18 August 2026

Von der Heydt bis zum Katzengold

Was macht man an einem Tag, für den von morgens bis abends durchgehend Regen gemeldet ist?  Ganz klar, das geht nur so: 

1. Man verstößt gegen das RAG, steht um halb neun auf und genießt ab neun ein gemütliches reichhaltiges Frühstückbuffet.
2. Danach besucht man trotz Regen das Brockenhaus direkt um die Ecke.

Das Brockenhaus hat viel zu bieten

In dieem Sozialkaufhaus erwirbt man nach ausgiebigem Stöbern für kleines Geld ein gebrauchtes Spiel, das spannend klingt, von dem man aber bisher noch nie etwas gehört hat. 

Man hatt eine Weile damit zu tun, das Spiel richtig herum zu halten, denn es sieht immer irgendwie INVERS aus.

3. Zurück im Hotel packt man nach einer kurzen Pause das Spiel im Frühstücksraum aus, den Lukas freundlicherweise dafür zugänglich gemacht hat. Nach heftigem Studium der Spielanleitung stellt man fest, das man zwar die Regeln versteht, aber keinen Schimmer hat, welchen Stein man am besten von wo nach wo schieben muss, um am Ende zu gewinnen. Nach zwei langen Spielen hat die Frau, die behauptet hat, sich mit Spielstrategien sehr, sehr schwer zu tun, zweimal gewonnen.

4. Nach einer einstündigen Erholungspause macht man sich zu zweit mit einem Schirm durch den strömenden Regen auf den Weg zur Schwebebahn.

Nach dem Ausstieg am Döppersberg auf dem Weg zur Kunstaustellung im Museum genießt man den Regen und die vielen schönen alten Häuser.

Und die immerwährenden Baustellen, für die Wuppertal berühmt ist.



5. Im Museum angekommen genießt man für mehr als zwei Stunden einen Rundgang durch eine fantastische Ausstellung. Man ist glücklich, mit einer Begleitung unterwegs zu sein, die sich sowohl als Kunst- als auch als Architektur-Expertin herausstellt und einen auf viele Dinge hinweist, auf die man im Traum nicht gekommen wäre.

Ein passendes Motto am Eingang

In der Eingangshalle steht Herr Grandmontagne posthum für ein persönliches Foto zur Verfügung. Das nutzt man gnadenlos aus.

im weiteren Rundgang durch die verschiedenen Räume auf 2 Etagen sind sehr viele beeindruckende Werke zu sehen, nicht nur von Herrn Goldberg, dem Künstlernamen von Herrn Grandmontagne.

Es ist unmöglich, diese Vielfalt im blog-Eintrag wiederzugeben, daher hier nur einige Beispiele, die mich am meisten berührt haben.

Tony Cragg ist genauso vertreten wie viele andere, deren Namen ich mir als Kunstbanause nicht alle merken kann.



Anselm hic fuit

6. Nach dem Museumsbesuch kauft man sich im nächsten dm einen Regenschirm, natürlich einen blauen. Prompt beginnt der Regen nachzulassen und man erreicht das Katzengold im Luisenviertel, in dem die nasse Außernbestuhlung noch angekettet ist und in dem drinnen alle Tische belegt sind. Fast alle. Die letzten freien Plätze gewährt uns ein Gast, der alleine am Tisch sitz, an dem steht: "19:30 Jenny". Es ist kurz vor 18 Uhr, wir atmen auf. 

7. Man lässt sich zwei leckere Salate mit warmem Ziegenkäse bringen, dazu Fruchtschorlen und Mineralwasser. Man genießt in aller Ruhe das superleckere Essen, dass tortz voller Hütte erstaunlich schnell und freundlich serviert wird. Kurz vor 19:30 macht man Platz für Jenny und schwebt zurück zum Hotel.

8: Man schreibt diesen blog-Eintrag und legt sich dann zur Ruhe.

So geht das!

17 August 2026

Mit der Bahn an die Wupper. Eine Chronologie.

