10 Dezember 2022

Pause - ein wenig jedenfalls

Mit einer ungeheuren Energieleistung schaffte ich es heute Morgen, so früh aufzustehen, dass ich mein Bruderherz um halb zehn am gedeckten Frühstückstisch begrüßen konnte. Ok, mein neuer Wecker mit Vibrationseffekt unterm Kopfkissen hat auch seinen Teil dazu beigetragen, dass ich überhaupt wach wurde. Denn meine innere Uhr sagt mir seit Tagen immer nur das eine Wort: Schlafen! Aber unser Samstagsfrühstücksritual und den anschließenden gemeinsamen Wochenmarktbesuch bei der guten Walli wollte ich auf jeden Fall erleben. Danach holte ich nur noch die Bügelwäsche bei Fatma im Schillerring ab und befolgte dann sofort Christels guten Ratschlag, mir mal eine Pause zu gönnen. Ich ignorierte den Schrittzähler einfach und legte mich wieder für ein paar Stunden ins Bett.

Beim verspäteten Mittagessen tankte ich wieder ein wenig Kraft, so dass ich heute Abend noch eine Spritztour zum REWE machte und anschließend eine klitzekleine Runder durch die Innenstadt drehte. Leider war der Himmel wieder so verhangen, dass von Sternen oder Planeten unterwegs nichts zu sehen war. Doch daheim durchs Balkonfenster lachte mich kurz ein einziger Leuchtpunkt am Himmel an. Den mit meiner Handykamera zu fotografieren hätte nur einen hellen Punkt auf einer schwarzen Fläche gezeigt, das war sinnlos. Aber da ich ohnehin Christels gestrige Vermutung über die I.S.S. überprüfen wollte, ließ ich mir heute von der Stellarium-App ein gestochen scharfes Bild der Aussicht von meinem Balkon machen. 20:16 MEZ SSW 36° Azi. Ich hatte Jupiter erblickt. Der etwas lichtschwächere Saturn torkelte bereits am Südwesthorizont auf dem Kopf des Steinbocks seinem Untergang entgegen.

Das sieht doch besser aus, oder?

Heute Abend merkte ich wieder einmal, dass von meinen astronomischen Kenntnissen, die ich mir vor vielen Jahren an zahlreichen Abenden erworben hatte, so gut wie nichts mehr übrig ist. Ich kann bei klarem Himmel noch einige Sternbilder erkennen, aber das ist auch alles. Welche Objekte wann an welchem Himmel zu sehen sind, kann ich heute überhaupt nicht mehr sagen. Schade eigentlich, denn die Beschäftigung damit hatte mir damals viel Freude gemacht. Ich nehme mir vor, an den klaren Sommerabenden, die wir in 2023 hoffentlich wieder erleben dürfen, öfter mal eine Blick gen Himmel zu werfen.

09 Dezember 2022

Hauptsache Bewegung

"Heute bin ich fällig!". Das war mein erster Gedanke nach dem Aufstehen. Als ich mich mittags hundemüde aus dem Bett quälte, war ich mir sicher, dass ich heute das selbst gesetzte Tageslimit von 8.000 Schritten nicht schaffen würde. Schade eigentlich, denn nach 27 Tagen am Stück wurmte es mich schon, nochmal von vorne anfangen zu müssen.
Nach dem Frühstück
und dem Check der eMails
und der Überweisung der Arztrechnung
und der Reklamation der Büchersendung
und der Überprüfung der Energiedaten der PV-Anlage
und und und ... öffnete sich draußen zum wiederholten Male die Wolkendecke ein wenig und ließ ein paar Sonnenstrahlen zu mir durch. Sogar ein kleiner blauer Fleck war zu erkennen. Das war das Signal. Ab raus!

Ich setzte mich ins Auto und fuhr hoch zum Andernacher Hausberg. Vielleicht gab es da heute Nachmittag ein paar schöne Ausblicke zu genießen. Als ich aus dem Auto stieg, sah es tatsächlich vielversprechend aus. Das könnte noch was werden.

Ich liebe dieses Blau!

