31 August 2026

Ein gesalzener Tag

Kumpel Mike T-Bone hatte die spontane Idee zur Fahrt in ein Städtchen, in dem ich noch nie gewesen bin. Aber ich lasse euch mal wieder raten, wohin uns der heutige Spontantrip geführt hat. Denn Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte. 

Die Anfahrt mit der "Deutsche Bahn" war überraschend problemlos. Nein, von pünktlich hab ich nichts geschrieben, bevor jemand danach fragt. Man muss ja nicht gleich übertreiben. Als wir am Zielbahnhof ausstiegen, empfing uns ein gewaltiger Sakralbau.

Nach dem Weg durch eine erstaunlich große  und angenehm ruhige Fußgängerzone erreichten wir eine Brücke über einen kleinen Kanal.

Auf der Brücke eine Weinstube in einem mehr als 400 Jahre alten Haus und eine schwedisches Café.

Weinstube
Schwedisches Café








Auf den Höhen über uns ein Hotel mit besonderer Aussicht über das Flusstal.

Der nächste Abschnitt der Brücke über den Kanal war eine Art Herzbrücke.

Auf der anderen Seite angekommen, spazierten wir durch sehr ruhige Straßen bis zu einer Parkanlage. Sogar ein richtiges Bäderhaus  war zu sehen.

Im Eingangsportal zum Park dann eine sehr geschichtsträchtige Erinnerung. Welches Ereignis wird hier wohl beschrieben?

Sicher ist der Ein oder die Andere unter der Leserschaft des Französischen mächtiger als ich, denn ich musste die deutsche Version dieser Tafel bemühen, um zu verstehen, um was es hier geht.

Als wir dann an der schönen Aussicht auf das kleine wilde Flüsschen ankamen, hatte mein Schrittzähler bereits applaudiert.

Richtig Nahe Dran

So legten wir dann eine wohltuende Pause an dieser Stelle ein, wo wir richtig tief durchtamen konnten. Der Typ mit dem tollen Hut mit dem blauen Hutband bin übrigens ich.






Nach einer schönen Relax-Pause betrachteten wir die andere Seite des Flusses, die ein Naturschutzgebiet ist. Ganz oben kann man noch erkennen, dass die Rebstöcke hier bis zum Rand flach angebaut werden, denn der Hang ist naturbelassen geblieben. Auf dem Rückweg in Richtung Bahnhof fiel uns auf einer Brücke dieser markante Gedenkstein auf, den wir auf dem Hinweg wohl übersehen hatten.


Als es dann wieder zu regnen begann (so wie es vorhergesagt war), entschloss sich auch Mike T-Bone zum Kauf eines Regenschirms beim dm. Als er mit dem Schirm in der Hand aus dem Laden kam, hörte der Regen schlagartig auf.

Die nächste hochverdiente Pause legten wir bei Remzi's ein, wo wir neben einem exzellenten Kaffee auch frisch gebackene Waffeln verzehrten, was wir beide ewig nicht mehr gemacht hatten. Man gönnt sich ja sonst nix.

Als wir dann später wieder am Bahnhof ankamen, begann Mike (aka Chief Blind Eagle) sofort, den Verkehr auf den Bahnsteigen zu regeln und wies mich mehrfach eindringlich darauf hin, dass unser Zug auf Gleis 2 abfährt.

Der Zug kam fast pünktlich, wir bekamen zwei Sitzplätze und rollten gemütlich gen Heimat. Unterwegs lud mich meine liebe Großcousine per WhatsApp zum abendlichen "Himmel-un-Äed"-Futtern ein, was ich ebenfalls ewige Zeiten nicht mehr gegessen hatte. Es war ein leckerer Schmaus bei Gisela und Marie. Ein paar schöne Rummikub-Spiele später machte ich mich sehr gut gelaunt auf den Heimweg,

Ein schöner Tag.

24 August 2026

Es lebe das RAG! Schande über den blauen Schirm!

Heute morgen durfte ich es genießen, dem Rentner-Ausschlaf-Gesetz vorbildlich Folge zu leisten. Was für ein tolles Gefühl es doch ist, sich immer wieder rumdrehen zu dürfen und gegen 14:30 ein leckeres Porridge zum Spätstück zu verzehren! HACH! Damit dürfte ich alle Verstöße der letzten Woche gegen das RAG mehr als kompensiert haben.

