortsbegehungen und Wanderungen die passenden Schauplätze ausgesucht und Gespräche mit Experten zu speziellen Themen gesucht. Auch davon hat sie uns heute Abend erzählt. Und nein, sie hat uns nicht verraten, wie der Kriminalfall am Ende aufgelöst wird. Selbst ihre Probeleser, denen sie die letzten fünfzig Seiten vorenthielt, kamen nicht auf die richtige Lösung. Nach dem, was wir heute Abend hören durften, freue ich mich darauf, den Roman zu lesen. Er erscheint im Juni diesen Jahres und wird am Freitag, 2.August 2019 in der Andernacher Anker-Buchhandlung mit einer Lesung offiziell präsentiert.

Eine gemütliche Runde im Wohnzimmer
Wir alle lauschten gebannt, die sprachliche Qualität ihres Romans ist so, wie wir sie uns für unsere Schreiberei wünschen. Dahin würden wir gerne irgendwann mal kommen.

Bei Antipasti, Ahrwein und Apfelschorle genossen wir die Lesung ebenso wie die Lieder von Conny Francis, Mina, Bill Ramsey, Hannes Wader und als Zugabe Witthüser und Westrupp. Als ich in der Knabberpause mit Manfred Pohlmann auf musikhistorische Dinge zu sprechen kam, stellte ich erfreut fest, dass er den 2017 verstorbenen Bernd Witthüser persönlich gut kannte und mit ihm sogar in späteren Jahren den Bauer Plath auf dessen Hof im Hunsrück besucht hatte. Deshalb gab er in der Zugabe den Titelsong des gleichnamigen Albums zum Besten.
Fotograf Harald Hoffmann (Foto-Mittelrhein) sorgte dankenswerterweise für gute Bilder, die ihr hier und auch auf der Homepage von Gabriele Keiser sehen könnt.

Es war ein schöner, rundum gelungener Abend, für den ich mich bei der Gastgeberin und allen Beteiligten auf diesem Weg noch einmal herzlich bedanken möchte.

Auf dem Heimweg ertappe ich mich dabei, mein Lieblingslied von Witthüser und Westrupp vor mich zu singen, weil mir der Song gar nicht mehr aus dem Kopf geht.

Lei le lei - lei le lei lei lei le lei
Lei le lei - lei le lei lei lei le lei

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16 März 2019

Andernacher R(h)einheit - 2.Nachhaltigkeitsmarkt

Nach einem langen, aufregenden Tag hat sich nun die innere Spannung gelöst und einem befreiten "Chaka! Es hat gut geklappt!" Platz gemacht. Das tut gut.
Für Natalie hätte die wer-weiß-wievielte Andernacher R(h)einheit eigentlich schon Routine sein können, aber heute war doch etwas Entscheidendes anders: Es war die erste Aktion unter dem Logo Ihres neugegründeten gemeinnützigen Unternehmens WaterLove, der erste WaterLove Day.

Für mich war es der zweite Nachhaltigkeitsmarkt und somit der erste Test, ob ich aus den Fehlern beim Organisieren des ersten Markts im letzten September etwas gelernt habe. Um es vorweg zu nehmen: Wir beide haben alte Fehler korrigiert und neue gemacht, und es war toll!


Viele Helfer

Zu unserer großen Freude fanden sich um 10 Uhr ungefähr 150 freiwillige Helfer am Treffpunkt ein, um das gesamte Rheinufer von der Nettemündung bis zum Namedyer Werth vom achtlos weggeworfenen Müll zu befreien. Ich selbst war währenddessen bereits in der Stadthausgalerie, um den Markt vorzubereiten, Türen aufzuschließen, die Aussteller einzuweisen, das Ein oder Andere noch in der Stadt abzuholen, Kopien zu machen, einen weiteren Aufsteller zu besorgen und so weiter.
Aber was ich an Bildern und Berichten vom Rhein sah und hörte, war deftig.


Viele Kippen
Viel Müll

















Alleine, was auf einigen Metern an weggeworfenen Kippen eingesammelt wurde, ist kaum zu glauben. Aber auch die Gesamtmenge des Mülls erschreckt mich.

