Hier erlaubt sich ein alter Bärenknochen, seine Meinung zu allen möglichen Dingen kund zu tun, was ihn bewegt, freut oder ärgert, und gelegentlich von unterwegs zu berichten.
Auf dem Foto bin natürlich nicht ich zu sehen, sondern der leider früh verstorbene Matt McGrory in seiner Rolle als der Riese Karl in "Big Fish", einem meiner Lieblingsfilme.
Der diesjährige Besuch der "Nacht der Technik" im Technologiezentrum der Hwk musste leider ohne Fabi stattfinden, die dem Terminstress Tribut zollen musste. Kumpel Mike T-Bone war jedoch wieder dabei, und wir haben viel Interessantes zu sehen und zu hören bekommen. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre verkürzten wir diesmal unser Programm ein wenig, denn unsere maximale Aufmerksamkeitsspanne hat sich in den letzten Jahren reziprok zum Lebensalter entwickelt.
Eine super Eröffnung war um 16:15 die Präsentation der senseBox, welche von der Uni Münster in Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen entwickelt wurde. Eine digitale Umweltsensor-Box zum Selbstbauen und selbst programmieren, alles auf OpenSource-Basis, verbunden mit einem Konzept für Schulen. Ich werde mal an den Andernacher Schulen nachfragen, ob man da bereits mit dabei ist.
Weiter ging es mit Klaus Völkel, dem Betreiber der Sternwarte in Sessenbach, der uns allerhand Wissenswertes über die großen Events am Himmel vermittelte, die Sonnen- und Mondfinsternisse, die uns bald wieder bevorstehen.
Danach schnappten wir etwas frische Luft und gönnten uns eine Stärkung in der Mensa. Dann wurde es lustig, ein holländischer Forscher präsentierte auf sehr amüsante Weise verblüffende Parallelen zwischen Elektronenpaaren und menschlichen Paaren, wobei er gerade bei der technisch notwendigen Trennung dieser (Elektronen-)Paare auf einen reichlichen persönlichen Erfahrungsschatz bzgl. menschlicher Paare zurückgreifen konnte.
Beziehungen von Paaren aller Art
Danach benötigten wir dringend eine Koffeinspritze, die wir uns an der Kaffeebar im 2.Stock gönnten. Sowohl Kaffee als auch Espresso waren suboptimal, was den positiven Gesamteindruck nicht trüben sollte.
Brain Ticket beim Kaffee
Die Krönung des Abends kam um 20:30, als Prof. Dr. Hendrik Bluhm uns einige Takte zum Quantenmechanischen Computer erzählte. Ich hab einiges verstanden, hatte aber hinterher mehr offene Fragen als zuvor. Wow! Der Saal war richtig voll, an den Rändern und hinter der Bestuhlung standen die Zuhörer in mehreren Reihen. Wir wurden in ein Paralleluniversum entführt, irgendwo zwischen Schrödingers Katze und Douglas Adams' "42". Unfassbar, was dieb Quantenphysiker mittlerweile wissen:
Dass z.B. in 300 QuBits mehr Informationen stecken als das Universum Atome hat. HÄÄ !?!?!
Oder dass man, wenn man mal 100 QuBits vernetzt am Laufen haben sollte, sich Anwendungen ausdenken muss, für die es überhaupt Sinn macht, mit dieser Power zu arbeiten. 42 eben.
Frische Luft macht den Kopf wieder frei - hoffentlich
Nach dem Ende des Vortrags gleicht mein Kopf einem großen ungelösten Problem. Heavy duty brain overflow. Wir beschließen, diesen tollen Abend damit ausklingen zu lassen und zu versuchen, wieder beide Beine auf den Boden zu kriegen.
Keine Atempause, Geschichte wird gemacht - es ist vollbracht!
So habe ich mich heute mittag gefühlt, als ich heute Mittag nach der problemlosen Abnahme der alten Wohnung im Auto saß und in Richtung meiner neuen Heimat unterwegs war. Laut singend, grölend, Urschreie ausstoßend - schade, dass der alte Gassenhauer von Fehlfarben nicht grad im Radio lief, das hätte genau gepasst.
Tausend Steine plumpsen runter, der selbstgemachte Stress der letzten Wochen ist vorbei. Die vielen noch nicht ausgepackten Kisten und Kasten im neuen Heim jucken mich überhaupt nicht. Fünfzehn schöne Jahre in der alten Wohnung gehen zu Ende - und ich vertraue auf (mindestens) genau so viele schöne Jahre in der neuen Umgebung.
