30 April 2022

Uns're Heimat - uns're Liebe ....

...... in den Farben blau und weiß
achtzehnhundert acht und vierzig
nur damit es jeder weiß!

Der heutige Tag war geprägt vom großartigen 4:3 Sieg der blau-weißen Jungs vonne Castroper Straße. Ich nehme an, ihr habt alle meine Jubelschreie vernommen, wenn der VFL einlochte. Und auch meine wilden Flüche über diesen desaströsen Schiri, der aber trotzdem nicht verhindern konnte, dass mein VFL den schwatzgelben Meisterschaftsanwärter in dessen eigener Hütte wegputzte.

Zum Glück streckte Witsels am Ende den Arm so weit von sich, dass der Schiri Handelfmeter für uns pfeifen musste, weil es jeder im Stadion gesehen hatte. Hätte Witsels nur so ein halbgares Handspiel gemacht, so wie bei den beiden Elfern, die gegen den VfL verhängt wurden, hätte der niemals gepfiffen.


Was macht diesen Verein zum besten Verein überhaupt?

1. Ein Verein, der dem entspricht, was Herby damals über die Stadt Bochum sang:

Du bist keine Schönheit - vor Arbeit ganz grau
Du liebst dich ohne Schminke - Bist ′ne ehrliche Haut
Leider total verbaut - Aber g'rade das macht dich aus

Du bist keine Weltstadt - Auf deiner Königsallee
Finden keine Modenschau'n statt - Hier, wo das Herz noch zählt
Nicht das große Geld - Wer wohnt schon in Düsseldorf!

Wie Herby seine Stadt beschreibt, so sind für mich die Menschen, die ich mag.

2. Ein Verein, der solide arbeitet, über Jahrzehnte, ohne die große Klappe.

Man verschuldet sich nicht wie die großen Nachbarn auf Teufel komm raus, nur um des Erfolgs willen. Wenn's nicht reicht, dann steigt man halt mal ab und kommt irgendwann wieder.
Wie sangen wir im Stadion:

Wir steigen auf
Wir steigen ab
und zwischendurch Europacup

Wir haben in dieser Saison mit dem zweitkleinsten Etat der ganzen Bundesliga den Klassenerhalt geschafft. Das soll uns mal einer nachmachen!

3. Ein Verein, der sich nachhaltigen Zielen verschreibt und versucht, diese umzusetzen.

Der VFL hat sich als erster (und bisher einziger) Verein dem Sports Governance Kodex verpflichtet.
https://www.vfl-bochum.de/news/uebersicht/verein/sports-governance-kodex/
Hier geht es um gute, integre und nachhaltige Vereinsführung in vielerlei Hinsicht.

In der neuen Kollektion geht man dazu über, bio-fair-vegane Fanartikel zu verkaufen
https://www.merchandising-onlineshop.com/vflbochum1848/fanartikel/nachhaltige-fanartikel.html
Wo gibt es all das sonst noch?


Deshalb ist und bleibt der Verein aus dem tiefen Westen, wo die Sonne verstaubt, der Verein meines Herzens. Abgesehen davon, dass man sich seinen Verein ja nicht aussuchen kann. wie schon Nick Hornby vor viele Jahren klargestellt hast.

29 April 2022

Zwischen Raps und Lava

Wie üblich, fragte mich mein KLB kurz nach dem Einsteigen in sein Auto, wohin denn heute die Reise gehen soll. Heute blieb ich eisern und überließ ihm komplett die Wahl, merkte nur an, dass ich in Straßenschuhen unterwegs bin, weil ich eine kurze, flache Etappe auf begehbaren Wegen erwarte. Welche, das solle er sich aussuchen.
So herausgefordert, bog er an der nächsten Ampel rechts ab und mäanderte ein wenig ziellos durch die Stadt und nahm dann am Ortsausgang zielsicher die Route, die man freitags nachmittags auf keinen Fall nehmen sollte. Stau! Die nächste Abfahrmöglichkeit übersah er geflissentlich und so dauerte es eine ganze Weile, bis wir wieder zufällig auf einer Straße ohne Stau landeten.
Nachdem er in einen Ort abgebogen war, mehr zufällig, wie mir schien, musste ich als großer Bruder doch eingreifen und schlug vor, dass wir uns am linken Ortsrand einen schönen Weg nach Südwesten suchen. Wir fanden am Ortsrand einen Parkplatz und gingen los. Nach wenigen hundert Metern standen wir an einer asphaltierten Straße mit einem gut ausgebauten Bürgersteig, was meinen Straßenschuhen sehr entgegen kam. Aber leider entscheid der KLB eigenmächtig, eine kleine Seitenstraße zu nehmen, die bergauf führte.
Nach links hatten wir einen schönen Blick über grüne und gelbe Felder inklusive Fernsicht auf Hummerich und Karmelenberg, das fing gut an.


