19 Juli 2023

Ruhiger Ausklang nach ausgefüllten Tagen

Nach vielen schönen Unternehmungen in den letzten Tagen spürte ich heute deutlich, dass eine Auszeit fällig war. Mein Kleiner LieblingsBruder hatte mir gestern schon ein lästiges Telefonat in der Mietshausverwaltung abgenommen, dem ich mich derzeit nicht gewachsen fühle. Und heute Morgen nach einem schönen gemeinsamen Frühstück (mit den unschlagbaren Gurke-Basilikum-Radieschen-Happen 😘) fanden wir zusammen schnell gute Lösungen für die Probleme, ich konnte befreit aufatmen. Ufff! Hab ich schon erwähnt, dass ich sehr froh bin, meinen KLB zu haben?

Mittag und Nachmittag waren bestens geeignet, leckeres Brot zu backen und anschließend die Resteverwertung des Gemüsefachs im vorgeheizten Backofen vorzunehmen. Und just, als ich den zweiten Teller meiner Supermischung auf dem Tisch hatte, klingelte mein liebes Ännchen an der Tür und freute sich riesig über die willkommene Stärkung, am Ende hatten wir beide ratzfatz die Platte geputzt und das Lob für das leckere Essen nahm ich natürlich gerne entgegen. Vielleicht sollte ich doch einmal über die Eröffnung eines Bistros "Zum alten Bärenknochen" nachdenken. Einfache Gerichte, die schmecken. Punkt. 🙃🥳

Als sich Ännchen dann auf den Heimweg machte, stand pünktlich der KLB zum zweiten Mal vor der Tür, um mit mir eine entspannende Frischluftrunde zum Tagesabschluss zu drehen. 

Dass der KLB mich unbemerkt ablichtet, während ich fachmännisch den richtigen Winkel für das Fotomotiv suche, ist eine seiner Spezialitäten, die er sich nicht verkneifen kann.

Die Brise war heute Abend ziemlich frisch und somit sehr wohltuend bei diesen Temperaturen. Gerade an der rauen Oberfläche des Rheins kann man das auf den Bildern gut erkennen.


Auf dem Rückweg über den Kirchhofsweg schauten wir uns den ehemaligen Friedhof etwas genauer an und sahen, dass außer einem Teil der ehemaligen Friedhofsmauer tatsächlich nichts mehr übrig geblieben ist. Am Anfang der Hochstraße fiel uns zum wiederholten Mal ein Haus auf, dass früher einmal bessere Zeiten gesehen hat. Und ich weiß nicht, welche Villa das früher war. Oder ich hab's vergessen.

Was war das früher?

Nun neigt sich der entspannte Tag dem Ende zu und ich spüre: Er hat mir gut getan.

16 Juli 2023

Ungewisse Wege im Stadtmuseum - Teil 2

Als ich um kurz nach acht wach wurde, spürte ich schnell, das heute kein "normaler" Tag ist. In meinem Mohawk-Buch, das mich ganz verschlungen hat, gönnte ich mir noch einige Seiten im Bett. Dort geschehen kurz vor dem Ende unschöne Dinge. Dinge, bei denen ich teilweise schon im Anlauf dachte: "Nein bitte, tu das jetzt nicht! Das geht nicht gut" und die Protagonisten tun es dennoch. Pooh!
Eine Sprachnachricht auf dem Handy trudelte ein, und ich wusste beim Blick auf den Absender, was passiert ist. Als ich nach dem Frühstück meine Ersatzteile auf die Ohren geschraubt hatte und die Nachricht abhören konnte, bestätigte sich das leider. Nicht nur im Roman sterben Menschen.

Ausgerechnet heute, am Tag unserer zweiten Lesung, bei der ich meine Kurzgeschichte aus der Suchtklinik öffentlich vortragen würde, traf mich die Nachricht vom Tod eines früheren Freundes, Nachbarn und Saufkumpans dennoch völlig überraschend. Seit 38 Jahren hatten wir uns nicht mehr gesehen. Seit dem Tag meiner freiwilligen Einweisung in die Entzugsklinik hatte ich den Kontakt auch bewusst vermieden, weil ich wusste, dass er den Absprung nicht geschafft hatte und ich mir dieses Elend nicht wieder mit ansehen wollte. Und nun wurde er tot in seiner Wohnung aufgefunden, wie mir seine Tochter mitteilte.