Zur Belohnung gönn ich mir bei Scheunemann zwei paar neue Schuhe, die alten, bequemen Dauerlatschen sind so schlimm malträtiert, dass sie nur noch als zukünftige Dreckarbeitsschuhe dienen werden. Was bedeutet, dass ich sie hoffentlich nie mehr anziehen muss. Ein guter Espresso (ok, zwei) und eine Nussecke der besten Bäckerin der Region versüßen mir den erfolgreichen Tag. Dann muss der Monteur für eine halbe Stunde den Strom abstellen, damit die PV-Anlage ans Netz geklemmt werden kann.
Mein kleiner Lieblingsbruder bringt mir netterweise nicht nur das Rezept der Ärztin unseres gemeinsamen Vertrauens vorbei, sondern hat es auch direkt in der Apotheke eingelöst. Kurz bevor er kommt, verbrutzelt der Monteur zwei Hauptsicherungen beim Versuch, den Strom wieder einzuschalten. Mir schwant nichts Gutes. Er fährt nur schnell in die Firma (um die Ecke), um zwei neue Sicherungen zu holen. Nach einer halben Stunde des Wartens fällt mir auf, dass die Heizung ohne Strom auch nicht mehr läuft. Es wird dunkel, es wird kalt. Mein Bruder will im Dunklen Kalten auch nicht bleiben. Mir schwant Übles.
Die Elektriker tauchen auf, wollen im Vorderhaus Kabel verlegen. Keiner Zuhause. Mist. Ich frage vorsichtshalber nach Sicherungen, da ich irgendwie ahne, dass genau die gesuchten Sicherungen in der Firma des PV-Monteurs grad nicht vorrätig sind. Morgen ist Feiertag. Mein Haus ist kalt und dunkel. Genau diese Sicherungen haben die Elektriker natürlich nicht im Auto. Nach einer Viertelstunde des Wartens fahren sie wieder heim und wollen am Montag weitermachen.
Zum Glück kommt die Freundin im Vorderhaus zehn Minuten später nach Hause und gewährt mir Warm-und-Tee-Asyl. Nach einer Stunde taucht der PV-Monteur wieder auf und versichert mir, dass ich gleich wieder Strom und Wärme im Haus habe. Eine Stunde später ist er immer noch am Werk, während ich gemeinsam mit den Freunden im Vorderhaus Tee schlürfe. Das kann doch nicht gut gehen.
Als ich dann nach hinten gehe, um zu sehen, ob der Monteur noch lebt, sehe ich schon von außen Licht hinter dem Fenster. Jubilee! Ich spüre die Wärme der Heizung, als ich das Haus betrete. Auch der Monteur lebt. Er räumt gerade zusammen und verabschiedet sich. Der hatte sich wahrscheinlich auch was Schöneres zum Feierabend vorgestellt als diese Aktion. Eine Stunde später, nach einem leckeren Frosta-Gemüsetopf und zwei weiteren Espresso, schlafe ich friedlich vor der TV-Fußballübertragung im Sessel ein. Nun ist doch alles gut.
Als vorgestern klar wurde, dass die alte Küche in der alten Wohnung abgebaut werden musste, wurde es nochmal richtig eng. Ich kann keinen Herd abklemmen. Das Universum griff wieder ein:
Gestern, Samstag, hatte ich morgens vereiste Autoscheiben. Beim Einstecken des Schlüssels ins Zündschloß komme ich mit dem Arm gegen den Hebel für den Scheibenwischer. Ein knirschendes Etwas zuckelt über die vereiste Scheibe, bis zur Mitte, dann kracht es kurz und der Wischer fährt zurück. Ach Du Scheiße, nicht das jetzt auch noch! Ein Anruf in der Werkstatt meines Vertrauens beruhigt mich. Der Inhaber, mit dem ich seit Jahren freundschaftlich verbunden bin, hat nachmittags in meiner Nähe einen Kundentermin und sagt zu, vorher vorbei zu kommen und sich das anzuschauen. Als er kommt, ist das Problem schnell erkannt und behoben. Ich zeige ihm kurz mein neues Domizil, es gefällt ihm. Dann fragt er, ob ich noch Hilfe brauche. Die hat er mir vor Wochen schon angeboten. Da ich jedoch um seinen 14-Stunden-Tag weiß, hab ich ihn nicht gefragt. Ich erzähle ihm, dass ich übermorgen, Montag, die Küche abschlagen will und dass ich nur noch jemand brauche, der den Herd abklemmt.