Mein lieber gottfriediger Freund brachte mich heute Mittag mit dem Auto zum Bahnhof, was mir einige Schlepperei ersparte. Koffer und Rucksack waren vollgepackt, das Notebook zum Schreiben dieses blogs war natürlich auch dabei.

Wir hatten schlau vorgeplant. Hilde würde ab Koblenz Hbf den RE5 um 12:16 nehmen. Sollte der ausnahmsweise Verspätung haben oder ausfallen, würde sie die RB26 um 12:30 nehmen. Und ich würde in Andernach zusteigen. Was soll da schon schiefgehen?

Am Bahnsteig an Gleis 2 um kurz nach 12 sehe ich folgendes:

Kein gutes Zeichen. Dem Zug nach Mayen fehlt ein Wagen und ich soll auf den Aushang schauen. Dort steht:

Häää???!!! Dann überschlagen sich die Meldungen der Bahn auf dem Handy:

Der RE5 fällt aus.
Dafür übernimmt ein Ersatz-RE61474 um exakt die gleiche Zeit.
Der RE61474 kriegt immer mehr Verspätung.
Der RB26 fährt verspätet, aber pickepackevoll.
Der Ersatz-RE61474 fällt auch aus.
Es kommt die Meldung, dass ein SEV-Bus von Koblenz nach Andernach gefahren ist. Leider erst nach dessen Abfahrt.
Der ausgefallene RE5 steht plötzlich in Andernach vor mir.
Ich steige ein und hoffe, das Hilde auch drinsitzt.
Sie sitzt nicht drin.
Ich fahre auf einem Sitzplatz im halbleeren ausgefallenen RE5 bis Köln-Deutz.
Hilde tut mir leid, sie wartet in Koblenz auf die nächste RB26 um 13:30.
Der RB26 hat Verspätung und ist pickepackevoll.
Hilde steigt trotzdem ein.
Ich warte in Köln-Deutz anderthalb Stunden auf Hildes RB26.
Hilde kriegt kurz vor Köln einen Sitzplatz.
Hilde erreicht Köln-Deutz.
Wir warten zusammen auf den RB48, der um 15:55 an die Wupper fahren soll.
Er kommt nicht.
Plötzlich fährt ein RE7 auf Gleis 1 ein, auf dem u.a. Wuppertal Hbf. steht.
Wir springen rein.

Eine halbe Stunde später erreichen wir sitzend(!) Wuppertal Hbf. und schweben von dort aus ruckizucki zum also-Hotel. Lukas begrüßt uns freudig, wir checken ein. Vollbracht! Und das in nur 4,5 Stunden! Mit dem Auto hätten wir bestimmt auch anderthalb Stunden gebraucht, oder? 

Unser wunderbares Treffen mit Fabienne entschädigt mich für alles. Im neuen Café Allee 188 genießen wir ein leckeres Essen zu dritt und beginnen, Pläne für die Woche zu schmieden.

Das wird eine schöne Woche.

12 August 2026

Treffpunkt Andernach - Die zweite Lesung

Heute durften wir den zweiten Teil unserer Buchvorstellung mit einer gelungenen Lesung im Altenzentrum St.Stephan in Andernach begehen.

Die fünf Lesenden mit ihrer Dozentin und Autorin

Die Anthologie "Treffpunkt Andernach" wurde zum 10-jährigen Bestehen unserer Schreibgruppe vom Rhein-Mosel-Verlag veröffentlicht und ist nun seit drei Wochen im Buchhandel erhältlich. ISBN: 978-3-89801-497-7

Wir wurden von den Verantwortlichen des Altenzentrums im Veranstaltungsraum freundlich begrüßt. Alles war bestens vorbereitet. Kurz nach 15 Uhr begrüßten Frau Becker und Frau Pickan die Gäste und eröffneten damit die Veranstaltung. Gabriele Keiser, Autorin und Dozentin unserer Schreibgruppe, stellte anschließend unsere Gruppe vor und moderierte gekonnt den Nachmittag.

Frau Becker und Frau Pickan
Gabriele Keiser und Frau Pickan








Tanja las als Erste aus ihrer fantastischen Erzählung von der Nixe vor, Karin erzählte sodann, wie es einem mit Gottvertrauen ergehen kann und Gerda beendete mit einem Blick auf Veränderungen im Leben den ersten Teil der Veranstaltung.

