26 Juli 2021

Eine denkwürdige Geschichte


Liebe Freunde des guten Buchs, ich muss unbedingt was loswerden.

Ein unscheinbares Taschenbuch aus dem Jahr 2001 hat es mir damals schon angetan. Der Titel hatte mich neugierig gemacht, und ich konnte das Buch nicht mehr weglegen, nachdem ich einmal angefangen hatte, zu lesen.

»Als die sinnlose Rede vorbei ist, treten wir ans Grab. Den Kübel mit Sand ignorieren wir.  Wir werden unseren Freund nicht mit Dreck bewerfen. Stattdessen legen wir alle

gleichzeitig, als hätten wir es wochenlang geübt, den Kopf zurück. Und dann spucken wir in hohem Bogen unsere Kirschkerne in das Grab. Der Pastor funkelt uns wütend an. Doch was weiß der schon.«

An seinem 40. Geburtstag steht Piet am Grab eines Freundes. Hier erinnert er sich an Prickel Pit und Schlaghosen, Miami Vice und Startbahn West, den ersten Kuss, die letzte Gehaltsabrechnung. Und Piet denkt an vier Jahrzehnte mit seinen besten Freunden: an die denkwürdige Geschichte der Kirschkernspuckerbande!

So steht es im Begleittext des Verlages, und Gernot Gricksch bringt es tatsächlich fertig, 40 Jahre einer ganz normalen Lebensgeschichte in diesem Büchlein unterzubringen. Es ist berührend, witzig, traurig, authentisch, alles zugleich. Wie im richtigen Leben. Und da ich selbst in eben dieser Zeit ein Leben gelebt habe, mit vielen Höhen und Tiefen, konnte ich auch in sehr vieles hinein versetzen. Das Ding hat mich damals geflasht, und in den Jahren danach ging es meinem Freundes- und Bekanntenkreis sehr ähnlich, da ich dieses Buch wirklich jedem, der nicht schnell genug das Thema wechselte, aufs Auge drückte.

Nun traf ich vor kurzem eine liebe Jugendfreundin aus meinem Heimatort eher zufällig beim Impfen wieder, und auch ihr musste ich das Buch aufnötigen, wobei ich mir sicher war, dass es ihr gefallen würde. Ihr ging es genauso, sie las es in einem Rutsch weg fand es richtig klasse, auch sie machte dabei eine Gedankenreise in die eigene Vergangenheit. Als sie mir das erzählte, fiel mir auf, dass ich selbst mich an kaum ein Detail aus dem Buch mehr erinnerte, es war zu lange her, dass ich es gelesen hatte. Lediglich meine Begeisterung für das Buch war immer geblieben. Und so tat ich das, was ich eigentlich niemals getan hatte, ich nahm mir das Büchlein ein zweites Mal zur Brust - und hatte genau so viel Spaß daran wie beim ersten Mal. Und das, obwohl ich mich beim Lesen nach und nach wieder an alles erinnerte und obwohl ich mich an das überraschende Ende nun bereits am Anfang wieder erinnerte.
Von der Freundin hörte ich dann, dass sie dieses Ende schon sehr früh geahnt hatte, wie bereits andere LeserInnen vorher. Ich bin wohl nicht gut im Ahnen.

Also - an dieser Stelle nochmal für alle, die diese berührende Geschichte noch nicht kennen:

LESEN!

29 Juni 2021

Arnold Kahl vergisst sein Leben

Eine Buchbesprechung muss ich loswerden, so sehr hat mich dieser Roman beschäftigt, den ich gestern Abend zu Ende gelesen hab.

Bisher kannte ich vom Autor die "Gott-Trilogie", die ich kürzlich zum zweiten Mal gelesen habe. Dabei stieß ich auch auf diese neuere Buch mit vielversprechendem Klassentext.
Es beginnt im Februar 2020. Arnold Kahl, 53, Buchhändler ist mit einem sehr negativen Blick auf die Welt und das Leben ausgestattet, was seine Ehefrau regelmäßig anödet. Nach einem typischen abendlichen Streit um eigentlich unwichtige Dinge verzieht sich Arnold genervt in's Bett - und wacht am nächsten Morgen in einem fremden Bett in einem fremden Haus auf. Er braucht eine Weile, um sich damit abzufinden, dass der Kalender den 16.Februar 2024 anzeigt und er an einer Amnesie leidet, die ihn die letzten 25 Jahre seines Lebens komplett hat vergessen lassen. Mühsam rekonstruiert er mit Hilfe seines Dieners Gustav, was er alles in dieser Zeit getan hat, wie sein Leben verlaufen ist.
Hier beende ich mein Spoilern, denn das passiert alles ziemlich am Anfang vom Buch.