Dieses Prachtteil hingegen habe ich gestern an der Schwebebahnhaltestelle Völklinger Straße zurückgelassen. Es war einfach kein Verlass auf ihn.

Nach den ersten unangemeldeten Regenschauern hatte ich ihm angedroht, ihn umzutauschen und das hatte ihn dann auch zur Raison gebracht. Für zwei Tage. Dann ging es wieder los. Es war halt kein richtiger Zauberschirm wie mein schwarzer, den ich zu Hause habe.

Den hatte ich heute bei all meinen nachmittäglichen Erledigungen im Auto dabei - und es fiel kein Tropfen vom Himmel. So muss das sein!

Meinen gottfriedlichen Nachbarsfreunden geht es gut und unsere nächste Skatrunde steht bald an.

Nun blicke ich etwas wehmütig auf die viel zu schnell vergangene Urlaubswoche zurück und beschließe, bald wieder mit meinem Deutschland-Ticket unterwegs zu sein.

Morgen muss ich wieder ganz früh raus, damit ich um 11 Uhr meinen Altkumpel Ernest International in seiner Residenz besuchen und ihn mit Kaffeepads und Papiertaschentüchern versorgen kann. Und nachmittags wartet Natalie mit ihren heilenden Händen darauf, mir eine Portion Wellness-Physio zu verabreichen. Das wird eine schöne Woche.



23 August 2026

Wupperin' back home

Eigentlich ist es gar nicht zu fassen, dass unsere schöne Urlaubswoche heute schon endete. Obwohl wir viel unterwegs waren, fühlte es sich so an, als seien wir vorgestern erst gekommen. Und es gibt noch sooo viel zu sehen hier. Wir werden nicht zum letzten Mal hiergewesen sein.

Der gute Frankie und sein Team vom also-Hotel bereiteten uns wieder ein schönes Frühstücksbuffet, obwohl wir, wie jeden Morgen, die letzten waren. Ich genehmigte mir mein erstes Spiegelei mit Speck seit Jahren. Hmmmmmhhhh!

Von allem etwas dabei

Das liebevoll angerichtete Obst

Verschiedene Müslimischungen und Flakes

Zum Abschluss frisches Obst zum Nuss-Müsli mit Flakes und Joghurt.

Nach einer herzlichen Verabschiedung schwebten wir vollbepackt zum Hauptbahnhof, wo wir mit Fabienne im Café 23 einen Abschiedsdrink einnahmen. Das erste Lavendelwasser meines Lebens schmeckte vorzüglich.

Jaaaa ... und dann war da noch die Sache mit den Batterien, die ich für mein Cochlea-Implantat brauche. Zu Hause verwende ich wiederaufladbare Akkus, für unterwegs greife ich lieber auf spezielle  Knopfzellen zurück, da mir eine unterwegs verlorene Batterie nicht wehtut, ein verlorener Spezialakku ist dafür zu teuer. Meine Batterien vom Hörgeräteakkustiker halten jeweils mindestens 2 Tage pro benötigtem Duo. Vorsorglich hatte ich vor der Abreise ein neues Paar eingelegt. Außerdem hatte ich mir für diese Reise eine Packung extra guter PowerOne-Batterien von Varta gekauft, damit ich sicher über die Woche komme. Am Mittwochmorgen setzte ich das erste Paar ein - und staunte nicht schlecht, als es am Donnerstag bereits mittags im Ohr piepste. Batteriewechsel!
Und so gescah es, dass just bei unsere Verabschiedung das letzte Set piepste und all meinen Bemühungen zum Trotz nicht mehr zum Arbeiten zu bewegen war. Immerhin half mir das zuerst ausgetauschte Set noch einmal zu einer Stunde Hörzeit, so dass ich mich mit Fabienne noch unterhalten konnte, am Bahnsteig ertönte dann allerdings das letzte Piepsen seiner Art und ich war für den Rest der Rückreise taub.

Wir hatten uns, schlau, wie wir nun mal sind, für die Rückfahrt über Köln entschieden, der RE ließ auch nicht lange auf sich warten. Allerdings war der Zug schon brechend voll und die vielen wartenden Menschen auf unserem Bahnsteig verhießen nichts Gutes. Die wollen doch bestimmt nicht alle da rein? Doch, wollten sie. Mit Glück, Geschick und Gewalt schafften wir es bis hinter die Schiebetüren, bevor diese sich wieder schlossen und waren mal wieder so gut eingebettet, dass wir gar nicht umfallen konnten. Als wir in Köln Messe/Deutz ausstiegen, war ich kurz vor dem Atemkollaps wegen Sauerstoffmangel.

