14 Februar 2024

Wadim, Benni und 18 gute Gründe


Es verblüfft mich manchmal immer noch, wie relativ die Zeit ist. Gegen halb zehn werde ich wach, geh zur Toilette und denke: "Ach, noch ein wenig dösen und lesen wär doch schön."
Ungefähr ne halbe Stunde später werde ich wieder wach und mein Wecker zeigt halb eins. Wie geht das?

Naja, mein leckeres Porridge schmeckt auch zum Spätstück. Heute leistete mit Dr. Johanna Budwig dabei Gesellschaft. Also nicht in Person, aber ihre glutenfreie BIO-Porridgemischung aus dem Reformhaus kräftigte mich für den restlichen (halben) Tag.

Aufgelockert mit Gepufftem und Flakes, angereichert mit gehackten Nüssen, Gojibeeren und Heidelbeeren, eingeweicht in Hafermilch, gewürzt mit Aroniapulver und Orange-Kurkuma - so wird ein Schuh draus.

Zehn Minuten auf der Herdplatte, und natürlich serviert in der blau-weißen Herzensschale mit einem guten Schuss naturtrübem Goldleinöl als letzter Kick obendrauf, hach war das gut!

Als ich die Tageszeitung fertig studiert hatte, war der Nachmittag schon halb vorbei. Und so machte ich mich auf den Weg, stellte das Auto am Güterbahnhof ab und spazierte ein wenig durchs Städtchen. Es war trocken, als ich aus dem Auto ausstieg, aber vorsichtshalber nahm ich meinen Zauberschirm mit auf den Weg, man kann ja nie wissen.

Wieder einmal fielen mir die verschiedenen Schriftzüge an der Wand des verfallenden Bahngebäudes auf. Ich versuchte, wenigstens ein paar lesbare Sachen zu entziffern, die nicht völlig sinnfrei sind oder sich jenseits des grammatikalisch äußersten Rands des zumutbaren Spektrums bewegen. Nicht einfach, seht selbst:

So erfuhr ich zumindest, dass Wadim ein Miststück ist und dass sie(?) ihn kriegen werden. Wer? Keine Ahnung, die Signatur untendrunter könnte "Arschloch" heißen, aber vielleicht auch was ganz anderes.
Ach ja, rechts daneben, über "Benni ist ein Mensch" hatte ich mich fast schon gefreut, bis ich entdeckte, dass da nicht Mensch steht, sondern ein Bauernsohn - oder so ähnlich 🙈. Darunter hat der braune Jonas sich aus dem alten Cäsarenspruch nur das letzte Wort geliehen und mit einem doppelten i entstellt. Dass die blauen Bandidos aus Kruft darunter bekundeten, dass sie die Antwort auf die Frage aller Fragen nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest kennen, hat mich wirklich überrascht. 42. Wieder mal.

Ganz unten hat sich jemand mit krakeliger Schrift an "ZWEISECHS" vergangen und rechts daneben interpretiere ich die Abkürzung ACAB als All Captains Are Brave, oder hat jemand ne andere Idee?

Nach eingehender Betrachtung dieser Rätselwand spazierte ich endlich weiter in die Stadt - und wurde vom Regen überrascht! Mein Zauberschirm versagte den Dienst und ich musste ihn aufspannen! Ok, ich hab ihn in letzter Zeit sehr oft im Auto gelassen, vielleicht war er deshalb sauer und wollte es mich spüren lassen. Aber nach etwa zehn Minuteb machte ich ihm klar, dass er dabei ist, seine Existenzberechtigung zu verspielen und zack - hörte der Regen wieder auf. Na also, geht doch!

Eine schöne Beobachtung dann am Foto-Forum. Der Inhaber ist seit vielen Jahren für seine außergewöhnliche kreativ-lustige Außenwerbung bekannt, das hat er wirklich gut drauf. Nach der letzten "Feuerwear"-Aktion sind es seit ein paar Tagen die 18 Gründe, die er publiziert. Sogar mehr als 18 Gründe, nicht bei ihm einzukaufen. Auf dem Handyfoto sind sie nicht so gut lesbar, hier könnt ihr alle nachlesen.

