22 Februar 2016

The second sitting of the last supper

Am letzten Hamburg-Tag war ein lockeres Programm angesagt. Wir durchstreiften auf getrennten Routen und Zeiten nochmal das Schanzenviertel. Ich nistete mich mittags im wunderbaren büchertausch-Café lArigo ein, bei Tomate/Mozzarella und Rhabarberschorle wurde das ein sehr langes Lesestündchen.


Jonathan Evisons "Umweg nach Hause" entwickelt sich übrigens prächtig, je länger die Geschichte geht. Mein Dank für diese Buchempfehlung gilt Isa Bogdan, die dieses Werk ins Deutsche übersetzt hat.

Ihr erster eigener Roman, "Der Pfau",  steckt schon in meiner Reisetasche und wird meine nächste Lektüre sein.Danach schlenderten wir nochmal rund um den Block, um am Ende nochmals im Schanzenstern zu speisen, wo wir uns mit Maren und Uli trafen, diesmal wirklich zum letzten Abendmahl. Ein Zanderfilet mit leckeren Kartoffeln und Gemüse waren ein würdiger Abschluss zum unwürdigen bevorstehenden Ende dieses Kleinods.
Wir drücken den Schanzenhofbewohnern fest die Daumen, dass doch noch ein Wunder geschieht und die Stadt Hamburg regulierend zum Wohle der Menschen im Viertel eingreift.


21 Februar 2016

Nochmal Helden

Ein weiterer Heldentag nähert sich dem Ende. Begonnen hat alles heut Mittag, als wir dem Dauernieselregen trotzen und uns zur Ortsbesichtigung nach Blankenese durchschlugen, wo der Bergziegenfahrer einen unverantwortlich waghalsigen Höllenritt durch die engen steilen Gässchen hinunter zum Strand wagte. Mit einem 3 Meter breiten Bus durch zugeparkte Steilsträßchen, die maximal 3,10 Platz frei hatten, da hätte niemand aus der Haustür treten dürfen. Einige wenige Passanten sprangen verschreckt zwischen die parkenden Autos und uns stockte manchmal der Atem.

Lucky Man

Wir mussten uns anschließend in der Teestube Lühmann bei very britischen Scones mit clotted cream erholen. Auf dem Rückweg machte ich nochmal Station beim HELDENMARKT, besuchte den interessanten Vortrag von Sebastian Jekutsch zum Thema "Faire Computer", lernte auch Anna Lütje von cradlelution mal persönlich kennen und machte mich nach dem letzten Vortrag von c2c noch mit der netten Frau von my[fair]product bekannt.

Das letzte Mahl im Schanzenstern

Nach dem Heldenmarkt öffnete der Himmel vollends seine Pforten und ich kam völlig durchnässt im BIO-Restaurant Schanzenstern an. Hier speisten wir ein letztes Mal vorzüglich, denn der Schanzenhof wird leider Ende des Monats dank einer gnadenlosen städtischen Planung von allen lästigen Mietern befreit.
Und nun, am Ende eines schönen langen Tages, mutieren wir wieder zu Couch-Potatoes.

20 Februar 2016

Es gibt noch Helden .....