Alleine die Vorstellung, morgen früh zu erwachen und 25 Jahre meines Lebens verpasst zu haben, verursachte bei mir großes Unbehagen. Der Roman hat im weiteren Fortgang noch viele Geschehnisse anzubieten, die zum Nachdenken, vielleicht sogar zum Umdenken anregen. Unsere Welt in 25 Jahren ist sehr vorstellbar beschrieben. Die Serviceroboter, die bereits in heute japanischen Altersheimen eingesetzt werden, sind in 25 Jahren funktional wie auch äußerlich so vollkommen, dass sie praktisch nicht mehr von Menschen zu unterscheiden sind. Arnolds synthetischer "Diener" Gustav ist ein gelungenes Beispiel dafür.


Mir fiel sofort Peter Maffay ein, der hat diese Welt vor vielen Jahren bereits sehr treffend beschrieben:

Die schöne neue Welt, die vor uns liegt

So schön, dass man davon kalte Füße kriegt

Wird morgen Wirklichkeit, wenn wir nichts dagegen tun

Die Pillen gibt es längst, die man nur schlucken muss

Fürs Glücksgefühl und gegen Überdruss

Wir werden schon verplant und schauen auch noch ruhig zu

Aber ohne was vorwegzunehmen, der Roman ist keine Dystopie, hat keinen erhobenen Zeigefinger und bietet Unterhaltsames und auch Lustiges. Hans Rath schreibt im Übrigen sehr flüssig, so dass man das Taschenbuch fast in einem Rutsch weglesen könnte, wenn man nicht zwischendurch über einiges Nachdenken müsste. Also: Meine Leseempfehlung hat er.
Allerdings würde ich als Einstieg in Hans Raths lockere Schreibweise seinen Roman "Und Gott sprach: Wir müssen reden!" empfehlen, eine etwas leichtere Lektüre, die trotzdem nicht oberflächlich ist.


28 Juni 2021

Neue eMail-Benachrichtigung

Kurze Information für alle, die sich bisher über den feedburner per eMail benachrichtigen ließen, wenn ein neuer blog-Beitrag erschienen ist: feedburner hat den Dienst eingestellt, ab sofort wird diese Funktion von follow.it übernommen. Also nicht wundern, wenn Ihr von follow.it eine eMail bekommt mit der Bitte um Bestätigung.

Für alle, die dies bisher nicht genutzt haben, aber gerne eine Benachrichtigungs-eMail bei neuen blog-Beiträgen hätten: Oben links im blog ist ein Feld, in dem man sich mit der eMail-Adresse eintragen kann. Es folgt auch hier einmalig zur Überprüfung der Adresse eine eMail mit der Bitte um Bestätigung, danach funktioniert es.

25 Juni 2021

Und nochmal Skulpturen

Wenn ein Freitag mit gutem Frühstück, kleiner Beförderungstour mit einer Freundin, nettem Besuch vom Kollegenfreund und anschließendem Freitagsfisch bei Kerstin beginnt, muss es ein guter Tag werden. Das ist sicher naturgesetzlich so verankert. Und genau so wurde es auch.

Nach dem gestrigen Reinschnuppern bei den Künstlern wollte ich es mir heute natürlich nicht nehmen lassen, auch den Initiator der Geschichte, Wolfgang Dillenkofer, live am Objekt zu sehen. Nach dem After-Lunch-Espresso  hatte auch Gerd Lust, sich den letzten Live-Act im Park mit anzuschauen. Und was erwartete uns im Rauscherpark?
Natürlich kam es erstens anders als man zweitens denkt. So kamen wir nur kurz in den Genuss des Live-Acts an der Motorsäge, doch dafür gab es einiges andere zu bestaunen.
Die beiden Objekte von Simone Carole Levy waren fertig und aufgestellt und wirkten so nochmal anders als gestern in liegendem Zustand.

Gestern noch ein Hai
Das Menschlein tanzt

Und der Herr der Schöpfung hatte gar keine Zeit mehr, an seinen Objekten weiter zu arbeiten, denn wir rauschten quasi mitten in einen Pressetermin hinein. Alfred Adams und Otto Kaiser vom Offenen Kanal besuchten und interviewten die Künstler genauso wir Martina Koch von der Rhein-Zeitung. Neben meinem Freund und mir gesellten sich im Lauf der Zeit noch andere Spaziergänger dazu, und auch der Ortsvorsteher von Plaidt, Peter Wilkes, ließ es sich nicht nehmen, dabei zu sein.

Aber richtig Presserummel, toll!
Adams meets Dillenkofer







So wurde es eine recht kurzweilige Angelegenheit, auf deren Ausstrahlung im OK ich schon sehr gespannt bin. Und ein paar Eindrücke von der Dillenkoferschen Kunst konnte ich dann doch noch im Bild festhalten.

Der Künstler vor seinen Werken
Oje, was hab ich getan?!












Von den beiden Künstlern werde ich hoffentlich nicht das letzte Mal etwas gehört und gesehen haben schon alleine, weil es im Park mit dem Skulpturenweg weitergehen muss. Die weitere Unterstützung des Ortsvorstehers wird dies hoffentlich auch zukünftig ermöglichen.

Auch wenn ich mich manchmal wiederhole:

Das Leben ist schön