In der Innenstadt war heute nicht so viel los, viele Geschäfte waren über Karneval geschlossen und öffnen erst morgen wieder.

Wieder zu Hause, machte ich mich sofort daran, das Gemüsefach des Kühlschranks zu leeren, denn morgen bringt mir der Gertrudenhof Nachschub, wie jeden Donnerstag. Es wurde ein großes Blech Ofengemüse, das mich eine Weile sättigen wird. Heute war auch kein Besuch zum Mitessen da, folgerichtig gönnte ich mir noch einen schönen Nachschlag.

Heute gab es anstatt Fenchel und Lauch einen ersten Versuch mit Stangenmangold und Wurzelpetersilie, hat sich gelohnt. So gibt es wieder zwei Auswahlmöglichkeiten mehr im großen Gemüsespektrum. Überhaupt, dass ich mir vor ein paar Wochen ein neues Blech mit höherem Rand zugelegt habe, war diesmal die Rettung. Da wäre mir beim flachen Blech die Hälfte nach allen Seiten runtergekegelt.

Morgen freu ich mich auf den Besuch von Uschi. Kurz vor Mittag, das wäre eine gute Gelegenheit zur Folgeverwertung des Gemüses. 😘😘😘

12 Februar 2024

Von Synagogen und schmalen Gässchen

Ich schaffte es gerade noch, aus meinem Viertel hinaus zu fahren, bevor der närrische Zug mir alle Fluchtwege verriegelte. Aber es war knapp, viele Kostümierte kamen mir entgegen, auf dem Weg zum Aufstellplatz des närrischen Lindwurms. Der Start lag unglücklicherweise bei mir um die Ecke. Neben 14 Prunkwagen waren weitere 69 Fußgruppen und Musikkapellen mit dabei, also ein sehr langer Lindwurm.

Aber mir war die Flucht knapp gelungen und ich steuerte freudig den Werksverkauf des alteingesessenen Gewürzherstellers HARTKORN an. Von Marita, meiner früheren Nachbarin aus Kindertagen, hatte ich erfahren, dass es dort sogar eine spezielle Gewürzmischung für Ofengemüse gibt. Unglücklicherweise kam ich ein paar Minuten nach Ladenschluss dort an und muss demnächst nochmal wiederkommen.

Aber mein eigentliches Ziel für heute Nachmittag war ein anderer Ort, in dem ich mich schon länger einmal genauer umsehen wollte. Mein liebes Brüderlein hatte einiges über die frühere jüdische Gemeinde in diesem Ort recherchiert und es gab noch weitere historische Sachen zu sehen.

Diese Ecke zum Beispiel beherbergte früher einmal einen wichtigen Platz.

Welchen Platz, könnt ihr auf der Tafel am rechten Gebäude lesen, oder hier nochmal in groß:

Auf diesem und anderen Schildern habe ich Kleinigkeiten wegretuschiert, um es Euch nicht ganz so einfach zu machen. Man findet einige sehr schmale Gässchen, die früher wohl einmal breiter waren, so wie diese Verlängerung einer kleinen Straße, die früher vermutlich Judengasse hieß.

Blick nach oben
Blick zurück










Auch die prachtvolle große Kirche deutet darauf hin, dass dieser Ort einstmals von Bedeutung war.

Ein Café mitten im Ort ist sogar nach meiner verstorbenen Großtante aus Irlich benannt. Ein Pilgerweg führt ebenfalls mitten durch den Ort. Neben dem Wegestein ist ein bunt zusammengewürfeltes "Kapellchen" unter einer Holzüberdachung zu bewundern.








Direkt um die Ecke findet man dann dieses unscheinbare Haus:

Auch auf dieser Infotafel ist Interessantes zum Haus zu lesen.

Und dann kam ich auch zu die Stelle, an der heute dieses Haus steht:

Auf dem Schild ist Folgendes zu lesen:

Hier war sie also früher, die jüdische Synagoge, die mit abnehmender jüdischer Bevölkerung im Ort nicht mehr als solche genutzt wurde. Die ehemalige Judengasse ebenso in direkter Nähe wie die neu angelegte Synagogenstraße. Und auch ein weiteres kleines Gässchen in direkter Umgebung hat einen Namen, der sehr an jüdische Familiennamen erinnert.

