Heute waren zwei ganz besondere Knochen unterwegs. Mike T-Bone hatte seinen Kumpel oldbearbone dazu animiert, einen schönen Ausflug zu machen. Mit der Bahn. Ja, das geht, wenn man seine Ansprüche an Pünktlichkeit, Sitzplatz oder gar Komfort ein wenig zurückschraubt.
So legte die gute Regionalbahn in Andernach mit nur 20 etwa Minuten Verspätung ab, was mir eine nette Unterhaltung auf dem Bahnsteig ermöglichte. Gisela kommt vielleicht am Mittwoch zu unserer Lesung, wenn das zeitlich passt. In Koblenz stieg Gisela aus und Mike T-Bone aka "Chief Blind Eagle" stieg ein. Da wir gestern bei der spontanen Terminplanung unvorsichtigerweise nicht berücksichtigt hatten, dass es freitagmittags am Ferienende ein paar Leute mehr in die Waggons treibt, mussten wir zur Strafe stehen. Es war so brechend voll, dass man auch nicht umkippen konnte.
Trotz allem kamen wir gut gelaunt im legendären Sangewehr an, wo ich dem alten T-Bone erstmal beibringen musste, dass es den Dreiburgenblick nicht nur auf der anderen Rheinseite gibt. Auch auf der hiesigen Seite hatte Google Maps mir einen schönen Weg zu einem Dreiburgenblick hoch droben gezeigt. Und so machten wir uns nach einer kleinen Pause am luftigen Rheinufer auf die Besteigungstour.
Es gibt viele Wege nach oben, und wir wählten an den verschiedenen Kreuzungen der Wanderwege erstmal einen leichteren etwas längeren, denn die kurzen Wege sind sehr steil und wir als freilaufende Rentner machten uns keinen Stress. Bergauf ging es natürlich trotzdem.
1,2 km Länge mit 125 Höhenmetern hatte Dr.Google attestiert.
Anfangs war der Weg auch gut begehbar, mit Geländer und manchmal mit Stufen versehen. Irgendwann passierten wir eine Ruine, bei der ein Treppenweg mit Geländer in den Hang führte.
Auch hier entschieden wir uns gegen den steilen Hang, denn lt. meinem Handy sollte gleich eine weitere Abzweigung mit einem sanfteren Weg nach oben kommen.
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| Immer nur bergauf |
So gingen wir noch eine Weile geradeaus weiter, um dann festzustellen, dass besagte Abzweigung auf dem Serpentinenweg nicht kam. So drehten wir irgendwann um, denn wir mussten da etwas übersehen haben.
Zurück zur Ruine und weitere Meter bergab war immer noch kein Weg zu finden, der mir doch auf dem Handy aufgezeigt wurde. Wir machten noch einmal kehrt und beschlossen, die Treppen an der Ruine hoch zu steigen, denn der gesuchte Weg konnte nur dort liegen. Die Treppen mit Geländer waren das eine, der wilde Trampelpfad, auf den wir dann kamen, war das andere.
Es ging ziemlich steil in Serpentinen bergauf. Und es wurde immer unzugänglicher, je höher wir stiegen. Nach jeder Kehre rankten mehr Dornensträucher über den Pfad, lagen mehr Steine auf dem immer buckliger werdenden Boden. Das Geländer hatte bereits über der Ruine aufgehört. Wie gut, dass ich anstatt festem Schuhwerk meine Sandalen angezogen hatte. Und auch meine lange Jeans hatte ich geschont, die wäre ja von den vielen Dornen förmlich zerrissen wurden.
Als wir über uns schon das Licht der Höhe durch die Bäume sehen konnten, mussten wir nur noch die Todeskehre überwinden, die völlig zugewuchert war und bei der man den Boden unter dem Dornengestrüpp nicht mehr sehen konnte. Aber wir waren bis hierhin gekommen und diesen steilen Weg zurück hätte ich nicht lebend überstanden. Also Augen zu und durch.
Und tatsächlich erreichten wir dort wieder einen Weg, der auch bei Dr.Google verzeichnet war. Tiefes Durchatmen. An der Kehre eine Bank zum Rasten. Und zum tief Luft holen. Nach einer wohltuenden Pause waren es dann nur noch ein paar Meter auf der Straße bis zum "Dreiburgenblick", an den mein Handy uns nun doch gelotst hatte.
Dort mussten wir feststellen, dass es hier oben nur ein kleines Sträßchen gab, das diesen Namen trug.
Oh mein Gott, soll das alles gewesen sein?!
Aber Kumpel T-Bone beruhigte mich schnell. "Wo eine solche Straße ist, MUSS auch ein solcher Ausblick sein!" hörte sich sehr logisch an. Wir gingen ans Ende des Sträßchens - und hatten dort einen Blick auf abgemähte Wiesen und viele, viele Apfelbäume. Zwischen einigen davon konnte man tatsächlich die Burg Maus auf der gegenüberliegenden Seite sehen. Oder besser ahnen.
Der Blick auf die Uhr sagte mir, dass wir für diesen sensationellen Aufstieg mit einigen Umwegen anderthalb Stunden gebraucht hatten. Ich musste plötzlich laut lachen. Wanderführer ist wohl doch nicht mein Traumjob.
Wir beschlossen, den Rückweg auf der anderen Seite des Berghangs zu nehmen, wo ausschließlich befestigte Wege auf der Karte zu sehen waren. Denen brauchte man ja nur zu folgen. Nach einer weiteren kurzen Rast machten wir dies. Immer nur sanft bergab. So schön. Wir hatten nach einigen Metern dann tatsächlich noch einen schönen Panoramablick auf die Burgen.
Unverhofft kommt oft, kam mir in den Sinn. Auch, als wir auf dem weiteren Weg dann an einem überdachten Aussichtspunkt ankamen, den mein Kumpel ausgiebig bestaunte.
Leider mussten wir dort feststellen, dass der schöne befestigte Wanderweg hier endete. Schnell machten wir uns wieder auf den Rückweg nach oben, um an einer Wegscheide nun den endgültig richtigen Weg nach unten zu nehmen. Und es war der endgültig richtige!
Der gesamte Rückweg mit Umwegen hatte nur eine halbe Stunde gedauert und wir freuten uns schon auf den Abstecher zu Kaffee und Kuchen bei einem einzigartigen Café in der Innenstadt.
Man sieht und bestimmt an, wie glücklich wir mit Cappuccino und ofenfrischem Rhabarberstreusel mit Zimteis waren. Wirklich exzellent!
Auf der anschließenden Heimfahrt hatte die Regionalbahn exakt die gleiche Verspätung wie auf der Hinfahrt. Auf die Bahn ist schon Verlass. Manchmal.
Wir bekamen sogar Sitzplätze und genossen die Fahrt am Rhein entlang. Und beim nächsten Mal nehmen wir direkt den richtigen Weg nach oben.

