Gerda Stark
Tanja Haas

Karin Hillesheim








Die folgende Trinkpause bot auch die Gelegenheit, sich am Büchertisch mit Lesestoff zu versorgen.

Im Anschluss las Andrea aus ihrer Geschichte über zwei Frauen vor und ich durfte mit einer Episode aus dem Leben von Mike Neuhaus den Abschluss bilden.

Andrea Schmitz

Das bin ich
















Alle Vortragenden wurden mit Beifall bedacht und zum Abschluss überreichte Frau Pickan jedem Vorleser eine große Sonnenblume, verbunden mit dem ausdrücklichen Wunsch, dass diese unsere Lesung in St.Stephan kein Einzelfall bleiben soll. Wenn es nach mir geht, kommen wir gerne wieder.

Zur Krönung des Tages erwartete mich anschließend zu Hause eine liebe Freundin zum Kaffeeklön mit frischen ruandischen Bananen und Feigen und einem gepflegten Rummikub-Abend. Herz, was willst du mehr?!

07 August 2026

Ein ganz spezieller Dreiburgenblick

Heute waren zwei ganz besondere Knochen unterwegs.  Mike T-Bone hatte seinen Kumpel oldbearbone dazu animiert, einen schönen Ausflug zu machen. Mit der Bahn. Ja, das geht, wenn man seine Ansprüche an Pünktlichkeit, Sitzplatz oder gar Komfort ein wenig zurückschraubt.

So legte die gute Regionalbahn in Andernach mit nur 20 etwa Minuten Verspätung ab, was mir eine nette Unterhaltung auf dem Bahnsteig ermöglichte. Gisela kommt vielleicht am Mittwoch zu unserer Lesung, wenn das zeitlich passt. In Koblenz stieg Gisela aus und Mike T-Bone aka "Chief Blind Eagle" stieg ein. Da wir gestern bei der spontanen Terminplanung unvorsichtigerweise nicht berücksichtigt hatten, dass es freitagmittags am Ferienende ein paar Leute mehr in die Waggons treibt, mussten wir zur Strafe stehen. Es war so brechend voll, dass man auch nicht umkippen konnte.

Trotz allem kamen wir gut gelaunt im legendären Sangewehr an, wo ich dem alten T-Bone erstmal beibringen musste, dass es den Dreiburgenblick nicht nur auf der anderen Rheinseite gibt. Auch auf der hiesigen Seite hatte Google Maps mir einen schönen Weg zu einem Dreiburgenblick hoch droben gezeigt. Und so machten wir uns nach einer kleinen Pause am luftigen Rheinufer auf die Besteigungstour.

Es gibt viele Wege nach oben, und wir wählten an den verschiedenen Kreuzungen der Wanderwege erstmal einen leichteren etwas längeren, denn die kurzen Wege sind sehr steil und wir als freilaufende Rentner machten uns keinen Stress. Bergauf ging es natürlich trotzdem.

1,2 km Länge mit 125 Höhenmetern hatte Dr.Google attestiert.

Anfangs war der Weg auch gut begehbar, mit Geländer und manchmal mit Stufen versehen. Irgendwann passierten wir eine Ruine, bei der ein Treppenweg mit Geländer in den Hang führte.


Auch hier entschieden wir uns gegen den steilen Hang, denn lt. meinem Handy sollte gleich eine weitere Abzweigung mit einem sanfteren Weg nach oben kommen.

Immer nur bergauf

So gingen wir noch eine Weile geradeaus weiter, um dann festzustellen, dass besagte Abzweigung auf dem Serpentinenweg nicht kam. So drehten wir irgendwann um, denn wir mussten da etwas übersehen haben. 

Zurück zur Ruine und weitere Meter bergab war immer noch kein Weg zu finden, der mir doch auf dem Handy aufgezeigt wurde. Wir machten noch einmal kehrt und beschlossen, die Treppen an der Ruine hoch zu steigen, denn der gesuchte Weg konnte nur dort liegen. Die Treppen mit Geländer waren das eine, der wilde Trampelpfad, auf den wir dann kamen, war das andere.


