17 August 2013

Der Weg nach Norden

Endlich endlich ist es soweit. Ein Privattaxi mit supernetter Chauffeuse bringt mich zum Bahnhof. Pünktlich um 06:18 rollte der IC nach Hamburg ein. Das wir bis Hamburg 45 Minuten verloren haben, ist nicht weiter tragisch, ich hab nette Unterhaltung im Zug mit einem 10jährigen EffCee-Fan, der echt nicht wusste, dass mein VFL der beste Verein im Westen ist und dass es überhaupt einen Menschen gibt, der Fan von diesem Club ist. Wir wetten, wie das Spiel VFL-FC und auch das Rückspiel ausgehen. Als die Unterhaltung seiner Mutter (eigentlich ganz nett) und der gut situierten älteren Dame gegenüber das Thema "Unsere Männer sind beide Jäger" erreicht hat ("Ach, mein Mann hat so'n Spaß daran, in Afrika Leoparden und sonstwo auf der Welt Eisbären und anderes Großwild zu schießen, und wir sind dadurch auch viel auf der Welt rum gekommen, toll!"), enthalte ich mich lieber meiner Meinung, sonst hätten sich beide wohl sofort von mir weg gesetzt.
In Hamburg kann ich direkt in den Zug nach Lübeck steigen. Und auch dort klappt der letzte Umstieg problemlos. Und ab da läuft es leicht aus dem Ruder. An der Gleisanzeige am Bahnhof steht Puttgarden als Zielbahnhof. Eine Dame im Zug sagt, sie hätte gehört, der Zug fahre nur bis Neustadt, keiner kann was genaues sagen. Im Zug klärt mich ein einheimisches Päärchen auf, das die beiden ersten Wagen in Sierksdorf abgekoppelt würden und zum Sackbahnhof Neustadt führen. Ok, ich sitz im 2.Wagen, in Sierksdorf  raus und ab in die nächste Tür. Dort, im Fahrradwagen, höre ich, dass dies noch zum Neustadt-Teil gehöre. Also wieder raus, noch 2 Türen weiter, drinne ernte ich auf die Frage "Fehmarn?" ein Kopfschütteln. Allerdings fährt der Zug schon an. Mist. Also 5 Minuten bis Neustadt, 20 Minuten warten, viele Leute fragen, wie ich am besten nach Fehmarn komme, keiner weiss es, und wieder zurück nach Sierksdorf.

Gegen halb 3 bin ich wieder am Bahnhof Sierksdorf. Nächster Zug nach Fehmarn 15:47. Na gut, ich hab Urlaub und viel Zeit. Allerdings auch viel Durst mittlerweile. Kiosk? Fehlanzeige. Getränkeautomat? Fehlanzeige. Nur ein einsamer Fahrkartenautomat. Dafür bewachen 2 nette Security-Leute der Bahn den Gleisabschnitt, weil wegen des nahen Hansa-Parks immer wieder Kinder und Jugendliche auf die Gleise laufen und es schon zu einigen bösen Crashs gekommen ist.
Um 15:45 kommt die erste Lautsprecherdurchsage, der Zug habe 25 Minuten Verspätung. Gegen 16:15 die nächste Durchsage, der Zug habe 45 Minuten Verspätung wegen eines technischen Problems. Gegen 16:25 dann: "Der Zug XY fällt leider aus. Wir bitten um Entschuldigung." Punkt. Aus. Von den Wachmännern erfahre ich, dass Ersatzbusse bestellt seien, bis die allerdings von Lübeck hier seien, säße ich schon im nächsten Zug, der ja um 17:41 komme.
Ok, ich beginne das wahre Wesen solcher Formulierungen wie "JWD" oder "in the middle of nowhere" zu begreifen. Kein Busverkehr, kein Geschäft, keine Kneipe, NICHTS. Weiter draußen an der Landstraße gäbe es ein Eis-Café, das wär aber mindestens ne Viertelstunde Fußweg. Es ist heiß. Ich habe Gepäck für 2 Wochen dabei. Es gibt keine Schließfächer.
Und: An solchen Tagen würde das nicht funktionieren. Es würde folgendes passieren:
Ich laufe mit Gepäck bis zur Eisdiele, das dauert 25 Minuten. Die Eisdiele hat Betriebsferien. Auf dem Rückweg nach Sierksdorf fährt der Ersatzbus an mir vorbei. Der einzige Ersatzbus. Alle weiteren Züge fallen heute wegen eines Defekts aus. Mein Handy-Akku ist mittlerweile leer. Ich versuche zu Fuß die nächste menschliche Siedlung zu erreichen. Ich sterbe einsam an der Landstraße nach Sierksdorf an Dehydrierung.

Dann lieber weiter warten. Und hoffen, dass der nächste Zug wirklich kommt. Und er kommt. Pünktlich. Und um ein Haar entgehe ich einer weiteren Fahrt nach Neustadt (ich wollte gerade in den vorletzten Waggon einsteigen, da sagt jemand: Der fährt nur bis Neustadt.) Ich rase zum letzten Waggon. Der ist brechend voll. Ist mir egal. 50 Minuten später steige ich in Burg/Fehmarn aus. ENDLICH!

1 Kommentar:

petra hat gesagt…

HA ha ha, ist das alles Manni-typisch oder Fehmarn-typisch (dort dauert immer alles ein wenig länger oder es passiert überhaupt nichts)? Auf jeden Fall sehr sehr amüsant erzählt und im nachhinein auch für Dich bestimmt eher Manny-typisch!
Schönen Urlaub Dir und den anderen Mitbewohnern.