Zum Glück hatte sich Fabienne und Dennis kurzfristig angesagt, um mir beim Aufbau des Marktes zu helfen, alleine wäre das gar nicht gegangen. Obwohl der Markt offiziell erst um 12:00 öffnete, fanden sich schon ab 11:00 zunehmend interessierte Passanten ein, die sich an den Ständen informierten. Trotz einiger kurzfristiger Absagen waren wir gut aufgestellt. KeepGreen Energieberatung, Neue Energie Bendorf eG, Mi-Parti Textilien, Plaidter Naturseifen, Heilsteine von Brigitte Favwer, Lebensberatung von Astrid Freia, WaterLove, plastikfreie Alternativen von Papier Rausch, der Biohof Rechhof, auch mit Proben vom Biohof Althaus-Zell, der Weltladen Andernach und Look&Cook präsentierten ein breites Portfolio an nachhaltigen Produkten, die man bereits heute in Andernach und Umgebung erwerben kann. Andere Firmen, die diesmal keinen eigenen Stand präsentierten, unterstützten uns wieder mit Getränken, Lebensmitteln und Preisen für die Verlosung.

Bevor die Verlosung unter den ehrenamtlichen Helfern gegen 13:30 stattfand, richtete der Andernacher Oberbürgermeister Achim Hütten einige Worte an die Zuschauer, bedankte sich bei allen Beteiligten für diese Aktion, und bewies mit seinen Ausführungen, dass er sich um nachhaltige Themen nicht nur Gedanken macht, sondern auch gut informiert ist.

Als die letzten freiwilligen Helfer eingetroffen waren, wurde es richtig voll in den ehemaligen Rossmann-Räumen, welche uns die neuen Verwalter der Stadthausgalerie, die Magna AG in Hamburg, netterweise zur Verfügung gestellt hatten.


Viele Besucher

Ich konnte im Anschluss selbst einige interessante Gespräche mit Besuchern führen, solches aber auch an den Ständen beobachten, die regen Zulauf hatten. Auch die nachhaltige Einkaufsliste für Andernach und Umgebung, die ich zu diesem Anlass aktualisiert hatte, fand viele interessierte Abnehmer. Einige Aussteller und Produkte werden auf der nächsten Liste ergänzt werden. Das Ganze ist wirklich ein Prozess, der niemals endet. Und das ist gut.

Fazit: Die Aussteller waren so zufrieden wie wir, Verbesserungsmöglichkeiten gibt es natürlich, aber es war schon ein Satz nach vorne gegenüber dem ersten Markt im letzten September. Morgen ist Ruhetag, und dann beginnt die nächste Planung.


10 März 2019

Römer in Saffig

Ein weiteres Highlight der kleinen, aber feinen Ausstellung im Saffiger Schlösschen durften wir am heutigen Nachmittag erleben. Die kleine Hütte war so voll wie nie, 70 Besucher wurden gezählt, und mein Halbgroßneffe vierten Grades begrüßte locker und routiniert (also wie immer) die interessierten Gäste und stellte das Programm vor.

Dann entführte uns Ricarda sehr plastisch in eine Zeit vor 2.000 Jahren. In einer lockeren gelungenen Einleitung in die Zeit, als die Römer hier ihre Zelte aufschlugen vermittelte sie auf anschauliche Weise, wie das für die hier ansässigen Kelten war, die sich selbst als Germanen bezeichneten, die Treverer. Was einige hiesige Ereignisse vielleicht mit Problemen in Rom (Nachfolge von Caesar und später Nero) zu tun hatten, war mir bis dato nicht bewusst. Auch die Produktionsstätten und Handelswege von Basalt und Tuff wurden behandelt.

Nach diesen Ausführungen folgte dann anhand von drei Beispielen aus der aktuellen Ausstellung die Erläuterung hiesiger Funde. Ich war überrascht, wie viele interessante Details und Zusammenhänge es gibt, die mir nicht bekannt waren und die ich in dieser Fülle auch nicht alle behalten konnte. Tongefäße, z.B. aus Terra Sigillata, ein Bronzedepot und ein einzigartiges Brot bildeten die Schwerpunkte in der zweiten Hälfte des Vortrags.
Fazit: Es hat Lust auf weitere Beschäftigung mit archäologischen und historischen Themen gemacht. Und: Klasse, was man hier im Schlössschen in Saffig gestartet hat!

