12 Dezember 2010

Lesetipp: Die Zeitverschwörung

Der erste Band eines Handlungsfadens, der sich über Jahrhunderte erstreckt, hat Lust auf mehr gemacht: Imperator beginnt im Jahr 4 v.Chr. mit der schmerzhaften (und für die Mutter tödlichen) Geburt eines Jungen namens Nectovelin im nördlichen Britannien. Im Schmerz dieser zu schweren Geburt brabbelt die Mutter plötzlich immer wiederkehrend Verse in einer unverständlichen Sprache vor sich hin, die selbst der anwesende Druide nicht versteht. Ein ebenfalls anwesender Schwager, der im römischen Reich Handel getrieben hat, ist als Einziger des Schreibens und Lesens kundig und versteht die Worte, die er spontan auf seiner kleinen Tafel niederschreibt. Dann versiegt der Strom der Worte für immer, als man die Mutter mit einem Feuerstein aufschneidet, um das Kind zu holen.
Es ist eine Prophezeiung, die damals niemand richtig versteht, deren einzelne Verse sich aber in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten mehrfach als detailliert zutreffend erweisen. Sie hängen zusammen mit der Eroberung Britanniens durch mehrere römische Kaiser, mit dem Bau des Hadrianswalls im heutigen Schottland, aber eigenartigerweise auch mit einem anderen Kind, das im Nahen Osten etwa zur gleichen Zeit wie der britannische Junge geboren wird. Und immer wieder wird als Erklärung auf den Weber verwiesen, der die Fäden der Zeit webt und manchmal in andere Bahnen bringt. Eine Überlieferung des Stammes der Briganten, dem Nectovelins Leute entstammen.
Der erste Band dieser historischen Familiensage endet schließlich 418 n.Chr. bei Nachkommen des Jungen, welche Teile der Prophezeiung unter den widrigsten Umständen über Jahrhunderte gerettet haben. Und natürlich will ich unbedingt wissen, wie es weitergeht und beginne gleich mit dem 2.Band Die Eroberer.
Der Alltag in den einzelnen Epochen ist glaubwürdig geschildert, man kann sich gut hineinversetzen in diese für uns eigentlich unvorstellbaren Zeiten mit teilweise völlig anderen Wertvorstellungen als in unserer heutigen Welt. Das hängt zum großen Teil an Baxters flüssiger und leicht verständlicher Sprache, die ich bei ihm nicht immer gelesen habe. Den Rezensionen nach sind auch die historischen Zusammenhänge leidlich gut recherchiert, aber das kennt man ja vom Autor Stephen Baxter, der ansonsten gerne wissenschaftlich gut fundierte Hard-SF schreibt.
So kann ich dem Roman auch die Schwächen verzeihen: Eine etwas verwaschene Prophezeiung, deren sukzessive Auflösung nicht detailliert genug beschrieben wird. Eine teilweise flapsige Dialogsprache mit neuzeitlichen Ausdrucksweisen, welche die Dialoge zwar verständlich machen, aber irgendwie auch nicht dahin gehören.
Ich bin sehr gespannt, wie die Zeitreise weitergeht. Nachdem in den letzten Kapiteln klar wurde, dass auch die Gründung der Staatskirche durch Konstantin den Großen hier sehr kritisch beleuchtet wird, interessiert es mich noch ein Stück mehr.

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