Wenige Meter später endete der befestigte Weg, der bisher nur bergauf geführt hatte, und wir standen vor einem Trampelpfad durch ein Wäldchen, immer weiter bergauf. Das Pfädchen zog sich eine ganze Weile, wurde immer schmaler und holpriger und irgendwann konnte von Pfad nicht mehr die Rede sein. Dann zeigten sich die ersten Hindernisse, die es zu überwinden galt.

Ein Baumstamm, quer über den Weg. Ist für unsereins natürlich kein Hindernis, klar. Zur Not springen wir drüber.

Wir meisterten auch diese Hürde mit Bravour, wenn auch ohne Drüberspringen.


Ein Baum im Weg? Für uns kein Hindernis!

Der Weg hätte noch endlos weiter nach oben geführt, hätte ich nicht den Abzweig nach links entdeckt, in die Richtung, in die wir eigentlich gehen wollte. Zwar ging es auch hier weiter bergauf, zwar war der Weg in der Wiese irgendwann  gar nicht mehr erkennbar, aber wenigstens stimmte die Richtung. Dann erinnerten uns Schilder reechts vom Weg sehr an unseren gestrigen Trip. Betreten verboten! Als wir den schritt bis zum zugewachsenen Zaun gemacht hatten, wussten wir auch warum.

Eine elend tiefe Grube verriet, dass auch hier noch nach vulkanischem Gestein geschürft wird.

Auch dieser Berg hatte ein großes Loch

Am Ende wurden wir auf einer von Wildschweinen durchwühlten Wiese mit einem schönen Ausblick zurück belohnt. Man sieht zur linken, das Dorf, an dessen Rand wir gestartet waren und ansonsten hat man Blick bis über den Rhein.

Viele gelbe und grüne Flecken verzieren die Landschaft

Nach diesem langen Anstieg erfreuten wir uns hier oben erstmal an den tollen Ausblicken und den satten Farben, Wie war das noch mit kurzer flacher Strecke, die man mit Straßenschuhen laufen kann? Ich hatte dem KLB längst alle Irrungen nachgesehen, denn er hatte mich an einen echt schönen Flecken gebracht.
Der Rückweg, nur bergab, war angenehm. Einem entgegenkommenden Holder-Fahrer mit 2 Anhängern gaben wir in der Steigung ein wenig Schubhilfe, bis die durchdrehenden Reifen wieder griffen. Ja, die Steigung ist nicht ohne!

Natürlich verpassten wir den Abzweig in den Trampelpfad, was aber gar nicht so schlimm war, und gingen einen gemütlichen Umweg durch den Ort.

Eine Auffälligkeit sahen wir dann noch, als wir im Auto saßen und eine Straße suchten, die uns zurückführt.  Eine solche sinnfreie Schilder-Kombination habe ich noch nirgendwo gesehen.

Sicher habt ihr spätestens jetzt alle erkannt, wo wir heute waren. Oder?

28 April 2022

Von Kapellen und Abgründen

Es war schon eine geniale Idee meines Kleinen LieblingsBruders, mich mit der Frage "Wie isset?" anzufunken. Eine halbe Stunde später stieg ich bei ihm ein und hörte, wie so oft, die nächste Frage: "Wohin?"
Es ist schon manchmal gut, wenn man einen großen Bruder hat, dem bei solchen Fragen auch immer etwas einfällt. "Genau, da wollten wir doch immer schon mal hin.", war seine Antwort. Wenig später standen wir am Ausgangspunkt unseres heutigen Spaziergangs, am Ortsrand einer kleinen Gemeinde, die wir in letzter Zeit nicht so häufig besucht hatten. Auch heute ging es nicht ins Dorf, sondern raus auf die Höhe. Auf diesen kleinen und mit zwei Kapellen bestückten Weg ging es los.

Der Weg zu den Kapellen

Erste Kapelle

Der blaue Himmel, der gelbe Raps und die sattgrünen wiesen waren einfach Futter für die Seele. Wenn auch die Kapellchen nicht Spektakuläres darstellten, so boten ließen uns beide trotzdem innehalten und den Blick ringsum schweifen lassen. Herrliche Ausblicke in alle möglichen Richtungen. Mittlerweile können wir auch die vielen Dörfer, die irgendwo am Horizont auftauchen, ganz gut erkennen und benennen. Heimat eben. Vor der zweiten Kapelle noch ein wunderschöner Baum am Wegrand, der meinen vorausgeeilten KLB gut beschirmte.


und weiter hoch

Zweite Kapelle

Hier gabelte sich der Weg. Für eine Rast auf der Bank war es noch zu früh, die wollten wir aber auf jeden Fall auf einer der nächsten Bänke nachholen. Wir nahmen den rechten Weg auf die nächste Anhöhe, einen ".....kopf", wie man auf dem Schild lesen konnte.

Was für ein "Kopf"?

