Wie schützt man sich vor lästigen Kundenaufträgen?
Unter diesem Motto könnte man gut zusammenfassen, was sich Deutschlands ältester Brief- und Paketdienstleister in letzter Zeit so erlaubt. Ich verschicke ab und an mal eine Broschüre oder ein Buch an Freunde ins Ausland, mal in die USA, mal nach Kanada, mal nach Holland. Ich möchte ausdrücklich die Schalterbeamt*innen ausnehmen, die gerade hier in Andernach superfreundlich und zuvorkommend sind. Die können nichts dafür, die müssen nur ausbaden, was ihre Führung anrichtet. Ich hoffe, dass ich das im Rückblick noch alles richtig zusammenkriege, was ich in den letzten Monaten mit dem Verein erlebt habe.
Beim ersten Mal (USA):
Ich habe im Internet nachgeschaut und nach dem Sichten vieler Seiten endlich die richtige gefunden:
Warenpost International für drei Euro nochwas. Broschüre + 1 handgeschriebene Notiz eingetütet. Klebe alle Marken passend darauf, verschließe das Couvert, gehe zur Post. Ich möchte sichergehen, dass ich alles richtig gemacht habe und die Sendung nicht nach zwei Wochen zu mir zurückkommt, weil ich 5 ct. zu wenig draufgeklebt habe oder U.S.A statt Amerika geschrieben habe.
Erklärung: nur Waren oder nur Brief, keine Mischung mehr möglich.
Ich habe die Broschüre und eine handgeschriebene Seite darin.
Diskussion zwischen dem Beamten und seiner Kollegin. Schließlich nimmt der Mann das einfach an und sagt: "Ist gut so."
Beim zweiten Mal (Holland):
Diesmal hab ich nur die Broschüre reingepackt. Erfahre dann, dass ich für Holland auch einen Brief hätte mit reinstecken können. Die neuen Regelungen gelten nur für außereuropäischen Versand. Egal, ich mach das jetzt nicht mehr auf. Geht so weg. Für drei Euro nachwas.
Beim dritten Mal (USA):
Diesmal ein Taschenbuch. Eingepackt, adressiert, und ab zum Postschalter. Dort erfahre ich: Für USA gilt jetzt: Keine Briefmarken mehr von der Post, sondern alles online ausfüllen und bezahlen und selbst ausdrucken. Ist das Euer Ernst? Stummes Nicken, die wissen auch, dass das nicht gut ist. Ok, danke für den Hinweis. Wieder nach Hause, Ab ins Internet. Durch viele Seiten der Post durchgekämpft. Immer wieder lande ich bei Warenpost international - geht nur für Firmen, keine private Versendung mehr. Privat nur noch Briefe/Dokumente, keine Waren irgendwelcher Art. Aber als Ersatz: Bei DHL als Päckchen. Ich klicke auf den Link und bin erstaunt. Mein gebrauchtes Taschenbuch (Wert: 1,29€) kann ich als "Päckchen XS Welt" für 8,89€ verschicken. Ja sach ma!
Egal, ich will das jetzt verschicken, hab's einer Freundin versprochen. Bei DHL registriert, alle Angaben zu Empfänger, Absender, und Ware gemacht. Ja, eine kleine Zollerklärung muss jetzt für alles gemacht werden, was man verschickt. Am Ende mit paypal bezahlt, die Dokumente ausgedruckt. Versandschein mit Adressen vornedrauf, Zollerklärung nochmal unterschrieben und hintendrauf kleben. Nochmal zu Post. Ja, es ist alles ok, das Buch geht raus. Pooh!
Beim vierten Mal (USA):
Diesmal ist es wieder eine Broschüre in die USA. alles wie gehabt, online wird man alles abgefragt, auch Länge, Breite und Höhe des "Päckchens". Höhe 0,5 cm. Wert: 0 €. Nimmt er nicht an. Also 0,50 € - jetzt geht's durch. Wieder für 8,89 € alles eingetütet, ich weiß ja jetzt, wie es geht. Auf dem Postamt dann die böse Überraschung: "Das geht so nicht, das ist zu dünn!"
Wie jetzt, zu dünn?
"Mindesthöhe ist 1,5 cm!"
Davon stand aber im Internet nix. Ich hab doch 0,5 cm angegeben und es wurde akzeptiert!
"Tut mir leid, aber ich darf das so nicht annehmen."
Ja soll ich das jetzt wieder aufmachen und Pappe zum Füllen reinstecken?
Dem Beamten ist anzusehen, wie peinlich ihm die Situation ist. Schulterzucken. Wortlos packe ich das Couvert wieder ein und mache mich von dannen. Nach kurzer Überlegung halte ich am nächsten Briefkasten an und werf das Ding ein, so wie es ist. Ich hab da so eine Ahnung - und sie trügt mich nicht! Ganze zwei Wochen später kommt von Karla die Nachricht, dass das Teil unversehrt in Maine eingetroffen ist, trotz dem fehlenden Zentimeter.
Aber im Ernst jetzt:
Wer denkt sich eine solchen Mist aus?! Eine DIN-A5-Broschüre, 64 Seiten, 135 Gramm, darf der Privatmann nur noch als "Päckchen XS Welt" wegschicken, und das auch nur, wenn er im Internet alles Mögliche selbst ausgefüllt und ausgedruckt hat. Für 8,89€. Ein Anschreiben oder eine handschriftliche Notiz darf man aber nicht dazulegen. Die kann man dann separat als Brief verschicken. Wie macht das die Omi, die ihrem Enkel in Kanada ein Weihnachtspäckchen schicken will?
Die eine Schalterbeamtin weist mich noch daraufhin, dass ich für 8,89€ nicht nur die kleine Broschüre verschicken, sondern bis zu 2 kg reinpacken kann. Ja soll ich jetzt einen Ziegelstein dabei packen, damit es sich rentiert?
Ich werde mir zukünftig etwas anderes einfallen lassen müssen, um unsere schönen Kurzgeschichten um die Welt zu schicken. Für Ideen und Anregungen bin ich dankbar.