22 November 2015

Der Föhn im Ohr und andere Unannehmlichkeiten

Quelle: Gerd Altmann / pixelio.de
Eigentlich sollte es zum Jahresende langsam ruhiger werden, wenn die beruflich letzten Aufreger absolviert sind. Eigentlich, jeder weiß, was das heißt, nämlich so viel wie "nicht wirklich".
Seit vielen Wochen und Monaten häufen sich die vergessenen Namen und die Wortfindungsprobleme kontinuierlich, so dass ich die ärztliche Konsultation gesucht habe, die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.
Vor anderthalb Wochen kam Rücken dazu. Verhoben beim Aufbau der Versammlung, beim Tischestellen. Wird langsam besser, ist aber noch lange nicht gut. Ärgerlich.
Quelle: wikihow
Und seit letzten Mittwoch bläst mir ein Föhn ins linke Ohr, gleiches Geräusch, gleiche Lautstärke. Der HNO sagt Hörsturz, fragt nach der Untersuchung, ob ich Stress hatte, und spritzt und verschreibt mir Cortison. Gestern bläst der Föhn zum ersten Mal etwas leiser, heute nochmal einen Tick leiser. Morgen früh Nachuntersuchung.



Es fühlt sich für mich an, als ginge mir langsam die Luft aus. Das wär schade, auf der Zielgeraden des Berufslebens, die Auslaufzone in Sichtweite. Noch anderthalb Jahre Fulltime, dann halbtags weitermachen, das ist der Plan. Diese Entscheidung ist innerlich schon länger gefallen.
Wo liegen die Ursachen? Und vor allem, wie komm ich unbeschadet bis hinter die Ziellinie?
Der private Stress nach dem Tod meiner alten Dame und allem, was seitdem so folgt, lässt sich nicht komplett vermeiden. Ich habe ihn jedoch so gering wie möglich gehalten. Und das bleibt auch so. Ich hab den besten Bruder der Welt. Wir lassen uns genug Zeit mit allem, es läuft uns nichts weg.
Die persönlichen Herzblut-Dinge tun mir gut. Nachhaltige und visionäre Projekte wie Faire Banken, Smartphones und Grabsteine, Biogemüse in Andernach, VHS-Kurs kreatives Schreiben usw. begeistern mich, und auch hier stecke ich den Rahmen gut ab, gebe an den richtigen Stellen ab, wenn die Dinge in die Wege geleitet sind. Skat-, Vinyl-, Schlemmer- und Klönabende mit Freunden geniesse ich. Die nötigen Auszeiten nehme ich mir auch. Alles ok.
Der berufliche Stress ist nicht schlimmer als bei vielen anderen Kollegen. Er hat sich für mich angefühlt, als käme er nicht nah genug an mich heran, als könne ich die nötige Distanz einhalten. Es scheint so, als habe ich mich getäuscht. Ich merke nun im Rückblick, dass ich mit zunehmendem Alter weniger belastbar bin, dass ich manche Dinge doch zu nah an mich heran lasse, dass mich berufliche Dinge in der Art und Weise, wie ich sie bisher angehe, doch mehr belasten, als ich es bisher wahrhaben wollte. Der Ärger über manche Dinge, die ich weder zu verantworten habe noch ändern kann, grummelt in mir drin, gräbt sich durch meine Psyche, von ganz tief unten bis - ja jetzt sogar bis ins Mittelohr.

Damit ichs nicht vergesse:


Gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann
und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden

Kommentare:

Hanni hat gesagt…

Ach Manni, mein Lieber. Ich hoffe, diese Talsohle ist bald durchschritten. Ende des Jahres ist das Akku halt leer - und du hattest ja auch Einiges zu stemmen. Nur Mut - bald kannst du dir mit dem Fön wieder eine Elvis-Tolle zaubern und das Leben rocken.

Bearbone hat gesagt…

Genau so isses. Am Ende wird alles geföhnt ....