Das ging mir den ganzen Tag nach und so beschloss ich irgendwann, dem Verstorbenen bei der Lesung ein paar Worte vorab zu widmen.

Dr. Kai Seebert, der Leiter des Andernacher Stadtmuseums, hieß um kurz nach 17 Uhr die Gäste und die Autoren im Museum willkommen, woraufhin unsere Dozentin Gabriele Keiser einige einleitende Worte über unseren Schreibkurs und die Hintergründe unserer Veröffentlichung zum Thema Flucht und Vertreibung sprach, mit der wir die aktuelle Sonderausstellung des Museums aus literarischer Sicht begleiten. Auch die anwesende Andernacher Künstlerin Rita Krupp wurde lobend erwähnt, die mit ihrem Gemälde als Titelbild viel zum ansprechenden Erscheinungsbild des Druckwerks beitrug.
Wie bei unserer ersten Lesung vor zwei Wochen hatten wir uns darauf verständigt, die Vorlesezeit auf sieben bis acht Minuten zu begrenzen, damit sich die Vorstellung mit sechs Autoren nicht zu sehr in die Länge zieht. Gabriele Keiser begann mit dem Text des syrischen Flüchtlings Hasan Ze Alnon, der nicht persönlich anwesend sein konnte. Im Anschluss folgten Gerda Stark und Carmen Rakemann, dann war ich an der Reihe.

Meine Lesung: Unangenehme Wahrheiten

Ich sprach ein paar Worte zum Tod des früheren Kumpels, die ja auch in direktem Bezug zur meiner Kurzgeschichte aus einer Suchtklinik stand. Thomas werde ich damit nicht wieder zum Leben erwecken, aber mir hat es gut getan, das nicht für mich zu behalten. Und ich denke, auch im Publikum habe ich damit niemanden verschreckt. Während meines Vortrags versuchte ich mich an die Dinge zu erinnern, die uns unsere Mitautorin und Theatermacherin Karin in der letzten Stunde vermittelt hatte. Aus den positiven Rückmeldungen danach konnte ich schließen, dass es mir einigermaßen gelungen ist.

Anschließend trugen Petra Schmidbauer und Ellen Graf ihre Geschichten vor. Alle Vorlesenden wurden vom Publikum mit Applaus bedacht und auch aus den anschließenden Gesprächen war zu entnehmen, dass es allen gefallen hatte. 

Dr. Kai Seebert und die heutigen Vorleser

Von den ausgelegten Exemplaren unserer aktuellen und auch der letzten Veröffentlichung "Von Scherben und Glück" wurde reichlich Gebrauch gemacht. Wer das Ganze lieber elektronisch als gedruckt mag, kann sich die Sammlung auch hier als PDF herunterladen.
Als ich mich dann nach zwei schönen Gesprächen mit Zuhörerinnen auf den Weg zum Parkplatz machte, fiel einiges an Anspannung von mir ab. Das machte Lust auf eine kleine Abschlussrunde am Rhein, die Lesepause in der Abendsonne auf der Bank am Kleinen Deutschen Eck war sehr entspannend.

Und das marinierte Rindersteak von Walli mit dem leckeren Ruccola-Salat aus der alten Heimat war der krönende Abschluss.


15 Juli 2023

Viele alte Bekannte und ein ruhiger Abend

Es gab viel Familie heute. Der Start in den Tag war ein schöner, wie immer mit dem KLB und Walli und Achim auf dem Markt.