Hier war der Weg noch manierlich

Es ging ziemlich steil in Serpentinen bergauf. Und es wurde immer unzugänglicher, je höher wir stiegen. Nach jeder Kehre rankten mehr Dornensträucher über den Pfad, lagen mehr Steine auf dem immer buckliger werdenden Boden. Das Geländer hatte bereits über der Ruine aufgehört. Wie gut, dass ich anstatt festem Schuhwerk meine Sandalen angezogen hatte. Und auch meine lange Jeans hatte ich geschont, die wäre ja von den vielen Dornen förmlich zerrissen wurden.

Als wir über uns schon das Licht der Höhe durch die Bäume sehen konnten, mussten wir nur noch die Todeskehre überwinden, die völlig zugewuchert war und bei der man den Boden unter dem Dornengestrüpp nicht mehr sehen konnte. Aber wir waren bis hierhin gekommen und diesen steilen Weg zurück hätte ich nicht lebend überstanden. Also Augen zu und durch.

Und tatsächlich erreichten wir dort wieder einen Weg, der auch bei Dr.Google verzeichnet war. Tiefes Durchatmen. An der Kehre eine Bank zum Rasten. Und zum tief Luft holen. Nach einer wohltuenden Pause waren es dann nur noch ein paar Meter auf der Straße bis zum "Dreiburgenblick", an den mein  Handy uns nun doch gelotst hatte.

Dort mussten wir feststellen, dass es hier oben nur ein kleines Sträßchen gab, das diesen Namen trug.

Oh mein Gott, soll das alles gewesen sein?!
Aber Kumpel T-Bone beruhigte mich schnell. "Wo eine solche Straße ist, MUSS auch ein solcher Ausblick sein!" hörte sich sehr logisch an. Wir gingen ans Ende des Sträßchens  - und hatten dort einen Blick auf abgemähte Wiesen und viele, viele Apfelbäume. Zwischen einigen davon konnte man tatsächlich die Burg Maus auf der gegenüberliegenden Seite sehen. Oder besser ahnen.

Der Blick auf die Uhr sagte mir, dass wir für diesen sensationellen Aufstieg mit einigen Umwegen anderthalb Stunden gebraucht hatten. Ich musste plötzlich laut lachen. Wanderführer ist wohl doch nicht mein Traumjob.

Wir beschlossen, den Rückweg auf der anderen Seite des Berghangs zu nehmen, wo ausschließlich befestigte Wege auf der Karte zu sehen waren. Denen brauchte man ja nur zu folgen. Nach einer weiteren kurzen Rast machten wir dies. Immer nur sanft bergab. So schön. Wir hatten nach einigen Metern dann tatsächlich noch einen schönen Panoramablick auf die Burgen.

Unverhofft kommt oft, kam mir in den Sinn. Auch, als wir auf dem weiteren Weg dann an einem überdachten Aussichtspunkt ankamen, den mein Kumpel ausgiebig bestaunte.

Leider mussten wir dort feststellen, dass der schöne befestigte Wanderweg hier endete. Schnell machten wir uns wieder auf den Rückweg nach oben, um an einer Wegscheide nun den endgültig richtigen Weg nach unten zu nehmen. Und es war der endgültig richtige!

Der gesamte Rückweg mit Umwegen hatte nur eine halbe Stunde gedauert und wir freuten uns schon auf den Abstecher zu Kaffee und Kuchen bei einem einzigartigen Café in der Innenstadt.

Man sieht und bestimmt an, wie glücklich wir mit Cappuccino und ofenfrischem Rhabarberstreusel mit Zimteis waren. Wirklich exzellent!

Auf der anschließenden Heimfahrt hatte die Regionalbahn exakt die gleiche Verspätung wie auf der Hinfahrt. Auf die Bahn ist schon Verlass. Manchmal.
Wir bekamen sogar Sitzplätze und genossen die Fahrt am Rhein entlang. Und beim nächsten Mal nehmen wir direkt den richtigen Weg nach oben.