Ab durch den Raps



Immer schön sanft bergauf ging es bis zu diesem Wäldchen. Dort gabelte sich nicht nur der Weg, sondern uns begrüßte auch ein interessantes Schild. Mein Gott, wer wird denn hier was sprengen?!

Der große Bruder traf die Entscheidung, den Weg nach rechts um das Wäldchen herum zu nehmen. Nach einer Weile bemerkten wir zu unserer Linken, dass dieses "Wäldchen" auf dem Kopf einer Bergkuppe etwas anders aussieht, als wir und das vorgestellt hatten.

Zu unserer Linken ging es hinter einem Stacheldrahtzaun viele Meter steil hinab in eine riesige Grube, in der wohl Lava oder ähnliches abgebaut wird oder wurde. Ooopsy!

Die wahre Tiefe der Grube ist auf dem Foto nicht gut erkennbar

Naja, wir laufen ja nicht da rein, sondern drumherum. Kann also gar nichts passieren. Nach etwa zehn Minuten endet dieser unbefestigte Weg im Nichts. Kehrt Marsch, alle Mann zurück. Na gut, dann gehen wir halt auf der linken Seite um dieses Loch herum. Als wir wieder am Spreng-Schild vorbei sind, bemerken wir ein paar Meter weiter, dass der Weg linksherum nicht um den Kopf drumherum führt, sondern links ins nächste Bachtal hinunter führt. Da wollen wir nicht hin, nicht heute.
Ich entdecke einen seitlichen Trampelpfad durch den Wald und fasse den kühnen Entschluss, dass dies unser Weg ist. Den sofort geäußerten Bedenken des KLB, wir könnten direktemang in die Grube laufen, entgegne ich nur: "WER ist der große Bruder?!" und er folgt mir sofort.

Auf total schönen Wegen umrunden wir den Bergkopf und gelangen zu einer Anhöhe mit einem wunderschönen Rundum-Ausblick.



Unter diesem Baum angekommen, sind wir nun schon eine Stunde unterwegs. Leider haben wir seit der Kapelle keine bequeme Rastmöglichkeit mehr gesehen, sei es eine Bank oder ein paar Baumstämme,
Mittlerweile haben wir die Bergkuppe auch halb umrundet. Ganz geht nicht, der Weg rechts herum endete ja im Nirwana. Also beschließen wir, den Rückweg anzutreten und unsere Rast später an der Kapelle nachzuholen.

Der Blick zurück zeigt uns nun auch die Sicht auf eine kleine Siedlung auf dem nächsten Hügel, mit der uns die Familiengeschichte unserer Oma Katharina verbindet.

Da oben waren wir doch erst kürzlich!

Am Ende, nach zehn Minuten Pause an der Kapelle, stehen wir zufrieden wieder am Auto und machen uns auf den Rückweg. Es war eine kleine und schöne Wanderung, die ständig hoch oder runter ging.
Der Schrittzähler zeigt für diese hügelige Tour an:
01:45 Std. - 7.000 Schritte - 5,7 km

27 April 2022

Das Floß und die Hütte

Auf den Nachmittagsbesuch einer alten Freundin freute ich mich schon den ganzen Tag. Als sie sich  dann spontan dazu überreden ließ, zuerst eine kleine Frischluftrunde zu drehen, war der Tag schon gerettet. Und wir entdeckten Erstaunliches auf altbekanntem Grund.

Der Rücken meiner vermeintlichen Wächterin am Rhein
Tom Sawyer und Huckleberry Finn?

Jawohl, die Zeit der Flößer auf dem Rhein ist doch noch nicht vorbei! Neben dicken Tankern und mächtigen Passagierschiffen trieb auch dieses bewohnte Stück Holz an uns vorbei. Vielleicht muss man die Raststationen in der Flößer- und der Halfergasse meines Heimatortes wieder reaktivieren.

Nach einer guten Stunde saßen wir dann gut durchgelüftet auf Balkonia in Pillonia und genossen Kaffee und Nussknacker. So hatten wir noch Gelegenheit zum Klönen, auch wenn das für mein Gegenüber mehr schreiben als Reden war. Wir hatten uns länger nicht mehr gesehen und daher einiges zu erzählen. Als ich die Freundin dann um kurz vor sechs Uhr in ihrem Schreibkurs abgeliefert hatte, fehlten mir doch noch ein paar Meter auf dem Schrittzähler. Daher gönnte ich mir noch ein kleines Ründchen auf einem nahen Berg mit ebenfalls schönen Aus- und Anblicken.

Eine Hütte im Berg auf der anderen Seite. Welche ist es?

So schön und bunt kann Natur sein

Zuhause waren dann die Tomaten fällig, eher überfällig. Frisch gebackene Dinkelkartoffelbrötchen mit Tomaten-Mozzarella-Basilikum-Olivenöl-Balsamico Crema waren ein echter Genuss, so dass ich mich nun wohlgestärkt diesem blog-Eintrag widmen konnte. Hach!