Nachmittags stand das Gartenfest bei meiner Alten Liebe an, für mich auch immer noch Familie. Eigentlich wollte ich nur für ein Stündchen vorbeischauen. Der zu erwartende Geräuschpegel bei so vielen Menschen, die sich so viel zu erzählen haben, würde für mich doch schnell zu anstrengend werden. Dass ich dann dort nicht nur Familie, sondern auch viele alte Bekannte und Freunde traf, war jedoch so schön, dass meine Ersatzohren drei Stunden durchhielten, bis sie kapitulierten. Wieder einmal diese Momente, in denen die gefühlte Zeit stillzustehen scheint. Leider reichte es dann nicht mehr für die später gekommenen Gäste, mit denen ich mich auch gerne noch unterhalten hätte. Aber durch den Gesprächspegel drang zunehmend nur noch unverständliches Scheppern zu mir durch, so dass ich mich in Richtung Heimat verabschiedete.

Ein wohltuender Spaziergang am Rhein war dann der richtige, erholsame Ausklang für einen schönen Tag.

Sunset at River Rhine

Und nun freue ich mich darauf, zu lesen, wie es in Mohawk weiter geht.

14 Juli 2023

"Sauwer die Hoor geschnitt"

Ich habe immer noch keine endgültige Erklärung dafür gefunden, warum ich heute mal wieder auf dem allerletzten Drücker in der Tür von Pretty Hair stand, dem Friseurladen meines langjährigen Vertrauens. Ich hatte zwischendurch immer mal kurz dran gedacht, zumal die langen Atzeln an der Seite immer öfter auf den Mikrofonabdeckungen meiner Ersatzohren rumgekritschelt haben. Aber bis zu unserer Lesung, auf der ich meine Kurzgeschichte vortragen darf, ist es ja noch Zeit. Dachte ich immer.

Als ich heute Mittag meine Bestellung in der Buchhandlung abholte, ging ich mehr zufällig auf'm Hügelchen vorbei, weil ich mir ein wenig dir Beine vertreten wollte. Als mir aus dem Friseurladen Carolin fröhlich zuwinkte, wurde mir dann siedendheiß klar, dass diese ständige "hat noch Zeit" bereits übermorgen abgelaufen ist und dass der Friseurladen morgen geschlossen hat. Da ich weiß, wie ausgebucht die Damen sind, sah ich mich schon gedanklich mit dem Cappy auf dem Kopf vorlesen, unter dem ich meine ungeordnete Haarpracht verstecken musste.

Ich nahm all meinen Mut zusammen und betrat den Laden, wo Sabrina bereits im Begriff war, Feierabend zu machen, während Carolin ihre Kundschaft verschönerte. Ich gestand meine Dämlichkeit und Vergesslichkeit und fragte freundlich, ob vielleicht dennoch eventuell unter Umständen die klitzekleine Möglichkeit besteht, mich auf die Schnelle zu verarzten, irgendwie irgendwo irgendwann .....
Und Sabrina hatte nach kurzer Bedenkzeit Mitleid mit dem alten Bärenknochen, knurrte in ihrer unnachahmlichen Art "Dann setz dich!" und lächelte schnell wieder. Sabrina, du bist ein Goldstück! In gewohnter Manier und ohne Eile durfte ich diesen kleinen Wellness-Ausflug genießen. Und auch über das "Wie kurz denn?" wurden wir uns, wie immer, schnell einig. So kurz, dass mir die Haare nicht mehr ins Gesicht fallen.

Das Goldstück, der Föhn und der Bärenknochen

Wie man sieht, bin ich wieder mindestens 3 Jahre jünger und darf mich nun wieder unter Leute trauen.

So langsam komme ich heute Abend auch dahinter, wieso ich das Haareschneiden immer weiter verdrängt habe. Es muss daran liegen, dass ich in den letzten Tagen sehr viel in der Kleinstadt Mohawk unterwegs war, mit Mathis Grouse, Dallas Younger und Diana Wood.
Im Lauf der Ereignisse fallen immer mehr Familiengeheimnisse auf, grad so wie im richtigen Leben. Diese Geschichte nimmt mich derart mit, dass ich nicht nachvollziehen kann, wieso dieses Debütwerk von Richard Russo jetzt erst als Allerletzter seiner bisherigen Romane ins Deutsche übersetzt wurde.

Darüber kann man schon einmal seinen Friseurbesuch vergessen.