Es stellte sich dann als gute Maßnahme heraus, bereits in Deutz (oder Düx, wie der Kölsche säät) auf die Regionalbahn umstiegen, den  diese startete dort. So kamen wir flugs in den Genuss eines Zweiersitzes und hatten sogar Platz auf der Ablage für unser Gepäck. Herrlich.
Der Zug war nicht überfüllt, aber die Sitzplätze wurden größtenteils belegt.

Als wir dann über den Rhein rollten und rheinabwärts die Düxer Brück sahen, musste ich an die Geschichte von unserem Kölner "Jächt" denken, der einige Jahre im legendären Düxer Treppchen mit hinter der Theke gestanden hatte. Und ich nahm mir vor, endlich einmal dieses Etablissement zu besichtigen, in dem sich heute eine Pension befindet. Ob von den heutigen Betreibern noch jemand etwas von dieser interessanten Vorgeschichte weiß, die wir in unserer Familienforschung recherchiert hatten?

Ab üwwe de Rhing

Wie gut der frühe Umstieg war, sahen wir, als wir in Köln Hbf. einliefen. Riesige Menschenmassen auf dem Bahnsteig verhießen nichts Gutes. Mangels meiner Kommunikationsfähigkeit vertieften wir uns beide in unsere Bücher und ich spürte sehr schnell, wie mich eine große Müdigkeit überkam. So dusselte ich beim Lesen mehrfach kurz weg und ehe ich mich versah, waren wir schon kurz vor Andernach, wo wir uns herrlich verabschiedeten. Es war eine tolle Woche gewesen. Und vom Kilometergeld wären wir reich geworden.

Daheim widerstand ich dem Wunsch, mich mal kurz in den bequemen Wohnzimmersessel zu setzen und machte mich nach dem Auspacken stattdessen auf den Weg zum Dönermann meines Vertrauens und von dort mit einem Dürüm und einem Ayran bewaffnet an den Rhein. Eine kleine Ess- und Lesestunde auf einer bequemen Bank unweit vom Bollwerk tat richtig gut.

Der schwarze Otello passte heute auf mich auf

Apropos Lesestunde: Aus dem Wuppertaler Glücksbuchladen hatte ich mir das neue Wuppertal-Buch von Sibyl Quinke mitgebracht. Ein Reiseführer der etwas anderen Art. Kann ich empfehlen.


Kritiken und Rezensionen (wie in der Westdeutschen Zeitung) loben es als eine Einladung zur „stillen Kunst, das Vertraute mit neuen Augen zu sehen“.

Und jetzt freue ich mich auf morgen, speziell auf das erste Ausschlafen seit einer Woche.


22 August 2026

Von Don Camillo nach Hanoi

Und der Herr sprach: (Im) also sollst du deinen Tag beginnen. Und genau so machten wir es heute wieder.

Das leckere Frühstücks-Buffet genießen wir jeden Morgen, auch wenn die Uhrzeit mit dem RAG eigentlich nicht vereinbar ist. Aber das können wir uns unmöglich entgehen lassen.

Derart gut gestärkt benötigten wir auch nur eine klitzekleine Pause, um uns dann in den Tag zu stürzen. Heute wollte ich meiner Begleiterin zeigen, wie toll das Hutmacher in der Utopiastadt ist und wie schön man auf der dahinter liegenden Nordbahntrasse spazieren kann und dabei immer wieder Neues entdeckt. Und so schwebten wir nach Elberfeld und nahmen vom Wall aus den Bus nach oben, nach Mirke.

Von außen wirkte der alte Mirker Bahnhof wie eine einzige große Baustelle. Das Hutmacher hatte geschlossen. Zur Trasse hin standen dafür Imbiss- und Getränkewagen, aber wir zogen es vor, ein paar Meter auf der Trasse zu gehen, wo es einige Überführungen mit tollen Ausblicken über die Stadt und auf alte Industriegebäude.

Schon hier ließ der Himmel nichts Gutes erahnen.

Blick durch den Engelnberg

Wir kamen gerade bis zum Engelnbergtunnel, als es heftigst zu regnen begann. Unsere beiden Wetter-Apps hatten unterschiedliche Prognosen ausgeworfen, aber das hier um die Zeit natürlich nicht.

