29 Dezember 2014

Seltsame Begegnung der eigenen Art

Als ich am letzten Sonntag mit meinem Brüderchen den Friedhof meines Heimatdorfs besuchte, um Vatter, Oma und Ehm ein Lichtchen hinzustellen, trafen wir am Eingang eine uns gut bekannte Freundin unserer Mutter zusammen mit einer uns fremden Frau, etwa in unserem Alter. Da ich der Tochter der alten Dame, die ich aus der Jugend gut kannte, immer mal wieder einen Gruß hatte ausrichten lassen, dachte ich natürlich zuerst, diese (2 Jahre jünger als ich) sei es und freute mich schon. Die hatte ich ja ewig nicht mehr gesehen. Allerdings, bei näherem Hinsehen, merkte ich: Nee, unmöglich, ist zwar auch blond, aber das Gesicht war mir völlig unbekannt. Hatte sie etwa noch ne Schwester, an die ich mich nicht mehr erinnere? Nee, kann nicht sein. Unsere "gemeinsamen" Jugendzeiten sind mehr als 35 Jahre her. Ich erinnere mich an Partys im katholischen Jugendheim, an Sommerabende, an denen wir abends in kleiner Clique Runde um Runde ums Dorf drehten, Äpfel und Birnen von den Obstbäumen futterten. Und 1975 zusammen mit dem Sportverein 2 Wochen Spanien zusammen erlebten, mit viel feiern und Spass haben.
Als die alte Dame der jungen Frau mit Blick auf mich sagte: "Na, kennst Du ihn noch?", diese mich betrachtete, den Kopf schüttelte und "Nee, ick wüsst jetzt nich!" berlinerte, war ich total verunsichert. Doch dann, beim Blick auf die Kind- und Mundpartie, erkannte ich sie wieder. Sie wars tatsächlich! Doch auch mehrere Versuche der Mutter, ihr auf die Sprünge zu helfen, halfen gar nicht. Sie erkannte mich nicht. Nicht am Ausssehen, nicht an der Sprache, nicht an der Mimik und Gestik. Und selbst, als die Mutter meinen Namen nannte, kam nur ein zögerliches "Ah jaaa?". Ich muss gestehen, ich war so verdattert, dass ich in unserem anschließenden 4-Augen-Gespräch kaum einen klaren Gedanken fassen konnte. Natürlich erinnerte sie sich jetzt an mich. Aber ich merkte, dass diese Zeit in ihrer Erinnerung irgendwie in ein anderes Parallel-Universum gerutscht war, und nur ganz langsam aus einem schwarzen Loch wieder auftauchte.
Das Ganze fühlte sich für mich soo strange an, als sei es Bestandteil eines seltsamen Traums. Ich erfuhr dann, dass sie mit 18 daheim raus ist, Abi nachholte, studierte, Medizinerin ist, die auch schon viel erreicht und gesehn hat im Leben. Damals habe ich sie irgendwie aus den Augen verloren. Und jetzt, jetzt ist mir die Zeit von früher allzeit als prägend präsent, obwohl ich auch seitdem (ich bin 3 Jahre nach ihr weggezogen) nur noch wenige Kontakte zum Heimatdorf hatte und habe. Und bei ihr hatte ich das Gefühl, sind die Erinnerungen total verblasst.

Und so kam es, dass mich dieses Wiedersehen total gefreut hat, gleichzeitig aber auch sehr nachdenklich gemacht hat. Wieso erinnere ich mich noch an so viele Details von früher? Und bestimmt nicht nur schöne Sachen. Müssten diese Erinnerungen im Kopf nicht längst geräumt sein, um Platz für Neues zu schaffen? Seltsam seltsam seltsam .....

23 Dezember 2014

Das gefühlte Alter

Neulich las ich im Blog der MädelsMomente, dass Bianca sich mit knapp 40 Gedanken übers Altwerden machte. Ich hab mich köstlich amüsiert und gedacht "Mein Gott, Mädels, mit 40 ..... tzz tzz". Auch die von ihr erbetenen männlichen Altersbeichten vom Familienbetrieb und Ich bin Dein Vater brachten mich teilweise zu schallendem Lachen, auch wenn sie natürlich jeder realen Grundlage entbehren.
Da ich mich schnurstracks auf die 60 zu bewege und keine nur ein paar klitzekleine eigentlich wenige relevante nicht sehr viele Folgen des Alters - papperlapapp - mein Gott, ICH BIN ALT!!