So wurde es ein schöner Rundgang im und um den Ortskern mit interessanten Informationen, die man hier in der Gemeinde auch gut verständlich präsentiert. 

Auch fiel mir auf, dass viele der alten "Krotzehäuser" auch heute noch das Ortsbild zieren.

Einige sind schon verputzt, aber manche stehen noch komplett in dunklem Basalt oder, wie auf diesem Bild, unten Steine, oben Fachwerk.

Für mich war es eine schöne, interessante Runde mit einigen neuen Erkenntnissen über die alten Zeiten.

Ihr werdet bestimmt erkannt haben, wohin mich mein Weg geführt hat, ohne direkt Dr. Google zu fragen. Oder?


11 Februar 2024

Zwischen Regenbogen und Exotic-Whip

Ein wunderschöner Langschläfer-Sonntag begann mit einem späten Spätstück zur Zweitliga-Konferenz. Danach war ich vor lauter Völlerei und Nichtstuerei so müde, dass ich mich entschloss, den Frischlufttank wenigstens mit einer kleinen Outdoor-Runde durch die Rheinanlagen wieder aufzufüllen.

Schon in der St-Thomaser Hohl begrüßte mich ein Regenbogen, der sich über den Rhein streckte.

Als ich am Güterbahnhof-Parkplatz ankam, war er leider bereits verschwunden. Wie sich später herausstellte, war mein Brüderlein mit seinem Kumpel etwas früher am Rhein unterwegs gewesen und hatte ihn noch in voller Pracht erblickt.

Auf dem Weg zum Rhein sah ich  neben einer Treppe im Gras eine seltsame Kartusche, die wohl irgendwer hier weggeworfen hatte. Ich beschloss, sie mitzunehmen und im nächsten Mülleiner zu entsorgen. Sie war schwerer als ich erwartet hatte und das machte mich neugierig. Außerdem fielen mir sofort die aufgedruckten Warnzeichen ins Auge.












Was war das denn? Der zweisprachigen Beschriftung konnte ich entnehmen, dass es sich um eine Gaskartusche handelt, die nur mit einem Druckminderer betrieben werden darf. Außerdem muss sie nach Gebrauch ordnungsgemäß entsorgt werden, aber nur, wenn der Behälter geleert ist. Uiuiui!

Des weiteren ist für jeden Bestandteil des Gasgemischs separat aufgeführt, welche Nebenwirkungen er haben kann. Das reicht von Brandverursachung über Kälteverbrennungen bis zu Warnhinweisen wie "Nach Einatmen sofort ärztlichen Rat einholen", "Nicht mit Haut und Kleidung in Kontakt bringen" und "Von Kindern fernhalten". Poooh!
Das wollte ich weder am Wegrand liegen lassen noch in irgendeinen Abfalleimer werfen, zumal ich keine blassen Schimmer hatte, ob das Teil gefüllt oder leer ist. Weder für spielende Kinder noch für die Kollegen von der Stadtreinigung ein geeignetes Objekt.

So machte ich auf meinem Weg zum Rhein am Polizeirevier halt und fragte dort um Rat, was ich denn mit dem Teil anstellen soll. Die Aussage eines netten jüngeren Polizisten, dass er auch keinen Schimmer habe, was das sei, aber dass ich es ruhig im Hausmüll entsorgen kann, erschien mir auch nicht praxistauglich, so dass ich das Teil einfach einsteckte und später mit nach Hause nahm.

Bei der Recherche im Internet und beim genaueren Lesen des Kleingedruckten auf der Flasche erfuhr ich dann, dass dies ein Sahnebereiter-Zylinder für die Gastronomie sei  Auch Luftballons könne man damit aufblasen. Am Gewicht von 1,74 kg konnte ich dann erkennen, dass dieser Zylinder seine 640 g Inhalt bereits verloren hat und somit leer ist. Außerdem ist er aus Edelstahl, was auch das Gewicht erklärt, so dass man ihn komplett recyceln kann. Also erstmal Entwarnung.