Mir blieb gerade noch Zeit, einen Schnellschuss durch den Tunnel zu erhaschen, dann war ich froh, meinen neuen, blauen Zauberschirm mitgenommen zu haben, der jedoch genauso machtlos war wie wir.

Wir schafften es halbwegs unbeschadet zurück zum Bahnhof Utopiastadt, wo wir uns auf der überdachten Außenbestuhlung im Trockenen niederließen.

Unter schützenden Schirmen

Ein Blick ins innere des alten Bahnhofs brachte eine weitere Hiobsbotschaft:

Resteverkauf am Hutmacher

Da der heftige Regen weiter anhielt, beschlossen wir, zurück zum Hauptbahnhof zu fahren, um irgendwo eine Kleinigkeit zu futtern. Es verschlug uns zum Laurenz, wo wir uns bei Don Camillo und Peppone im Trockenen mit einem Oktopus und Nudeln verwöhnen ließen.

Selbstredend hatte der heftige Regen aufgehört, kurz nachdem wir im Ristorante Platz genommen hatten. Nach dem Essen schauten wir uns die Laurentius-Basilika von innen an und ich führte Hilde durchs Luisenviertel zum deWeerthschen Garten, der sich leider auch als große Baustelle entpuppte.

Wir stellten (mal wieder) fest, dass die Zeit  die Zeit schneller raste als der Regen geprasselt hatte. Wir fahren morgen Mittag bereits wieder zurück! Ungaublich, wie schnell so eine Woche vorbei ist. Damit Hildes Schwebbahntour komplettiert wurde, fuhren wir mit der Schwebebahn über Vohwinkel nach Oberbarmen. Von hier aus wurde es ein wenig tricky.

Wir hatten befreundeten Menschen zugesagt, in Beyenburg nach ihren Bekannten zu schauen, zu denen vor vielen Jahren der Kontakt abgerissen war. Dank meiner Planung schafften wir es, den falschen Bus zu nehmen und an der falschen Haltestelle auszusteigen, so dass der Weg von dort zu der gesuchten letzten Anschrift über eine Straße außerorts ohne Gehstreifen geschweige denn Bürgersteige steil bergauf ging. Nicht mit uns! Ein kleiner Check ergab, dass wir von dieser Haltestelle aus mit einem anderen Bus weiterfahren konnten, der ganz in der Nähe der Adresse hielt. Gesagt getan. Wir fanden die Nachkommen des gesuchten Paars und erfuhren so, dass die beiden Eltern bereits verstorben sind. Traurig, aber wenigstens ist die Ungewissheit geklärt.

So nutzten wir die verblieben Zeit, um uns zu Fuß zum Beyendorfer Kloster am Stausee durchzuschlagen. Die Häuser, die wir unterwegs sahen, waren genauso interessant wie das Umfeld des Klosters und der Klosterkirche selbst. Das entschädigte für viele, viele Meter Fußweg.

Die Gefallenen 1870/71
Der Klostergründer Theodor











Der Blick zum Stausee

Zwar fanden heute keine Drachenbootrennen auf dem Stausee statt, aber die Ausblicke auf den See und das davorliegende alte Fachwerkviertel war grandios.

Die Dame hütet Schafe
Prima Donna











Die Klosterkirche

Die vielen Schritte hatten zum Abend hin wieder hungrig gemacht. Zum Glück erwischten wir schnell einen Bus zurück. In Oberbarmen selbst fanden wir im direkten Umfeld des Bahnhofs nichts, was uns lukullisch zusagte, aber als wir von Oberbarmen aus zurückschwebten, hatte ich einen guten Syrer ausgemacht, für den wir nach 2 Stationen wieder ausstiegen. Nach einem kleinen Fußweg standen wir vor einem Restaurant, das den Betrieb aufgegeben hatte. 

Zurück zur Schwebebahn, wo wir uns noch in der Bahn auf eine schnellen Kompromiss einigen konnten. Wir stiegen am Döppersberg aus und gingen ein paar Meter bis nach Hanoi, wo man uns leckeres Huhn in Reis und Gemüse servierte. Na also, geht doch!

Müde und schlappy, aber happy sitzen wir wieder in unseren Hotelzimmern und ich schaue andächtig auf die Schrittzählerstände dieser Woche. 

 Alles Auf und Ab. Das hat sich gelohnt.

Morgen erwartet uns Fabienne mittags im Café und wir freuen uns von dort aus auf ein neues Abenteuer mit dem Bahn-Murphy.