Damit ihr mal wisst, wie sich ALT SEIN wirklich anfühlt, nehmt dies:

1. Der Typ im Spiegel hat überhaupt keine Ähnlichkeit mit mir, er ist eher eine Kreuzung zwischen Catweazle und Shrek.
















2. Augen und Ohren sind bereits ausgetauscht bzw. mechanisch ergänzt, die Schilddrüse ausgebaut, das muss jetzt halten. Für den Rest gibt's keine passenden Ersatzteile mehr.
3. Meine Friseurin macht bei mir mittlerweile ungefragt den "Alles-nach-vorne-kämmen"-Schnitt, da die Geheimratsecken andernfalls die Oberherrschaft über mein Haupt erlangen.
4. In meinem Notebook tut noch ein Dual Core von 2007 brav seinen Dienst, während ich die heutige Prozessorgeneration (i5 3456T oder i7 irgendwas?) überhaupt nicht mehr kenne.
5. Als ein Kollege neulich den uralten Witz “Wirf deinen Pass weg und lass dich schätzen” anbrachte, hab ich ihm einen körperlichen Verweis angedroht.
6. Auf der Geburtstagsfeier zum 40. einer Kollegin war ich, nachdem ihr Chef und ihre Eltern gegangen waren, eindeutig der Gesichtsälteste.
7. Nachdem ich auf dieser Feier die Flasche Rum zu lange angesehen hatte, war ich 2 Tage krank.
8. Früher war ich bei Umzügen das Tier, das die Waschmaschine allein auf dem Buckel in den 2.Stock schleppte. Heute verursacht allein der Gedanke daran einen sofortigen Bandscheibenvorfall.
9. Die Länge meiner Joggingstrecke hat sich halbiert, der Turnus gezwölftelt, aber die LaufGehzeit hat sich verdoppelt.
10. Ich habe (hoffentlich) mehr Rentenjahre als Arbeitsjahre vor mir.

So, jetzt seid ihr dran!

03 Dezember 2014

Herr Gabriel, was tun Sie da?

Wie tönte der unglaubliche Sigmar Gabriel noch vor einem halben Jahr im Dialogforum zur Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft:

"................................
Die Bundesregierung will im Einklang mit dem Mandat u. a. die nachhaltige Entwicklung als maßgebliches Verhandlungsziel durchsetzen. Sie will hohe Arbeits-, Umwelt- und Verbraucherschutzstandards und Datenschutzstandards im Einklang mit geltendem Recht sicherstellen. Sie will die hohe Qualität der öffentlichen Daseinsvorsorge und übrigens insbesondere auch die kulturelle Vielfalt in Europa schützen und - da gibt es einen Hauptkonfliktpunkt - sie ist - und das war schon die alte Bundesregierung - sie ist der Überzeugung, dass wir zwischen zwei entwickelten Demokratien und Rechtsstaaten, Europa und den Vereinigten Staaten, dass wir keine besonderen Investitionsschutz-abkommen brauchen, die immer in Gefahr sind, die verfassungsrechtliche Grundordnung und auch die Freiheit des Gesetzgebers auf beiden Seiten der Verhandlungspartner zu beeinträchtigen. In den Verhandlungen geht es auch um grundlegende Legitimationsfragen. Werden die Rechte und Fähigkeiten von demokratisch gewählten Regierungen das Allgemeinwohl und die eigene Rechtsordnung zu schützen, eigentlich durch ein solches Freihandelsabkommen eingeschränkt, oder kann man diese Sorge berechtigt abwenden und abwehren? Können die Bürgerinnen und Bürger noch freie politische Grundsatzentscheidungen treffen, ohne Klagen von ausländischen Firmen fürchten zu müssen, die ihre Investitionen durch eine Veränderung der Politik in Gefahr sehen?
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Warum macht er das?
Und heute? Verteidigt er das Investitonsschutz-abkommen um jeden Preis, will es entgegen der eigenen Parteibeschlüsse durchziehen, lügt dreist, dass Deutschland alleine stünde mit der Ablehnung, obwohl nach Österreich, den Niederlanden nun auch Frankreich diesen Teil des Abkommens klar abgelehnt hat. Ist der bekloppt geworden? Oder verdient er sich hier die ersten Sporen für eine Weiterbeschäftigung bei der Großindustrie, wie es Altkanzler Schröder vorgemacht hat?
Verstehen kann es offensichtlich niemand, und er selbst verteidigt sich zwar offensiv und polemisch, erklärt aber niemals die Gründe für diese Kehrtwendung.