Auf den geplanten Gang über das Hochplateau in Richtung Hochkreuz verzichtete ich beim Anblick der vermatschten Feldwege dann doch. Lieber die kleine Runde zum Rhein hin. Fünf Minuten später sah es dann schon so aus:

Es zieht sich zu

Dafür war beim Blick auf die andere Rheinseite ein blaues Loch im Himmel zu sehen.

Über Leutesdorf sieht es schöner aus

Der Weg über die Weinsicht zur Kanzel endete nach wenigen Metern vor großen Schlammpfützen, also drehte ich um und ging anders herum zur Kanzel. Dor sah es von oben noch ganz gut aus.

Von rechts scheint die Sonne

Ich genoss eine Weile den schönen Ausblick und machte mich dann wieder auf den Weg zum Auto. Eins war klar: Mit den paar Schritten reichts das heute nicht. Und so machte ich bei der Abfahrt durch die Felster an einer Abzweigung halt, von der ich immer schon wissen wollte, wohin die führt. Die "Obere Richthöll". Als ich einige hundert Meter leicht bergauf spaziert war, konnte ich erkennen, wohin es ging. Einmal im Halbkreis rechts herum, bis man wahrscheinlich irgendwann wieder an der Verlängerung der Felster rauskommt. Bei der ersten freien Sicht gab der Himmel wieder kurz ein schönes Gastspiel.

Trotz oder wegen der Dunstschleier: Wow!

Auf der Höhe machte ich kehrt, weil auch hier der Weg immer matschiger wurde. Der Blick zurück war dann auch sehr inspirierend.

In einer Stunde geht die Sonne unter

Die Schafe grasten friedlich auf ihrer Weide und drehten mir demonstrativ den Rücken zu. Bis auf ein neugieriges, das sich wahrscheinlich dachte: "Was für ein Depp läuft denn da rum?".

Schafe in der Richthöll

Auf dem letzten Stück des Rückwegs kam ich mit einer älteren Dame ins Gespräch, die ihren Hund Gassi führte. Ok, sie war etwa in meinem Alter und bestätigte meinen verdacht, dass man auf diesem Weg einmal rundgehen kann und am Ende wieder runter zur Antel kommt. Wir plauderten sehr angenehm, wenn ich auch nicht alles verstand, was sie sagte. Aber alleine unsere gemeinsamen Gebrechen wie die zunehmende Altersvergesslichkeit boten reichlich Unterhaltungsstoff.
Sie freute sich auch über unsere letzte Kurzgeschichtensammlung, die ich ihr am Ende überreichte und wir winkten uns zum Abschied zu, als ich im Auto wieder weiter bergab fuhr. Eine sehr nette Begegnung.

Allerdings hatte mir mein Blick auf den Schrittzähler gezeigt, dass auch dieser Kurztrip noch lange nicht für die tägliche 8.000-Schritte-Norm reichte. Daher drehte ich noch eine kurzen Runde am Bollwerk und sah die letzten Sonnenstrahlen auf der anderen Rheinseite niedergehen.

Sogar die falsche Rheinseite sieht in der Sonne gut aus

Heute spürte ich, dass die wenigen Sonnenstrahlen und ein paar blaue Flecken am Himmel Futter für meine derzeit angegraute Seele sind. Am Springbrunnenteich stürzten sich immer wieder die Möwen hinab, um den Gänsen etwas von der knappen Nahrung zu entreißen. Das empörte Geschnatter der Gänse zeigte an, dass sie damit gar nicht einverstanden waren.

Luftangriff aufs Futter 

Mit diesen Eindrücken machte ich auf dem Heimweg noch kurz bei der Bäckerei Fedl im Schillerring halt, um mir einen kleinen Vorrat der besten Nussknacker der Region mitzunehmen. Einer davon musste zu Hause beim Tee sofort dran glauben. Unübertroffen lecker, die Teile.

Zum Abendessen bereitete ich mir mal wieder ein leckeres Ofengemüse zu, diesmal mit Hokkaido-Kürbis, der bei der heutigen Lieferung vom Gertrudenhof mitgekommen war. Ich staune immer wieder, wie schnell an solchen Tagen die Zeit vergeht. Nach der Teepause war es draußen bereits dunkel. Bis das Gemüseblech zubereitet, aus dem Ofen gezogen und eine Portion gefuttert ist, gehen locker mal anderthalb Stunden ins Land. Und nun, mit einem Blick auf den Schrittzähler, sehe ich, dass noch ein paar Mater fehlen. also mache ich noch ne klitzekleine Abendrunde, denn an ein paar Meter soll es ja nicht scheitern. Oder?