05 März 2019

Über den Umgang mit "Deutsche Bahn"

Es begann planmäßig. Punkt 09:43 startete der RE80 in Lübeck, der Zug war nur dünn belegt, wir hatten Platz ohne Ende und konnten uns gemütlich hinflegeln. "Toll!" wird der unerfahrene Reisende jetzt sagen, "wenn die Reise so losgeht, dann kann doch nix mehr schief gehen."
IRRTUM! als bahnerfahrener Mensch weiß ich, dass genau das stets den Beginn einer Verkettung unglücklicher Umstände darstellt. Ankunft in HH auf Gleis 5 mit nur zwei Minuten Verspätung. Im bahneigenen Sprech heißt das "pünktlich!"
Unser IC2217 steht bereits auf Gleis 11 bereit. Die Rolltreppe hinauf funktioniert, so dass wir mit unseren schweren Koffern bequem hinauf gleiten. Bei Gleis 11 ist der Weg zum Aufzug mit rot-weissem Trassierband abgesperrt. Baustelle. Ok, jetzt geht's los!
Wir wuchten unser Gepäck die lange Treppe hinunter und landen unten vor Wagen 9. Wir haben in Wagen 8 reserviert. Ich weiß, das sind jetzt die kleinen Spielchen, harmlos, höchstens ein wenig nervig. Kein Mensch kennt die Richtig der Zugreihung, für 1 Wagen macht es keinen Sinn, den nächsten Wagenstandsanzeiger aufzusuchen. Also geh ich zum nächstliegenden Wagen, denn: Egal, wohin ich zuerst gehe, es wird Wagen 10 sein. Und so ist es. Ich wunder mich zwar immer wieder, wie die das hinkriegen, die Wagen so schnell zu tauschen, aber ich muss es ja auch nicht verstehen. In früheren Reisen hab ich es schon mal ausgetestet, bin zuerst ein paar Schritte in die eine Richtung, dann schnell umgekehrt und in die andere Richtung zum nächsten Wagen gelaufen. Immer landet man auf der falschen Seite. So auch diesmal, aber das kenn ich ja, dass regt mich nicht mehr auf.
In Wagen 8 sind unsere reservierten Fensterplätze wundersamerweise frei. Unser Zug fährt pünktlich los, der Zugführer begrüßt uns in seiner Ansage auf Kölsch, soll es das etwa schon gewesen sein? Pünktliche Ankunft daheim? NIEMALS!
Kurz vor unserem ersten Halt in Bremen dann die Durchsage. Wegen einer technischen Störung muss unser Zug in Bremen untersucht werden. Wir sollen mit einer kleinen Verzögerung rechnen. Eine halbe Stunde später verlassen wir Bremen, ohne technische Untersuchungen am Zug wahrgenommen zu haben. Und ohne Ansage.
Die kommt fünf Minuten später. Es habe sich eine Verzögerung von rund 30 Minuten ergeben. Ach!
Mit meinem bahnerfahrenen  Sitznachbarn tausche ich mich darüber aus, ob es am Ende mehr als eine Stunde wird, denn dann kann man 25% des Fahrpreises erstattet bekommen, wenn man einen mehrseitigen Antrag ausfüllt. Diesen Antrag muss man sich aber erst im Zielbahnhof am Schalter abholen (wo dann alle ausgestiegenen Fahrgäste Schlange stehen) oder von einem Zugbegleiter anfordern, den man garantiert für den Rest der Fahrt nicht mehr zu sehen bekommt.
Nächster Stopp Osnabrück. Nächste Durchsage. "Verehrte Fahrgäste, aufgrund von ...... verlängert sich unser Aufenthalt um einige Minuten. Wir bitten um ihr Verständnis." Mit knapp 45 Minuten Verspätung legen wir wieder ab. Dass wir den Zugbegleiter nicht mehr zu sehen bekommen, ist zu verschmerzen. Aber kurz vor zwei bekomm ich langsam Hunger. Ich nehme an, den rollenden Kantinenfuzzy werden wir nun auch nicht mehr sehen. Aber sei's drum, wir werden ankommen. Vielleicht sogar heute noch.