Genau sein Metier. Da er an allen Tagen außer Sonntag mehr als ausgelastet ist, bietet er mir an, mit dem Werkzeugkoffer am morgigen Sonntag vorbei zu kommen und mit mir die Küche abzubauen. "Du weißt, doch, dass ich Elektrisch kann. Ich bring den Akkuschrauber mit, Du wirst sehen, wie schnell das geht!" Ich bedanke mich für das Angebot und bitte um Bedenkzeit, weil ich die Küche eigentlich erst für Montag vorgesehen hatte.
Um es kurz zu machen: Ich habe sein Angebot angenommen und wir haben heute nachmittag nicht nur die komplette Küche abgebaut, sondern alles, was auf den Sperrmüll kommt, aus der Wohnung und aus dem Keller getragen. Wir haben alles von Wänden und Decken abmontiert, was dran war. Regale, Garderoben, Gardinenstangen, alles. Und wir haben den Herd, die Spülmaschine, die Dunstabzugshaube in mein Auto geladen, die ich morgen früh direkt entsorgen kann. Morgen wird die Wohnung komplett leer werden, übermorgen wird sie sauber gemacht, so dass am Mittwoch, dem 31.10., spätnachmittags die Abnahme erfolgen kann. Morgen kommt mein lieber Großneffe vorbei und ersetzt das defekte Eckventil vom Spülmaschinenanschluss.
Panta Rhei -> Alles ist im Fluss. Und es fließt gut. Das wäre alles nicht so gelaufen, wenn ich nicht am Samstag Morgen mit dem Arm aus Versehen den Scheibenwischer betätigt hätte. So stelle ich mir jetzt den Butterfly-Effekt vor, kleine Ursache -> große Wirkung.
Auf ähnliche Art und Weise hat mir das Universum bereits den Fahrer des großen Umzugswagens organisiert und auch den Schlafzimmerschrank-Ab-und-Aufbauer (siehe letzten blog-Eintrag).
Die erste Nacht im neuen Haus. Ein Umzug der seltsamen Art. Seit Monaten kenne ich den Termin, Kriege es aber nicht geregelt, rechtzeitig alles aussortiert und gepackt zu haben. Hab mich lange wohl gefühlt dabei, keinen Stress zu haben, trotz aller mahnenden Worte aus dem Freundeskreis. Daher wurde es jetzt nochmal richtig eng.
Ein weiteres Problem: Ein Großteil vom Freundeskreis ist auch ungefähr in meinem Alter angekommen, plus/minus 10 Jahre, und hat dementsprechend wahlweise Rücken, Schulter, Herz oder ähnliches. Ich laufe selbst seit Wochen mit Wärmepflaster auf dem Rückgrat rum.
Und so wurde es eine anstrengende Zeit, die noch bis zum Monatsende andauert. Aber der Hauptakt ist heute geschafft. Die großen Teile, die mitkommen sollen, sind alle angekommen.
Einige Helfer hat mir dabei der Himmel geschickt. Wirklich seltsam war das. Ich sitze in der alten Wohnung, erkenne ein ungelöstes Problem, denke "Scheiße, das wird nix!", und 10 Minuten später klingelt das Telefon oder piepst das Handy und meine Retter sind dran, speziell für dieses unlösbare Problem.
So wurde der heutige Tag zum Erfolg, ich liege in meinem alten Bett in meinem neuen Domizil, neben dem aufgebauten Kleiderschrank.
Ich habe heute den toten Punkt überstanden, an dem ich mich nur noch zum Sterben unter die Kommode legen wollte. Und mein Kumpel Mike T-Bone hat die letzten Tage wacker all meine Spezialitäten ertragen, wenn ich mitten im Packen wieder anfing, ganze Papierstapel korinthenkackerisch Blatt für Blatt auszusortieren, obwohl der Tag X immer näher rückte, an dem alle Großmöbel leer geräumt sein mussten. Heute morgen um halb eins wurden wir fertig, um 9 begann der Umzug. Und wir hatten ca. 15 große Kartons voll Altpapier aussortiert.
Was nicht funktioniert: Telefon und Internet. Ich habe den Umzug bei Vofasfone/Kabel vor 2 Monaten angemeldet und das ok bekommen. Noch Fragen? Immerhin geht der Fernseher.
Langsam komme ich zu Ruhe. Ich freu mich auf das erste Frühstück im neuen Haus. Besser Spätstück, morgen ist das hier weckerfreie Zone.