Zwischendurch am Rhein eine schöne Begegnung mit Corinna, die dort ebenfalls mit einer Freundin spazierte. Leider musste ich erfahren, dass sie unser schönes Städtchen demnächst aus beruflichen Gründen verlassen wird. Aber wenigstens konnte ich den beiden noch eteas zum Lesen mitgeben.

Und jetzt wartet ein schöner Mausuhr-Salat auf mich, den ich vor einer halben Stunde angerichtet hab. Und dann das Bett.

10 Februar 2024

Von Goldleinöl bis zum Hochwasser

Wie jeden Samstag leistete mir auch heute mein KLB Gesellschaft beim Frühstück und beim Gang zum Wochenmarkt. Es ist ein wirklich schönes Ritual geworden, das ich nicht missen möchte.

Leckeres BIO-Futter bei Walli und Achim

Wie immer hatte Walli ein leckeres Rindersteak für mich zurück gelegt und das Stück Salsiccia picante lässt mir jetzt schon das Wasser im Mund zusammenlaufen. Bischof Achim von der Koblenzer Ölmühle hatte heute ein Fläschchen naturtrübes Goldleinöl für mich im Angebot, das mir morgens mein Porridge verfeinern wird und auch als Basis für meine berühmte Salatsauce gut passt.

Schon auf dem Weg zum Markt traf ich einige Bekannte und Freunde. Auf dem Rückweg durch die Bahnhofstraße setzte sich das nahtlos fort. Mir wurde dabei sehr bewusst, dass ich wirklich in Andernach angekommen bin. Ein gutes Gefühl.

Vor der anschließenden Einkaufsrunde bemühte ich mich, die ausgebauten Rücksitze im Auto wieder zu montieren. Nach mehreren erfolglosen Versuchen kam mir der gute Goddy zu Hilfe und gemeinsam fanden wir heraus, welche Haken in welche Bodenstange passen, damit das klappt. Daher musste ich mich beim Wochenendeinkauf schon sputen, damit ich rechtzeitig zum blau-weißen Spiel wieder zu Hause war und meine Jungs erfolgreich dabei anfeuern konnte, wie sie in heldenhaftem Kampf bei den Äppelwoibabbelern einen wichtigen Punkt erkämpften. Tja, Barcelona konnten sie wegputzen, den VfL nicht. 💙🤍💙🤍⚽

Danach hatte ich eine Stunde Zeit, um im Anbruch der Dämmerung meine kleine Runde an der Luft zu drehen. Ich besuchte Sigi am Bollwerk, und egal, von welcher Seite ich ihn betrachtete, das Wasser hatte ihn eingekreist.

So bewachte der starke Mann weiterhin die Stadt, damit ihr keine Gefahr vom Fluss droht. Zwischen den beiden Seiten führt zum Glück ein Tunnel durch das Bollwerk, durch den man trockenen Fußes in die Rheinanlagen kommt.

Licht am Ende des Tunnels

Weiter ging's bis zum Charles-Bukowski-Ufer vor dem Kleinen Deutschen Eck, auch hier wurde wieder Land unter gemeldet.

Abendstimmung bei Bukowski

Zu meiner Freude waren auch wieder zwei Schwäne zu sehen. Ob es die gleichen sind, die uns im letzten Jahr verlassen haben, nachdem ihr Nest von irgendwelchen Spackos geräumt worden war?

Welcome back, swans

Ein ebenfalls interessantes Motiv in der Abendstunde war das Geysir-Raumschiff mit seiner markanten Außenlumination.

Auf dem Rückweg durch die Innenstadt sah ich überraschend viele maskierte Menschen auf den Straßen.. Hab ich etwa verpasst, dass wir schon wieder Faasenacht haben? Ein Stand auf dem Marktplatz versorgte die Maskierten mit Getränken, ich nehme an, Wasser und Apfelschorle.

Oder bei den kühler werdenden Abendtemperaturen vielleicht doch eher Kräutertee? Über meine innige Beziehung zum rheinischen Brauchtum hatte ich bereits mehrfach mit einer legendären Büttenrede berichtet.

Jetzt, wo ich im Warmen zu Hause sitze und diesen blog schreibe, wird mir auch wieder sehr bewusst, wie gut ich es habe. Trotz Faasenacht. Hach!