Kleine Ergänzung nach meinem Abendspaziergang um den Block:

Andernach 22:15 MEZ - Drei Punkte am Himmel in Richtung OSO

Was ich am Nachthimmel erblicken konnte, war nur ein kleiner Ausschnitt, der nicht durch Wolken bedeckt war. Erstaunlich, dass neben dem Mond gerade zwei so verschiedene Objekte zu sehen waren.
Ich musste auch selbst nachschlagen, was ich da gesehen hatte. Wer von Euch erkennt es?

07 Dezember 2022

Somewhere over the rainbow

Die Tage der müden Erschöpfung nehmen kein Ende. Ähnliches höre ich in den letzten Tagen von einigen Menschen im Freundes- und Bekanntenkreis. Durchhalten ist die Devise und weiter Dinge machen, die einem gut tun. So wie der gestrige Besuch in der Phsysio, wo mein treuer Begleiter Harvey Tinnitoso gut durchgeknetet wurde. So langsam könnte er das auch mal mit einem "Danke, ich werd jetzt leiser!" quittieren.
Am Wochenende kam die Nachricht, dass ein alter Jugendfreund am Samstag verstorben ist. Auch wenn wir in den letzten Jahren so gut wie keinen Kontakt mehr hatten, geht mir das doch nahe. Er war immer das Paradebeispiel eines Stehaufmännchens, ist durch viele Höhen und Tiefen gegangen, einfach unkaputtbar. Eine solche Nachricht passt natürlich gut zur derzeitigen Gemütsverfassung.
Heute freute ich mich aufs lange Ausschlafen, kein fester Termin, das war auch mal wieder nötig. Als ich mittags meine Küche betrat, strahlte es mir durch das ungeputzte Fenster entgegen. Blauer Himmel mit Wolken! Ich dachte zuerst, ich träume, aber auch nach Porridge und Kaffee waren noch blaue Löcher in der Wolkendecke zu sehen.
Um kurz vor drei machte ich mich auf den Weg, holte in Carmens Galerie schnell ein paar Sachen ab und spazierte dann zum Bollwerk. Das Wetter hielt sich immer noch, von einigen kleinen Regentropfen abgesehen. Über dem Krahnenberg konnte man den Himmel sehen, ein lange vermisster Anblick.

Himmel über dem Krahnenberg

Auf dem Rückweg vom alten Krahnen aus zog sich zwar alles wieder ein wenig zu, jedoch wurde ich durch die folgenden Anblicke entschädigt.

Aus der Ferne

Aus der Nähe










Ein wunderbarer Regenbogen zeigt seinen Ansatz im Schoß des Anglers. Da können die Rabauken dem Angler noch so oft seine Angel klauen und die Arme absägen, diesen Regenbogen nimmt ihm keiner weg.
Kurz vor dem Bollwerk sah ich dann auch noch ein Schiff vor der nächsten Rheinbiegung durch die Farbenpracht fahren, was im diesigen Dunst auf dem Foto nur schwer zu erkennen ist.
Das war Futter für die Seele, das Universum zeigte mir heute, kurz vor der Vollmondnacht, dass es viele schöne Dinge auf dieser Welt gibt, deren Anblick sogar Harvey völlig sprachlos machte.

Einfach nur schön

Ich hoffe, dass ich davon nicht allzu lange zehren muss und das Universum bald wieder mit positiven Bildern überrascht.

Kleine Ergänzung: Ich musste dann doch noch eine kleine Mondrunde einlegen, um meinen Schrittzähler zufrieden zu stellen. Dabei konnte ich tatsächlich den Vollmond zwischen den Wolken sehen. So sah er aus:


05 Dezember 2022

Engel und bunte Tupfer gegen das Grau

Als ich heute Morgen den ersten Blick aus dem Schlafzimmerfenster warf, erwarteten mich unter dem gewohnt grauen Himmel und der blassgrünen Hecke überraschenderweise ein paar weiße Flecken auf der Wiese.
"Brrrrh - KALT! Sofort wieder ins Bett!" war meine einzig richtige Reaktion. Als ich dann gegen Mittag aufstand, waren die weißen Flecken fast verschwunden, die Kälte war geblieben.

