04 Mai 2018

Glänzende Aussichten im Museum

Die heutige Vernissage der Karikaturenausstellung im Stadtmuseum war eine super gelungene Veranstaltung. Selbst der Vorlauf mit Rednern, eigentlich immer ein ungeliebter Teil, was aber niemand offen auszusprechen wagt, bot eine Fülle von interessanten und kritischen Informationen.
OB Hütten eröffnete gewohnt souverän und zeigte erste Ansätze einer nachhaltigen Stadtentwicklung in Andernach auf. Florian Meissner von misereor berichtete von erschütternden Realitäten an vielen Orten der Welt, Christoph Bals von germanwatch zeigte einige mutmachende Entwicklungen auf und Prof. Dr. Martin Pudlik von der TH Bingen erzählte auf unterhaltsame Art und Weise, was er und seine Studierenden so alles auf die Beine stellen.
Quelle: misereor
Die 99 großformatigen Karikaturen der Ausstellung zum Thema "Klima, Konsum und andere Katastrophen" legten auf teilweise schwarzhumorige Weise den Finger in viele Wunden, man schämte sich fast, weil man trotz des ernsten Themas lachen musste. Ich kann nur jedem empfehlen, sich die Ausstellung mal anzusehen und darüber nachzudenken, was so alles schief läuft in dieser unserer Welt.
We are Rome
Dass danach die Band "We are Rome" komplett solarstrombetrieben im Museumshof ihr kleines Konzert eröffnete, hat mich besonders gefreut. Ich war in einem RZ-Artikel im letzten Jahr auf die Jungs gestoßen. Dass meine engagierte Kollegin Ricarda dieses Event sowohl mit der Band als auch mit Prof. Pudlik und seinem Studierenden-Team der TH Bingen samt des energetischen Equipments auf die Beine gestellt hat, ist einfach klasse. Der gleichen Meinung war auch der Wettergott, der uns heute einen superblauen Himmel bescherte. Das ist genau der frische Wind, der einer solchen Museumseinrichtung sehr gut tut.

Frogcodile
Die Jungs machten dann zu meinem Entzücken auch noch hinreißend schöne Mucke, ebenso wie die special guests, Frogcodile aus Wuppertal. Die beiden Auftritte hätten sicher ein paar mehr Zuschauer verdient gehabt, aber das kann ja bereits beim geplanten nächsten Auftritt in Andernach der Fall sein. Beiden Bands scheint es bei uns gefallen zu haben.
Bereits gestern abend hatte ich zufällig gelesen, dass beide Bands am 25.5. in der Wuppertaler Utopiastadt einen weiteren gemeinsamen Auftritt haben, genau dann, wenn ich mich mit einigen Kollegen in Wuppertal befinde. Da Hannes Porombka von "We are Rome" mir sagte, dass schon ziemlich viele Tickets verkauft seien, hab ich mir, als ich heut abend nach Hause kam, sofort online 3 Tickets gesichert.

Für mich war es ein sehr schöner Tag. Ich hatte Gelegenheit, einige Jungs von den Bands und auch Prof.Dr. Pudlik persönlich kennen zu lernen, mit denen ich bisher nur per eMail zu tun hatte. Willy und Carmen waren meiner Last-Minute-Einladung zum Konzert gefolgt, und zum Abschluss haben Carmen und ich uns noch einen leckeren Salat draußen am Casa gegönnt.

28 April 2018

Samstags um 10:30 am 'La Gondola'

Habe mich gestern mit einer lieben Freundin für den heutigen Flohmarkt verabredet. Ich komme mit der Bahn, sie will mit dem Auto kommen, sie weiß auch schon, wo sie parken kann. 10 Uhr ist ihr zu früh. Außerdem sollen wir uns nicht direkt am Rhein treffen, sondern am La Gondola und von dort auszusammen zum Rhein runtergehen. Also: 10:30 am La Gondola.
Ich, Freundin, Bahn, Uhrzeit, Treffpunkt, der geneigte Leser ahnt bereits, welche fünf unkontrollierbaren Urgewalten hier aufeinander treffen.
Um das ganze nicht zu stressig werden zu lassen, stehe ich mitten in der Nacht auf und bin um 09:00 mit dem Frühstück fertig. Waschen, Zähneputzen, Anziehen, ein letzter Blick auf die Frisur, ok, ich setz das Käppi des besten Fußballvereins überhaupt auf.
09:20 Abfahrt - halt stop, da drückt noch was, da will noch was raus. Kurz auf den Schacht, ist ja noch Zeit genug.

