08 Oktober 2009

Mea culpa catholica

Ich bin durch eine Phoenix-Dokumentation und einen offenen Brief der freien Christen auf das historische Schuldeingeständnis des letzten Papstes (Johannes Paul II.) aufmerksam geworden. Es ist schon bemerkenswert, dass 1.000 Jahre nach dem Beginn vieler menschenverachtender Grausamkeiten die Organisation der Täter die Dreistigkeit besitzt, sich erst jetzt schuldig zu bekennen. Aber nachdem ich Auszüge aus diesem "mea culpa" beim ORF im Internet gelesen habe, kann ich kaum fassen, wie offen die Kirche hier formuliert, was sie wirklich denkt. Hier einige Auszüge:

Liebe Brüder und Schwestern,
lasst uns vertrauensvoll zu Gott unserem Vater rufen, der barmherzig und langmütig ist, reich an Erbarmen, Liebe und Treue. Er möge die Reue seines Volkes annehmen, das in Demut seine Schuld bekennt, und ihm seine Barmherzigkeit schenken.

Direkt mal klarstellen: Nicht die Päpste, Bischöfe und Kardinäle sind Schuld, nein, das (Kirchen-)Volk bereut seine Schuld. Ja wer hat denn die Hexen auf den Scheiterhaufen geschickt? Der Bauer Franz und sein Weib Katharina ?

Herr unser Gott, du heiligst deine Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit immerfort im Blut deines Sohnes.

Falsch verstanden, setzen, 6! Wie man an den Untaten sehen kann, heiligt er genau diese Kirche nicht auf dem Weg durch die Zeit. Das Blut, das diese Kirche vergossen hat, war auch nicht das Blut von Gottes Sohn.

Lass jeden von uns zur Einsicht gelangen, dass auch Menschen der Kirche im Namen des Glaubens und der Moral in ihrem notwendigen Einsatz zum Schutz der Wahrheit mitunter auf Methoden zurückgegriffen haben, die dem Evangelium nicht entsprechen.

Soso, notwendig war er schon, der Einsatz ? Bei soviel Zynismus laufe ich echt Gefahr, meine pazifistische Grundeinstellung zu vergessen, so regt mich das auf. Und mitunter, also ab und zu mal ein paar tausend Menschen gefoltert und getötet, naja, das geht ja dann noch, solang sie es nicht täglich machen, oder wie??

Herr, du bist der Gott aller Menschen. In manchen Zeiten der Geschichte haben die Christen Methoden der Intoleranz zugelassen.

Zugelassen haben sie das schon, die Christen, oder die sich als solche bezeichnet haben, gemeint ist wohl wieder das gemeine Katholen-Volk. Aber von denen, die es verbrochen haben, den Päpsten, Kardinälen, Bischöfen und ihren Schergen, ist komischerweise nicht die Rede.

Lasst uns beten für alle Menschen auf der Erde, besonders für die Minderjährigen, die missbraucht wurden.

Für die Messdiener, die von den zölibats-gepeinigten Geistlichen sexuell missbraucht wurden? Das wundert mich jetzt schon, dass man sich traut, dieses Thema anzusprechen. Für alle Missbrauchten?? Da habt ihr wahrscheinlich lange zu beten.

Naja, so geht das endlos weiter. Dazwischen immer wieder viele belanglose Passagen mit Bla bla bla und Allgemeinplätzen wie "Barmherziger Vater, dein Sohn Jesus Christus, der Richter über Lebende und Tote, hat in der Niedrigkeit seines ersten Kommens die Menschheit aus der Sünde befreit."
Was ich vermisse, ist das, was sie mir früher bei der Beichte eingetrichtert haben: Ehrlich und vollständig und klar seine Sünden aussprechen. Ich hab meinem Pastor im glücklicherweise dunklen Beichtstuhl mit hochrotem Kopf gesagt: "Ich habe gelogen, ich habe meiner Mutter Geld aus dem Portemonnaie gestohlen, ich habe unsittliche Handlungen an mir vorgenommen. In Demut bereue ich alle meine Sünden." Mein Gott, war das hochnotpeinlich.

Das würde hier etwas so aussehen: "Wir sind die heilige katholische Kirche, um deren Segen wir ständig bitten. Wir haben über Jahrhunderte in Deinem Namen gefoltert und gemordet und haben uns am Eigentum der Opfer bereichert. Wir haben viele der Täter heiliggesprochen und werden ihnen dies auch jetzt nicht aberkennen. Auch werden wir keinen der betroffenen Ketzer vom ausgesprochenen Bannfluch befreien und werden ihre Seelen weiterhin im Jenseits schmoren lassen. Wir sind, ohne selbst dafür zu arbeiten, einer der reichsten Staaten der Welt. Und wir werden unsere Reichtümer trotzdem nicht hergeben, um die Hungernden der Welt zu füttern."

Genug der Satire, eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass wir das erleben werden. Die Realität ist einfach schlimm. Wenn ich diese Dinge sehe, weiß ich, dass mein Austritt aus diesem verlogenen Verein vor mittlerweile 23 Jahren ein richtiger Schritt war. Ich hoffe für die Kirchenfürsten selbst, dass es die Hölle, mit der sie stets gedroht haben, nicht gibt.

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