Dabei war heute kein Tag wie jeder andere. Ich hatte zugesagt, den Adventskaffee meiner Schreibgruppe wenigstens kurz zu besuchen, vorher wollte ich die COVID-Teststation besuchen und außerdem war heute Tag 25, an dem ich meine anvisierte Rekordmarke auf dem Schrittzähler erreichen wollte. 25 Tage am Stück das Tageslimit an Schritten erreicht, das wär doch was, das wollte ich nicht am letzten Tag vermasseln. Also hieß es nach dem Spätstück ab zum Bollwerk und dort eine erste graue Runde am Rhein und durch die Stadt drehen.

Ja, es war auch hier trostlos grau. Selbst Simones Engel fleht deutlich sichtbar die Mächte des Himmels an.

Ihr Himmel, schickt uns Farbe!

Immerhin zeigten sich die Weinberge über Leutesdorf weiß gepudert. Weiß ist keine Farbe, aber immer noch viel besser als grau!

Dort wird der Wein gepudert

Den ersten richtig bunten Fleck hatte ein lustiger Zeitgenosse an der letzten Bank vor dem Alten Krahnen hinterlassen. Der Abfalleimer war super regengeschützt.

Das lädt doch direkt zum Verweilen ein

Auf dem Rückweg durch die Hochstraße fusselte es leicht vom Himmel, aber ich konnte ja beruhigt sein, der Müll bleibt trocken. Der nächste Weg war der zur Teststation, denn für den morgigen Kontrollbesuch im Krankenhaus fühlte ich mich negativ getestet etwas wohler. Und auch für den anschlie0enden Weg zum Adventskaffee mit einigen Menschen auf engem Raum fühlte es sich besser an, im Infektionsfall nicht der Auslöser gewesen zu sein.

Ich parkte am Güterbahnhof, um noch ein paar Schritte für den Rekord zu sammeln und traf bei Gabi auf eine gut gelaunte Truppe. Einige der Schreibkursteilnehmer hatte ich schon länger nicht mehr gesehen. eine neue Teilnehmerin noch gar nicht. Die Gastgeberin, die Autorin Gabriele Keiser ist unsere Dozentin im Schreibkurs, auch ihr Autorenkollege Dieter Aurass, der seit dem Frühjahr den zweiten Schreibkurs an unserer VHS leitet, war dabei.

Ebenso der Musiker Manfred Pohlmann, der uns bei unseren Lesungen der vergangenen Jahre einige Male musikalisch begleitet hat. Er gab mit seiner Gitarre einiges zum Besten. Ich konnte der Musik zwar textlich nicht folgen, erkannte aber teilweise die Melodie und einige Wörter, was bis vor kurzem noch nicht möglich war. Auch die Unterhaltung war im persönlichen Dialog einigermaßen möglich. Wenn allerdings mehrere Stimmen gleichzeitig zu hören waren, verstand ich nichts. Meine Fortschritte mit dem Gehör sind weiterhin klein, aber spürbar.

Nach etwa einer Stunde wurde es doch anstrengend und ich verabschiedete mich. Ich bin froh, mal wieder dabei gewesen zu sein und alte wie neue Gesichter zu gesehen zu haben. Auch war es eine bunte Runde, die gegen das allmächtige Grau hilft. Auf dem Rückweg zum Güterbahnhof legte ich eine kleine Schleife durch die Bahnhofstraße ein, um bei meiner Ankunft am Auto sie sensationelle Nachricht auf dem Handy lesen zu können. Tschacka!

Ich glaube, ab morgen werde ich mir den ein oder anderen Ruhetag gönnen und nicht sofort in die nächste Rekordhatz verfallen. Die nächste Marke liegt bei 50 Tagen am Stück und das brauch ich jetzt nicht. Noch nicht.