09:34 Nachricht der Freundin: "Ich fahr jetzt los". Hä? So früh? Die ist doch in 10 Minuten am Parkplatz und dann doch um 10 Uhr am La Gondola! Versteh einer die Frauen.
09:37 Abfahrt zum Bahnhof. Den 09:49 krieg ich auf jeden Fall, pünktlich ist da seit Jahren kein Regionalzug mehr gewesen. Ankunft am Bahnhof, Ticket ziehen.
09:49 geh ich zum Gleis 3 hoch - und seh den Zug grad noch wegfahren. Der einzige pünktliche Zug seit Menschengedenken. Vielen Dank, Herr Murphy!

Der nächste fährt um 10:12 auf Gleis 1. RB. Ankunft Koblenz 10:24.
10:03 Ok, Nachricht an die Freundin: "Komme 10:24 an, wird ein paar Minuten später."
10:04 Nachricht von Freundin: "Bin schon da, gehe schon mal auf den Flohmarkt. Geh einfach vom La Gondola runter an den Rhein. Dann brauch ich nicht mehr hoch."
10:07 bis 10:22 Der Bahnhof Andernach wurde anscheinend als Güterbahnhof freigegeben. Einige ewig lange Containerzüge rappeln mit einem Affenzahn auf Gleis 1 durch. Der Bahnhof bebt jedesmal und droht einzustürzen. Begleitet wird das Szenario von immer wiederkehrenden Ansagen, die man entweder durch den Lärm der Güterzüge nicht verstehen kann oder sie lauten: "Vorsicht am Bahnsteig. Ein Zug fährt ein!" und - es kommt kein Zug.
Unerfahrene Mitreisende fangen an, ihren Unmut kund zu tun. Auf der Anzeige steht ständig, unser Zug habe 5 Minuten Verspätung. Meine BahnApp hat mir schon vor Minuten mitgeteilt, dass unser Zug um 10:23 abfährt. Mit dieser Information beruhige ich die Mitreisenden, es werden erste Scherze gemacht und gelacht.

10:21 Der Zug fährt ein und hält. Sieht anders aus als die mir bekannten Regionalbahnen. Ist auch ein österreichischer IC auf dem Weg nach Innsbruck. Jetzt steht es sogar auf der Anzeige. Erste Mitwartende verlieren die Geduld und steigen ein. Auf unsere Hinweise bzgl. IC und Reiseziel antworten sie trotzig "Mir doch egal!" .
10:23 Der ÖBB-Zug fährt ab. Nach Innsbruck. Oder wer weiß wohin ....
10:24 Die Anzeige wechselt auf "10:30 RE5 Mainz". Viele fragende Blicke unter den Mitwartenden. Was ist denn mit unserem Zug? Die Ansage sagt nichts mehr an. Hmmmmh....
10:25 Ein weiterer Güterzug erschüttert den Bahnhof in seinen Grundfesten.
10:27 Unser Zug kommt! Ohne Anzeige und ohne Ansage, aber er kommt. Ein Wunder!
10:29 Im Zug schreibe ich der Freundin, dass ich ein weiteres Kapitel "Mein Leben mit Deutsche Bahn" plane.
10:31 Antwort der Freundin "Bist Du wieder mal in den falschen Zug gestiegen?". Ich nehme mir vor, ganz ruhig zu bleiben.
10:42 Ankunft am Bahnhof Mitte. Jetzt hurtig durch die Altstadt marschieren.
11:03 Ankunft am Rhein. Keine Freundin zu sehen. Aber hunderte Stände und Besucher.
11:04 Die Freundin fragt, wo ich bleibe. Sie wartet am Stand bei ihrer Tochter. Hinter der Gondelstation. Ich soll mir Zeit lassen.
11:06 Ein Stand mit DVDs und BlueRays ist meine Rettung. Sonst nur Stände mit Klamotten, Schuhen, Taschen, Babysachen, Küchenutensilien. Ich ergattere die BlueRay von "Long way home". Ein tolles Buch.

Ab hier hatten wir dann doch Spass in der Gass

Ich bin mittlerweile so genervt von dem Gewusel und Geplapper und diesen Unmengen Klamotten, ich weiß gar nicht mehr, wo ich hinsehen soll. Alles so schön bunt hier. Da, endlich, die Gondelstation. Dahinter suche ich die Freundin und ihre Tochter, was bei der Menge an Ständen und Besuchern fast unmöglich ist. Endlich, kurz vor dem Deutschen Eck, hat die Freundin mich erspäht. Gott sei Dank! Jetzt wird alles gut.

Ich erstehe nach hartem Feilschen vom Schwiegersohn einen schönen Trolley, sowas such ich schon länger. Nach der Plünderung des Buch- und CD-Standes der Katzenhilfe haben wir beide genug Flohmarkt gehabt und beschließen den Trip bei einer Apfelschorle. Ich verstaue meinen Rucksack samt Flohmarktbeute im neuen Rollkoffer und ziehe damit zurück durch die Altstadt zum Bahnhof Mitte und erlebe dort einen zweiten (fast) pünktlichen Regionalzug.