... und die findet man an diesem Wochenende in Hamburg-Altona im Cruise-Center direkt an der Elbe. Hier findet derzeit der Heldenmarkt statt, eine Messe mit ausschließlich nachhaltigen Anbietern aus allen Bereichen.
Schietwetter an den Landungsbrücken
Wir wollten uns den Weg dorthin nicht allzu bequem machen, verließen die S-Bahn an den Landungsbrücken, und unternahmen von dort aus einen langen Spaziergang an der Elbe bis nach Altona. Unterbrochen wurde unsere Frischluft-wanderung natürlich durch ein Fischbrötchen an Brücke 4, das muss einfach sein, wenn man in Hamburg ist. Genau wie das Hamburger Februarwetter, nass, grau und kalt.
Die Neue Heimat am Fischmarkt
So stürmten wir am Fischmarkt noch die Neue Heimat, ein neues wunderbares Lokal mit leckeren Snacks, Bio-Weinen und wirklich gutem Filterkaffee (Hausmarke Elbgold Classic). Müsste ihr unbedingt beim nächsten Hamburgtrip mal rein schauen!
Gut aufgewärmt machten wir dann die letzten Meter bis zum HELDENMARKT.
Ein gutes Konzept, ein vielfältiges Angebot, viele Besucher, einige sehr interessante Begegnungen mit Menschen, die was zu sagen hatten. Sauberen Strom, ethische Versicherungen, biofaire Lebensmittel, saubere Kleidung, Banken mit Moral - es gibt sie, und das sind meine Helden.
Der HELDENMARKT
Ich hatte lange und interessante Gespräche, mit einem integren Finanzmakler (FC St.Pauli-Fan), mit einem engagierten Mitarbeiter des Öko-Energie-Anbieters Lichtblick, der unter dem Label KIEZSTROM mit preiswertem Ökostrom u.a. das Millerntor versorgt. Mit Nikita von cradlelution, mit einem gut informierten Menschen vom Bundesverband cradle2cradle, mit der Kollegin "meiner" GLS-Bank. Mit einem demeter-zertifizierten Obstbauern, der super leckere Säfte probieren ließ. Es war herzerfrischend zu sehen, dass es auch in der neuen Wirtschaft Menschen gibt, für die "Profit um jeden Preis" nicht die oberste Priorität hat.
Am Ende war es ein langer interessanter anstrengender schöner Tag, den wir, zurück in der Wohnung, mit einem leckeren Abendessen und nachfolgenden Übungen im Extreme-Couching stilgerecht ausklingen lassen.
Lecker und gesund, Gutes in den Mund


19 Februar 2016

Gib der Schanze eine Chance, oder besser drei!

Heute war der Besuch des Schanzenviertels angesagt, keine Pflichtübung, sondern ein Bedürfnis bei jedem Hamburg-Besuch.
Nach der Ankunft an der Sternschanze musste ich mich im "Frank und Frei" stärken, um den anschließenden ersten Sichtungsrundgang zu überstehen.
Das Viertel rund ums Schulterblatt verändert sich stetig. Wir hatten beide das Gefühl, dass hier ein Clash der Kulturen stattfindet. Zwischen gepflegten Szeneläden, gemütlichen Kneipen, Lokalen vieler Nationen und Kategorien, Second Hand Platten- und Bücherläden steht die besetzte Rote Flora, aber auch der City-Rewe und die Deutsche Bank ebenso wie hippe Boutiquen und Bars irgendwelcher Ketten.
Tja, wer war's?
Und mittendrin vergammelte, versiffte, beschmierte Ecken und Hinterhöfe mit klapprigen Holztoren, die von 13 Lagen Plakaten übereinander zusammen gehalten werden.
Dann gingen wir 2 Stunden lang getrennte Wege, einer besuchte Platten- und Buchläden, einer suchte schöne Klamotten. Wer von uns was machte, verrat ich aber nicht.
Die beste Buchhandlung Hamburgs
Erschöpft trafen wir uns im tollsten Buchladen von Hamburg wieder. Eine so anspruchsvolle Auslage habe ich seit langem nicht mehr gesehen. Nur wenig Mainstream, sehr viele Buchcover, die ich noch nie gesehen hatte. Ich musste mich echt beherrschen, um nicht den halben Laden zu kaufen. Mit den freundlichen Inhaber-Frauen kamen wir ins Gespräch. Hier bestätigte sich unser Eindruck vom culture clash. Der unendliche Kampf um die Rote Flora geht in die nächste Runde, die Immobilienpreise im Viertel haben astronomische Höhen erreicht, seitdem die Stadt verkündet hat, das Viertel durch Ansiedlung einer aufstrebenden Mittelschicht aufwerten zu wollen. So verschwinden nach und nach die bunten Elemente einer Szene, die das Viertel erst interessant und kultig machen. Wir hoffen mit den alten Bewohnern, dass sie das noch verhindern können.
Fast wie in Lissabon
Anschließend genossen wir beim Portugiesen gegenüber kleine Leckereien mit unaussprechlichen Namen und machten auf dem Weg zur S-Bahn noch einen langen Stop beim urgemütlichen Fritz Bauch, wo ein Gast ziemlich PFERTIG war - aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Am Ende waren wir so gut dabei, dass wir mit der S-Bahn versuchten, unseren Harburger Bahnhof in Richtung Ohlstedt zu finden, was wir erst in Barmbek bemerkten. Aber dank unseres untrüglichen Orientierungssinns erreichten wir unsere Wohnung doch noch rechtzeitig und unversehrt.