01 August 2017

Okapis im Westerwald

Eine Buchempfehlung im Internet ließ mir keine andere Wahl. Ich musste am nächsten Tag die Buchhandlung meines Vertrauens in Andernach aufsuchen und diesen Roman mitnehmen. Die junge Autorin Mariana Leky hat eine ungewöhnliche Art zu schreiben, und sie schreibt über ungewöhnliche Dinge in einem gewöhnlichen Westerwälder Dörfchen.
Sie schreibt über die vielen unausgesprochenen Gedanken, die sich im Lauf eines Lebens in jedem von uns ansammeln, die manchmal ein Eigenleben entwickeln und sich einen Weg nach draußen suchen, und die ihn nicht immer finden. Sie beschreibt Charaktere auf eine Art, dass sie einem bei all ihrer Skurilität (oder gerade deshalb?) schnell ans Herz wachsen. Solche Menschen kann man sich eigentlich nicht ausdenken, die muss man erlebt haben.
Die alte Selma kann den Tod voraussehen. Wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, dann stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Wer? Keiner weiß es, auch Selma nicht. Was die Dorfbewohner dann fürchten, wagen, gestehen, davon erzählt der Roman. Welche Wahrheiten dann unbedingt raus wollen, welche es schaffen und welche nicht, darin kann sich jeder ein Stück wiedererkennen.
Geschildert wird alles aus der Sicht von Selmas Enkelin Luise. Sie beschreibt ihren gewichtestemmenden Kindheitsfreund Martin, den von Stimmen verfolgten Optiker, die traurige Marlies ebenso wie die alte Elsbeth, eine überzeugte Verfechterin der Heilung durch Fledermausherzen, die aber manchmal mit Aufhockern im Nacken kämpft. Was ein buddhistischer Mönch damit zu tun hat? Lest es selbst, ihr werdet es nicht mehr aus der Hand legen.
Aus dem Klappentext: Und natürlich geht es um die unbedingte Anwesenheitspflicht im eigenen Leben. Vor allem geht es um Menschen, die alle auf ihre Weise mit der Liebe ringen, gegen Widerstände, Zeitverschiebungen und Unwägbarkeiten, ohne jemals den Mut zu verlieren.

Ich hab's verschlungen und heute Abend im letzten Kapitel ein paar Tränen vergossen. Und wenn ihr in der Anker-Buchhandlung in der Oberen Wallstraße 10 steht, dann vergesst nicht, den Espresso Doppio Macchiato zu probieren, der ist genauso einmalig wie dieser Roman.

Kommentare:

Hanni hat gesagt…

Toller Tipp! Habs auch gerade verschlungen. Und jetzt Nachschub bitte!

Bearbone hat gesagt…

Schon geschehen: http://bearbone.blogspot.de/2017/08/rotschopf-und-asiate.html