Abschließend glaube ich eine Regel des Bahn-Murphys zu erkennen: Wenn man Dir die Tour vermasseln kann, kommt Dein Zug zu spät. Wenn Du die Verpätung einplanst, fährt man pünktlich ab. Wenn Du Dir eine Verpätung leisten kannst, weil Du keine Termine hast (so wie heute auf dem Rückweg), ist man pünktlich. Mal sehen, ob sich das bei den nächsten Touren bestätigt.

20 April 2018

Die Römer und die Tuffbergwerke

Heute nachmittag stellte meine liebe Kollegin, Dr. Ricarda Giljohann, die Buchveröffentlichung ihrer Doktorarbeit vor. Im Vulkanpark-Infozentrum Rauschermühle erlebten wir eine kurzweilige Veranstaltung vor zahlreich erschienenem Publikum. Neben Fachpublikum waren zahlreiche Verantwortliche aus den Kommunen der Region erschienen, aber auch einige interessierte Bürger wie wir.

Die Vorredner hielten sich meist kurz, und Frau Doktor stellte auf charmante Weise sowohl vor, auf welchen Wegen sie zu diesem Thema gelangt ist als auch um was es in dem Werk geht. Es trägt den Titel "Die römische Besiedlung im Umland der antiken Tuffbergwerke am Laacher See-Vulkan" und zeigt auf, wie sich das Leben der Menschen in der Vulkaneifel vor 2000 Jahren durch die römische Urbanisierungspolitik verändert hat.
Im Anschluss war die Kollegin von den Fachleuten sehr in Beschlag genommen. Daher hoffe ich, dass sie mein Exemplar demnächst noch persönlich signiert.

Das regionale Nachrichtenportal localbook hat sich in dieser Woche bereits näher mit dem Buch befasst.

28 Januar 2018

Zimmer 13 im Jugend-TiK

Glücklicherweise erfuhr ich gestern Abend auf der Geburtstagsfeier einer Kollegin, dass es für die letzte Vorstellung des Jugend-TiK am heutigen Abend noch Karten gibt. Ich erfuhr es sogar aus erster Hand, nämlich von einer der Hauptdarstellerinnen, Jannice Tiec, die mir auch sofort ein paar Karten reservierte. Carmen aus meiner Schreibgruppe sagte spontan zu und wir beide haben es nicht bereut.
Das Jugendensemble des Andernacher Theater im Keller, kurz TiK genannt,  bescherte uns einen berührenden Theaterabend. Das Stück spielte im Zimmer 13 einer Klinik, welches das Hospizzimmer für Jugendliche darstellte.

Jannice Tiec, Lotta Retterath, Juliana Troteno, Melina Erikson
Mit der kreuzverdrehten Tammy, der verwöhnten Chris und der abgeklärten Zoe bewohnen im Lauf des Stücks ganz verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Krankheiten das Zweibettzimmer. Sie haben nur eins gemeinsam: Sie werden nicht mehr lange leben.

Schwester Susanne hat ihre Kämpfe mit den Mädels, ich als Zuschauer habe mich mit ihnen gefreut, als Tammy und Chris zusammen eine unerlaubte Tequila-Sause veranstalten, und habe gelitten, als Tammys Bett endgültig neu bezogen werden musste. Ich habe gelacht über viele lustige Bemerkungen in den Dialogen, mich gefreut, als Chris mit Zoe eine wichtige Unterstützung in der kritischen Phase bekam und als Chris ihre Tussy-Freundinnen in den Wind schoss.

Jenny von Schmidt (li.), Viola Pramls (3.v.re.)
Spendenübergabe nach der letzten Vorstellung
Die überzeugenden Darstellerinnen machten überzeugend klar, was wirklich zählt im Leben, nämlich Menschlichkeit, Zuneigung und Ehrlichkeit, und wie unwichtig der ganze andere aufgeblasene, verlogene Mist ist, der uns täglich um die Ohren weht. Alle Akteurinnen wirkten sehr authentisch in ihren Rollen, was bei jungen Menschen und diesem Thema nicht selbstverständlich ist. Nach dem Ende der Aufführung wurden viele Fragen des interessierten Publikums von den Darstellerinnen beantwortet. Man sammelte auch in allen Vorstellungen für das Kinderhospiz Koblenz und die Elterninitiative Krebskranker Kinder Koblenz e.V., denen am Ende auch die gefüllten Sammelbüchsen überreicht wurden.